Polizei ermittelt - Hanau-Überlebender empört sich auf Instagram: Hetz-Video von "Volkslehrer" noch online

Gedenken der Opfer am ersten Jahrestag des rechtsextremen Anschlags in Hanau. Fotos des Emordeten stehen vor Grabkerzen. (Quelle: imago/Matthey)
Bild: imago/Matthey

Seine Wut ist offensichtlich - ein Überlebender des rassistischen Anschlags in Hanau empört sich auf Instagram darüber, dass ein Hetz-Video des "Volkslehrers" noch auf Youtube zu finden ist. Die Polizei sagt, dass sie keinen Einfluss auf den Anbieter habe.

Gegen den sogenannten Volkslehrer, Nikolai N. aus Berlin, wird von Amtswegen ermittelt. Das bestätigte die Berliner Polizei rbb|24 am Freitag.

Auch der Oberbürgermeister der hessischen Stadt Hanau, Claus Kaminsky (SPD), hatte am Montag Strafanzeige gestellt, nachdem im Internet ein 19-minütiges Video von N. aufgetaucht war, das schrieb er auf seinem Facebook-Account. Die Polizei Offenbach bestätigte den Eingang der Anzeige am Freitag gegenüber rbb|24.

In dem Internet-Hetzvideo bezeichnet sich ein Mann, mutmaßlich N., als "Volkslehrer" und äußert Zweifel an den rassistischen Motiven des Attentäters von Hanau. Er behauptet zudem, es sei "schlicht nicht aufgeklärt", wer den Anschlag in der hessischen Stadt vor einem Jahr verübt habe.

Tatsächlich ergaben die Ermittlungen zweifelsfrei, dass der 43-jährige Tobias R. am 19. Februar 2020 neun Menschen an mehreren Orten Hanaus erschossen hatte [tagesschau.de]. Anschließend soll er seine Mutter und anschließend sich selbst getötet haben.

Überlebender des Attentats ist "fassungslos"

Zu dem aktuellen Video von N. hat inzwischen auch ein Überlebender des Hanauer Attentats Stellung bezogen. Auf Instagram gibt der 19-jährige Piter Minnemann mithilfe eines Videos seiner Empörung Ausdruck. Er zeigt sich am Donnerstag fassungslos darüber, "dass dieses Hetzer-Video immer noch im Netz ist".

Er fordert die zuständigen Behörden in einem emotionalen Statement dazu auf, "die Verantwortung für solche potenziellen Täter zu übernehmen" und "solche Leute" zu stoppen. Er verlangt "sichtbare Konsequenzen". Auch die Videos des Attentäters von Hanau seien "ein, zwei Wochen" vor der Tat veröffentlicht und sie seien erst nach den Morden aus dem Netz genommen worden.

Tatsächlich steht das Video des selbst ernannten Volkslehrers auch am Freitagnachmittag noch im Netz. Versehen ist es mit dem Vorab-Hinweis "Dieses Video ist eventuell für einige Nutzer unangemessen". Wer "Ich habe das verstanden und möchte fortfahren" klickt, kann es sich ansehen. Die Polizei Berlin sagte rbb|24, dass öfter Videos des "Volkslehrers" gemeldet würden. Die Polizei würde dies bei Youtube melden, habe aber keinen Einfluss darauf, ob dies auch tatsächlich geschehe.

N. war früher Grundschullehrer in Berlin

N. ist in Berlin kein Unbekannter. Er bezeichnet sich selbst schon länger als "Volkslehrer" und verbreitet rechtsextremistische, antisemitische und rassistische Hetzvideos im Internet. Der 40-Jährige war Grundschullehrer in Berlin-Gesundbrunnen, bis seine Verfassungsfeindlichkeit bekannt und ihm fristlos 2018 gekündigt wurde.

Der Mann ist auch Corona-Leugner, er war unter jenen, die am 29. August direkt vor das Reichstagsgebäude gelangten. Später sprach er dann von einem von der Bundesregierung inszenierten Sturm auf den Reichstag, um die Gegner ihrer Corona-Maßnahmen in eine rechte Ecke zu stellen. N. stand schon mehrmals vor Gericht, wegen Volksverhetzung und Hausfriedenbruchs, unter anderem weil er im ehemaligen KZ Dachau vor Schülern die Opferzahlen des Holocaust leugnete.

20 Kommentare

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  1. 20.

    Eine unglaubliche Verhöhnung der Opfer und deren Angehöriger...
    Der "Volksverdummer" und seine Sympathisanten sollten sich in Grund und Boden schämen und ernsthaft über eine Therapie nachdenken...

  2. 19.

