Archivbild: Kai Wegner, Landesvorsitzende der CDU-Berlin und designierter Spitzenkandidat für die Abgeordnetenhauswahl 2021, spricht bei einer Pressekonferenz anlässlich seines Antritts als Spitzenkandidat der CDU-Berlin für die Abgeordnetenhauswahl 2021. (Quelle: dpa/C. Soeder)
Audio: rbb88,8 | 15.01.2021 | Kai Wegner im Gespräch mit Ingo Hoppe | Bild: dpa/C. Soeder

Interview | Kai Wegner zum CDU-Parteitag - "Schwarz-Grün ist spannend, wenn man mit den Vernünftigen spricht"

Bei einem digitalen Parteitag will die CDU einen neuen Parteivorsitzenden bestimmen. Der Berliner CDU-Landeschef Kai Wegner gibt im Interview eine Einschätzung der Kandidaten, wo er er die wichtigsten Aufgaben der CDU sieht - und welche Koalition er sich vorstellen kann.

Die CDU startet am Freitag ihren ersten digitalen Parteitag. Bei der Veranstaltung soll ein neuer Parteivorsitzender gewählt werden. Um die Nachfolge der scheidenden CDU-Chefin Kramp-Karrenbauer bewerben sich der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Laschet, der frühere Unionsfraktionschef Merz und der Außenpolitiker Röttgen.

Die Wahl des neuen Vorsitzenden findet komplett digital statt. Aus rechtlichen Gründen soll die Entscheidung danach durch eine Briefwahl bestätigt werden. Über den Kanzlerkandidaten der Union werden CDU und CSU vermutlich erst im Frühjahr entscheiden.

rbb: Herr Wegner, eine Entscheidung für einen Kandidaten ist ja auch immer so ein bisschen Richtungsentscheidung für eine Partei. Worauf hoffen sie?

Kai Wegner: Ich hoffe vor allen Dingen, dass die CDU nach dieser Entscheidung zusammenbleibt, dass wir sehr schnell die Reihen schließen, denn wir haben wichtige Aufgaben als CDU vor der Brust. Wir müssen das Land zusammenhalten, wir müssen Deutschland aus dieser Pandemie führen und vor allen Dingen die wirtschaftlichen Folgen abmildern, damit wir erfolgreich in diesem Wahlkampf starten können.

Sie haben sich ja schon vor einer ganzen Weile für Friedrich Merz als Parteivorsitzenden ausgesprochen. Ist er immer noch ihr Mann?

Ich halte Friedrich Merz weiterhin für den richtigen Kandidaten. Wir brauchen gerade in dieser Zeit seine Wirtschaftskompetenz, seine Finanzkompetenz. Ich wünsche mir aber, dass die anderen mit dabeibleiben. Wir brauchen eine starke Aufstellung, um als Volkspartei der Mitte erfolgreich zu sein. Und da brauchen wir einen Armin Laschet, einen Norbert Röttgen, aber wir brauchen vor allen Dingen auch viele Frauen, die ja auch für den Bundesvorstand kandidieren, unter anderem Monika Grütters aus Berlin.

Die Frauen-Union ist gegen Friedrich Merz und für Röttgen oder Laschet - diese hätten so einen modernen Politik-Stil. Können Sie das nachvollziehen?

Nun gibt es immer Vorlieben. Die Junge Union ist für Friedrich Merz, die Mittelstandsvereinigung ist für Friedrich Merz, unsere Arbeitnehmerschaft hat sich für Armin Laschet ausgesprochen. Ich glaube, dass die Delegierten ein sehr feines Gespür haben und dass sie sich in den letzten Wochen und Monaten eine ganz eigene Meinung gebildet haben. Ich kenne sehr viele Frauen, die Friedrich Merz wählen werden. Und wenn ich mir die Umfragen in den einzelnen Kreisverbänden anschaue - in ganz Deutschland auch - und immer die Zustimmung gerade auch für Friedrich Merz sehe, dann kann diese Zustimmung nicht nur von Männern kommen. Von daher finde ich es immer schöner und auch besser, wenn man nicht gegen jemand ist, sondern für einen Kandidaten.

