"Ein brennendes Fahrzeug steht in Berlin-Neukölln in der Garage von Linken-Politiker Ferat Kocak"; © Ferat Kocak /dpa
Audio: Inforadio | 25.02.2021 | Jo Goll | Bild: Ferat Kocak /dpa

Rechtextreme Schmierereien in Berlin - Weitere Anklage gegen Neonazi Sebastian T.

Sebastian T., einer der Hauptverdächtigen im Fall der rechtsextremen Anschlagsserie in Berlin-Neukölln, wird erneut angeklagt.

Nach Informationen von rbb24 Recherche wird die Generalstaatsanwaltschaft Berlin den mehrfach vorbestraften Neonazi zum zweiten Mal wegen rechtsextremer Schmierereien im Zusammenhang mit dem Kriegsverbrecher Rudolf Heß anklagen. Zuerst hatte der "Tagesspiegel" [externer Link] darüber berichtet.

Insgesamt 24 Fälle im Sommer 2017

Bereits Ende Januar hatte die Generalstaatsanwaltschaft Anklage gegen Sebastian T. und drei weitere Komplizen im Alter von 37 bis 39 Jahren wegen Sachbeschädigung erhoben.

Insgesamt geht es um 24 Fälle, bei denen die drei Tatverdächtigen in wechselnden Kombinationen Aufkleber mit dem Heß-Konterfei und Parolen wie "Es war Mord" an Bushaltestellen, Lichtmasten, Altkleider-Containern und Schaufenstern in Charlottenburg, Spandau und Neukölln angebracht haben. Die Taten ereigneten sich nach Auskunft der Generalstaatsanwaltschaft im Sommer 2017.

Sebastian T. und der Neonazi Thilo P. müssen sich bereits seit August 2020 in einem weiteren Verfahren wegen Heß-Schmierereien vor dem Amtsgericht Tiergarten verantworten.

Neuköllner Anschlagsserie umfasst mindestens 72 Taten

Sebastian T. gilt als einer der Hauptverdächtigen bei der Neuköllner Anschlagserie. Dabei geht es um mindestens 72 Taten wie Brandstiftungen und Drohungen gegen linke Politiker und Initiativen, vor allem zwischen 2016 und 2018.

Nach seiner Verhaftung kurz vor Weihnachten wurde T. im Januar aus der Untersuchungshaft entlassen. Das Berliner Landgericht lehnte damals eine Beschwerde der Staatsanwaltschaft aus dem Dezember gegen die von einem Ermittlungsrichter angeordnete Haftverschonung ab.

Trotz der Haftentlassung will der Leitende Oberstaatsanwalt weiterhin Anklage gegen den Verdächtigen erheben.

Geisel bittet um Entschuldigung

Innensenator Andreas Geisel (SPD) bat bei den Opfern der rechtsextremistischen Anschlagsserie um Entschuldigung. "Wir müssen uns immer wieder selbstkritisch fragen, ob wir mit den Opfern von Gewalt und Rassismus und Diskriminierung angemessen umgehen", so Geisel im Abgeordnetenhaus. "Und da antworte ich ganz offen: Nein, leider nicht immer. Und das müssen wir ändern.

Sendung: Inforadio, 25.02.2021, 16:00 Uhr

6 Kommentare

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  1. 6.

    Schön, das der Maskenmann der ersten Stunde uns wieder aufklärt und selbst nicht davor zurück schreckt, Recht zu beugen.
    Die Beweislage gab eine Weiterführung der Untersuchungshaft nicht her. Bisher - ich schreibe bewusst "bisher", weil die Erfahrungen mit Ihnen zeigen, dass Sie andere Meinungen gerne mal als die von Rechtsradikalen verorten, eine primitive Diskussionsebene - bisher reichten die Beweise eben nicht aus.
    Verzweifelt werden darum neuerlich Taten von 2017 (!) aufgewärmt. Ich kann die Verzweiflung der Staatsanwaltschaft verstehen.
    Nun, das Beschmieren von Fassaden, das Bekleben von Wänden und mit Gebrüll durch die Straßen zu ziehen, ist auch anderen politischen Gruppen eigen.

  2. 5.

    Es geht um rechtsextreme Schmierereien?! Und warum dann das Bild eines brennenden Autos? Kann mir das jemand erklären, ich verstehe es nicht.

  3. 4.

    "Trotz der Haftentlassung will der Leitende Oberstaatsanwalt weiterhin Anklage gegen den Verdächtigen erheben."

    Die Haftentlassung war ein großer Fehler, wie man beim TS auch erfahren kann, der Neonazi Sebastian T. terrorisiert weiter.

    "Erst am Sonntag spazierten sieben Mitglieder des III. Weg durch den Neuköllner Richardkiez und entlang der S-Bahnstrecke. Die Männer verteilten Flyer mit Sprüchen wie: „Stoppt den linken Terror in Neukölln“, sie verklebten Sticker und beschmierten Wände.

    Unter ihnen war auch Sebastian T. In einem Internetblog behaupteten die Männer später mit ironischem Unterton, Passant:innen seien „sichtlich begeistert“ über die „kleine Schar Nationalrevolutionäre“ gewesen".

    https://www.tagesspiegel.de/berlin/rechtsextreme-anschlagsserie-in-berlin-hauptverdaechtiger-neonazi-verteilt-propaganda-in-neukoelln/26944726.html

  4. 3.

    "mit zu beanstandenden Texten" Es ist immer weider erstaunlich wie plump die Sympathisanten der Täter diese und deren Taten zu verharmlosen zu versuchen.

    Die Täter sind bei der Tatvorbereitung zum versuchten Mord (nebem dem Auto verlief ein Gasrohr) observiert worden. Das auch andere Brände legen hat mit dieser Ta, die sie damit verharmlosen wollen, nichts zu tun. Pyromanen, Versicherungsbetrug uvm.

  5. 2.

    Hoffendlich hat diese Anklage wenigstens Erfolg.
    Ansonsten kann einem die Staatsanwaltschaft dann wirklich Leid tun.

  6. 1.

    Ich habe immer noch dieselbe Aufmerksamkeit wie vor drei Jahren, wenn ich den brennenden Smart des türkischstämmigen Linkspolitikers sehe. Denn mit den Autobränden ist das eine schwierige Sache. Zwar sind derweilen wohl an die 500 PKWs in Berlin abgefackelt worden, aber Bilder darüber gibts nicht.
    In der Sache gibts zu den Bränden damalz zum Smart und dem Lieferauto eines linken Buchhändlers, dies sind die immer wieder genannten und zu verurteilenden Vorkomnisse, zwar keine neue Meldungen, Dafür erfährt der geneigte Leser, daß die Beschuldigten vor fünf Jahren kleine Zettelchen mit zu beanstandenden Texten an Bushaltestellen, Lichtmasten, Altkleider-Containern und Schaufenstern in Charlottenburg, Spandau und Neukölln angebracht haben.

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