Verkehrssenatorin wohl für Verlängerung - U-Bahnlinie 7 könnte laut Bericht bis zum BER-Flughafen ausgebaut werden

Ein Arbeiter blickt n Berlin auf der Baustelle des U-Bahnhof Rudow in den Tunnel. (Quelle: dpa/Britta Pedersen)
Bild: dpa/Britta Pedersen

Bekommt die Linie U7 eine Anbindung an den BER-Flughafen und an die Heerstraße? Die Grüne Verkehrssenatorin scheint das zu befürworten. Ob der Koalitionspartner SPD bei der Priorisierung einer Linie mitzieht, ist ungewiss. Die Opposition fordert andere Linien nicht zu vergessen.

Die Senatsverwaltung für Verkehr will offenbar die U-Bahnlinie 7 ausbauen, um eine weitere Anbindung an den BER-Flughafen zu ermöglichen. Einen entsprechenden Bericht der "Berliner Morgenpost" wollte die Verwaltung am Samstag weder bestätigen noch dementieren. Ein Sprecher bestätigte aber, dass Verkehrssenatorin Regine Günther (Grüne) eine von ihr in Auftrag gegebenen U-Bahn-Machbarkeitsuntersuchungen am Dienstag im Senat bewerten wolle.

Dem Morgenpost-Bericht zufolge könnte die U7 bis zum BER-Flughafen in der einen und bis zur Heerstraße in Spandau in der anderen Richtung verlängert werden. Die Zeitung beruft sich auf eine Besprechungsunterlage der Verkehrsverwaltung zur Auswertung von vier Machbarkeitsstudien zum U-Bahnbau. Demnach gibt es für die Verlängerung der U7 gute Bewertungen, unter anderem, weil sie eine hohe Fahrgastnachfrage habe und Einsparungen im Busverkehr ermögliche. Die Berliner SPD hatte sich Anfang Februar für eine solche U7-Verlängerung ausgesprochen.

Abstriche bei Plänen für die U6 und U8?

Dagegen soll die Streckenerweiterung der U8 ins Märkische Viertel und der Abzweig der U6 zum geplanten Forschungs- und Industriepark Urban Tech Republic auf dem Gelände des ehemaligen Flughafens Tegel der Zeitung zufolge vorerst zurückgestellt werden. Noch offen sei die Verlängerung der U3 bis zum S-Bahnhof Mexikoplatz.

Der Sprecher der Senatsverwaltung für Verkehr teilte am Samstag mit Bezug auf die Machbarkeitsstudie mit: "Es geht hier um viel Geld und lange Zeiträume - daher sind Sorgfalt und eine pragmatische Perspektive besonders wichtig. Das Ergebnis unserer Bewertung nehmen wir nicht vorweg." Senatorin Günther halte U-Bahnen für ein unverzichtbares Verkehrsmittel in der Großstadt. "Ein Ausbau von Linien sollte aber nur dort vorangetrieben werden, wo er wirklich sinnvoll ist."

CDU warnt vor Verzicht auf andere U-Bahnprojekte

Der Koalitionspartner, die Berliner SPD, hatte Anfang Februar mitgeteilt, nach der Abgeordnetenhauswahl "umgehend" mit den Planungen für vier Linienverlängerungen beginnen zu wollen. Darunter sind die U2 nach Pankow Kirche, die U3 nach Mexikoplatz mit Anschluss an die S-Bahn und die U8 ins Märkisches Viertel. Auch die Verlängerung der U7 zum BER und zur Heerstraße, wurde im Programmentwurf erwähnt.

Auch die Berliner CDU fordert einen Ausbau der U3 von Krumme Lanke zum Mexikoplatz. Zudem müsse die U9 von Rathaus Steglitz nach Lankwitz, die U1 von der Warschauer Straße zum Ostkreuz und die U7 von Rudow zum BER-Flughafen verlängert werden.

Die Berliner Grünen-Bürgermeisterkandidatin Bettina Jarasch sagte, sie begrüße eine sachliche Diskussion. "Die U-Bahn ist ein wichtiger Teil der Berliner Verkehrswende. Wo es ökologisch und ökonomisch Sinn macht, werden wir uns für den Ausbau stark machen", so Jarasch.

