Das Kraftwerk Reuter West bei Sonnenuntergang am 09.11.2020 (Bild:imago images/Sabine Gudath)
Audio: Inforadio | 10.12.2020 | Sebastian Schöbel | Bild: imago images/Sabine Gudath

Umweltpolitik - Berlin erreicht frühzeitig sein Klimaziel für 2020

Berlin hat sein Klimaziel für 2020 ein Jahr früher erreicht als geplant. 2019 wurden 40 Prozent CO2 eingespart. Auf dem Papier eine gute Nachricht - doch beim genaueren Blick zeigt sich, dass der Weg zur Klimaneutralität noch weit ist. Von Sebastian Schöbel

Berlin hat seine Klimaziele für das Jahr 2020 bereits frühzeitig erreicht. Wie aus neuen Zahlen des Landesamtes für Statistik hervorgeht, wurde bereits 2019 eine CO2-Einsparung von mehr als 40 Prozent im Vergleich zum Jahr 1990 geschafft - ein Jahr früher als bislang geplant.

Senat will Solaranlagen zur Pflicht machen

Demnach schlägt sich vor allem der Kohleausstieg in der Berliner Klimabilanz positiv nieder: Allein dadurch wurden die C02-Emissionen seit 2017 um zwei Millionen Tonnen reduziert. Außerdem verbrauchen Berliner Haushalte und Betriebe immer weniger Energie oder arbeiten energieeffizienter, was ebenfalls der CO2-Bilanz zugute kommt - und das obwohl die Stadt weiter wächst.

"Es ist ein großer Erfolg, dass sich der Rückgang der Emissionen in Berlin trotz starkem Wirtschafts- und Bevölkerungswachstum gegenüber der bundesweiten Entwicklung so positiv abhebt", sagte die Wirtschaftssenatorin Ramona Pop (Grüne). Dennoch dürfe man sich auf den guten Zahlen nicht ausruhen, so Pop. "Zur Erreichung der Klimaziele 2025 und 2030 bleiben weitere ehrgeizige Schritte notwendig."

So hatte Pop zuletzt den neuen "Masterplan Solarcity" vorgestellt, wonach Neubauten verpflichtend mit Solaranlagen ausgestattet werden müssen. "Durch die Einführung des Gesetzes lassen sich innerhalb von fünf Jahren rund 37.000 Tonnen Kohlendioxid (CO2) einsparen und darüber hinaus die regionale Wertschöpfung ankurbeln." Bis spätestens 2050 soll sogar ein Viertel des Berliner Strombedarfs durch Solaranlagen gedeckt werden, so der Plan.

Greenpeace übt Kritik am Senat

Die Umweltorganisation Greenpeace hält sich mit Lob derweil zurück: Zwar sei es gut, dass die Mahnungen der Klimaschützer offenbar zu einem Umdenken bei vielen Bürgern und Unternehmen geführt habe, so Greenpeace-Sprecherin Kerstin Doerenbruch. "Richtung 2030 nur den Kohleausstieg in der Fernwärme abzuwickeln ist zu wenig. Wir brauchen dezentrale, erneuerbare Energie." Doerenbruch fordert Solarthermieanlagen auf Gebäuden der landeseigenen Wohnungsuntenrhemen, einen Ausbau der Fahrzeug-Sharing-Angebote außerhalb des S-Bahn-Rings und eine schnellere Ausrüstung der Fahrzeugflotte aller Behörden mit alternativen Antrieben. "Da gibt es bisher viele blinde Flecken im Energiekonzept des Berliner Senats."

Auch dem umweltpolitischen Sprecher der CDU-Fraktion, Danny Freymark, gehen die Ambitionen des Senats nicht weit genug, etwa beim Ausbau der erneuerbaren Energien. "Wir sind deutlich zu langsam." Zudem könnten zum Beispiel öffentliche Gebäude energetisch saniert und mit grünen Dächern oder Solaranlagen versehen werden. "All das wird nicht umgesetzt. Im Gegenteil: Die sind keine Vorbilder für das, was notwendig wäre in dieser Stadt."

Um die von Umweltschützern angemahnte Klimaneutralität bis spätestens 2050 zu erreichen, so Freymark, müsse der Senat viel mehr Geld in die Hand nehmen, allen voran für den Ausbau des ÖPNV. "Von 31 Milliarden Euro, die das Land Berlin pro Jahr zur Verfügung hat, werden nur 1,9 Milliarden für Umwelt und Verkehr genutzt. Das sind sieben Prozent, deutlich zu wenig, wenn man von Mobilitätswende spricht oder gar eine Klimanotlage verkündet."

