Jahresbericht - Umwandlung von Miet- in Eigentumswohnungen schreitet in Berlin voran

Symbolbild: Wohnhäuser in Berlin. (Quelle: dpa/Jens Kalaene)
Bild: dpa/Jens Kalaene

Die seit 2015 geltenden schärferen Regeln zur Umwandlung von Miet- in Eigentumswohnungen in Berlin können den Trend allenfalls etwas bremsen, aber nicht stoppen. Das geht aus neuen Zahlen hervor, die Stadtentwicklungssenator Sebastian Scheel (Linke) am Mittwoch veröffentlichte. Demnach wurden im Vorjahr 12.700 Wohnungen umgewandelt. Das waren 100 weniger als 2018 und 3.600 weniger als 2017.

Der Rückgang 2019 zeigte sich ausschließlich in sogenannten Milieuschutzgebieten zum Erhalt der Sozialstruktur, wo 5.400 Miet- zu Eigentumswohnungen wurden. Im übrigen Stadtgebiet blieb die Zahl der Umwandlungen konstant bei rund 7.300 Wohnungen.

Scheel empfiehlt Ausnahmeregel zu streichen

Mittlerweile gibt es in Berlin 64 Milieuschutzgebiete, in denen seit 2015 ein Umwandlungsverbot gilt. Dieses umfasst jedoch diverse Ausnahmetatbestände, die rege genutzt werden. Beliebtester Ausnahmetatbestand ist die Verpflichtung des Eigentümers, innerhalb von sieben Jahren Wohnungen nur an Mieter weiterzuveräußern.

Scheel sieht hier den Bund in der Pflicht: "De facto wurden bei den knapp 23.000 Umwandlungen, die von März 2015 bis Juni 2020 genehmigt wurden, gerade einmal 0,26 Prozent an die tatsächlichen Mieterinnen und Mieter verkauft", sagte er. "Hier brauchen wir endlich wirksame bundesrechtliche Regelungen." Die Ausnahme gehöre gestrichen.

Vor Verdrängung schützen

Die Berliner Umwandlungsverordnung schütze Menschen in Milieuschutzgebieten vor Verdrängung, deshalb habe der Senat die Regelung im Februar 2020 um fünf Jahre verlängert, so Scheel. "Ich begrüße es ausdrücklich, dass die Bezirke seit Anfang 2019 acht neue soziale Erhaltungsgebiete und vier Erweiterungen bestehender Gebiete beschlossen haben", fügte er hinzu.

11 Kommentare

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  1. 11.

    Haben sie schon mal von dem Stilmittel der rhetorischen Frage gehört?

    "Berlin ist eine der Billigsten Großstädte weltweit und genau das ist EIN Grund, warum es so viele Leistungsschwache insbesondere Linke und Grüne in diese Stadt zieht von denen jeder einzelne Wohnraum beansprucht. Erst diese Zuzugswelle löst diese und viele andere Probleme aus. "

    Man weiß gar nicht was man auf soviel geballten Unsinn antworten soll. In Berlin war schon immer "Zuzugswelle", von kurz nach '61 mal abgesehen.

    Und " Leistungsschwache insbesondere Linke und Grüne" beanspruchen tatsächlich Wohnraum? Na sowas aber auch! Soll das Pack doch in Zeltstädten hausen oder in Favelas, Kuhle Wampe lässt grüßen.

    Sie stellen sich hier ein Armutszeugnis erster Klasse aus.

  2. 10.

    "Es ist in jedem Fall besser an die Bank zu zahlen als an den Vermieter denn dann zahlt man für sich."

    Manchmal macht soviel geballte Ahnungslosigkeit einfach nur sprachlos.

    Solange wie sie an die Bank abzahlen gehört die Wohnung der Bank. Genannte Berufsgruppen sind häufiger von Arbeitslosigkeit, sowie Erwerbsunfähigkeit aufgrund von Krankheit oder Unfall betroffen. Dann ist nicht nur das Geld futsch, sie sind auch noch obdachlos.

    Manche Leute können nicht ein mal von der Wand bis zur Tapete denken, wie man sieht.

  3. 9.

    Nur leider gibt es heute auch Löhne von denen man nicht mehr leben kann. Nicht umsonst wird gefordert das die angebrachze Miete max. 1/3desEIinkommenns bezgtagen darf. Wohnen ist ein Grundrecht und Eigentum verpflichtet

  4. 8.

    Nun sind nicht alle Hermesboten oder Bäckereiverkäufer die zur Miete wohnen. Es ist in jedem Fall besser an die Bank zu zahlen als an den Vermieter denn dann zahlt man für sich. Nur mal so an den Tapetendenker.

  5. 7.

