Gedenkveranstaltung zum ersten Jahrestag des rassistischen Anschlags in Hanau am 19.02.2021 am Berliner Oranienplatz. (Quelle: dpa/Jean MW)
Video: rbb|24 | 18.02.2021 | Material: Abendschau | Bild: dpa/Jean MW

Rassistischer Anschlag vor einem Jahr - Berlin gedenkt der Opfer von Hanau

Am Freitag vor einem Jahr wurden bei einem rassistisch motivierten Anschlag in der hessischen Stadt Hanau neun Menschen mit ausländischen Wurzeln ermordet. Zum Gedenken an die Opfer fanden auch in Berlin mehrere Veranstaltungen statt.

Ein Jahr nach dem rassistisch motivierten Anschlag in Hanau haben Politiker, Verbände und Kirchen am Donnerstag an die Opfer erinnert. Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) sagte: "Rassistische und rechtsextremistische Gewalt, Hass und Menschenfeindlichkeit zerstören unsere Gesellschaft. Das dürfen wir nicht zulassen." In der Hauptstadt fanden am Donnerstagabend und am Freitagnachmittag mehrere Gedenkveranstaltungen statt. Weitere sind für Samstag geplant.

Am 19. Februar 2020 hatte ein 43-jähriger Deutscher in der hessischen Stadt neun Menschen mit ausländischen Wurzeln erschossen [tagesschau.de]. Anschließend tötete er seine Mutter und sich selbst.

Grüne: Hanau ist kein Einzelfall

Die Berliner Grünen erklärten, Hanau sei kein Einzelfall gewesen und erinnerten an den Mordfall Lübke, den Anschlag von Halle und die Anschlagsserie von Neukölln. Bereits vor zehn Jahren sei die Erschütterung nach den NSU-Morden groß gewesen. "Passiert ist seitdem: wenig."

"Rechter Terror bedroht unser aller Zusammenleben", erklärte die Berliner Linksfraktion im Abgeordnetenhaus. Rechte Strukturen müssten zerschlagen sowie rassistischen und antisemitischen Ideologien widersprochen werden - "egal in welchem Gewand sie auftreten".

Der Zentralrat der Muslime nannte das Attentat einen "schrecklichen rassistischen Terroranschlag". Der Zentralrat der Juden forderte, rechtsextreme Netzwerke, die weiterhin existierten, aufzudecken.

Gedenkveranstaltungen und Demo

Am Donnerstagabend erinnerte das Bezirksamt Neukölln an die Opfer des Mordanschlags in Hanau. Über dem Eingang des Neuköllner Rathauses war ein Transparent mit den Namen der Mordopfer zu sehen. An Fenstern des Gebäudes leuchteten 213 Kerzen. Damit wurde laut Bezirksamt der 213 Menschen gedacht, die seit 1990 Opfer rechtsextremer oder rassistischer Gewalt wurden. Bezirksbürgermeister Martin Hikel (SPD) bat die vor dem Rathaus versammelten Menschen um eine Schweigeminute.

Für Freitag waren weitere Veranstaltungen geplant, unter anderem am Leopoldplatz im Wedding, am Oranienplatz in Kreuzberg und vor dem Rathaus Neukölln. Das Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg will als Zeichen des Erinnerns die Flaggen vor den Dienstgebäuden in der Frankfurter Allee und in der Yorckstraße auf Halbmast setzen.

Für Samstag (14:00 Uhr) ist eine Demonstration gegen Rassismus in Neukölln angekündigt. Dort verübten in den vergangenen Jahren mutmaßlich rechtsextreme Täter eine Reihe von Brandanschlägen und bedrohten Mitglieder linker Initiativen und Parteien. Gegen zwei verdächtige Männer wird ermittelt.

Zwei Frauen halten am 18.02.2021 Plakate mit den Namen und Gesichtern der Opfer des Anschlags in Hanau vor einem Jahr. Vor dem Bezirksamt Neukölln wird den Opfern des Anschlags in Hanau gedacht. (Quelle: dpa/Christophe Gateau)
Menschen zeigten am Donnerstag Abend in Neukölln Plakate mit den Namen der Opfer von Hanau.Bild: dpa/Christophe Gateau

Sendung: Abendschau, 18.02.2021, 19.30 Uhr

49 Kommentare

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  1. 49.

    Es geht um das Gedenken von durch rechtsextrem motivierte Taten Ermordeten und Sie legitimieren und rationalisieren hier belebt rechtsextreme Einstellungen. Gerade diejenigen delegitimieren zu wollen, die sich, entgegen Ihrer Behauptung, jahrelange Anerkennung gerade aufgrund der Einhaltung wissenschaftlicher Standards erarbeitet haben, ist ein haltloser und unlogischer Akt. Es gibt eigene Haltungen, aber keine eigenen Fakten. Die Grundlage für die Tat in Hanau war Rechtsextremismus, hier diesen zu verharmlosen, ist ein Hohn für die Betroffenen, die Hinterbliebenen und alle Demokrat*innen.