CDU-Landeschef Kai Wegner begrüßte am Samstag die Planungen der Verkehrsverwaltung, warnte aber zugleich vor Verschiebungen anderer U-Bahn-Projekte: "Kurz vor der Wahl scheint die Angst vor dem Wählerwillen größer als die ideologische Verbohrtheit zu werden.(…) Wenn SPD und Grüne es ernst meinen, dann müssen wir zwingend auch über die Verlängerungen der Linien 8 und 6 sprechen", so Wegner.

Der infrastrukturpolitischer Sprecher der FDP-Fraktion im Berliner Abgeordnetenhaus, Henner Schmidt, ließ am Samstag mitteilen, dass die Verlängerung eine gute Entscheidung sei. Auch andere U-Bahn-Verlängerungen, müssten nun zügig angegangen werden.

Grüne treten auf die Bremse

Berlins Grünen-Spitzenkandidatin Bettina Jarasch hatte nach den bekanntgewordenen Forderungen sowohl CDU als auch SPD einen "unseriösen Überbietungswettbewerb beim Thema U-Bahnbau" vorgeworfen. "Zu dem Wettbewerb, den sich SPD und CDU gerade liefern, indem sie ständig immer neue U-Bahnstrecken wild ins Spiel werfen, kann ich nur sagen: Wir können gerne über alles reden, aber es muss verkehrlich sinnvoll sein", sagte Jarasch der Deutschen Presse-Agentur. "Das Unseriöse an diesem Überbietungswettbewerb von SPD und CDU ist, dass die so tun, als würden diese U-Bahnen alle gar nichts kosten."

Sendung: Inforadio, 13.02.2021, 10:20 Uhr

70 Kommentare

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  1. 70.

    (2/2)
    Was das mit der S-Bahn-Ausschreibung sein soll, kann ich auch nicht ganz verstehen. Da sehe ich mich bei Ihrer Meinung.

    Was den „Schönwetter-Mobilitätskonzepten […] arbeitnehmer- und familienunfreundlich“ sein soll, da komme ich nicht drauf. Wenn damit gemeint ist, dass Familien nicht mehr mit dem Pkw vorfahren können, dann ist das im Einzelfall natürlich schade, bringt bspw. den Kindern jedoch mehr, weil sie auf andere Weise an ihr Ziel kommen. Dass es auch anders geht, zeigen Länder (wie in den Niederlanden) und Städte (wie Kopenhagen). Allerdings braucht das wie viele andere auch Zeit.

  2. 69.

    Grüne Verkehrspolitik nach 5 Jahren Tätigkeit kompletter Mist. Kein Fortschritt. Zeit komplett vergeudet. ÖPNV und starkes Straßen- und Fahrradwegnetz werden an die Wand gefahren. Nichts wird in Stand gehalten. Alles reparaturbedürftig.

    S- und U-Bahn-Ausbau völlig vernachlässigt. Siemensbahn lässt man Zeit bis 2025. U-Bahn ins MV überfälliger denn je.

    S-Bahn-Ausschreibung Sargnagel des Verkehrsträgers.

    Völlig phantasielos werden Autostraßen zu Fahrradwegen umgewidmet. Spielstraßen und Friedrichstraße für Autos gesperrt, um zeitweises Verkehrschaos zu produzieren. Alles reines herumexperimentieren verkehrspolitischer Dogmatiker.

    Erklären kriegerisch und populistisch einen Verteilungskampf um den Straßenraum. Wahnsinn. Und, als ob es sich bei uns um die Kölner Innenstadt handelt.

    Schönwetter-Mobilitätskonzepte, die ein Durchschnittsalter der Bevölkerung von ca. 30 und annehmen. Extrem arbeitnehmer- und familienunfreundlich dazu. Haben von Berlin(ern) keine Ahnung.

  3. 68.

    Im Herbst sind Wahlen. Wer die grünen Verhinderer, Bevormunder, Verbieter und Blokierer will, muss die wählen. Wer Wirtschaft, Wohlstand und Zukunft will, der wählt etwas (egal was) das nicht RRG ist. Denn die werden aus Machtgeilheit wieder koalieren.

