Wahl 2021 - Berliner Grüne wählen Jarasch zur Spitzenkandidatin

12.12.2020, Berlin: Bettina Jarasch, frühere Landesvorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen in Berlin, freut sich bei der digitalen Landesdelegiertenkonferenz über die gewonnene Wahl als Kandidatin für das Amt der Regierenden Bürgermeisterin (Quelle: dpa/Annette Riedl)
Video: Abendschau | 12.12.2020 | Gespräch mit Bettina Jarasch | Bild: dpa

Der Anspruch der Partei ist klar: Die Berliner Grünen wollen bei der Abgeordnetenhauswahl 2021 stärkste Kraft werden. Dafür gehen sie mit Bettina Jarasch als Spitzenkandidatin ins Rennen. Die 52-Jährige erhielt am Samstag so viele Stimmen wie noch nie.

Die Berliner Grünen haben Bettina Jarasch zur Spitzenkandidatin für die Wahl zum Abgeordnetenhaus im kommenden Jahr gekürt. Auf einem Online-Parteitag am Samstag stimmten 142 Delegierte für die 52-Jährige bei fünf Enthaltungen und keiner Gegenstimme. Andere Bewerber gab es nicht.

Umfragen zufolge haben die Grünen gute Chancen, in Berlin erstmals stärkste Partei zu werden. Der Anspruch der Partei ist es dabei, dass Jarasch damit auch die Kandidatin der Partei für die Nachfolgerin von Michael Müller (SPD) als mögliche neue Regierende Bürgermeisterin ist. Die Grünen regieren in Berlin gemeinsam mit SPD und Linken.

Die Wahl zum Abgeordnetenhaus findet voraussichtlich parallel zur Bundestagswahl am 26. September 2021 statt. Im Wahlkampf muss sich Jarasch unter anderem mit den designierten Spitzenkandidaten Franziska Giffey (SPD), Kai Wegner (CDU) und Klaus Lederer (Linke) auseinandersetzen.

Seit 2016 im Landesparlament

Jarasch ist seit 2016 Abgeordnete im Berliner Landesparlament, von 2011 bis 2016 war sie Landesvorsitzende der Partei. Sie wird innerhalb der insgesamt eher linken Berliner Grünen der Realo-Fraktion zugerechnet und gilt als Politikerin, die unterschiedliche Politikansätze zusammenführen kann.

Vor einigen Wochen war Jarasch vom Landesvorstand der Grünen für viele Beobachter überraschend nominiert worden. Zuvor waren auch Wirtschaftssenatorin Ramona Pop und Fraktionschefin Antje Kapek als aussichtsreiche Bewerberinnen gehandelt worden.

Jarasch: Berlin soll klimaneutrale Stadt werden

Jarasch erklärte in ihrer Rede, die Grünen seien inzwischen "Berlin-Partei wie keine andere" und nur sie als Partei sei Garant dafür, dass die Aufgabe, "die über allem steht", gelöst werden könne: Es gehe um nichts weniger, als "unseren Planeten zu retten", sagte Jarasch. "Ich möchte als Regierende Bürgermeisterin die Weichen dafür stellen, dass Berlin klimaneutrale Stadt wird."

Ähnlich äußerte sich auch Landesparteichef Werner Graf. "Ich will, dass wir führen, dass wir
leiten", sagte er. "Ich will, dass Klimaschutz, dass Antidiskriminierung, dass die Verkehrswende und dass die sozial-ökologische Transformation der Wirtschaft endlich zur Chefinnensache wird."

Rot-Rot-Grün "reicht noch lange nicht"

Graf übte in seiner Rede auch Kritik am Koalitionspartner SPD. "Die SPD will alles für alle, und zwar umsonst." Sie sage aber nicht, wie das finanziert werden soll. "Das ist Augenwischerei, das ist unseriös." Die CDU habe auch nicht viel zu bieten und fantasiere über Magnetschwebebahnen in der Stadt.

Rot-Rot-Grün habe Berlin gutgetan, eränzte Jarasch. "Aber das reicht uns noch lange nicht." Ihre Partei wolle die Stadt "krisenfest" machen und deshalb mit allen Teilen der Gesellschaft, die dazu bereit seien, "Zukunftsbündnisse" für die Verkehrswende, faires Wohnen, sozial-ökologisches Wirtschaften und ein weltoffenes Berlin schmieden.