    Wieso, Berliner hat doch recht! Es ist unglaublich was man hier von den Sympathisanten des sogenannten Volkslehrer, Nikolai N. lesen kann. Manchmal fragt man sich ob man sich nicht in der Webseite geirrt hat.

  3. 18.

    Harter,
    Wenn man aus ideologischer Verblendung Lügen verbreitet,fern aller Tatsachen,so kann man es ganz schlecht als Haltung verkaufen. Haltung zeigen ist was Ehrenhaftes,trifft auf den Typ ja nicht zu.Es ist Gesinnung, menschenverachtende.
    Haltung haben z.Bsp.die Geschwister Scholl oder auch Stauffenberg bewiesen,der idiotisch,dabei aber gefährliche "Volkslehrer " nutzt die Meinungsfreiheit einer Demokratie um zu hetzen,auch gegen die Demokratie,ohne Staatsvertrag,wie die geschwister Scholl oder Stauffenberg,fürchten zu müssen. In den Augen von Leuten mit gesundem Menschenverstand ist ist der Typ nicht "Volkslehrer" sondern Volksverdummer zu nennen. Wenn der Typ auch Ihre realitatsferne Gesinnung vertritt,so ist der Versuch Ihrer missglückten Solidarisierung nachvollziehbar,aber macht Ihre Meinung zur Sache kein Stuck wahrer.

  4. 17.

    Danke für die Blumen.
    Aber das nennt man nicht "Gesinnung", sondern "Haltung".

    Im übrigen steht es Ihnen natürlich frei, dem Rechtsextremismus-Forscher Quent zu folgen.
    Ich ziehe gerne meine eigenen Schlussfolgerungen.
    Und ich kann nicht glauben, dass er seine eigene Mutter aus ganz klar "rassistischen Kriterien" getötet hat.

  5. 16.

    "Es ist immer wieder erstaunlich dass solche Sympathiebekundungen für Rechtsextremisten durchgewunken werden. [...] aber ich habe da so meine Vermutungen."

    Bitte mehr Details. Ich würde mich gern bei Verschwörungstheorien über die Unterwanderung der ÖR-Medien durch Rechtsextremisten gruseln.

  6. 15.

    Man wird sehen müssen, was die Ermittlungen ergeben. Es sind ja verschiedene Verfolgungsbehörden in Hanau und in Berlin von amts wegen tätig. Das nun nicht bekannt ist, wer der Täter war, klingt schon etwas schräg. Allerdings gibts außer Politikeräußerungen keine Gerichtsfeststellungen, es gibt noch nicht einmal den eigentlich üblichen Text einer amtlichen Verlautbarung. Wie hier ein Forist anmerkte, wird man das ausländhassende Motiv, mit dem der Täter vermutlich seine eigene Mutter ermordet hat, kaum seriös begründen können.

  7. 14.

    Sie meinen ihre Ideologie? Die sich mit der von "Märker" deckt? Warum sollte ich auf so dümmliche, weil durchschaubare Versuche eingehen, die nur von den Taten ( die des Attentäters und von N.) ablenken sollen? Damit hätten sie ja erreicht was sie wollen.

    Versuchen sie es doch erst einmal mit lesen.

    "In dem Internet-Hetzvideo bezeichnet sich ein Mann, mutmaßlich N., als "Volkslehrer" und äußert Zweifel an den rassistischen Motiven des Attentäters von Hanau. Er behauptet zudem, es sei "schlicht nicht aufgeklärt", wer den Anschlag in der hessischen Stadt vor einem Jahr verübt habe.

    Tatsächlich ergaben die Ermittlungen zweifelsfrei, dass der 43-jährige Tobias R. am 19. Februar 2020 neun Menschen an mehreren Orten Hanaus erschossen hatte [tagesschau.de]. Anschließend soll er seine Mutter und anschließend sich selbst getötet haben".

  8. 13.

    Er hat wohl kaum aus "kruden psychotisch/rassistischen" Gründen seine Mutter getötet.
    Mag ihnen nicht gefallen, ist aber so.

  9. 12.

    Erstaunlich ist vielmehr, dass Sie den Beitrag als "Sympathiebekundung für Rechtsextremisten" bezeichnen ohne auf den Inhalt einzugehen. So ist das halt mit der Ideologie.

  10. 11.

    Es ist immer wieder erstaunlich dass solche Sympathiebekundungen für Rechtsextremisten durchgewunken werden.

    Mal vom primitiven whataboutism abgesehen aber ich habe da so meine Vermutungen.

  11. 10.

    Und noch einer mit einer strrrrammen Gesinnung, der die Opfer verhöhnt. "Frasdof" verhöhnt die Opfer, da er nur ausgesuchte Stellen aus der SZ zitiert.

