Wahlkampf 2021 - Jarasch kritisiert U-Bahn-Pläne von SPD und CDU

Bettina Jarasch bei einer Podiumsdiskussion (Archiv)
Bild: imago/Friedrich Stark

Berlins Grünen-Spitzenkandidatin Bettina Jarasch wirft CDU und SPD einen unseriösen Überbietungswettbewerb beim Thema U-Bahnbau vor. "Zu dem Wettbewerb, den sich SPD und CDU gerade liefern, indem sie ständig immer neue U-Bahnstrecken wild ins Spiel werfen, kann ich nur sagen: Wir können gerne über alles reden, aber es muss verkehrlich sinnvoll sein", sagte Jarasch der Nachrichtenagentur DPA. "Das Unseriöse an diesem Überbietungswettbewerb von SPD und CDU ist, dass die so tun, als würden diese U-Bahnen alle gar nichts kosten."

Finanzierung unklar

Ein entscheidender Gesichtspunkt sei die Finanzierung: "Der Bund würde unter bestimmten Voraussetzungen bei U-Bahnstrecken mitfinanzieren. Aber die SPD tut gerne so, als würde der Bund alles allein bezahlen. Das wird kaum der Fall sein", sagte Jarasch. "Der Bund zahlt ausdrücklich nur, wenn das Kosten-Nutzen-Verhältnis stimmt. Mit anderen Worten, man muss nachweisen, dass das Fahrgastaufkommen tatsächlich den Aufwand lohnt." Deswegen müsse der nächste Schritt sein, die entsprechenden Kosten-Nutzen-Analysen in Auftrag zu geben. "Wenn das nicht vorliegt, zahlt der Bund gar nichts."

CDU und SPD legen Ausbaupläne vor

Die CDU hatte Anfang Dezember eine Anbindung des Märkischen Viertels über die U8 gefordert. Zudem solle die U9 von Rathaus Steglitz nach Lankwitz, sowie die U1 von der Warschauer Straße zum Ostkreuz und die U7 von Rudow zum Flughafen BER verlängert werden. Schon länger ist die Verlängerung der U3 von Krumme Lanke zum Mexikoplatz im Gespräch.

Auch aus der SPD kam der Vorschlag, mehrere U-Bahnstrecken zu verlängern, etwa die U3 und die U8 sowie die U7 von Rathaus Spandau bis Heerstraße Nord und die U2 von Pankow bis Pankow-Kirche.

Sendung: Inforadio, 02.02.2021, 12:00 Uhr

56 Kommentare

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  1. 56.

    Was für ein Blödsinn!
    Was bedeutet denn U-Bahnbau? Noch mehr Stau bis zur Fertigstellung. Wir brauchen aber den ÖPNV jetzt und dazu ist es unumgänglich den MIV drastisch zu reduzieren, damit der ÖPNV Platz hat und durchkommt.

    Den 2-3 stündigen "Auto-Verkehrsstau" (kennen sie eig. noch einen anderen?) auf der Berliner Stadtautobahn im Berufsverkehr muß niemand "provozieren", der ist Realität weil zuviele KfZ die Stadtautobahn (und nicht nur die) benutzen. Pro KfZ meist mit 1 Person besetzt.

    Finde den Fehler!

  2. 55.

    Ich denke, es sollte gerade in Bezug auf die zurückgelegten Entfernungen hinsichtlich U-Bahn und Straßenbahn unterschieden werden. Die U-Bahn kann die Straßenbahn im Zentrum einer Stadt nicht ersetzen - das war ja genau der Irrtum der 1960er und 1970er Jahre. Dazu sind die Zu- und Abgangswege zur und von der U-Bahn viel zu lang, um mit der Tram auf Augenhöhe zu sein.

    Was Entfernungen oberhalb von 5 Kilometern angeht, kann wiederum die Straßenbahn nicht mithalten, gleich so bei Kapazitäten, die diese überfordern.

    Was die Stadtrand- und überörtliche Verbindungen angeht, so geht es in erster Linie um die Attraktivität der Regionalexpress- und Regionalbahnstrecken, die große Distanzen überwinden, (in zweiter Linie um die S-Bahn und) abgeleitet dazu dann die Verknüpfung mit sämtlichen in Berlin existierenden Verkehrsmitteln.

  3. 54.