Höherer Zustimmungswert als 2011 Renate Künast

Die Delegierten der Partei sorgten mit ihrer Zustimmung für Jarasch für einen neuen Bestwert. Jarasch kam auf knapp 96,6 Prozent Zustimmung unter den Delegierten, einen ähnlichen Wert hatte zuletzt nur Renate Künast im Jahr 2011 erreicht. Die Berliner Delegierten der Partei votierten damals mit gut 91,3 Prozent für Künast. Künast erhielt dabei aber auch von vier Prozent der Abstimmungsteilnehmer ein "Nein". Gegen Jarasch gab es am Samstag keine Gegenstimmen.

Eine weitere Parallele zur Kandidatur von Künast: Auch 2011 hatte die damals frisch gekürte Spitzenkandidatin erklärt, die Partei bei der Wahl wenige Monate später zur stärksten Kraft im Abgeordnetenhaus machen zu wollen und postuliert: "Damit Berlin endlich besser regiert wird".

Jarasch sagte nun: "Die Zeit ist reif für uns, den Weg gemeinsam weiterzugehen und die Regierung anzuführen." Und sehr klar formulierte sie auch ihren Anspruch: "Ich möchte die erste Frau und die erste grüne Regierende Bürgermeisterin werden für die ganze Stadt."

Und anders als damals bei der Künast-Kandidatur ist nun: Die Grünen gehen diesmal als Mitregierungspartei in die Wahl. 2011 hatten zudem die Piraten erstmals und sehr erfolgreich bei der Wahl mit 8,9 Prozent abgeschnitten, wobei viele von deren Wählern als potentiell Grüne-Wählerinnen oder gar als Ex-Grünen-Wählerinnen identifiziert wurden [tagesschau.de].

Sendung: Inforadio, 12.12. 2020, 12.40 Uhr

20 Kommentare

Wir schließen die Kommentarfunktion, wenn die Zahl der Kommentare so groß ist, dass sie nicht mehr zeitnah moderiert werden können. Weiter schließen wir die Kommentarfunktion, wenn die Kommentare sich nicht mehr auf das Thema beziehen oder eine Vielzahl der Kommentare die Regeln unserer Kommentarrichtlinien verletzt. Bei älteren Beiträgen wird die Kommentarfunktion automatisch geschlossen.

  1. 20.

    Die ist aus Bayern, typisch.

  2. 19.

    Geht mir auch so - 3. Geneation Berlinerin!
    Die "Neuberliner" verstehen die Mundart nicht, und ich werde angeguckt wie von einem anderen Stern. Was mich dazu veranlaßt, erst richtig loszulegen!!!

  3. 18.

    Nix wäre die!
    Ich ahne schon: Radschnellwege durch parks und Fußgängerzonen, und anderen Blödsinn!

  4. 17.

    Diese Frau möchte laut Interview in der Abendschau also mehr bauen und verdichten lassen. Interessant, was sich alles als grün verkaufen lässt. Ist Bauen doch Klimakiller Nummer 1 durch das Emittieren von Treibhausgasen.
    Eine sehr gute Idee für unsere Stadt - und Umlandklima. Aber Hauptsache die Anwohner der Stadtrandgebiete zwingen wollen, auf Carsharing und Fahrrad oder Öpnv umzusteigen. Diese Dame ist so lebensfremd wie ahnungslos vom Bedürfnis der Menschen. Und dann vom Pariser Klimaschutzabkommen reden - wie verlogen und unwissend.
    Ich musste den Ton abstellen weil Ihr Geschwafel unerträglich wurde.
    Viele Grüße von einem radelndem Mitbürger, der auch ohne grüne Politik umweltbewusst leben kann.

  5. 16.

    Peter, Sie habe wahrscheinlich noch nicht soviel
    Lebenserfahrung, wenn Sie sich noch so genau
    an Ihre Märchenbücher erinnern. Früher gab es
    echte Verhandlungen zwischen AG und Gewerk-
    schaften. Habe selbst teilgenommen. Heute
    wird nur noch so getan als ob.

  6. 14.

    Genau das sind die Leute die nur meckern nicht zur Wahl gehen und der Rest kann sehen wie man klarkommt. Einfach unmöglich, man sollte froh sein wählen zu dürfen.

  7. 13.

    Leider hat es keine Partei geschafft, eine überzeugende Persönlichkeit als Spitzenkandidat aufzustellen, die von einem Großteil der Bevölkerung über alle Parteigrenzen hinweg akzeptiert werden kann.
    AFD und Linke sind als radikale Parteien grundsätzlich nicht wählbar. Von den Grünen fühle ich mich bevormundet und veralbert (Beispiel: sinnlose Pflastermalerei auf der Prinzregentenstr. Ecke Durlacher Str.). Das U-Bahn-Chaos hat Frau Pop nicht beseitigen können. Frau Giffey hat wegen Ihrer Doktorarbeit an Glaubwürdigkeit eingebüßt. Den Kandidaten der CDU kenn niemand. Wer ist er und wofür steht er? Ich werde wohl einen leeren Stimmzettel abgeben müssen.