    Aus dem gleichen Artikel: "Der Jenaer Soziologe und Rechtsextremismus-Forscher Matthias Quent warnt davor, die gesellschaftliche Botschaftswirkung eines Anschlags zu unterschätzen - und vom Täter getrennt zu betrachten. Tobias R. habe seine Opfer ganz klar nach "rassistischen Kriterien ausgewählt", so Quent. Damit sei der Anschlag auch nach den Kriterien der Polizei ohne Zweifel als rechtsextrem motivierte Straftat einzuordnen".

    https://www.sueddeutsche.de/politik/anschlag-hanau-rechtsextremismus-abschlussbericht-bka-1.4859441

  12. 9.

    Das tut aber keiner. Er war ein Psychotischer Rechtsextremer. Der aus einer kruden psychotisch/rassistischen Weltsicht gehandelt hat. Mag ihnen nicht gefallen, ist aber so!

  13. 8.

    Nein. Die Angehörigen der Opfer haben ein Recht auf Aufklärung der Tat.
    Wer ausschließlich Rassismus als Tatmotiv zulassen möchte, steht dieser Aufklärung entgegen.

  14. 7.

    Soweit ich das verstanden habe, geht es den Kritikern darum, daß die fürchterliche Mordtat von interessierter Seite instrumentalisiert wird. In der Sache selbst geht es um einen vom RBB nicht näher bezeichneten Youtube-Beitrag des "Volkslehrers" , der im Internet allerdings leicht zu ergoogeln ist.
    Dort greit der "Volkslehrer" in ca. 80 % der der Beitragszeit das Treiben der von Ausländern betriebenen "Migrantiifa" auf, offensichtlich ein Ableger der hiesigen "Antifa", vom RBB mit keinem Wort erwähnt. Ich kann nur empfehlen, sich den Beitrag selbst anzusehen, um sich ein eigenes Bild zu machen, solange er noch nicht gelöscht ist. Die "Migantifa" selbst ist kein unbeschriebenes Blatt, sie hat sich in der Vergangenheit bereits durch antiisraelische Aktionen hervor getan.
    .
    Die

  15. 6.

    Der selbsternannte Volkslehrer mag seine kruden Hetznachrichten an Leute richten, die diesen Stuss hören wollen. Restlos aufklären lassen sich die Motive und das Weltbild des Hanau-Attentäters ohnehin nicht.
    Nur: sich auf dieses Niveau zu begeben, selbst gar zum Wüterich zu mutieren, bringt auch nichts. In jedem Fall ein schmaler Grat, rechte Hetzer in ihre Schranken zu weisen, gleichzeitig aber nicht unfreiwillig für Aufmerksamkeit für solche Personen zu sorgen, etwa durch Anzeigen, die erwartungsgemäß im Sande verlaufen.

  16. 5.

    Ein Rechter zweifelt also an den rassistischen Motiven des Mörders. Muss man nicht verstehen. Auf jeden Fall ekelhaft. Gut, dass dieser Mensch kein Lehrer mehr ist.

  17. 3.
    Antwort auf [max] vom 26.02.2021 um 19:39

    Die Süddeutsche berichtete über den BKA-Bericht : Der Täter von Hanau, Tobias R., sei vielleicht gar nicht so stark von rechtsextremer Gesinnung geleitet gewesen, wie bisher angenommen. Für die Wahl seiner Opfer, neun Menschen "mit Migrationshintergrund", sei laut BKA womöglich gar nicht Rassismus das Hauptmotiv, sondern der Versuch, "möglichst viel Aufmerksamkeit für seine Verschwörungstheorien zu bekommen".

  18. 2.

    Bis heute gibts keinen offiziellen Abschlussbericht zu den mutmaßlichen Mordtaten. Nach dem, was so bisher zu lesen ist, handelte es sich bei dem Täter um einen Geisteskranken, dessen Tat von Rassismus gespeist ist. Lt. Wikipedia meinte der Täter, er werde „durch die Wand und durch die Steckdose abgehört, belauscht und gefilmt“. Daraufhin diagnostizierte ein Amtsarzt eine „Psychose aus dem schizophrenen Formenkreis, paranoide Inhalte“ und empfahl die sofortige Einweisung in eine Psychiatrie. Warum es dazu nicht kam, ist unbekannt.

  19. 1.

    "Die Polizei Berlin sagte rbb|24, dass öfter Videos des "Volkslehrers" gemeldet würden. Die Polizei würde dies bei Youtube melden, habe aber keinen Einfluss darauf, ob dies auch tatsächlich geschehe."

    Womit mal wieder bewiesen ist dass deutsche Behörden und nicht nur die, vor dem rechtsextremen Hass einknicken.

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