    Wenn sie das im 21. Jahrhundert mit unendlichen Informationsquellen nicht selber wissen, dann ist Ihnen wirklich nicht mehr zu helfen.
    Nicht jeder braucht eine Wohnung kaufen. Die öffentlichen Wohnungsgesellschaften und -genossenschaften halten knapp 1/3 der Miet(!)wohnungen. Denen sollten Sie vielleicht mal auf den Schlips treten und fordern, dass Gutverdiener und Beamte diese Wohnungen verlassen und für jene frei machen, die es nötiger haben.
    Berlin ist eine der Billigsten Großstädte weltweit und genau das ist EIN Grund, warum es so viele Leistungsschwache insbesondere Linke und Grüne in diese Stadt zieht von denen jeder einzelne Wohnraum beansprucht. Erst diese Zuzugswelle löst diese und viele andere Probleme aus.
    Ich kenne im Friedrichshain noch Zeiten, als niemand hier wohnen wollte und die Häuser runtergewirtschaftet waren. Meine Miete war umgerechnet 53,- € kalt. Dann kamen die Investoren, haben alles saniert und restauriert und plötzlich denken alle, das gäbe es umsonst.

  6. 6.

    Der von RRG in Berlin erreichte Effekt der Wohnungspolitik DDR 2.0 ist doch lediglich, dass kein vernünftiger Mensch mehr Geld in Berliner Mietwohnungen investiert.Viel besser angelegt ist das in Brandenburg - und im Speckgürtel hoch willkommen. Lustigerweise auch von den Lokalpolitikern der Linken - die sind nämlich noch mit dem Ohr am Volk und nicht so ideologisch aufgeblasen wie die Linksyuppis hier.

  7. 5.

    "Sollen sie doch Kuchen essen..." Verraten sie doch mal der Bäckereiverkäufern, den vielbeklatschten Pflegehelfern oder dem Hermesboten wie er/sie zu einem Kredit kommen soll. Und was saran besser sein soll an die Bank zu zahlen.

    Manche Leute denken echt nur von der Wand bis zur Tapete.

  8. 4.

    "Zu diesem Thema gibt es aktuell einen Vorschlag aus der Domicil Real Estate AG, die sich auf die Umwandlung von Miet- in Eigentumswohnungen spezialisiert hat."

    Es gäbe noch eine viel einfachere Lösung, das Verbot der Umwandlung von Miet- in Eigentumswohnungen. Dann braucht es auch keine Heuschrecken mit erschreckenden Bewertungen.

  9. 3.

    Die Leute können sich doch ihre Wohnungen kaufen, wenn sie die Miete nicht zahlen wollen. Kredite aufnehmen und dann einfach paar Jahre abzahlen.

  10. 2.

    M. E. wieder alarmistisch irreführende Statistik. Ohne Vergleichszahlen, Differenzierung des Umwandlungsgrundes (z. B. Teilung nach Erbfall, um die Erbschaftssteuer bezahlen oder MIterben auszahlen zu können ...) und Einordnung in das Marktgeschehen einschließlich Umzugsverhalten der Mieter haben die Zahlen überhaupt keine Aussagekraft. In Berlin gibt es knapp 2 Millionen Wohnungen, und wenn 0,7 % davon von Miete in Eigentum übergehen, sagt das per se weder etwas über Gerechtigkeit oder Not, noch über die Nachnutzung (selbstbewohnt/vermietet) noch über die Marktrelevanz. Einen Mieter-Buy-out kann es prinzipbedingt nur bei wohlhabenden Mietern geben, die dann auch keinen Schutz brauchen.

    Wenn Eigentümer aus Marktgründen lieber verkaufen als weiter zu vermieten, ist die Vermietung offensichtlich zu unrentabel oder risikoreich, außerdem gibt es auf Minuszins-Niveau mehr als genug Kaufwillige, darunter auch viele gut verdienende Politiker und Verwaltungsangestellte des Landes Berlin.

  11. 1.

    Zu diesem Thema gibt es aktuell einen Vorschlag aus der Domicil Real Estate AG, die sich auf die Umwandlung von Miet- in Eigentumswohnungen spezialisiert hat. Veröffentlicht u.a. in der FAZ und auf PB3C:
    „Das Problem für den Mieter ist … die gesetzliche Möglichkeit zur Eigenbedarfskündigung. Diese Lücke gilt es zu schließen. Um Mietern die Sorgen und Ängste vor Verdrängung zu nehmen, brauchen wir daher ein lebenslanges Kündigungsschutzrecht. Das Signal einer solchen Regulierung wäre klar: Mieter, ihr müsst keine Angst vor einem neuen Vermieter haben, unabhängig davon, ob der Vermieter das ganze Haus erwirbt oder eine einzelne Wohnung. Zudem trüge diese Ausweitung des Kündigungsschutzes dazu bei, dass die starren Fronten zwischen Mietern und Vermietern aufgelöst würden. Ich persönlich bin die Hitzigkeit und zunehmende ideologische Aufladung der Debatten leid – und geholfen haben sie ja auch niemandem …“
    Für den ganzen Text "PB3C Kaissar" googeln

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