20.03.2019, Brandenburg, Potsdam: Maurer arbeiten an den ersten Ziegellagen des Turms der Garnisonskirche (Bild: dpa/Bernd Settnik)
Bild: dpa/Bernd Settnik

Wiederaufbau in Potsdam - Bund stellt weitere Millionen für Garnisonkirche in Aussicht

Für den umstrittenen Wiederaufbau der Potsdamer Garnisonkirche will die Bundesregierung weitere 4,5 Millionen Euro bereitstellen. Diese Mittel seien in einer Vorlage des Bundesfinanzministeriums für den Haushaltsausschuss des Bundestages enthalten, bestätigte der Sprecher der Bundesbeauftragten für Kultur und Medien, Joachim Riecker, am Mittwoch entsprechende Medienberichte. "Vorgesehen sind sie für zwischenzeitlich eingetretene beziehungsweise zu erwartende Mehrkosten beim Bau des Turms der Garnisonkirche."

Die Kosten für den Wiederaufbau des Kirchturms sollen 40,5 Millionen Euro betragen. Davon hatte der Bund bereits etwa die Hälfte der Mittel zugesagt. Die evangelische Kirche gewährte ein zinsloses Darlehen in Höhe von 5 Millionen Euro. An Spendengeldern seien bis dahin zehn Millionen Euro eingegangen, so die Stiftung Garnisonkirche.

Bürgerinitiative für Baustopp

Die Bürgerinitiative für ein Potsdam ohne Garnisonkirche forderte erneut einen Baustopp. "Mit der geplanten Bereitstellung weiterer 4,5 Millionen Euro aus Bundesmitteln für den Wiederaufbau der Garnisonkirche trampelt die Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) erneut ohne jegliche Sensibilität auf dem Minenfeld Garnisonkirche herum", hieß in einer Mitteilung der Initiative. "Ob die Stiftung Garnisonkirche eine belastbare Kalkulation, einen angemessen Eigenanteil oder ein inhaltliches Konzept vorweisen kann, spielt dabei keine Rolle."

Gegen den Wiederaufbau des Garnisonkirchenturms wenden sich mehrere Initiativen. Die Gegner sehen in dem historischen Bau ein Symbol des Militarismus und einen Treffpunkt rechtsnationaler Bewegungen in den 1920er und 1930er Jahren. Die Stiftung betont dagegen, sie wolle in dem Neubau den Geist der Versöhnung und des Friedens pflegen.

Sendung: Inforadio, 25.11.2020, 16.00 Uhr

26 Kommentare

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  1. 26.

    Ist nicht ganz richtig. Insofern wir über Architektur sprechen. Dachau war das erste professionell organisierte und eingerichtete Konzentrationlager. Der Übergang vom wilden Terror an vielen sozusagen informellen Orten, zu organisertem und bürokratisiertem Terror. Die Fassade vor der der gute, ahnungslose, gespielt naive Mittelstandsbürger behauptete, es handele sich um legitime Erziehungs- und Haftanstalten für kriminelle und "Volksschädlinge" Ausserdem organisiere man hier, dass der Jude irgendwo richtig arbeiten muss. Was er ja nie tut. Wie jeder zu wissen glaubte.
    Sachsenhausen aber folgt zum ersten mal dem Prinzip des Dreiecks. Zweck im architektonischen Ideal.
    Ja. Bin es müde in meinem 60 Jahr. Zwischen gespielter Naivität und brüsker Zurückweisung historisch-kritischer Tatsachen. Noch Mitte der 90er Jahre glaubte ein tief in der Gesellschaft verankertes Milieu behaupten zu können, die Wehrmacht sei soldatisch gesehen einwandfrei gewesen. Nicht wenige behaupten es noch heute.

  2. 25.

    "blöd" ist da nichts.
    Der jetzt wachsende Garnisonkirchturm ist gut eingebettet zwischen dem bereits zu DDR-Zeit restaurierten Kopfbau des Langen Stalls direkt daneben, dem bereits zu DDR-Zeit der Historie angelehnten Ochsenkopfhauses direkt gegenüber und der zu DDR-Zeit teilrestaurierten Hiller-Brandtschen Häuser diagonal und dem Großen (Militär-)Waisenhaus.

    Alles andere - so auch der Verwaltungsbau des eh. Rechenzentrums wie auch das in unpassender Kubatur errichtete IHK-Gebäude - sind vergänglich.

  3. 24.

