Nach Giftanschlag in Charité behandelt - Kremlkritiker Nawalny kündigt Rückkehr nach Russland an

Archivbild: Alexey Navalny sitzt am 23.09.2020 auf einer Bank in Berlin, kurz nach der Entlassung aus dem Krankenhaus. Zuletzt soll er sich möglicherweise im Schwarzwald aufgehalten haben. (Bild: dpa/Alexey Navalny Instagram)
Bild: dpa/Alexey Navalny Instagram

Nach seiner Behandlung in der Berliner Charité will der russische Oppositionelle, Alexej Nawalny, in seine Heimat zurückkehren. Auf einer Reise war versucht worden, ihn mit einem Nervengift zu töten. In Russland droht dem 44-Jährigen eine Gefängnisstrafe.

Der russische Oppositionspolitiker Alexej Nawalny, der wegen einer Vergiftung in der Berliner Charité behandelt wurde, will an diesem Sonntag nach Moskau zurückkehren. Er lande am 17. Januar mit einer Maschine der russischen Fluggesellschaft Pobeda, teilte er am Mittwoch auf Twitter mit.

Nawalny hält sich seit dem Mordanschlag mit dem Nervengift Nowitschok im August zur Heilung in Deutschland auf. Der 44-Jährige soll zuletzt noch zu einer Reha-Maßnahme im Schwarzwald gewesen sein, sein genauer Aufenthaltsort ist aber nicht bekannt.

Die Frage einer Rückkehr habe sich für ihn nie gestellt, weil er Russland nie selbst verlassen habe, twitterte der Kremlkritiker. "Ich bin in einer Wiederbelebungskiste in Deutschland angekommen", sagte er mit Blick auf sein mehrwöchiges Koma nach dem Anschlag in Russland.

Nawalny spricht von "Killerkommando"

Nawalny macht für den Giftanschlag mit einem chemischen Kampfstoff der Nowitschok-Gruppe im vergangenen August ein unter dem Befehl von Kremlchef Wladimir Putin agierendes "Killerkommando" des Inlandsgeheimdienstes FSB verantwortlich. Er benannte acht Namen von Geheimagenten, die auch die Investigativplattform Bellingcat, sowie "The Insider", der US-Nachrichtensender CNN und "Der Spiegel" recherchiert hatten. Russland bestreitet eine Verwicklung in den Fall und verlangt etwa von Deutschland Beweise für eine Vergiftung. Erst dann wolle man Ermittlungen einleiten.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte den Anschlag verurteilt und ließ über ihren Regierungssprecher Steffen Seibert verlauten: "Zu dem gesamten Komplex erwarten wir weiterhin, dass Russland sich erklärt."

Zuletzt hatten die russischen Behörden den Druck auf den Kremlgegner erhöht. Erst am Dienstag war bekannt geworden, dass die Strafvollzugsbehörde den Oppositionellen wegen angeblich nicht erfüllter Bewährungsauflagen ins Gefängnis bringen möchte. Ein entsprechender Antrag wurde bei einem Moskauer Gericht gestellt.

Diverse Vorwürfe gegen Kremlgegner

Die Behörde hatte Nawalny kurz vor dem Jahreswechsel schriftlich aufgefordert, Auflagen einer früheren Strafe zu erfüllen und sich bei den russischen Behörden persönlich zu melden. Ansonsten drohe eine Inhaftierung. In dem Fall geht es um eine Verurteilung aus dem Jahr 2014. Nawalny schrieb dazu, die Bewährungsstrafe habe bereits am 30. Dezember vergangenen Jahres geendet.

Zudem gibt es Ermittlungen gegen den Regierungskritiker wegen angeblichen Betrugs. Das russische Ermittlungskomitee warf ihm vor, mit anderen Personen Spenden von umgerechnet 3,9 Millionen Euro an seinen Fonds zur Bekämpfung von Korruption für "persönliche Zwecke" verwendet haben - etwa für den Kauf von Eigentum und die Finanzierung von Urlaub. Nawalny wies das zurück. Der Putin-Gegner hatte stets erklärt, er wolle seine Arbeit in Russland fortsetzen.

Sendung: Inforadio, 13.01.2021, 10:15 Uhr

14 Kommentare

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  1. 14.

    Über die "Vergiftung" teile ich seine Meinung nicht.
    Trotzdem empfinde ich Respekt, wenn er zurück will.
    Das er für seine Ziele zuhause kämpfen will, und nicht dauerhaft "abhauen" will : Hut ab !!

  2. 13.

    Sie sollten sich bei der Beurteilung eines Menschen und Politikers auf Fakten statt auf den Ruf, das Äußere oder eine sympathische Ausstrahlung verlassen.
    Und Fakt ist: Nawalny ist kein unbeschriebens Blatt, agiert schon seit Jahren politisch am rechten Rand (bzw. schon darüber), weiß sich bestens in Szene zu setzen, wird von mächtigen Geldgebern im Hintergrund protegiert und westlichen Politikern hofiert. Seine Bedeutung in Russland selbst ist zu vernachlässigen.