  4. 67.

    Die Tram ist ein Relikt aus der Zeit als es wenig Autos gab, daher gab es in Ostberlin noch Strassenbahn als Sie sinnvoller Weise in West-Berlin abgeschafft worden. Berlin braucht dringend den U+S-bahn Ausbau und die Busse nur noch für die letzte Meile

  5. 66.

    Sperenberg ist "durch". Da hat Matthias Wissmann als seinzeitiger Bundesverkehrsminister und Eberhard Diepgen als seinerzeit Regierender in Berlin ganze Arbeit geleistet. Das hatte offenbar auch damit zu tun, als Bewohner von Charlottenburg, Steglitz und Zehlendorf nicht zu weit "in den Osten" zu fahren.

  6. 65.

    An der U-Bahn scheidet sich nicht das Funktionieren oder Nichtfunktionieren eines Flughafens, wenn schon S-Bahn, Regionalbahnen und sogar eine IC-Linie existiert. Der Flughafen Frankfurt am Main hat bis heute keinen U-Bahn/ -Stadtbahnanschluss und niemand dächte daran, dorthin einen zu bauen. Aus den eben genannten Gründen.

  7. 64.

    Gerade im letzten Jahr ist eine neue U-Bahn-Linie eröffnet worden, der längste Abschnitt, der seit der Wiedervereinigung gebaut wurde. CDU und SPD sollten mal erklären, wie sie 4 Verlängerungen gleichzeitig finanziell und planungstechnisch stemmen wollen - dann sähen die ganz schnell alt aus und der Grüne Vorschlag, lediglich eine Linie zu verlängern eben der vernünftigste.

  8. 63.

    Märchenstunde.....geredet wird doch schon seit Jahren,aber was passiert,nix

  9. 62.

    U-Bahn- und Straßenbahn-Neubau und der von Grün geführte Verkehrssenat - Nur keine Aufregung. Wenn man sich aufregen will, dann sich mal über diese irre sogenannte S-Bahn-Ausschreibung informieren, mit der die Berliner S-Bahn privatisiert werden soll. Die Koalitionspartner wissen, dass das nie etwas Richtiges, aber irre Teures werden kann, lassen die aber aus einem nicht erkennbaren Grund machen.

  10. 61.

    Es könnte, es scheint so … Der grüne Verkehrssenat will keine U-Bahn. Seit Jahren. Nirgendwo. Punkt … Warum? … Weil man sonst ja keine Politik gegen das Auto machen könnte. Denn das Auto ist ja das (nur von den Grünen erklärte) angeblich größte Problem der Stadt. Und das angebliche Problem, mit dem sie sich selbst und den Bürgern ihre politische Daseinsberechtigung in Berlin einreden wollen.

    Mit diesem Justizsenat können sie das jetzt auch schon nicht mehr. Stichwort neues Versammlungsgesetz.

    Sie sollen auf’s Land. Das können sie hoffentlich. Metropole können sie nicht. Metropole machen sie kaputt, krank und wütend.

  11. 60.

    Verlängerung nach Schönefeld als U-Bahn oder als Hochbahn?

  12. 59.

    Es geht eben nicht nur um die Fahrt zum BER, sondern auch um Stationen am kurz davor entstehenden Industriegebiet, die zahlreichen entstehenden Wohngebiete im Speckgürtel bzw. Schönefeld brauchen unmittel- und mittelbar Entlastung und auf Berliner Seite wird ja auch Einiges kompensiert. Aber mit Plattitüden a la damit Rudower schneller zum Flughafen kommen argumentiert sich natürlich einfacher. Bloß nicht über den Tellerrand schauen.

  13. 58.

    Oberirdisch gleich bis nach Sperenberg (wo ein richtiger Flughafen in 10 Jahren gebaut wird?)? Da gibt es brandneue Vorschläge: Transrapid - man muss doch auch an diejenigen denken, die nicht mit dem Auto oder Rad fahren wollen...egal in welchem Zustand die Sitze sind...

  14. 57.