    Das stimmt in gewisser Weise. Sie wertet das Stadtbild an jener Stelle deutlich auf. Vielleicht kann der Rest nach und nach angeglichen werden, d.h. Rechenzentrum und Plattenbauten nebenan weg - und am besten auch noch die gegenüberliegende Nachwendescheußlichkeit der IHK.

  4. 23.

    zu blöd nur, dass die Kopie der Garnisonkirche gar nicht in das heutige Stadtbild passt. Einfach hinfahren bevor sie derartigen ...... schreiben.

  5. 22.

    Gelinde gesagt: Ich möchte mit Ihrem Feindbild nicht tauschen.
    Der Wiederaufbau der über 200 Jahre stadtbildprägenden Garnisonkirche hat jene Bedeutung, die ich im Vorbeitrag beschrieb. Weitere Schlussfolgerungen und Spekulationen mögen diejenigen ziehen, die sich diesen Denk- und Handlungskoordinaten verschreiben. Das gilt nicht nur hier, sondern selbstverständlich bei allen Städten und Orten, so auch bei den genannten Beispielen Venedig, Prag und Lissabon.

    Der Palast der Republik, der keine zwei Jahrzehnte ziemlich schroff den "Linden" entgegenstand, genau an jenem Platz, der den Auftakt zu den "Linden" bildet, hat einem Gebäude Platz gemacht, das in der Lage ist, genau diesen Auftakt in der Formensprache der Straße Unter den Linden zu bilden. Damit ist die GESCHICHTE rund: Auftakt, Verlauf & Finale: Nachbildung des Schlosses, Unter den Linden, Brandenburger Tor.

    Wäre es um Vernichtung der DDR gegangen, nicht nur das längste, v. a. das höchste Bauwerk wäre abgerissen worden.

  6. 21.

    Ich stimme Ihnen darin zu:
    Das bürgerschaftliche Engagement, was es ja wesentlich war, hat im vglw. finanziell weniger ausgestatteten Polen dazu geführt, dass nicht nur der stadtbildprägende Teil der Altstadt von Warszawa (Warschau), sondern auch von Gdansk (Danzig) sowie der Marktplätze von Wroclaw (Breslau) und Poznan (Posen) aufgebaut wurden.

    Danzig und Dortmund als ehemalige freie Reichsstädte mit historisch prägenden Bauten waren in etwa gleichermaßen zerstört. Während Gdansk in seiner Altstadt wieder zu einer Perle geworden ist, verkam Dortmund in seiner Innenstadt zu einer grauen Maus.

  7. 20.

    Sehe ich anders. Die Garnisonkirche - wie Potsdam überhaupt - ähnlich wie das vormalige Küstrin, hat nicht einfach eine Bedeutung wie Alexander der Kleine Gauland vorschlägt: Ansonsten gäbe es tausend Jahre Geschichte, gegen die der Nazistaat ein Fliegenschiss sei. Wir besprechen ja auch nicht ob eine Ruine beseitigt wird. Wir sprechen über politisch-gesellschaftliche Signale, über die Demonstration, eine Stadt mit alten beschönigten Erinnerungen zu möblieren.
    Der Abriss des Palastes der Republik war vor allem politischer Wille. An seiner Stelle einen Plattenbau mit Fassadendekoration "Typ wilhelminisches Schloss" zu errichten, noch der restaurative Punkt oben drauf. Mit dem Ergebnis das solcherart Denken und Handeln natürlich auch dazu führt, dass der Tourist das Disneyland Namens "Checkpoint Charlie" für einen historisch authentischen Ort hält. Ich nehme an die Verfechter der Bühnendeko, werden nicht akzeptieren was fortan die Garnisonskirchenkopie genannt werden müsste.

  8. 19.

    Sie schreiben wieder den reinen Unsinn:
    "Der Staatshaushalt ist etwas anderes als ein riesengroßer Sack, sodass was der eine sich da herausnimmt, dem anderen an einschlägiger Stelle etwas fehlt"

  9. 18.

    sie sind schlecht informiert, da sie nicht wissen das Polen den Bankrott angemeldet hätte

  10. 17.

    Inhaltlich stimme ich Ihnen zu, über Ihren leider fast immer anmaßenden Ton und Ihrem Bemühen, Ihren Mitdiskutanten anderer Meinung immer nur negative Motive zu unterstellen ("Sie würden hier nicht den Ahnungslosen spielen...") ist ja hier schon ausreichend geschrieben worden.
    Übrigens: nicht Oranienburg/Sachsenhauen, sondern das KL Dachau (seit März 1933) war das NS-"Muster"lager!

