Anlässlich der Sitzung des Bundeskabinetts protestieren Aktivisten der Umweltbewegung Campact mit einem fünf Meter großen, aufgeblasenen Marienkäfer vor dem Bundeskanzleramt für wirksamen Insektenschutz und Unterstützung für Landwirte. (Quelle: dpa/Bernd von Jutrczenka)
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Audio: Radioeins | 10.02.2021 | Henrik Wendorff im Interview | Bild: dpa/Bernd von Jutrczenka Download (mp3, 6 MB)

Berlin - Bauern und Umweltschützer demonstrieren für und gegen Insektenschutzgesetz

Begleitet sowohl von Protesten der Bauern als auch von Umweltschützern in Berlin hat die Bundesregierung am Mittwoch neue Regeln für den Insektenschutz beschlossen.

Nach langem Tauziehen verabschiedete das Kabinett ein Gesetzespaket, das den Einsatz von Pestiziden regelt und Schutzgebiete ausweist, um das Insektensterben zu reduzieren. Parallel wurde eine Glyphosat-Strategie beschlossen. Der Einsatz des Herbizids soll noch bis Ende 2023 erlaubt bleiben, dann aber verboten sein. Zudem gilt ein neuer Mindestabstand zu Gewässern für sämtliche Pflanzenschutzmittel.

Wendorff bezweifelt Wirksamkeit des Gesetzes

Im Vorfeld der Kabinettsbeschlüsse demonstrierten wie schon in den vergangenen Tagen in Berlin Bauern mit ihren Traktoren gegen die Auflagen. Der Präsident des brandenburgischen Bauernverbandes, Henrik Wendorff, kritisierte das Gesetz am Mittwoch im rbb-Sender radioeins. Insektenschutz sei auch für die Bauern ein Muss. Jedoch führten Auflagen und Verbote nicht weiter, so Wendorff: "Man muss die Frage beantworten, warum haben all diese Maßnahmen - wir setzen schon jetzt auf 80 Prozent der Fläche keine Pflanzenschutzmittel mehr ein - nicht zu dem geführt, was wir eigentlich haben wollen: mehr Insekten in der Kulturlandschaft."

BUND und Greenpeace fordern weitere Maßnahmen

Von Umweltschützern, die vor dem Kanzleramt für Insektenschutz demonstrierten, kam genereller Zuspruch. Der WWF sprach etwa von einer "wichtigen Weichenstellung" und "ersten Grundlagen" - Bundestag und Länder müssten dieses Paket nun "über die Ziellinie" bringen.

Der BUND erklärte, der Glyphosat-Ausstieg weise in die richtige Richtung. Allerdings müsse es einen dauerhaften Verzicht auf Pestizide vor 2024 geben. Greenpeace kritisierte, dass es beim Einsatz von Pestiziden in Schutzgebieten zunächst um freiwillige Maßnahmen statt Ordnungsrecht gehe.

Sendung: Radioeins, 10.02.2021, 10 Uhr

8 Kommentare

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  1. 8.

    Die Glyphosat-Kampagne ist nur Getöse um ...... Wähler einzufangen und die echte Landwirtschaftlich kaputt zu machen. Kennen wir vom Feinstaub welche die blühende deutsche Autoindustrie und damit Deutschland niederrang. Blöd nur in jeder U-Bahn es viel mehr Feinstaub gibt. Wenn es so weiter geht bekommen wir alle bald Hartz4, wenn wir nicht im Staatsdienst sind. Hartz4 ist übrigens eine Grüne Erfindung. Aber zum Glück dürfen wir so was noch sagen. Aber wie lange noch?

  2. 7.

    Zu behaupten die Bauern demonstrieren gegen Insektenschutzgesetz ist unverschämt. Besser dann Bio-Lobby will nicht zum Bienenschutz durch Verzicht auf Petizide beitragen.

  3. 6.

    Die Bauern bestäuben ab sofort die Pflanzen per Hand. Oder verstehe ich deren Protest falsch?

  4. 4.

    Darauf bin ich gespannt. Die Landwirte machen die Arbeit und die Umweltschützer stehen genüsslich am Feldrand und geben weiter kluge Hinweise zum Umgang mit Pflanzenschutzmitteln. Das wird bestimmt spannend.

  5. 3.

    Es gibt Studien zu diesem Thema, z.B. vom DLR. Eine allgemeine Einführung dazu bietet Wikipedia.
    Erst informieren und dann meckern, nicht umgedreht.

  6. 2.

    Die gibt es doch schon längst. Einfach mal das Internet für ernsthafte Recherchezwecke nutzen. Durchgeführt vom DLR. Alle Akteure (vor allem non - profit) sind sich aber einig, Windräder tragen zwar zum Insektensterben bei, allein aber die von Waldvögeln verzehrte Biomasse in Form von Insekten ist über 300 mal höher. Von der industriellen Landwirtschaft muss man hier gar nicht sprechen, sie ist und bleibt wenn und aber der größte Insektenkiller.

  7. 1.

    "...Jedoch führten Auflagen und Verbote nicht weiter, so Wendorff: "Man muss die Frage beantworten, warum haben all diese Maßnahmen - wir setzen schon jetzt auf 80 Prozent der Fläche keine Pflanzenschutzmittel mehr ein - nicht zu dem geführt, was wir eigentlich haben wollen: mehr Insekten in der Kulturlandschaft." "

    Vielleicht sollte man mal Studien beginnen, wie viele Insekten an bzw. durch Windräder verenden... von Vögeln ganz zu schweigen. Da wird einiges Zusammenkommen.

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