  8. 12.

    Noch eine, die keine Ahnung vom wahren Leben hat. Was wären Sie im richtigem Leben?

  9. 10.

    Speziell an neo und mad
    Wo wären wir denn, wenn niemals Veränderungen statt gefunden hätten? Wahrscheinlich noch in der Steinzeit. Verwechseln Sie aber bitte Fortschritt nicht mit
    "Querdenkern". Wirkliche Querdenker waren
    A.Einstein, M.v Ardenne,F. Sauerbruch und
    unzählige andere. Wer sich nicht weiter ent-
    wickelt, bleibt auf der Strecke. Es gibt in Berlin
    so viele Firmenneugruendungen mit innovativen
    Entwicklungen. Es muss uns nicht Angst y
    sein um Berlin. Einfach optimistisch sein, auch
    wenn die Medien es einem nicht leicht machen.
    Hoffentlich bin ich nicht wieder zu sehr abge-
    schweift. Ich bin zwar ein alter Mann aber immer
    noch voller Ideen.

  10. 9.

    Eine Zugezogene, ich finde das auch nicht so gut, muss ich als Ur-Berliner ganz ehrlich sagen.
    Und das mit der schwindenden Akzeptanz des Berlinerischen sehe ich genauso wie Sie.

  11. 8.

    Diese Partei hat nichts mit Fortschritt zu tun. Ideologen die alles Verbieten was denen nicht in den Kram passt. Man sollte sich die Bezirke ansehen wo Grün regiert. Rückschritt koste es was es wolle.

  12. 7.

    Fortschritt ist Veränderung. Lange genug wird
    in Berlin nach Fachkräften gesucht. Nun sind viele da und es ist wieder nicht recht.
    West-Berlin war immer die verlängerte Werkbank
    der Westbetriebe. Endlich gibt es in Berlin einen
    Aufschwung. Was wollen wir noch? Ich bin selbst 1952 in Berlin geboren und habe unter-
    schiedlichste Zeiten er-und überlebt. Die nach-
    druecklichste war das Eingemauert sein 1961-
    1989. Ich habe alles über standen. Mad, nun
    sind Sie dran!!! Ich könnte noch stundenlang
    weiter berichten aber das sprengt den Rahmen
    dieses Forums. Allen Alles Gute. Bleiben Sie
    optimistisch und coronafrei.

  13. 6.

    Die Berliner Wirtschaft ist in den letzten Jahren mit am stärksten in Deutschland gewachsen. Das BIP steigt auch und liegt "erstmals" über dem Bundesschnitt.

    Ob das Die Grünen, die gerade mal 4 Jahre an der Regierung beteiligt sind, oder allgemein die Politik zu verantworten hat - ich meine, der Einfluss ist grundsätzlich gering.

  14. 5.

    Wo Bitte, letztes Jahr Philipp Morris geschlossen, Daimler Benz steht auch kurz davor. Viele Unternehmen bauen Arbeitsplätze ab. Ich weiß nicht was sie über Berliner Wirtschaft wissen.

  15. 4.

    Vielleicht ist das ihr persönlicher Untergang, aber nicht der von Berlin. Trotz Corona steht Berlin u.a. wirtschaftlich besser da als jemals zuvor!

  16. 3.

    Die Grünen waren einmal eine gute Opposition.
    Inzwischen wollen sie an die Macht und wir haben die AFD am Hals, schade. Wenn wir nach
    Ostdeutschland schauen, wissen wir warum.

  17. 2.

    Nur noch Zugezogene.... Na ich wähle nie wieder grün, da ich mich als gebürtigem Berliner und schwindender Akzeptanz des Berlinerischen hier nicht mehr repräsentiert fühle. Nur noch welche, die Berlin als neues urbanes Experimentierfeld sehen und hier ihr Ego ausleben dürfen. Nee danke.

  18. 1.

    Sollten die Grünen die Wahl gewinnen und den Bürgermeister von Berlin stellen, ist das der Untergang von Berlin. Man kann nur hoffen das es nicht Passiert, da man ja jetzt schon sieht das Sie nichts gescheites auf die Reihe kriegen.

Nächster Artikel

Das könnte Sie auch interessieren