Ausbau in Berlin - 3.000 neue Kita-Plätze sind "ein Tropfen auf den heißen Stein"

Symbolbild: Kinder spielen in einer Kita. (Quelle: imago images/M. Schick)
Bild: imago images/M. Schick

Berlin erhält für den Neu- und Ausbau von Kitas 48 Millionen Euro. Das Geld stammt aus dem Konjunkturpaket des Bund zur Bekämpfung der Corona-Folgen. Allerdings lässt sich der Rechtsanspruch auf einen Kita-Platz immer noch nicht umsetzen. Von Ansgar Hocke

Für Berliner Eltern, die derzeit unter Home-Schooling und Notbetreuung ächzen, bringt die Corona-Krise demnächst zumindest etwas Entlastung: Es wird neue Kita-Plätze geben.

48 Millionen Euro aus dem Bundeshaushalt stehen für den Neu- und Ausbau von Kitas zur Verfügung. Die Mittel stammen aus dem Konjunkturprogramm der Bundesregierung zur Bewältigung der Corona-Folgen. Den größten Anteil erhalten die Bezirke Neukölln und Pankow, gefolgt von Marzahn-Hellersdorf. 140 Anträge für Kindertagesstätten sind bei der Senatsverwaltung eingereicht worden, 70 Projekte erhielten einen Zuschlag, wie die Senatsverwaltung für Bildung rbb24 Recherche mitteilte.

Wenn alle Projekte umgesetzt werden, dann entstehen 3.000 neue Kitaplätze und 700 Plätze werden saniert. Das Problem: Die Mittel müssen schnell ausgegeben werden, denn das Konjunkturpaket, so der Anspruch des Bundes, soll rasch wirksam werden. Konkret heißt das: Die Verantwortlichen haben nur bis Juni 2022 Zeit, ansonsten verfällt das Geld.

Ziele nicht erreicht

Neben den öffentlichen Kindertagesstätten sind die freien Träger wie Caritas, Humanistischer Verband oder Arbeiterwohlfahrt die entscheidenden Träger der Kindertagesstätten. Sie betreiben fast 90 Prozent aller Einrichtungen.

Der Paritätische Wohlfahrtsverband, dem die meisten Berliner Kitas gehören, "begrüßt" zwar die Bundesmittel, stellt aber zugleich fest, dass auch damit der Rechtsanspruch auf einen Kita-Platz noch immer nicht umgesetzt werden kann. Martin Hoyer, stellvertretender Geschäftsführer, erklärt rbb24 Recherche: "Obwohl die Kitaträger in den letzten Jahren, unterstützt durch Fördermittel des Landes und des Bundes, eine beeindruckende Zahl neuer Plätze geschaffen haben, reichen diese nicht aus. So wurden bereits die Ziele der Kitaplanung für 2020 um rund 20.000 Plätze verfehlt. Ursprünglich sollten 195.000 Plätze zur Verfügung stehen."

26.000 Plätze müssen her

Jedes Berliner Kind hat vom ersten Lebensjahr an einen gesetzlichen Anspruch auf einen Betreuungsplatz, deshalb ist der Bedarf an Kindertagesstätten nach wie vor riesig. In den nächsten fünf Jahren wächst in Berlin die Zahl der Kinder im Kita-Alter auf bis zu 200.000. Von 2020 bis 2026 sollen 26.000 neue Plätze geschaffen werden, so steht es im Kitaentwicklungsplan des Senats.

Mit einem Sammelsurium von Programmen, Fonds, Paketen versucht die Senatsverwaltung seit Jahren dem Bevölkerungszuwachs hinterher zu kommen: 15.500 Kitaplätze ist die Zielmarke für 2022. Wie viele wirklich davon Realität werden, dazu gibt es derzeit keine konkreten Aussagen. Und wie es nach 2022 weitergehen soll, scheint auch unklar. Dem Senat liegen zwar Anträge für neue Kita-Projekte vor, doch sie wurden erst einmal zurückgestellt, denn im Haushalt für 2022 wurden keine weiteren Mittel eingestellt.