    Der Umgang der Hanauer Polizei mit den Hinterbliebenen, diese mögen sich doch bitte nicht so aufdringlich verhalten, ist Ausdruck eines jahrzehntelang gerade in Hessen gewachsenen Problems: rechte Strukturen auch in Teilen der Polizei.

  2. 47.

    Zitat: "Nun sind zwar die Wahlergebnisse der AfD disruptiv verglichen mit den von Ihnen genannten, seinerzeit lediglich in ein bis zwei Landtagen vertretenen Parteien . . ."

    Die NPD bspw. zog ab '66 ff. in die Landesparlamente von Hessen und Bayern sowie in die Landtage von Bremen, Rheinland-Pfalz, Niedersachsen, Schleswig-Holstein und Baden-Württemberg ein. Und um die Wahlerfolge in den 2000er Jahren im Osten wissen Sie sicher? Aber das nur mal nebenbei.

    Dass die Entwicklung des Rechtsterrorismus vor und nach 2013 mehr Kontinuität als Disruption zeigt, ist angesichts von Hanau, Lübcke und Halle eine merkwürdige Aussage Ihrerseits. Und dass "Franco A.", die "Gruppe Freital" oder "Nordkreuz" etc. aufgedeckt wurden bevor diese "zum Zuge" kamen, dürfte wohl nicht von der Hand zu weisen sein.

  3. 46.

    100 Prozent Zustimmung.
    Die von ihnen angesprochenen Foristen geht es niemals um Recht / Unrecht sondern nur Belehrung anders denkender.
    Auf der Demo am 29.August hab ich mehr linke als rechte bzw. normale Menschen gesehen. An den bunten Haaren z.B.
    Ich bin echt froh das es noch genug Menschen gibt die besonnen bleiben und anderen Menschen nicht ihre Meinung auf drängeln wollen . Ich bin kein AFD Wähler, sondern die LKR
    Schönes WE

  4. 45.

    Kurz und bündig: Dito! Danke für die nichtssagende Diskussion. Auch das sagt viel aus. Ihre Behauptungen bleiben immer noch unbelegt. Kann man machen, dann muss man aber mit Widerspruch rechnen. Und auf den Viel-Nutzernamen-User geb ich persönlich mal gar nichts. Eod und schönes WE

  5. 44.

    An der Quasselbude hat sich bis heute nicht viel geändert. Manche Redebeiträge ( z.B. Buschmann FDP zu den Störaktionen von 2 Gästen der AfD ) sind vom Prinzip, dem Stil und der anklagenden Rhetorik " Roland Freisler light " nachempfunden. Da muss man staunen, das vor dem vielen " Hass" noch nicht geweint wurde.

  6. 43.

    "Steffen " Stephan , hat alles zu dem Thema geschrieben. Man(n) kann sich auch dumm stellen. FIN !

  7. 42.

    Apropos Nordkreuz. https://www.tagesschau.de/investigativ/ndr-wdr/bundeswehr-ksk-munition-101.html

  8. 41.

    Wollen sie etwa sagen das der rbb rechtes Gedankengut veröffentlichen würde? Bitte sie und einige andere foristen mit dem Pseudo- Rassismus aufzuhören

  9. 40.

    "Herr Wortklaubino"? Wie immer wenn sich Rechtsextreme in der Defensive befinden, versteigen sie sich auf Beleidigungen.

    "Ziel ist es dabei nicht unbedingt gewesen, die „verbohrten“ Gegner mit Argumenten zu überzeugen, sondern zu provozieren, zu demütigen und auch – so das Gegenüber sich als resistent für derlei Taktiken erweist – zu beleidigen."

    Soweit, so bekannt.

  10. 39.

    Herr Wortklaubino, wie Sie an anderen Reaktionen sehen könnten, verstand nicht nur ich es so, dass der Kommentator, der sich für jenes Mal "Stephan" genannt hat, eine Entwicklung des Rechtsterrorismus im Gleichklang mit den Wahlerfolgen der AfD behauptet.

    Nun sind zwar die Wahlergebnisse der AfD disruptiv verglichen mit den von Ihnen genannten, seinerzeit lediglich in ein bis zwei Landtagen vertretenen Parteien (was irgendwie auch die Frage aufwirft, warum die AfD, wenn sie jenen Parteien gleich sein soll, deutlich mehr Zustimmung findet), die Entwicklung des Rechtsterrorismus vor und nach 2013 zeigt dagegen mehr Kontinuität als Disruption. Das macht eine Kopplung zwischen dem einen und dem anderen für mich fragwürdig (wobei mir klar ist, dass die Kopplung für die Delegitimierung von Widerspruch zur ungelenkten Zuwanderung uvm. gebraucht wird).