  11. 16.

    Bitte kein kleinteiliges Herumgejammere über Kosten. Da sollte man zunächst an die größten Kostenblöcke herangehen, wohin die Steuergelder jetzt fließen. Polen, als weitaus nicht so finanzstarkes Land hat es vorgemacht, möglichst viel Erhalt oder Wiederaufbau von historisch prägenden Bauten.

  12. 15.

    Ich stimme Ihnen darin zu, dass die Siegessäule, die nach dem militärischen Sieg über die seinerzeit Noch-Großmacht Dänemark 1864 in Auftrag gegeben wurde und die "Goldelse" nach dem preußischen Sieg über Frankreich ergänzt bekam, mehr mit Kriegen zu tun hat als die Hof- und Garnisonkirche, wie sie zu Anfang hieß. Das Analoge gilt auch für das Neue Palais, das mit seinen (billig) aufgestrichenen Steinen im Prinzip ein großes Trotzdem! verkörpern sollte nach Verarmung des Landes im Zuge des Siebenjährigen Krieges. Von dem von den Nazis als Prototyp für die "Welthauptstadt Germania" errichteten Reichsluftfahrtministerium ganz zu schweigen. Die DDR nutzte es als "Haus der Ministerien", das jetzige Deutschland nach Umbau an den Gärten in den Innenblöcken, die dem Ganzen etwas die brutale Wucht nehmen sollen, als Finanzministerium.

  13. 14.

    Die Garnisonkirche hat ebenso wie die Nikolaikirche oder das Stadtschloss in jetziger Funktion des Landtages die gleiche Bedeutung wie der Markusturm, die Dogenpaläste oder die Rialtobrücke in Venedig, die Karlsbrücke und der Hradschin für Prag, der Commercio, die Se-Kathedrale oder der Rossio für Lissabon.

    Allesamt Bauten, die zu vordemokratischen Zeiten errichtet wurden und in denen keineswegs zeitübergreifend nur Menschenfreunde agierten. Gebäude deshalb nicht zu restaurieren oder bei Zerstörung aus verschiedensten Gründen nicht wieder zu errichten, hieße, die heutige Zeit im Sinne eines Zeitpfeils rückwärts zu richten.

    Die weitaus größere Zerstörung von Stadtbildern nach dem Krieg als durch den Krieg selbst sehe ich als kein taktisches, sondern als ein inhaltliches Argument an. Wenn diese automobile Zurechtstutzung der Stadt nicht faktisch weitergehen soll, dann kann nur eine - übrigens systemübergreifende - Hinwendung zur Urbanität das Ziel sein.

  14. 13.

    Ich halte es für wenig zielführend, Gebäude zu Symbolen von wasauchimmer zu erklären, sofern nicht bereits mit ihrer Errichtung etwas symbolisiert werden sollte. Daher erscheint mir die (Hof- und) Garnisonkirche weniger problematisch als etwa die Siegessäule in Berlin. Es handelt(e) sich schlichtweg um ein bedeutendes barockes Gebäude, erbaut unter einem Monarchen, der sein Militär so sehr liebte, dass er sich zeit seines Lebens scheute, es in Kriegen zu verbrauchen. Einem überzeugten Absolutisten mit einem Leitbild von good governance, der den Knaben und Mädchen seines Landes die Schulpflicht verordnete. Dass ein gewisser A. Hitler es als Kulisse nutzen würde, ahnte das Bauwerk ebenso wenig wie die Münchner Feldherrnhalle, daher ist es ihm nicht anzulasten.

    Insofern: Meine Stimme für den Weiterbau (und gern zum Turm noch das Kirchenschiff dazu).

  15. 12.

    "Heiko Lübbenau Mittwoch, 25.11.2020 | 21:18 Uhr"
    ""Wer bezahlt bestimmt die Musik, da gibt es keinen Dialog.""


    Ist das Ironie oder eine Feststellung?
    Frei nach Mario Adorfs Text in "Kir Royal"
    "Ich scheiß dich zu mit meinem Geld"

    Nein so läuft es eben nicht. In einer demokratischen Republik. Dafür haben Millionen in den letzten Jahrhunderten ihr Leben gelassen. Das nicht wer das Geld hat, das er oft aus zweifelhaften Gründen hat, "die Musik" spielt.
    Die ja meist gar keine "Musik" ist.
    In Potsdam ist es die angeblich dekorative Möblierung der Stadt mit einem Bau, der angeblich nachdem man ihn als Bühnendekoration wieder aufgebaut hat, plötzlich ein Symbol von Versöhnung und Frieden ist. Wie gesagt. Wie wäre es wir bauten Treblinka wieder auf. Und sagen dann, es sei ein Symbol der Versöhnung. Weil man ja Kraft seiner Wassersuppe und seines Geldes einfach behauptet, was gar nicht der Realität, dem Empfinden, oder der redlich erinnerten historischen Wahrheit entspricht.

