Franziska Giffey (SPD), Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (Quelle: dpa/Wolfgang Kumm)
Video: Abendschau | 13.11.2020 | Boris Hermel | Bild: dpa/Wolfgang Kumm

Plagiatsvorwürfe - Familienministerin Giffey verzichtet auf Doktortitel

Der Streit um Plagiatsvorwürfe bei ihrer Doktorarbeit schien schon ausgestanden: Die FU hatte im vergangenen Jahr Giffeys Arbeit geprüft und lediglich eine Rüge erteilt. Doch dann kündigte die Uni eine erneute Prüfung an. Jetzt zieht die Familienministerin Konsequenzen.

Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (SPD) wird ihren Doktortitel künftig nicht mehr führen. Das hat sie am Freitag in einem Brief an die Freie Universität Berlin mitgeteilt.

"Ich bin nicht gewillt, meine Dissertation und das damit verbundene nun neu aufgerollte Verfahren weiter zum Gegenstand politischer Auseinandersetzungen zu machen", erklärte Giffey schriftlich. Sie werde den 2010 an sie verliehenen Titel "Dr. rer. pol." nicht mehr führen, um "weiteren Schaden von meiner Familie, meiner politischen Arbeit und meiner Partei abzuwenden".

Berliner SPD hält an Giffey fest

Giffey erklärte, sie wolle ihre Arbeit als Familienministerin fortsetzen und beim Parteitag der Berliner SPD Ende des Monats als Landesvorsitzende kandidieren. Giffey soll zusammen mit dem Berliner SPD-Fraktionschef Raed Saleh zur neuen Doppelspitze des Hauptstadt-Landesverbands gewählt werden.

Der SPD-Innenexperte Tom Schreiber sagte am Samstag im Inforadio vom rbb, es sei gut, dass Giffey unter die Debatte über ihren Doktortitel einen Schlussstrich gezogen habe. Ansonsten hätte das Thema bis in den Wahlkampf hineingereicht.

Zur Spitzenkandidatur für die Abgeordnetenhauswahl äußerte sie sich nicht. Die Berliner SPD hält aber daran fest, dass Giffey Spitzenkandidatin für die Abgeordnetenhauswahl im Herbst 2021 werden soll. Davon gehe man fest aus, sagte der stellvertretende Landesvorsitzende und Innensenator Andreas Geisel am Freitag.

FU will Doktorarbeit erneut prüfen

Nach Plagiatsvorwürfen und einer von Franziska Giffey selbst erbetenen Überprüfung ihrer Dissertation hatte die Freie Universität der SPD-Politikerin vor rund einem Jahr wegen Mängeln in der Arbeit eine Rüge erteilt, ihr aber nicht den Doktortitel in Politikwissenschaft entzogen.

Nach einem neuen Gutachten hatte die FU aber in der vergangenen Woche erklärt, ihre Entscheidung über die Doktorarbeit zu überprüfen. Die Rüge werde aufgehoben, in der Angelegenheit solle neu entschieden werden.

Giffey: Doktorarbeit "nach bestem Wissen und Gewissen verfasst"

Den Vorwurf, bewusst plagiiert zu haben, hatte Giffey immer zurückgewiesen und gesagt, sie habe die Doktorarbeit nach bestem Wissen und Gewissen verfasst. Sie habe gegenüber der Universität erneut bekräftigt, dass sie ihre Doktorarbeit "nach bestem Wissen und Gewissen verfasst" habe, erklärte Giffey am Freitag.

Bei einem Plagiatsverdacht geht es darum, ob der Autor diese fremden Texte zum Teil oder ganz zu seinen eigenen macht und nicht ausreichend als Fremdquelle ausweist.

CDU: Entscheidung überfällig

Giffeys Parteikollege und Innensenator Andreas Geisel sprach von einer klugen und souveränen Entscheidung. Das Verhalten der Freien Universität bezeichnete er als "seltsam", das Prüfungsverfahren sei eigentlich abgeschlossen gewesen.

Die CDU nannte Giffeys Entscheidung "folgerichtig und überfällig". "Wir erwarten, dass das Verfahren der Freien Universität jetzt frei von politischem Einfluss zu Ende geführt wird", teilte CDU-Generalsekretär Stefan Evers mit.

139 Kommentare

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  1. 139.

    In den Affären Gutenberg und Schavan haben führende Genossen der SPD (Steinmeier und Steg er) klar und eindeutig deren Rücktritte wegen des Plagiats gefordert. Bei Frau Giffey schweigt die SPD komplett. Weder Herr Steinmeier noch Herr Scholz oder Frau Eskens scheinen eine Meinung zu haben. Gleiches Verhaltensmuster muss man den Grünen attestieren. Bei Frau Schavan war Herr Trittin ganz klar, daß auf Plagiat Amtsgericht zwangsläufig zu erfolgen hat. Aber auch bei den Medien scheinen die damaligen Aussagen in Vergessenheit geraten zu sein

  2. 138.

    Denken sie mal darüber nach, evt. kommen sogar sie darauf. Von Sippenhaft habe ich jedenfalls nichts geschrieben.

  3. 137.

    Adenauer war der 1. Kanzler der BRD. Ein bekannter Ausspruch: Was kümmert mich mein Geschwätz von gestern. Wenn der morgen reden würde wäre es heute Geschwätz. Daran orientiert sich wohl die CDU ? Das Hoch der Partei ist dadurch gesunken. Habt ihr eine bessere OB für Berlin ? Zu viel Nebel oder gibt es keinen ? Wie hat doch Frau Kanzlerin damals zu "Gutti" gehalten ? Man muss sich nur erinnern.

  4. 136.