  11. 38.

    Es ist wirklich sehr traurig wie Anhänger dieser rechtsextremen Partei hier die Opfer nochmals verhöhnen dürfen!

  12. 37.

    Eine Verhöhnung der Opfer rechtsextremer Gewalttaten wäre es, wenn wir uns nicht auch mit den Ursachen beschäftigen würden. Und die Agitation der AfD ist nun mal auch eine der Ursachen.

  13. 36.

    Die Angelegenheit ist sogar weit schlimmer. Der Urheber der besagten "Kopftuchmädchen" war und ist ja ein gewisser Thilo Sarrazin, eh. Berliner Finanzsenator, Hobby-Autor und m. W. immer noch Mitglied der SPD. Auch von Heinz Buschkowski sind ja vglw. keine anderen Töne gekommen. Auch im Ruhrgebiet finden sich solche Töne. Max von der Grün hat schon in den 1980ern über die dortige Gemengelage einen Film gedreht.

    Gerade das Ruhrgebiet ist ja ohne den massenhaften Zuzug von Polen in seinen Auswirkungen garnicht recht denkbar. Doch manchmal scheinen es teilweise jene Eingegliederten zu sein, die desöfteren am Heftigsten gegen nochmal Neue zu Felde ziehen.

    Die Namen ändern sich, die Denk- und Handlungsweise scheint immer noch die alte zu sein. Die überkommene.

  14. 35.

    Was nun? Abschlussbericht des BKA. Aha. Zu welchen Schluß ist denn das BKA anfangs im Falle des NSU gekommen? Da mußten reichlich Akten geschreddert werden, damit es nicht zu peinlich wurde.

  15. 34.

    Wäre der Bundestag ein Kindergarten, wie sie behaupten, dann stünde die AfD vor der Tür. Da herrschen in Kindergärten klare Regeln.

    Im übrigen interessant dass sie den Bundesrag einen Kindergarten nennen, ihre geistigen Vorgänger sprachen von einer Quasselbude und ihre Verachtung gegenüber unserer Demokratie machen sie damit mehr als deutlich.

  16. 33.

    Ich störe sie in ihrer Parderolle als Veteidiger und Verharmloser aller Rechtsextremisten und deren Taten nur ungerne (sie sind da immer so schön selbst entlarvend) aber das ist völliger Quatsch. Warum hat sich dieser Täter so radikalisiert? Weil er sich von Sprüchen wie von der Weidel aufgerufen, ja vielleicht sogar berufen fühlte.

    Die "Qualität" der Terrorserien haben zugenommen, Nordkreuz, Neukölln, Halle, Hanau und Kassel. Alles Täter deren Ideologie die der AfD nahesteht.

  17. 32.

    Wenn Sie von Beweisen reden und einen Link anbieten, hätte ich erwartet, dass der Link mich zu den Beweisen führt (naja, Spaß beiseite, bei anderen Kommentatoren hätte ich das erwartet).

    Was finde ich aber? Nichts als Ansichten, überwiegend vom neueren Starlet unter den "Rechtsextremismus-Experten": dem notorischen Herrn Quent, dessen Buch "Deutschland rechts außen" außerhalb der linksjournalistischen Filterblase ziemlich auseinandergenommen wurde. Es ist zwar nicht grundsätzlich ausgeschlossen, soziologische Thesen zu beweisen, aber Feldforschung, z.B. Interviews innerhalb rechtsextremer Gruppen, wäre dann schon sinnvoll gewesen. Herr Quent hat sich diese Mühe (laut eigener Auskunft) für jenes Buch nicht gemacht.

  18. 31.

    Sie verbreiten hier eine groteske Fehlbeurteilung im Dienste einer möglichst maximalen politischen Instrumentalisierung der Tat : Angesichts eines vom Täter hinterlassenen Manifests, das eindeutig auf eine schwere paranoide Schizophrenie verweist, kommt es im Abschlussbericht des BKA, der in dieser Sache informiert, zu einem „überraschenden Fazit“ :
    Tobias R. „sei kein Anhänger einer rechtsextremistischen Ideologie gewesen“ und er habe „offensichtlich an Paranoia gelitten“. Was nun?

  19. 30.

    Lesens-, hörens- und sehenswert, was die Initiative 19. Februar auf die Beine stellt: 19feb-hanau.org ! Sie können dabei noch alle mögliche Unterstützung gebrauchen. Einfach mal reinschauen.

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