    " Es wird endlich Zeit das dieser Senat erkennt was für eine Stadt gut ist und nicht für eine Gesinnung "

    Genau das sollte dieser oder zumindest auch der nächste Senat und da erwarte ich in allererster Linie eine deutliche Reduzierung des privaten Autoverkehrs damit sowohl in Berlin als auch in anderen Städten endlich die Lebensqualität deutlich verbessert wird und wir nicht weiter vegetieren müssen wie Menschen in den 60siger und 70siger Jahren !!
    Um das zu erreichen muss der ÖPNV deutlich verbessert und ausgebaut werden und dazu gehören neben Regional , S Bahn und U Bahn an vielen Stellen auch die Straßenbahn denn wer nicht in den 60sigern hängen geblieben ist wird sicher mitbekommen haben das die gute alte Bimmel von damals nicht mehr viel gemeinsam hat mit den modernen Straßenbahnen von heute !! Bei Parteien wie AFD , FDP und CDU habe ich so meine Zweifel !!

  4. 53.

    Die Kosten eines U-Bahn-Ausbaus sind nicht allein ausschlaggebend, weil stets die ökonomischen und ökologischen Kosten eines Nichtausbaus berücksichtigt werden müssen. Auch Zeit ist Geld und Komfort ein wesentlicher Grund für den Umstieg auf den ÖPNV. Es ist daher nicht vertretbar, den Außenbezirken und dem Speckgürtel weiterhin Expresslinien in die Innenstadt zu verwehren. Die City benötigt keine neuen Linien, aber die bestehenden enden oft nicht da, wo sie idealerweise enden sollten. Niemand will mit Bus und Tram mit zwei Umstiegen erst zur U-Bahn fahren, um dann in diese umzusteigen. Ein zielgerichteter Ausbau ist daher sogar dringend nötig, wollen wir eine echte Verkehrswende und einen Umstieg von Pendler, weg vom Auto. Busse und Trams sind eine wichtige Ergänzung zur U-Bahn, um dann den letzten Streckenabschnitt zurück zu legen. Aber niemand fährt mit Tram und Bus quer durch die Stadt.

  5. 51.

    Ein kleiner Schreibfehler. Ich meinte natürlich die Verlängerung der U7 über den Bahnhof Rudow hinaus bis zum BER.

  6. 50.

    Die Grünen wollen keine U- und S-Bahnen, denn sie wollen so lange wie möglich und unbedingt den 2-3 stündigen Auto-Verkehrsstau auf der Berliner Stadtautobahn im Berufsverkehr provozieren. Nur, um damit immer weiter für das (absurde) Ziel der Abschaffung des privaten PKW zu plädieren.

  7. 49.

    Neue Straßenbahnlinien machen nur Sinn im eignen Gleisbett, das müsste in den Planungen berücksichtigt werden. Ansonsten müsste man die Wohngebiete mit Elektro Bussen erschließen.
    Man sollte mal endlich modern denken und nicht immer teure Prestige Objekte bauen. Es ist auch keinen geholfen 50 m Züge durch Berlin rollen zu lassen, statt dessen sollte man die Taktung verbessern und den Individualverkehr ausdünnen. Ansonsten bekommt man Netzprobleme wenn immer mehr Leute auf das e Auto umstellen.

    .

  8. 48.

    "Wir können gerne über alles reden, aber es muss verkehrlich sinnvoll sein" - und was das ist bestimmt genau wer? CO2-Steuer, Biomais, E10, Windkraft vor dem Schlafzimmerfenster haben die Erwärmung um 0,01 grad verlangsamt? Seit wann machen die Grünen etwas sinnvolles (siehe Tempolimit), messbares, nachvollziehbares in Verbindung mit Leistung, Lebensfreude?

  9. 47.

    Wieder eine Schwätzerin die nur ihre Grüne Klientel im Auge hat. Vielleicht ist es diesen Personen schon mal aufgefallen das Berlin nicht nur aus den Bezirken des inneren S-Bahn Ringes besteht. Will man den innerstädtischen Verkehr reduzieren gehört der Ausbau von U-Bahn und S-Bahn zwingen dazu.

  10. 46.

    " Genauso sinnvoll ist die Verlängerung der U 8 bis zum BER "

    Meinen Sie wirklich die U 8 zum BER ??