  16. 11.

    Wer bezahlt bestimmt die Musik, da gibt es keinen Dialog.

  17. 10.

    Nur ist die Garnisonskirche nicht die Rialtobrücke Herr Krüger und ich wäre Ihnen sehr dankbar Sie würden hier nicht den Ahnungslosen spielen. Wollten Sie eine Analogie herstellen, so wäre wohl eher passend: Wir bauen auch das KZ Sachsenhausen nicht in alter Pracht wieder auf. Obwohl es so ein herausragendes Beispiel für durchdachte Lagerarchitektur auf höchstem Niveau ist. Und wollen uns fortan darin sonnen, das es doch bloß wirklich gut durchdachte Architektur für den Zweck ist. Die Garnisonskirche ist ein Symbol und der Wiederaufbau soll die Behauptung transportieren, sie könne Stadtmöblierung sein, ohne als das gesehen zu werden wofür sie steht: Ein herausragendes Beispiel für den Missbrauch der Religion in einem autoritären, antidemokratischen und militaristischen Staat.
    Hier haben wir es mit der wahren "cancel culture" zu tun. Wie im Plattenbau neues "Berliner Schloss" Eine Hülle deren Nutzung mühsam dem äusseren Schein widersprechen muss. Sonst würde es vollends peinlich.

  18. 9.

    Info: Von der nach 1945 noch vorhandenen Alstadtsubstanz in Städten(Westdeutschland) wurden mehr intakte Gebäude zerstört, als durch alliierten Bombenangriffe davor. Grund war die Zurichtung zur autogerechten Stadt. Fakt.
    Während Sie über "Identität" im Zusammenhang der Garnisonskirche schwadronieren. Über eine Stadtmöblierung die Ihnen irgendein wohliges Gefühl verschafft, während der Bau in Wahrheit ein Symbol für die Verbindung der evangelischen Kirche mit dem militaristischen, autoritären und antidemokratischen Preussentum ist. Woran wollen wir also erinnern, bauen wir eine Dekoration wieder auf, die auch Hitler zum Preussentag gerne nutzte? Wer braucht diesen Bühnenbau um darin oder davor in Zukunft eigentlich welche Reden zu schwingen?
    Schon im Potsdamer Schloss müssen nun nicht wenige Angestellte unter Raumbedingungen des 19.Jahrhunderts arbeiten. Weil man Deko wollte statt modernem Parlamentsbau. 8 Stunden. 5 Tage die Woche Arbeitsrealität. Für Ihr Gefühl. Danke dafür.

  19. 8.

    Denjenigen, die am Aufbau beteiligt sind, geht es gerade um die Überwindung dieser jahrzehntelangen "Dichotomie", dass nur das eine gelten kann, wenn das andere nicht ist.

    Auch meiner Auffassung nach haben sich bestimmte Begriffe einfach überlebt.

  20. 7.

    Der Staatshaushalt ist etwas anderes als ein riesengroßer Sack, sodass was der eine sich da herausnimmt, dem anderen an einschlägiger Stelle etwas fehlt. Was gäbe es Nachhaltiges als ein Bauwerk, dass über zwei Jahrhunderte vollständig erhalten blieb, selbst im Zustand der Teilzerstörung noch zwei Jahrzehnte sicher stand und bei dem auch angesichts der Zeugnisgebung des nachgebildeten Bauwerks genau jene Nachhaltigkeit winkt?

    So gut wie kein Mensch in Venedig würde diskutieren, ob bei einem Zusammensturz die Rialto-Brücke wieder aufzubauen wäre. Sie würde es ohne jeglichen Verzug. Ebenso bei der Karlsbrücke in Prag oder bei der Se-Kathedrale in Lissabon. Man muss das Militär nicht mögen - ich tue es auch nicht -, doch es ist untrennbar mit der Geschichte von Potsdam verbunden. Wenn jemand aus kurzsichtigen betriebswirtsch. Gründen die Fähre über den Straussee einstellen wollte, ich würde auch da verbal in die Bresche springen.

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