  3. 12.

    Ihnen scheint wichtig zu sein den Ruf vom Herr`n Nawalny zu schaden, Sie geben vor über ihn bestens Bescheid zu wissen, und es geht um Russland. Ergo, Ihre Propaganda soll Russland nutzen.

  4. 11.

    ergänzend und zur Untermauerung des von mir gerade geschriebenen:

    https://www.mdr.de/nachrichten/osteuropa/politik/nawalny-kritisch-klimeniouk-100.html

    Vielleicht regt das bei einigen zum Denken an, die Nawalny so unkritisch bejubeln.

  5. 10.

    Nur mit dem Unterschied, dass Nawalny in Russland in etwa das vertritt, was hier noch nicht mal "der Flügel" der AfD von sich gibt.
    Scheint immer nur wichtig zu sein, wo etwas geschieht und wer es macht ... und vor allem wem es schadet.

  6. 9.

    Die Opposition muss in dem Land agieren, wo sie Opposition ist... er hat es ja gleich anfangs auch geäußert. Btw: was für ein Typ, schon für den Spruch "Ich bin in einer Wiederbelebungskiste in Deutschland angekommen" bekommt er von mir einen like. Cool, abgef..t, realistisch, intelligent, risikobereit. Stoff für Filme.

    Wir haben hier gut reden, bei uns darf man sogar in der Pandemie ohne Maske JEDE Sch... laut vor dem Reichstag verkünden. Sogar Köche dürfen das... - die Oppositions sitzt bei uns im Bundestag und darf sich jeden Tag mündlich und schriftlich aufs neue entblöden, sorry, entblößen. Und bei uns regieren auch immer die gleichen, wie in Russland, EGAL welches Wahlergebnis sie einfahren und welchen Mist sie in den Jahren zuvor durchgedrückt haben, ganz ohne Wahl-Fälschung... *x*

  7. 8.

    Er hatte dies bereits nach seiner Entlassung aus dem Krankenhaus angekündigt, ich habe mich ehrlich gesagt vor einigen Wochen bereits gefragt, ob er kneift. Verstanden hätte man es ja.
    Der Mann hat etwas, dass ich an unseren Politikern vermisse: Idealismus. Meine Hochachtung dafür, dass er sich nicht ins Exil begibt, sondern in dem Land, für das er eine Veränderung herbeiführen möchte, trotz Lebensgefahr, vor Ort kämpfen wird.

    Er ist Teil einer Veränderung in Russland , die unaufhaltbar ist, vielleicht wird er seinen Platz in dem Geschichtsbüchern finden.
    Ich wünsche Ihn viel Erfolg und seiner Familie viel Kraft.

  8. 7.

    Da es sich in diesen Fall um Vergiftung mit chemischen Kampfstoff handelt geht es nicht nur Deutschland etwas an, sondern auch die EU etc..
    Für humanitäre Hilfe stellt Deutschland keine Rechnung aus.

  9. 6.

    Grundsätzich begrüße ich es ja, wenn andere Staaten ihre Probleme auch in ihrem Land austragen und zu lösen versuchen. Aber der Mann ist ganz offentlich lebensmüde. (Natürlich ist er hier auch keineswegs "sicher")

  10. 5.

    Eigentlich ist Russland ein souveräner Staat. Daher hat D in Vertretung durch die BK keine Forderungen über Verbrechen innerhalb eines souveränen Staates zu fordern. Hat Herr Nawalny alle Behandlungs und Aufenthaltskosten in D selbst bezahlt? Wenn ja, stellt sich die Frage woher er so viel Geld hat und welche Klientel er in RUS vertritt. Deutschland verwahrt sich gegen jede Einmischung in die eigenen inneren Angelegenheiten, nur in RUS, BY und der Ukraine sieht das ganz anders aus. Und Herrn Nawalny wünsche ich in seiner Heimat alles Gute. Eine angemessene Außenpolitik gegenüber Russland wäre wünschenswert, aber mit dem jetzigen Außenminister in D kaum möglich.

  11. 4.

    Nö,sehe ich anders als sie !
    Auch meiner Meinung nach - unnötig diese Meldung.

  12. 2.

    "Unbekannte" hätten versucht diese Person zu vergiften?
    Ich kann mich erinnern, dass auch rbb24, die Täterschaft in den Reihen des russischen Geheimdienst zu finden war.
    Würden uns nicht, auch von dieser Person, Bilder, Namen und Dienstränge der "Unbekannten" vermittelt und uns ein Telefongespräch offeriert, wo ein "Unbekannter" die Tat zugab?
    Nun geht die Person wieder nach Russland, obwohl im da eine Gefängnisstrafe droht - ein Märthyrerstatus muss man sich erarbeiten.

  13. 1.

    Eigentlich unwichtig, mehr gibt es dazu nicht zu sagen.

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