Wir haben noch nicht über Jens Spahn geredet, in den Umfragen gerade beliebtester Politiker Deutschlands. Wäre das auch ein Kanzlerkandidat?

Ich halte Jens Spahn für einen ganz exzellenten Bundesminister, einen ganz exzellenten Mann, der auch gerade in der Zukunft innerhalb der CDU eine ganz wichtige Rolle spielen muss und auch wird. Er steht ja bei diesem Bundesparteitag nicht zur Verfügung. Aber ich freue mich, dass Jens Spahn auch in der Zukunft eine wichtige Rolle spielen wird, im Übrigen wie ein weiterer sehr beliebter Ministerpräsident, den wir zurzeit in Deutschland haben: nämlich der bayerische Ministerpräsident Markus Söder.

Markus Söder hat sich ja in letzter Zeit schon recht offensiv an die Grünen rangekuschelt. Friedrich Merz hat da auch Position bezogen und gesagt, dass es nicht unmöglich ist. Wie sehen Sie das?

Es geht nicht darum, sich für irgendeine Koalition schick zu machen, sondern es geht darum, die Union so stark wie nur möglich zu machen, um dann in Koalitionsverhandlungen so viel Union wie möglich durchzusetzen. Und da hat Friedrich Merz immer wieder gesagt - übrigens wie alle anderen auch - dass da die Grünen eine Option sind, aber wahrlich nicht die einzige. Ich glaube, was bundespolitisch wirklich wichtig ist: dass die große Koalition ein Ende findet.

Schwarz-Grün wäre auf Bundesebene ein Experiment. Hat das auch eine gewisse Erotik aus Ihrer CDU-Sicht?

Ich würde es lieber als spannend bezeichnen. Ich halte eine Variante schwarz-grün für spannend, wenn man da mit den Vernünftigen spricht. In Deutschland auf Bundesebene ist das sicherlich weit einfacher, weil die Grünen da wirklich auch in vielen Bereichen pragmatischer geworden sind.

Die Berliner Grünen sind ja leider Gottes ziemlich weit links. Aber wenn ich an die Baden-Württemberger oder aber auch an die hessischen Grünen denke, wo ja schon erfolgreiche oder grün-schwarze Koalition funktionieren, dann kann ich mir so was auf Bundesebene auch vorstellen.

Letzte Frage: Wie geht das Rennen aus?

Es wird ganz, ganz eng. Aber derjenige, der sich am Ende durchsetzt, ist dann in der Verantwortung, alle mitzunehmen.

Vielen Dank für das Gespräch.

Das Interview führte Ingo Hoppe, rbb88,8.

Der Text ist eine gekürzte und redigierte Form. Um das gesamte Gespräch zu hören, klicken Sie bitte auf das Audiosymbol im Titelbild des Beitrags.

Korrektur: In einer ersten Fassung dieses Beitrags hieß es in einer Frage, Wegner habe sich für Friedrich Merz als Kanzlerkandidaten ausgesprochen. Das war so nicht korrekt. Richtig muss es als Parteivorsitzenden heißen.

39 Kommentare

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  1. 39.

    Als AfD Wähler finde ich Laschet ok.. Er wird die CDU stramm auf linksgruen Kurs halten.. Das Ergebnis wird man schon bei den Wahlen Mitte märz sehen..

  2. 38.