Die Berliner Haushälter seien sich offenbar der Dimension des Problems nicht bewusst, erklärt Stefan Spieker, Geschäftsführer der Organisation Fröbel Bildung und Erziehung. Spieker hat gerechnet und ist zu dem Ergebnis gekommen: "Bei erforderlichen 26.000 Plätzen summiert sich das auf eine Fördersumme für Neubauvorhaben von knapp 800 Millionen Euro. Die Öffentlichkeit lässt sich derweil mit Kleckerbeträgen zwischen 26 Millionen und 48 Millionen Euro in den Haushalten abspeisen. Das ist nur ein Tropfen auf den heißen Stein."

Beitrag von Ansgar Hocke

7 Kommentare

Wir schließen die Kommentarfunktion, wenn die Zahl der Kommentare so groß ist, dass sie nicht mehr zeitnah moderiert werden können. Weiter schließen wir die Kommentarfunktion, wenn die Kommentare sich nicht mehr auf das Thema beziehen oder eine Vielzahl der Kommentare die Regeln unserer Kommentarrichtlinien verletzt. Bei älteren Beiträgen wird die Kommentarfunktion automatisch geschlossen.

  1. 7.

    Es geht ja gerade darum, dass Eltern abgesichert werden müssen, damit sie nicht finanziell gezwungen werden, ihre Kinder so früh fremdbetreuen zu lassen. Und wer sich unbedingt selbstverwirklichen will und dabei ein Kind für maximal drei Jahre zu Hause bleiben nur stört, sollte mal seine Familienplanung überdenken... Entweder man entscheidet sich für Kinder und nimmt sich dann auch die Zeit dafür, oder man lässt es, wenn einem die Karriere so viel wichtiger ist.

  2. 6.

    Elternzeit kann ich 3 Jahre nehmen, oder mein Mann, oder abwechselnd. Was soll also ihr Kommentar? Hier muss nichts per Gesetz verlängert werden, was schon per Gesetz geregelt ist. Schon mal daran gedacht, dass Eltern ihre Kinder in Betreuung geben weil sie Geld verdienen müssen? Gerade jetzt?

  3. 5.

    Wieso überhaupt noch Kitas, dank Corona wissen wir ja dass das alles easy zu Hause mit homeschooling ablaufen kann.

  4. 4.

    Wenn man als Gesellschaft möchte, dass Mütter sich länger um Ihre Kinder kümmern, dann muss man das Elterngeld (Zeit hat man bereits heute 3 Jahre) verlängern und etwas für die langfristige Absicherung der Mütter tun (Stichwort Versorgung im Trennungsfall, (Witwen-)Rente etc). Das wurde sukzessive in den letzten Jahren abgeschafft. Daher müssen (und wollen) sich gut ausgebildete Mütter selber versorgen und keine Transferleistungen beziehen.

  5. 3.

    Bitte auch in Marzahn das Geld verwenden. In Alt-Biesdorf wurden in den letzten 2 Jahren 750 (!) neue Wohnungen gebaut und kein einziger Kita.

  6. 2.

    Wir sind 8 Milliarden Menschen auf der Erde, die alle Ressourcen verbrauchen. Vielleicht sollte man aufhören immer mehr in die Welt zu setzen. Besonders dort, wo man die meisten Ressourchen verpulvert. Das möchte keiner gerne hören. Wer Klima sagt, muss auch B sagen.

  7. 1.

    Warum wird nicht - zumindest solange es viel zuwenig Kitaplätze gibt - die Elternzeit verlängert, so dass nicht schon die ganz kleinen Würmchen fremdbetreut werden müssen? Ab 2 Jahren ist es immer noch früh genug, die Kinder abzugeben, ein Jahr ist einfach verdammt früh. Kinder brauchen zuerst einmal ihre Eltern. Wenn diese die Möglichkeit bekämen, sich entspannt die ersten beiden Jahre um ihre Kleinen zu kümmern, gäbe es auch weniger Run auf die Kitas.

Nächster Artikel

Das könnte Sie auch interessieren