Verkehrssektor weiter Klimasünder

Tatsächlich bleibt vor allem der Verkehrssektor in Berlin ein Klima-Sünder: Hier sind die CO2-Emissionen nämlich nicht gesunken, sondern sogar leicht gestiegen, obwohl zum Beispiel immer mehr Elektrofahrzeuge in Berlin unterwegs sind. Laut Berlins Verkehrssenatorin Regine Günther (Grüne) liegen die CO2-Emissionen im Verkehr sogar über zwölf Prozent des Niveaus von 1990. Sie macht dafür die verpasste Mobilitätswende und das Festhalten am Verbrennermotor verantwortlich. "Dies hat sich fatal für die Klimabilanz erwiesen." Deswegen setze Berlin seit 2017 seine Mobilitätswende mit Fokus auf den ÖPNV um, so Günther. "Die Erfolge – auch die damit einhergehende Reduktion der CO2 Emissionen – wird man noch nicht morgen, aber zunehmend sehen. Klimaschutz im Verkehr steht ganz oben auf unserer politischen Agenda."

Greenpeace weist allerdings auch darauf hin, dass sich die Klimaziele Berlins am Ausgangsjahr 1990 messen: Damals wurde jedoch die Abwicklung der alten DDR-Industrie in die Klimabilanz hineingerechnet - weswegen die umweltpolitischen Fortschritte der vergangenen dreißig Jahre deutlich weniger imposant seien, als die Zahlen suggerierten.

Beitrag von Sebastian Schöbel

23 Kommentare

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  1. 23.

    Ich habe mein Klimaziel erreicht. Seit genau 3 Jahren Dusche und wasche mir die Haare nur mit kaltem Wasser. Spart ca. 500 kwh pro Jahr und stärkt mein Immunsystem. Vom Geld mal ganz zu schweigen. Sollte die Mädels und Jungs von FfF auch mal probieren, statt nur zu demonstrieren.

  2. 22.

    Diese Antwort galt dem
    UlfBerlinDonnerstag, 10.12.2020 | 19:52 Uhr

  3. 20.

    Es gilt die Sinnhaftigkeit und die Effizienz der Bemühungen auszuwerten und in Verhältnismäßigkeit zu setzen.
    Dazu sage ich, dass sich trotz allen Bemühungen und Beteuerungen keine nennenswerten Verbesserungen eingestellt haben!
    Bsp: Berlin = Kohlefrei??? Die Elektroenergieversorgung der Hauptstadt sichern allein die Lausitzer Kraftwerke.

    Vielleicht sollte man ergebnisoffen über andere Lösungwege nachdenken, doch die ausgereifte hiesige Cancel Culture verhindert eine sachgemäße Diskussion. Ich empfehle die frischen Ausführungen von Professor William Nordhaus von der Yale University, sowie Dr. Björn Lomborg von der Stanford University.

  4. 19.

    Immer erst mal fordern statt nachdenken. Es ist schön, dass man innerhalb des S-Bahn-Rings von einer U-Bahn in die nächste S-Bahn oder das Car-Sharing Auto stolpert. Und was ist mit dem Rest? Berlin ist schon etwas größer :-).Von den Pendlern mal ganz abgesehen? Ohne Auto ist da teilweise nichts zu machen und die P+R-Möglichkeiten gibt es faktisch nicht. Also bitte erst einmal die Voraussetzungen schaffen, damit man die tollen Angebote auch nutzen kann. Und Quick-Wins nutzen. Grüne Welle ... Einfache Möglichkeiten um viel CO² zu sparen. Aber wären ja dann die Autofahrer, die ausgesperrt werden sollen und anrechnen kann sich sich so etwas auch nicht. Nicht gut ...

  5. 18.

    Eigentlich lese ich hier nur mit, aufgefallen sind Sie mir schon mit immer der gleichen Ausrede wenn man nichts ändern will. Die technischen Voraussetzungen für die Energiewende sind bekannt, wir haben nur ein Umsetzungsproblem.

  6. 17.

    richtig, wenn man den Status Quo so wie die letzten vierzig Jahre beibehält wird sich auch nichts ändern.....
    Bis auf die Kosten die uns der Klimawandel beschert.

  7. 16.

    Schauen Sie sich mal die aktuellen Daten zur Elektroenergieerzeugung an...
    Sie würden erkennen, dass "Na bitte, geht doch wenn man es will." nicht als totale realitätsfremde Verblendung ist.

  8. 15.

    Polen ist nicht weit da stehen genügen Kohle und Atomkraftwerke die sollten auch für Berlin reichen.

  9. 14.

    Der FDP könnte man glauben wenn sie in der Regierung wäre, die tatsächlichen Kosten für CO2 ( 180 Euro/t) gegen über Scheuer und Altmeier durchgesetzt hätte , hätte hätte Fahradkette.
    Die Bremser sitzen in der Union, die Kohlelobby macht gute Arbeit. Aber die Natur wird die Rechnung stellen,ganz sicher.