    Also Gott wird mangels Wahlrecht nicht helfen können, das kann aber jeder, der seinen Popo von dem häuslichen Plüschtrohn hochbekommt und ein Kreuzchen macht - also auf dem Wahlzettel. Auch wenn das Kreuz über den ganzen Zettel geht, isses besser als sitzen bleiben. Nur wo jeder sein Votum abgibt könnte ein Problem werden. Für mich ist Möglichkeit aus den "Fanatikern der Mitte" zu wählen durchaus spannend weil links von der Mitte der Linken und rechts von der Mitte der CDU fängt es an extremistisch zu werden. Extremisten machen, wie der Name schon sagt, extrem Mist. Brauch' kein Schwein.

  3. 37.

    Seit langem endlich wieder mal was Schönes zu hören. Als AfD Wähler finde ich das CDU Vorstandsposten-Wahlergebnis ausgezeichnet.

  4. 36.

    Ich finde schon die Überschrift "Schwarz-Grün ist spannend, wenn man mit den Vernünftigen spricht" lustig.
    Wo sollen sich denn die "Vernünftigen" versteckt haben? Gibt es die überhaupt bei der Verbots-, Vorschriften- und Bevormundungspartei Die Grünen?
    Letztlich bleibt einem nur die Wahl der CDU, um diesen seit Jahren, Jahrzehnten herrschenden politischen Spuk ein Ende zu bereiten.
    Noch ist Berlin zu retten, bevor es in einer Öko-Sozialismus versinkt.

  5. 35.

    "Schwarz-Grün ist spannend, wenn man mit den Vernünftigen spricht". Dann wird es in Zukunft sehr langweilig, weil es keine Vernünftigen gibt in diesen Altparteien, dass zeigt die maßlos unvernünftige Coronapolitik. Ich würde auch sagen eine schlimmere Kombination gibt es für Deutschland nicht. Die Alten mit den Fanatikern. Oh Gott hilf.

  6. 34.

    Wenn ich so die Leserzuschriften (zur Zeit 2100 Zuschriften) zu dem Wahlbericht der WELT überfliege, es herrscht totale Verzweifelung. Sprich, setzte sich das in Wahlergebnissen um, wird die CDU bei den nächsten Wahlen massiv einbrechen. Bei der AfD könnten sie schon den Sekt kalt stellen.

  7. 33.

    Schwarz/grün ist spannend und wäre für den Bürger eine Katastrophe! Vernunft habe ich in keiner Form bei den Grünen feststellen können, leider!

  8. 32.

    Laschet also...

    Den Wählern bleibt auf diese Weise erspart, dass Merz nach rechts geblinkt und die Möglichkeit einer Mitte-Rechts-Koalition nach der Bundestagswahl angedeutet hätte, nur damit sich die CDU dann (leider, leider) doch Koalitionspartner im linken Lager sucht.

    Bei Laschet wissen die Wähler, dass sie die Fortsetzung der Merkel-Linie bekommen, und können das bei ihrer Entscheidung im September berücksichtigen.

  9. 31.

    Warum eine Wahl für die AfD genau "eine halbe Stimme für für Rot-Rot-Grün" ist, wird wohl auch Merz nicht so exakt begründen können. Tatsächlich wäre es im Falle des Wahlsieges von Merz durchaus möglich gewesen, daß Merz AfD Wähler, die zum großen Teil ja ehemalige CDU-Wähler sind, zu sich zurück zu holen. Aber diese Überlegung ist mit Laschet jetzt natürlich ohnehin obsolet. Im Gegenteil, die AfD könnte wachsen mit enttäuschten Merz Wählern, denn wen sollen die denn jetzt noch wählen?

  10. 30.

    Vielleicht könnte der RBB dies mal recherchieren, wieviele der 1001 CDU Delegierten leben direkt oder indirekt von der Partei? Denn in Laschet sehen die natürlich eher den Bestand des Status Quo, als wenn Merz gewonnen hätte.

  11. 29.

    Das ist ein schwerer Schlag für Merz-Freunde.
    Das Gemurkse der Merkelianer wird weitergehen.
    Merz sollte eine neue Partei gründen.

  12. 28.

    Armin der Kurze von Merzes Gnaden. Die Komedyversorgung ist gesichert :-).

