Berlin-Friedrichshain - Linke Gedenk-Demonstration von Rangeleien mit Polizei begleitet

So 10.01.21 | 21:08 Uhr
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Demonstranten gehen zum Gedenken an die Ermordung der Kommunistenführer Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht die Frankfurter Allee entlang (Bild: dpa/Christophe Gateau)
Video: rbb|24 | 10.01.2021 | Material: Abendschau | Bild: dpa/Christophe Gateau

Das traditionelle Gedenken an die Ermordung von Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht ist in Berlin wegen Corona auf den März verlegt. Linke und Linksradikale gingen am Sonntag dennoch auf die Straße - und gerieten mit der Polizei aneinander.

Mehr als 1.000 Menschen aus linken und linksradikalen Gruppen haben nach Angaben der Polizei in Berlin zum Gedenken an die Ermordung der Kommunistenführer Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht im Jahr 1919 demonstriert. Sie zogen am Sonntagvormittag mit Fahnen, Transparenten und Sprechchören vom Frankfurter Tor in Friedrichshain zur Gedenkstätte der Sozialisten auf dem Friedhof Friedrichsfelde in Lichtenberg.

Vor Beginn kam es zu Rangeleien zwischen Demonstranten und Polizisten. Einige Böller wurden gezündet, vereinzelt warfen Demonstranten Flaschen auf die Polizei. Dabei wurden nach Angaben der Polizei 17 Beamte verletzt - zwei von ihnen werden im Krankenhaus behandelt. Weil trotz mehrerer Ansagen Demonstranten weiterhin Fahnen der Jugendorganisation FDJ zeigten, griffen Polizisten gewaltsam ein und entfernten die Fahnen. Die Polizei sprach von "verbotenen Fahnen". Die Symbole der früheren FDJ in Westdeutschland sind verboten - nicht jedoch die der FDJ in der DDR.

Bei den Rangeleien setzten Polizisten auch Pfefferspray ein und nahmen Demonstranten fest: insgesamt 32 Personen "wegen des Verdachts des tätlichen Angriffs, des Landfriedensbruchs und der gefährlichen Körperverletzung", sagte ein Polizei-Sprecher der rbb Abendschau.

Die Demonstrationsteilnehmer warfen hingegen der Polizei vor, ungerechtfertigte Gewalt eingesetzt zu haben. Zudem hätten teilweise die Einsatzkräfte den Infektionsschutz nicht eingehalten, weil sie unmaskiert gewesen seien.

Lage beruhigte sich

Mehrfach forderte die Polizei die Teilnehmer am Anfang auf, die vorgeschriebenen Abstände zum Schutz vor Corona-Infektionen einzuhalten. Viele Demonstranten trugen zwar Masken, standen aber trotzdem dicht gedrängt beieinander. Als der Demonstrationszug loszog, wurden die Abstände größer und die Lage beruhigte sich.

Zu sehen waren zahlreiche Fahnen der Deutschen Kommunistischen Partei (DKP), der Sowjetunion, der linksradikalen Antifa und von kurdischen und türkischen Organisationen. Unter den Demonstranten war auch ein Block von etwa 100 schwarz gekleideten Linksautonomen. In Sprechchören forderten Demonstranten mehr Sozialstaat, eine Revolution und die Abschaffung des Kapitalismus oder beschimpften die Polizei.

Die Polizei begleitete die Demonstration nach eigenen Angaben mit 230 Beamten. Auch mehrere "Kommunikations-Teams" mit gelben Westen sowie Zivil-Polizisten waren dabei. Für die Demonstration waren 3.000 Teilnehmer angmeldet, unter dem Motto: "Fight and Remember: Krise und Unterdrückung - die Antwort darauf heißt Revolution"

Jährliche Gedenkveranstaltung

Luxemburg und Liebknecht wurden am 15. Januar 1919 von Freikorps-Soldaten in Berlin erschossen. Das sonst übliche jährliche stille Gedenken der Partei Die Linke auf dem Friedhof wurde in diesem Jahr wegen der Corona-Pandemie auf den 14. März verschoben. Seit Jahrzehnten legten am zweiten Sonntag im Januar Tausende Menschen und die führenden Vertreter der Partei an der Grabstätte der beiden Arbeiterführer Kränze und rote Nelken nieder. In der DDR war der jährliche Gedenkmarsch ein Ritual unter Führung der gesamten Staats- und SED-Spitze.

Sendung: Inforadio, 10.1.2020, 11:30 Uhr

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44 Kommentare

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  1. 43.

    Hä??
    Hab ich da was nicht mitgekriegt? Wo kommen diese sogenannten "Querdenker" her? Diese Corona-Leugner und schlimmeres stammen ja wohl ursprünglich aus Ihrer Gegend. Das nur zum "Rest des Landes"!

  2. 42.

    Das Zeigen von Symbolen der FDJ ist auf dem gebiet der damaligen DDR straffrei und nicht verboten - so steht es im Einigungsvertrag ....

  3. 39.

    Sie haben so recht. Demonstrationsrecht hin oder her - aktuell kann man doch mal seine Füße still halten. Tag für Tag irrsinnige Todeszahlen, die Kliniken am Rande des Kollaps und dann auf die Demo - womöglich noch extra aus der Ferne anreisen. NoGo.

  4. 38.

    "Abschaffung des Kapitalismus"..... Bitte schön, das können die Demonstranten schon jetzt haben, einfach nach Nordkorea ziehen.

