Sichergestellte Drogen und Klappmesser liegen nach einem Polizei-Großeinsatz im Görlitzer Park in einem Lkw. (Quelle: dpa/Zinken)
Audio: Inforadio | 25.01.2021 | Sebastian Schöbel | Bild: dpa/Paul Zinken

Prinzip Joint Venture - Kriminelle Banden agieren laut Berliner LKA immer öfter gemeinsam

In der organisierten Kriminalität in Berlin arbeiten Banden immer öfter zusammen, heißt es vom Landeskriminalamt. Statt abgeschotteter Clans beobachten die Ermittler, wie sich die Täter in puncto Organsisation am Prinzip legaler Firmen orientieren.

Die organisierten kriminellen Banden in Berlin gehen zunehmend flexibel vor und setzen auf Zusammenarbeit. Das sagte Kriminaldirektor Stefan Pietsch, Leiter des Bereichs Organisierte Kriminalität im Landeskriminalamt (LKA), am Montag im Innenausschuss des Abgeordnetenhauses. Die frühere Abschottung der Kriminellen nach Herkunft, Familien und bestimmten Gruppen werde "zu Gunsten des Joint-Venture-Gedankens zur Erreichung des Tatziels aufgegeben", so Pietsch. Ein Joint Venture in der Wirtschaft ist ein Zusammenschluss von Unternehmen für bestimmte Projekte.

Die Kriminalpolizei stelle zudem fest, dass die Spezialisierung auf bestimmte Delikte abnehme, sagte Pietsch weiter. Die Täter und Banden seien bei den verbreiteten Kriminalitätsformen wie Rauschgifthandel, Diebstahl und Raub, Waffenhandel und Geldwäsche inzwischen oft "deliktsübergreifend" tätig.

Seit einigen Jahren würden auch neue Banden auftreten und versuchen, in den kriminellen Markt einzudringen. Besonders tschetschenische Gruppen würden sich "zunehmend von der Rolle des kriminellen Dienstleisters zum kriminellen Akteur" entwickeln.

Kripo arbeitet enger zusammen

Wichtig für die Kriminalpolizei sei daher immer mehr die Zusammenarbeit mit anderen Behörden, Bundesländern und Staaten, so Pietsch. Das hätten auch die erfolgreiche Beschlagnahmung von 77 Immobilien krimineller Mitglieder eines arabischstämmigen Clans, das Vorgehen gegen kriminelle Rockergruppen und EU-übergreifende Projekte gezeigt.

Im bereits im Dezember veröffentlichten LKA-Bericht für das Jahr 2019 zur organisierten Kriminalität wurden 56 Ermittlungsverfahren mit insgesamt 432 Verdächtigen geführt. Elf Verfahren richteten sich gegen Mitglieder von Clans, vor allem wegen Diebstahl und Einbruch sowie Rauschgifthandel und -schmuggel.

Bei weiteren Ermittlungskomplexen ging es um Rockerkriminalität und Russisch-Eurasische Kriminelle. Bundesweit waren es 579 Ermittlungsverfahren. Das kleine Bundesland Berlin stand nach den großen Flächenländern Nordrhein-Westfalen, Bayern und Niedersachsen bereits an vierter Stelle.

Sendung: Inforadio, 25.01.2021, 15 Uhr

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5 Kommentare

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  1. 5.

    Sie haben eine gute Sicht der Dinge, muss ich schon sagen. Daher ist es Ihnen sicherlich auch entgangen, dass man, wenn man Parallelgesellschaften gründet, sich auch gar nicht integrieren will. Und leider ist das bei dieser Zielgruppe genau der Fall. Hinzu kommt, dass es ihnen diesbezüglich in Deutschland sehr leicht gemacht wurde.

  2. 4.

    Jo - :-) - und wenn sich der Outdoor-Security-Worker mit dem Frontdesk-Officer zum Brainstorming triftt, spielen sie Bullshit-Bingo und sind im richtigen Leben angekommen - auch eine Art der Integration.

    Ähm - Bullshit-Bingo-Vorlagen bei https://www.besprechungsbingo.de/ :-) - Vorsicht, kann süchtig machen.


  3. 2.

    Wenn sie beim Outsourcing angekommen sind (haben die als einziges Buch Gablers Wirtschaftslexikon online??) sollten wir aufmerksam werden.... Scherz beiseite - sie sollten damals nicht arbeiten, weil kein Pass und so, und eigentlich sollten sie gleich wieder heim (wo ist "heim"?) und das kommt dabei rum, wenn man am legalen Arbeiten gehindert wird: man verdient mehr Geld, allerdings illegal... toll geklappt, Deutschland hat sich da echt mit Ruhm bekleckert...

    Nicht, dass ich jetzt Mitleid hätte, aber ich glaube, die Strategie mit "heim" und nicht im Arbeitsmarkt integrieren ist NICHT aufgegangen...

  4. 1.

    Hier kommt m.E. wieder das gute alte Wort "Parallelgesellschaft" zum Tragen. Es gibt das Darknet, es gibt diese eigene Geschäftswelt jenseits geltender Gesetze, und auch diese Art der Wirtschaft funktioniert und floriert, genau so wie -unter Normalbedingungen- die legale. Ich möchte kein Justizbeamter sein. Wie soll man denn Menschen in Haft klar machen, dass sich legale Arbeit mehr lohnt als krumme Geschäfte, mit denen man ein Vielfaches verdienen kann von dem, was ein regulärer Beruf "abwirft"?! Dieses Szenario ist real und ein Problem, von dem ich nicht weiß, ob und wie man es nachhaltig bewältigen kann.

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