  13. 27.

    Herzlichen Glückwunsch an die AfD, niemand von der AfD wird bei Laschet abspenstig.

  14. 26.

    Wie genau soll denn eine AfD-Stimme eine halbe Stimme für Rot-Rot-Grün sein?
    Rot-Rot-Grün wird nach der Wahl von Laschet nun sowieso keine Mehrheit mehr bekommen.

  15. 25.

    Oh nein nicht der Laschet...mal abgesehen davon, dass mein Kreuz nie da landen würde, ist es wohl das schlimmste was der CDU passieren konnte, so einen der seine Nase in den Wind dreht und immer nur zusieht, dass er gut rüber kommt haben wir dringend noch gebraucht, mal ganz abgesehen vom Familienklüngel

  16. 24.

    Merz bei seiner Bewerbungsrede "Jede Stimme für die AfD sei eine halbe Stimme für Rot-Rot-Grün". Naja, mit Grün muss Merz schließlich auch regieren, und ausgeschlossen ist ja auch, er auf die SPD zurückgreifen muss. Ein ko-Faktor für AfD Wähler. Ob die SED-Erben überhaupt noch eine relevante bundespolitische Größe darstellen werden, ist zu bezweifel. In den neuen Bundesländern, ihrer Machtbasis, haben sie die Hälfte ihrer Wähler verloren.
    Der österreichische Bundeskanzler Kurz kann doch deswegen mit den Grünen so gut auskommen, weil er die grünen Ambitionen in Sachen Migration gestutzt hat und im Bedarfsfall auch mit den Stimmen der Freiheitlichen rechnen kann.

  17. 23.

    Kai Wegner sollte noch mal Klaus Landowsky anrufen wie der die Aktion mit dem Sportwagen fand.

  18. 22.

    Es gibt Bundesländer wo man mit den Grünen vernünftige Politik gestalten kann, s. BW und Hessen!
    In Berlin dürfte eine Koalition für die CDU mit den Grünen sehr schwer werden.
    Da könnte eher die SPD und die FDP ein Partner werden.
    Aber bis Sept. ist noch eine lange Zeit und da uns Corona (ohne Impfschutz) mit Sicherheit erhalten bleibt bin ich gespannt wie die Bürger nach Monaten im Lockdown und Verboten reagieren.

  19. 21.

    "wenn man mit den Vernünftigen spricht"
    Eine allgemeingültige Aussage.
    Das trifft auf jede Partei zu.

  20. 20.

    Die CDU kann aufstellen und tun und machen was sie will. Ich habe und werde nie ein Kreuz bei denen setzen und es ist mir vollkommen unverständlich wie man diese ‚alte‘ Partei überhaupt wählen kann. Alte Politik für alte Eliten und mehr nicht. Das zeigt diese Krise enorm. Das durch die CDU kaputt gesparte Gesundheitssystem, das absolute hinterherhinken der Digitalisierung, das ganze marode Schulsystem. Während einer ‚Pandemie‘ über 20 Krankenhäuser in Deutschland zu schließen, muss mir auch jemand erklären.
    Ein Söder, der zu viel Macht geschnuppert hat und sich sehr gut in der Rolle des rücksichtslosen Maßnahmen-Irren gefällt, ist unzumutbar. Allein diese FFP-2 Maskenpflicht in Bayern, welche diskriminierend (Männer mit Bart können diese nicht tragen) und arme Leute noch ärmer macht, zeigt doch, wie nah die ‚christlichen‘ Parteien dem Volk stehen. Frauen-Feind Merz ist ebenfalls nicht tragbar. Ich verstehe auch nicht, was Herr Spahn in dieser konservativen homophoben Partei verloren hat.
    Überhaupt sollte dieses nutzlose überalterte Parteien System endlich abgeschafft werden. Zu viele Köche verderben den Brei und wie man sieht, ist das bereits passiert.

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