    Falsch im Großrau Berlin werden mit dem Projekt i2030 bis zu 180 km Neubaustrecke geplannt. Sie müssen in Berlin U- und S-Bahn zusammenrechnen.

  15. 56.

    Es gab ja mal das 200km Programm für den U-Bahnausbau. Die 200km werden gerade im neugegründeten GrossParis gebaut, um ein kohärentes Verkehrskonzept zu realisieren und um die alte Metro zu ergänzen. Berlin hat zZt knapp 150km, was z.B. im Vergleich zu Madrid (350km) sehr wenig ist. Selbst in der Airbusstadt Toulouse, wo ich wohne, ist man verhältnismässig ergeiziger mit dem Bau einer 3. vollautomatischen U-Bahnlinie auf einer Länge von 26km, ein Konzept der Zukunft. Und was die Grünen sich hinter die Ohren schreiben sollten : Ist das Angebot ersteinmal da, wird es auch genutzt.

  16. 55.

    Atemlos diese Stadt
    Wie kommen 10.000 nach Grünheide (Tesla für die Eingeweihten) ohne Verkehr
    Der VAhrradverkehr wäre toll

  17. 54.

    Ja, U-Bahn von Warschauer Straße nach Ostkreuz: Direkt neben einer viergleisigen S-Bahn-Strecke, die gerade von Grund auf neu gebaut wurde. Ich bin gespannt, wie man da die Kosten-Nutzen-Rechnung schönmogeln möchte, um Bundeshilfe zu bekommen.

    Und natürlich der Dauerbrenner Krumme Lanke-Mexikoplatz: Zehntausende aus Potsdam, Wannsee, Nikolassee warten darauf, über diese Strecke nach Dahlem zu kommen. Bisher allerdings hält sich die Nachfrage in engen Grenzen (eine BVG-, eine Vorort-Buslinie). Und alle anderen Ziele sind über die bestehenden Verbindungen besser, vor allem schneller zu erreichen.

    Aber klar: Beton muss im Boden versenkt werden, koste es, was es wolle.

  18. 53.

    @tetrapak
    Was für ein Blödsinn, der einzige Grund für Stau sind zuviele Autos. Das ist seit 50 Jahren kein Geheimnis.
    Autos sind übrigens auch der Grund für die vielen Ampeln, denn der gemeine Deutsche im Auto würde sich ohne Ampel innerhalb kürzester Zeit selbst blockieren.

    Zur U-Bahn: Auf hochbelasteten Achsen ideal, aber ob eine Route zum BER so sinnvoll ist, nur damit die Rudower schneller am Flughafen sind, das wage ich zu bezweifeln.

    Das die CDU dann auch noch mit ihrer Nullexpertise bei Verkehr (für die CDU ausschließlich Autos)ihren Sermon noch dazu beitragen muss, ist hochgradig lachhaft.

  19. 52.

    Paris plant 100 km neu und in Berlin wird über wenige Kilometer nur geredet !

  20. 51.

    Die Ergebnisse der Untersuchungen zeigen vor allem eins. Spandau hat einen besonders hohen Bedarf beim ÖPNV-Ausbau. Klar ist aber auch, ein solcher U-Bahn-Bau wird 20 Jahre dauern, er kostet viel Geld und bindet vor allem viel Planungskapazität. Sollten sich Mehrheit dafür entscheiden dieses Großprojekt anzugehen, so darf dies nicht auf Kosten des Tramausbaus gehen. Die Wiedereinführung der Tram in Spandau wird nicht nur die Gebiete entlasten, wo die Busse schon heute Überlastet sind. Sie ist auch die beste Lösung für die Gebiete, in den heute und in naher Zukunft mit mehren tausend Wohnungen ganz neue Stadtquartiere entstehen. Ich will eine Stadt mit mehr Lebensqualität und weniger Autoverkehr. In der Vergangenheit war der Ausbau der U-Bahn dafür da, um an der Oberfläche Platz für Autos zu schaffen. Um diese Fehler der Vergangenheit zu beheben muss nun in den Umweltverbund der ganzen Stadt massiv investiert werden. Da dürfen Kapazitäten nicht bei einzelnen Prestigeprojekten bleiben.

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