  10. 13.

    Ein paar Splitter- und Spaßparteien mit einem halbwegs ordentlichen Programm gibt es, aber die haben ja nie genug Stimmen um das in Realpolitik umzusetzen.

  11. 12.

    Dann hat die FDP für Sie die besten Ansätze um aus den "Fossilen" rauszukommen: weil technologieoffen (kein gut/böse moralisieren); sinnvoller Energiemix in einer Übergangszeit; Förderung von sauberen Energien wie Wasserstofff, CO2 Speicher, synthetische Kraftstoffe mit dem Ziel die Kosten für die Bürger gering zu halten und Anreize dafür zu setzen (statt sinnlos verteuernde Anweisungen/Verbote/Gesetze).

  12. 11.

    Alle Parteien machen vollkommen unzureichende Umweltpolitik, das ist nichts neues. Bei manchen ist sie aber noch schlechter als bei anderen. Dass wir aus den fossilen raus müssen, und zwar schnell, ist halt leider ein Fakt. Da helfen Marketingaussagen nicht viel, aber mehr als zum Beispiel die verfehlte EEG Politik der Bundesregierung.

  13. 10.

    So ein Quatsch, habe ich schon lange nicht mehr gelesen. Berlin Klimaziele erreicht. RRG lässt sich Feiern...... ha,ha vor der Wahl ist nach der Wahl.

  14. 9.

    "Berlin erreicht frühzeitig sein Klimaziel für 2020"
    Na gut, das Argument mit dem Kohleausstieg würde ich gelten lassen. Das macht sich sicherlich bemerkbar und in den Zahlen für 2019 dürfte es ja auch von den "Coronaeinsparungen" abgekoppelt sein.
    Aber warum hat man jetzt seit 2015 die NOx-Problematik aus den Augen verloren? Nach wie vor gibt es einen zu hohen Anteil an Diesel im PKW-Sektor. Solange wie die "illegale Subventionierung" an der Tanke, für die der Staat verantwortlich ist, nicht beseitigt wird, ändert sich nichts.
    NOx und CO2 sind zwar verschiedene Probleme, aber trotzdem "Seelenverwand".

  15. 8.

    So ernst wollte ich gar nicht genommen werden ;-) - trotzdem Danke für das Lesen. Ernster sind dagegen Frau Popps Marketingaussagen: "Masterplan Solarcity" soll 37000 CO2 in 5 Jahren einsparen - Wetten nicht? Masterplan = Anweisung/Gesetz statt Anreize. Die Mieter wird es "freuen", was das bedeutet... passt aber in das links/grüne Bild vom veralteten gönnerhaften (Um)Verteilen, bis das Geld der Anderen verbraucht ist. Neben der teuren Windkraft (siehe Stromkosten), der "Dämmpflicht" in techn. unsinniger Dicke und dem Maisanbau für Biogas, gendergerecht formuliert, stolpert man von einer "Lifestyle-Blase" zur nächsten... Nur wer Schulden abbaut und Schaffende lockt hat Erfolg. In der Berliner Vergangenheit waren das die Koalitionen SPD/FDP und CDU/FDP.

  16. 7.

    Altmeier hat bis heute eine funktionierende Bürgerbeteiligung bei der Energiewende verhindert.
    Maut Andy baut lieber Straßen statt Schienen, all das wird sich hoffentlich endlich nach der nächsten BT Wahl ändern.

  17. 6.

    Wie viel hat der Berliner Kohleausstieg wirklich gespart? Womit wurde denn die Berliner Kohle ersetzt? Hoffentlich nicht nur mit Brandenburger Kohle.

  18. 5.

    Was Sie sich da wieder zusammenreimen. Wer hat jemals ein Heizverbot vorgeschlagen? Sinnvoll wäre ein Verbot für den Neueinbau von fossilen Heizungen, aber das ist doch etwas ganz anderes.

  19. 4.

    Frau Pop wird Ihnen das gleiche Erzählen können wie der Tagesspiegel, der gerade wieder mal bei der SenUVK nachgefragt hatte: Z.B. zur Straßenbahnerweiterung in Spandau ist in den letzten zwei Jahren nichts passiert. Warum auch? Frau Günther hat ja einen Dienstwagen. Wenn interessiert da schon das Geschwätz vom Februar 2017 (Tram ab 2024),welches sie ja bereits einen Monat später wieder negiert hatte. Busspuren werden bestimmt kurz vor der Wahl ein paar neue Meter kommen und als ebenso großer Erfolg dargestellt werden wie die neue Buslinie M36 in Spandau. Dass dafür X36 und 236 gestrichen werden und der 136 nur noch verkürzt fährt, schmälert deren Schulterklopfen kaum.

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