    Währe es wenn überhaupt nicht sinnvoller und preiswerter die U 7 zum BER zu verlängern ??

  11. 45.

    Aber so einfach wie Sie es darstellen, dass das Geld einfach vom U-Bahn Bau auf den S-Bahn bzw, Straßenbahn Bau umgeschichtet werden kann, ist es auch nicht.
    Aber wenn nach Ihrer Meinung für die 50.000 Menschen im Märkischen Viertel der Anschluss an das U-Bahn Netz rausgeworfenes Geld ist, dann sollte Sie sich einmal mit den Bewohnern Unterhalten. Zur Zeit besteht der OPNV im Märkischen Viertel nur aus Omnibus Linien.
    Zum Anderen wird doch der Bau der Straßenbahn von den Grünen doch nur aus reiner Ideologie Gefordert. Er wird gefordert, weil damit der Raum für Autos weiter eingeschränkt wird. Man kann es schon so sagen, der pathologische Autohass der Grünen findet in dem Bau weiterer Straßenbahnlinien ihren Ausdruck.
    Der Zynismus der Grünen bei diesem Thema zeigt sich auch am Verhalten der Verkehrssenatorin Günther. Diese Dame propagiert bei jeder Gelegenheit Fahrradfahren als die Krönung der Entwicklung. Sie selber lässt sich aber im größten Tesla durch die Stadt kutschieren.

  12. 44.

    Ein U Bahn Netz ist am effektivsten ... Es dauert und kostet, ist aber langfristig das Beste, Politiker sollten langfristig denken und nicht in Legislaturperioden...

  13. 43.

    Ganz so einfach wie Sie die Sache darstellen verhält es sich ja nun nicht. S-Bahn-Planung und -Bau erfolgen in enger Abstimmung zwischen DB-AG und den beteiligten Bundesländern. So werden z.B. auch die Planungsleistungen für die Siemensbahn gemeinschaftlich finanziert.

  14. 42.

    Eine gewisse Partei hat mit einem gemieteten LKW allerdings auch nachgewiesen, dass die Tram vor dem MIVler sich ähnlich breit macht wie ein Bus. Der muss aber häufiger fahren.

  15. 40.

    "Bei allen anderen Ursprungsplanungen gilt dies in vollem bis hin zum abgeschwächten Maße. Überflüssig die überdimensionierten Planungen in Spandau, die Teilung Berlins zementierend die U 9-Planungen in Richtung Lankwitz, gleich so die U 8-Planung ins Märkische Viertel.

    Wie können Sie das beurteilen? Sind Sie Verkehrsplaner?
    Dass Sie jeglichen U-Bahnausbau ablehnen, ist hinlänglich bekannt. Eine Weltstadt ist aber nun einmal auf viele verschiedene Verkehrsträger angewiesen, dazu gehören auch Auto und U-Bahn. Ich würde auch nie behaupten, dass der Ausbau von Radwegen und der Straßenbahn überflüssig seien. Alle Verkehrsmittel haben ihre Daseinsberechtigung, es geht nur miteinander.

  16. 39.

    Wie kommen Sie darauf?
    Seit Corona ist doch neuerdings alles finanzierbar. Milliarden über Milliarden für alle möglichen und vielfach auch sinnvollen Rettungsmaßnahmen, Schuldenberge sind plötzlich egal.
    Es soll mir niemand mehr erzählen, für U-Bahnbau sei kein Geld da, es fehlt einzig und allein der politische Wille. Das wundert mich eigentlich, da eine deutliche Mehrheit der Berliner Bevölkerung einen Ausbau von U- und S-Bahn befürwortet.

  17. 38.

    Von den 10 Städten weltweit, denen die höchste Lebensqualität attestiert wird, verfügen 9 über ein Straßenbahnnetz. So schlecht kann dieses Verkehrsmittel also nicht sein. Oder gönnen Sie den Berliner*innen höchste Lebensqualität einfach nicht?

  18. 37.

    West Berlin hat schon 1967 erkannt das die Strassenbahn nicht in eine Grossstadt wie Berlin passt. Da es in Ost-Berljn damals nur eine Handvoll Autos gab, fiel die Strassenbahn nicht weiter auf. Es wird endlich Zeit das dieser Senat erkennt was für eine Stadt gut ist und nicht für eine Gesinnung.

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