    Um Ihrer Fragen über Fragen zu beantworten: Nein, Herr v. Guttenberg war für Merkel nie eine Gefahr. Dazu fehlt ihm meiner Ansicht nach so ziemlich alles, vor allem aber das Format.

  5. 135.

    Was hat denn das Verhalten des Ehemanns mit Frau Giffey und der Doktorarbeit zu tun?
    Nichts!

  6. 134.

    Das ist ja wohl ein Schuldeingeständnis, sowas als Berliner Bürgermeisterin, geht gar nicht, es bleibt nur der Rücktritt von allem. Diese Frau ist mehr als unglaubwürdig

  7. 133.

    Was hat die Frau Giffey mit dem, was ihr Mann tut zu tun. Was für eine Vorstellung haben sie, die Sippenhaft gibt es nur in Diktaturen, da läuten bei mir die Alarmglocken.
    Weil eine Rüge erteilt wurde und nun der Fall noch einmal geprüft wird, reicht für Sie aus diese Person "in den Boden zu stampfen ".
    Wie soll man dieses Verhalten bzw. Lebenseinstellung qualifizieren?
    Ist es die Mitte, LinKe oder die Rechte? Meiner Meinung nach, es ist keinesfalls die Mitte.



  8. 132.

    Pah Plagiat. So ein Quatsch. Ist doch reine Privatsache. Genau wie die verschwiegenen Einküfte ihreres Ehemannes. Vertrauen Sie ihrer Politikerin. Sie weiß wie es geht.

  9. 131.

    Jetzt ist hoffentlich die Hatz auf Frau G. zu Ende.
    Sie ist eine kompetente und offene Frau. Das
    gefällt wohl einigen Herren nicht. Ich hoffe, sie
    wird die Nachfolgerin von Herrn Müller als
    Regierende Bürgermeisterin von Berlin.

  10. 130.

    Die Überschrift ist irreführend.
    Die Verleihung des Doktortitels ist ein Administrativer Akt, auf dessen Rechtswirkung man nicht einfach "verzichten" kann.
    Wer will da die (potentiellen) Wähler irreführen und für blöd verkaufen? Giffey oder der RBB?

  11. 129.

    „Der größte Lump im ganzen Land, das ist und bleibt der Denunziant“

  12. 128.

    Das mag schon sein, umso mehr sollte Frau Giffey wissen, wie man wissenschaftlich arbeitet. Ich kann mir das schon vorstellen, wenn man wirklich alle Zitate und Quellen nennt hat man eine Unmenge an Hinweisen und Anhängen. Das sieht dann arg nach abgeschrieben aus, da lassen wir einfach ein paar Quellen weg. War damals ok, wer konnte denn ahnen, dass sie "Karriere" macht?

  13. 127.

    Wenn ich richtig informiert bin, kann ein Doktortitel nicht so einfach zurückgegeben werden. Er muss entzogen werden.
    Frau Giffey sollte, wenn sie noch ein klein wenig Anstand hat, von allen politischen Ämtern zurücktreten, so wie es auch ojt Vorgänger in Neukölln Herr Buschkowsky angeregt hat.

  14. 126.

    Sollte hier eine vorsätzliche Handlung nachweisbar sein, erwarte ich einen Rücktritt von den Ämtern. Die Karriere wäre ja dann quasi erschwindelt.

  15. 124.

    Wenn ich einige Texte lese bin ich fest davon überzeugt, dass einige Schreiber mit Mühe und Not die Realschule geschafft haben, Berufsausbildung mit Fragezeichen. Ganz gewiss haben die meisten der Kritiker noch nie eine Uni von innen gesehen, geschweige denn einen Abschluss dort gemacht. Ansonsten kann man eigentlich nicht so viel Unfug, Neid und Hass verbreiten.

  16. 123.

    Recht­lich ist ihr Tun ohnehin nicht halt­bar, denn der Doktor­grad kann nicht zurück­ge­ge­ben oder abge­legt werden. Dass er Teil ihres Namens ist hat sie selbst schon festgestellt. Entzie­hen kann ihn nach einem entspre­chen­den Verfah­ren nur die Univer­si­tät, die ihn verlie­hen hat. Zurückgeben allerdings kann sie ihr Ministeramt und die Spitzenkandidatur der SPD für die Wahl zum Berliner Senat. Genau das aber will die Am-Sessel-Kleberin vermeiden. Sie will nur den Doktortitel zurückgeben wie ein ertappter Dieb die Beute und sich aus der Verantwortung davon stehlen. Da hilft nur Rücktritt. Wie sie schon vor einem Jahr wußte.

  17. 122.

    Bitte erklären Sie mir, was Frau Giffey für die Gesellschaft getan hat und worin sie "einsame Spitze" ist, "sachkundiger Bürger".
    Außer "Gute-Laune-Gesetze" und Probleme weg lächeln, ist da nicht viel.
    Das Versagen, beginnend als Bezirksbürgermeisterin, nahm kein Ende.

  18. 121.

    Diese Ansicht kann ich nicht teilen. Viel wichtiger ist es, Leute hinter sich zu haben. In der Bundesregierung zB. haben die wenigsten einen Doktortitel. Das ein Titel einen gewissen Aha! Effekt hat, glaube ich allerdings schon.
    "Im "normalen" Leben ist der Doktortitel vielleicht nicht bedeutsam." Es sei denn, man kann damit angeben.

  19. 120.

    Naturwissenschaftliche Arbeiten ergeben sich heute oft aus der Arbeits-Forschungsaufgabe. Oft ist es sogar so, dass die technischen Mitarbeiter eine tolle Idee haben wie man etwas verwirkllichen kann. Man probiert gemeinsam und ist es erfolgreich ergibt sich oft die Möglichkeit daraus mehr zu machen. Meist ist es doch der Abteilungsleiter, der damit zum Dr. rer. nat promoviert.

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