Rabbiner Elias Dray kommt zur Gedenkstunde des Deutschen Bundestags aus Anlass des Tags des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus. (Quelle: dpa/Michael Kappeler)
Bild: dpa/Michael Kappeler

Jahrestag der Auschwitz-Befreiung - Berlin und Brandenburg erinnern an Holocaust-Opfer

Vor 76 Jahren wurde das Vernichtungslager Auschwitz von sowjetischen Soldaten befreit. In Berlin und Brandenburg wurde am Mittwoch im Rahmen verschiedener Veranstaltungen der Holocaust-Gedenktag begangen.

Mit Präsenz- und Online-Gedenkveranstaltungen ist am Mittwoch in Berlin an die Opfer des NS-Völkermordes erinnert worden. Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) erklärte, der Holocaust-Gedenktag am 27. Januar als Jahrestag der Befreiung von Auschwitz ist und bleibe ein zentrales Datum der Erinnerungskultur.

"Es ist unsere Pflicht, alles zu tun, um Freiheit, Demokratie und Rechtstaat zu schützen und zu bewahren", schrieb Müller auf Twitter. Dabei gehe es auch um unser aller Zukunft und um die Zukunft der nach uns kommenden Generationen. Müller nahm auch an einer Gedenkstunde des Bundestags teil.

Knobloch und Weisband sprechen im Bundestag

Bei der Gedenkstunde des Bundestags sprach die Präsidentin der israelischen Kultusgemeinde München, Charlotte Knobloch. Die 88-Jährige, berichtete im Plenum von Hass und Verfolgung, die sie als Kind selbst miterlebt hatte.

Knobloch wandte sich im Plenum direkt an die AfD. "Ich kann nicht so tun, als kümmerte es mich nicht, dass Sie hier sitzen", sagte sie. Für die Ewiggestrigen habe sie eine Botschaft: "Sie werden weiter für Ihr Deutschland kämpfen, und wir werden weiter für unser Deutschland kämpfen - und ich sage ihnen: Sie haben Ihren Kampf vor 76 Jahren verloren."

Die Publizistin Marina Weisband sprach von den Gefahren, denen Juden auch heute noch in Deutschland ausgesetzt sind. Aus Sicherheitsgründen müssten viele ihr Jüdischsein verstecken und unsichtbar machen.

Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble (CDU) warnte vor neuen Formen von Rassismus und Antisemitismus in Deutschland. Diese verbreiteten sich auf Schulhöfen, in Internetforen oder in Verschwörungstheorien.

Liedtke prangert Begriff "Corona-Diktatur" an

Auch in Brandenburg wurde landesweit an die Opfer des Nationalsozialismus erinnert. Landtagspräsidentin Ulrike Liedtke (SPD) warnte vor Gewalt und Hetze im Alltag. "Die gegenwärtige Corona-Pandemie ist eine Gefahr, gegen die es einen Impfstoff gibt. Aber Antisemitismus, Diskriminierung von Minderheiten und rassistische Gewalt und Hetze sind Gefahren für unser gesamtes gesellschaftliches Leben, denen sich jeder Einzelne selbst widersetzen muss", sagte sie. Man müsse die Auseinandersetzung führen und widersprechen, wenn von einer "Corona-Diktatur" die Rede sei, die es nicht gebe.

Da eine Präsenzveranstaltung vor Ort wegen der Corona-Pandemie in diesem Jahr nicht möglich war, hielten die Gedenkstätte Sachsenhausen und der Landtag gemeinsam eine Online-Veranstaltung ab.

Veranstaltungen fanden digital statt

In der Berliner St. Matthäus-Kirche fand am Mittwochabend ein Gedenkgottesdienst ohne Besucher statt, der live auf Youtube übertragen wurde. Veranstalter waren die Aktion Sühnezeichen Friedensdienste, die Evangelische Akademie zu Berlin und die Evangelische Kirchengemeinde in der Friedrichstadt.

Ein ebenfalls publikumsloses Konzert mit jüdischer Musik aus der Berliner Synagoge Pestalozzistraße wurde vom rbb-Kulturradio übertragen. Das Jüdische Museum Berlin streamte ein Gespräch mit der Zeitzeugin Eva Schloss, die als 15-Jährige Auschwitz überlebte.

Sendung: Inforadio, 27.01.2021, 6 Uhr

6 Kommentare

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  1. 6.

    Antisemitismus ist das Schmiermittel, das gesellschaftliche Gruppen zusammenhält. Es ist der Grundkonsens, der völkischen, linken und liberalen Gruppen eine Zusammenarbeit ermöglicht. Stärker als Rassismus oder frauenfeindlichkeit schweisst der Judenhass Menschen mit unterschiedlichen Vorstellungen zusammen. Auch und Gerade weil diese Leute keine Juden kennen, ist das Schmiermittel so stark. Alles kann hineingelegt werden. Antisemitismus muss massiv geahndet werdet. Und zwar alle Formen, einschließlich der Hass auf Israel. Im Klartext, das deutsche Theater verliert jeden der die Initiative Weltoffenheit unterschrieben hat. Das Einstein forum wird neu besetzt. Das jüdische Museum berichtet über jüdische Kultur anstatt Vorurteile zu fördern.

  2. 5.

    Ich erinnere mich gerade an den verqueren Begriff der "Bio-Deutschen", wie er vor wenigen Jahren hauptsächlich von Medien benutzt wurde. Inzwischen ist dieser Begriff glücklicherweise in der Versenkung verschwunden - ggf. auch deshalb, weil er eine Steilvorlage für die AfD im Sinne ihrer bloßen "Passdeutschen" ist, die sich in Gegensatz dazu befänden und nicht so ganz dazugehörten.

    Menschen, die Juden sind, sind in diesem Land über Jh. hinweg tendenziell immer anders behandelt worden als Menschen, die Christen oder Atheisten sind. Gehören Letztgenannte bspw. in bayerischen Bergdörfern und im linksrheinischen NRW nicht so ganz dazu, traf und trifft es jüdische Menschen scheinbar überall. Mal mehr, mal weniger. Offiziell und von Staats wegen ja garnicht, immerhin, außer bei einem zwischenzeitlichen Bundespräsidentenkandidaten Heitmann, seinerzeit in Sachsen.

    Soll Diskriminierung von wem auch immer fallen, so gilt es, mit der Vorstellung eines homogenen Staatsvolkes aufzuräumen.

  3. 4.

    Demokratie und Menschenrechte sind kein Geschenk, was einem so einfach in den Schoß fällt. Die meisten nehmen Demokratie als Selbstverständlichkeit hin. Wie fragil unsere Demokratie ist konnte man an den Moden von Kassel, Hanau und Halle sehen.

    Daran denken ist gut, noch besser ist es Gesicht zu zeigen, wenn unsere Demokratie gefährdet und angegriffen wird.

  4. 3.

    Es ist sehr wichtig dran zu denken was nie mehr passieren darf!

  5. 2.

    Deshalb müssen wir alle wachsam sein. Wir sind aber heute in der großen Mehrzahl.

  6. 1.

    Immer noch, immer wieder unvorstellbar...Wozu Menschen in der Lage sind!
    Das darf NIEMALS vergessen werden und darf sich NIEMALS wiederholen.
    Gedenken den Opfern! Hochachtung den Überlebenden, die trotz tausendfachem Schmerz und Leid die erlebten Geschichten immer wieder weitererzählen!

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