  5. 37.

    Das ist ja auch ihr gutes Recht (zu verzichten) aber dies von anderen Personen zu verlangen?
    Stellen sie sich vor ich würde von ihnen abverlangen das Maß an Sport zu betreiben, um gesund zu bleiben, welches ich mir als Vorgabe setzte?...

  6. 36.

    Rosa Luxemburg würde sich im Grabe umdrehen, wenn sie das sehen würde und vor alle in der heutigen Situation. Ihr seit genauso respektlos gegenüber euren Mitmenschen wie die schrägen Denker und somit genauso unglaubwürdig.

  7. 35.

    ...ich kann sie leider gut verstehen, warum sollten sie ihren Sohn mit seiner Partnerin nicht sehen dürfen?
    Absurd!

  8. 34.

    Nur weil man einen Paragraphen im Gesetzbuch lesen kann, ist man offensichrlich noch kein Jurist.
    Aber ich habe ihren Kommentar mit einem Lächeln gelesen.

  9. 33.

    Falsch. Laut Einigungsvertrag dürfen alle in der DDR existierenden Organisationen weiterbestehen, dies trifft eindeutig auf die FDJ zu.

    Verboten ist das (optisch gleiche) Zeichen der West-FDJ, im Artikel wird (wie in allen anderen Berichten der Presse dazu) von "Fahnen der DDR-Jugendorganisation FDJ" geschrieben.

    Die Rechtsprechung dazu ist auch ziemlich eindeutig...

  10. 32.

    Freiheit ist immer die Freiheit der Andersdenkenden? Werden heute Meinung der Ostdeutschen unterdrückt?

  11. 31.

    Wieso dürfen Sie nirgendwo hinfahren? Sie geben als Wohnort "Berlin" an, dort gibt es (noch) keine Entfernungsbeschränkungen.

    Und wenn vom Senat welche verhängt werden sollten dürften die rechtlich auch schwer haltbar sein, denn der 15km-Radius gilt ja ab Stadtgrenze, und über diese hinaus hat der Senat keinerlei Verordnungsberechtigung.

  12. 30.

    Sie scheinen nicht einmal ansatzweise mitbekommen zu haben, was seit Monaten läuft. Jede Demo, die gegen die Maßnahmen war (egal, von wem organisiert), wurde als Querdenkendemo entweder schon im Vorfeld verboten und/oder wenn dann doch erlaubt, sofort wegen Verstößen gegen Hygieneauflagen aufgelöst bzw. massiv behindert. Dagegen konnten alle anderen Demos unbehelligt stattfinden - ohne dass auch nur ansatzweise auf Abstände etc. geachtet wurde. Auch diese Demo konnte ziemlich ungestört ablaufen. Sogar einen Demonstrationszug gab es - etwas, was bei den Maßnahmenkritikern überhaupt nicht mehr gestattet wird.

  13. 29.

    Artikel lesen und verstehen. "zudem verbotene Fahnen der DDR-Jugendorganisation FDJ entfernt"
    Die Fahnen der FDJ der DDR sind eben nicht verboten. Die Verfolgung Andersdenkender war eben Bestandteil des Westdeutschen Staates. Die KPD wurde mit Hilfe der SPD Gewerkschaften verboten. Linke sollten durch Spitzel zu Gewalttaten gedrängt werden. Es wurden Leute welche Reisen in die DDR organisierten in das Gefängnis geworfen. Andersdenkender wurden mit Berufsverbot belegt. Was selbst EU Gerichte als rechtswidrig einstuften.

  14. 28.

    Es gibt kein Demo Verbot und das ist auch richtig. Es wurden schon genügend Eingriffe in die Freiheit der Bürger durchgeführt. Meinungsfreiheit ist in diesem Staat eines der höchsten Güter. Sie können auch woanders hinziehen wenn ihnen das nicht passt.

  15. 27.

    Das rote-Wahlvolk lässt man gewähren... typisch RRG. Das Gedenken könnte man auch "digital" abhalten. Die zu betrauernden wären heute sowieso tot. Die Gendenkfeier Schnee von gestern.

  16. 26.

    Wer meidet in Berlin Kontakte ? Das ist ja ganz was Neues. .... und was bitte ist mit den " Rodelwütigen " die überall hin in Scharen fahren?

  17. 25.

    Langsam reicht es.

    Eine demo die wegen Corona verschoben wurde findet doch auf einmal statt.
    Immer wieder werden (egal ob von linken, rechten Querdenker...) Demos und versammlungen angezettelt, die stattfinden dürfen.
    Massen an Leuten fahren zum Ausflug ins Wintergebiet...

    Unternommen wird nichts.
    Wenn ich aber mit 4 Leuten auf einem Fleck stehe, ohne den Sicherheitsabstand, gibt es sofort Ärger.

    Wenn alle Bürger sich mal an die Corona-Auflagen (sch... egal ob sinnvoll oder nicht) halten, dann würde der Lockdown auch vielleicht mal zu ende gehen.
    Und die, die am meißten über den Lockdown meckern sind meißtens die, die sich nicht daran halten!!!

    Leute, denk doch mal nicht nur an euch.
    Viele kleine Betriebe kämpfen gerade mit dem überleben. Die andere die nichts besseres zu tun haben als zu demonstrieren oder sogar den massen zum Skifahren folgen , die unterstützen indirekt den untergang dieser kleinen Betriebe.

    Wo ist der zusammenhalt geblieben.

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