Dilek Kalayci (SPD), Gesundheitssenatorin (Quelle: dpa/Wolfgang Kumm)
Bild: dpa/Wolfgang Kumm

Ausbreitung von B.1.1.7 in Berlin - Kalayci warnt vor Dominanz der "britischen" Virus-Mutation

Die besonders ansteckende Virus-Mutation B.1.1.7 breitet sich auch in Berlin immer stärker aus. Gesundheitssenatorin Kalayci rechnet damit, dass sie bis März oder April das Infektionsgeschehen dominieren und für mehr schwere Krankheitsverläufe sorgen könnte.

Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci (SPD) hat davor gewarnt, dass die "britische" Virus-Variante B.1.1.7 schon in wenigen Wochen auch in Berlin dominieren könnte. Bislang seien in der Hauptstadt 409 Fälle von Infektionen mit Virus-Varianten erfasst worden. "Führend ist die britische Variante mit 361 Fällen", sagte Kalayci am Montag im Gesundheitsausschuss des Abgeordnetenhauses.

B.1.1.7 macht zehn Prozent der Mutationen aus

Die zuerst in Großbritannien entdeckte Variante gilt als besonders infektiös. Sie könnte sich daher schneller ausbreiten als frühere Corona-Formen. "In einigen Teilen Deutschlands beobachten wir schon, dass es inzwischen sehr hohe Anteile sind", sagte Kalayci. "Wir müssen einfach davon ausgehen, dass es März, aber spätestens April tatsächlich passieren kann, dass diese Virus-Variante die Herrschaft übernimmt."

Wenn die "britische" Variante dominiere, seien eine noch größere Dynamik beim Infektionsgeschehen und auch schwerere Krankheitsverläufe zu befürchten. Deshalb müssten Hygieneregeln dann noch strenger eingehalten werden. Kalayci sagte, in Berlin liege der
Anteil der Mutanten unter den nachgewiesenen Corona-Fällen nach Daten aus den Berliner Laboren vom Freitag bei zehn Prozent.

60 Infektionen mit Mutante in Viantes-Klinikum

Am Vivantes-Klinikum in Berlin-Spandau wurden inzwischen 60 Neuinfektionen mit der britischen Corona-Variante festgestellt. Unter den Infizierten seien 21 Mitarbeiter, teilte der landeseigene Klinikkonzern am Montag mit.

Bei Tests von 1.200 Mitarbeitern wurden nach Vivantes-Angaben im Vergleich zur Vorwoche neun weitere Corona-Infektionen bei Menschen ohne Symptome gefunden. Die positiven Tests würden nun auch auf Virus-Varianten untersucht. Bis 25. Februar gilt ein Aufnahmestopp an dem 600-Betten-Haus. "Die Rettungsstelle ist gesperrt und wird von der Notfallrettung nicht mehr angefahren", erklärte Vivantes.

Intensivmediziner warnen vor Lockerungen

Wie verbreitet Varianten bundesweit schon sind, wird vom Robert Koch-Institut (RKI) untersucht. Ergebnisse einer zweiten Erhebung werden in dieser Woche erwartet. In einer ersten Stichprobe von Ende Januar lag der Anteil von B.1.1.7 bei knapp sechs Prozent.

Zuletzt hatten auch Berliner Intensivmediziner vor der Virus-Mutation und einer frühzeitigen Lockerung der Eindämmungsmaßnahmen gewarnt. "Diese Mutationen machen uns erhebliche Sorge", betonte Jörg Weimann, Chefarzt für interdisziplinäre Intensivmedizin am Berliner Sankt Gertrauden-Krankenhaus, am Montagmorgen im Inforadio des rbb. "Die Lockdown-Maßnahmen helfen zwar gegen den Wild-Typ. Wir sind aber in großer Sorge, dass das uns jetzt in die Parade fährt", sagte Weimann, der zugleich Berliner Landesvorsitzender des Bundes der Anästhesisten ist. Wenn sich die Mutante B.1.1.7 hier so ausbreite wie in England, Portugal und Irland, "dann geht das alles wieder von vorne los. Und dann kann das eine ganz neue Dimension annehmen, mit der dann erneut das Gesundheitswesen erheblich in Bedrängnis kommen könnte", warnte Weimann.

Sendung: Inforadio, 15.02.2021, 14:00 Uhr

37 Kommentare

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  1. 37.

    "Hier nun wieder einen hardcore Mutantenfilm aufzumachen, ist nicht mehr drin."
    Naja - es gibt auch dazu eine Studie....

    https://www.spektrum.de/news/horror-fans-mentales-training-fuer-die-apokalypse/1819904

  2. 36.

    Wenn es schon rassistisch ist ein Virus als britische Variante zu bezeichnen, dann ist Deutschland wirklich nicht mehr zu retten.

  3. 35.

    Trotzdem ich glaube, daß es Corona gab, bin ich echt der Überzeugung, Sie sollten alle mal nochmal zur Normalität und Realität zurückkehren und Ihren schrillen Coronatrip und Coronawahn hinter sich lassen.
    Wer krank ist, bleibt zu Hause und für alle anderen gilt wieder Normalität.
    Hier nun wieder einen hardcore Mutantenfilm aufzumachen, ist nicht mehr drin.

  4. 34.

    Danke, Alice! :) Das da verlinkte paper hab ich auf Tobias' Hinweis hin auch gefunden. Merci!

  5. 33.

    Jetzt drehen alle am Rad,jetzt ist das Virus schon rassistisch.Na klar gibt es die britische Variante,das kann ganz normal über die genetischen Muster die sich ändern nachvollzogen werden. Mir ist nur nicht klar wie man diese Mutation von dort einschleppen konnte,wenn man sich nur noch 15km vom Wohnort entfernen durfte und darf.Das Virus kann nur gebeamt wurden sein !

  6. 32.

    Ich bin medizinischer Laie. Daß aber Viren aller Art in Varianten auftreten, scheint mir keine neue Erkenntnis zu sein. Siehe die Grippeviren (Influenza). Das Auftreten von "Mutationen" ist dann ein erwartbarer und "normaler" Vorgang, jedenfalls kein Grund zur Panikmache.

  7. 31.

    Ok - zweiter Versuch. @ RBB - diese Informationen sind frei für jedermann zugänglich und beinhalten einfach nur Fakten.

    https://www.rki.de/DE/Content/InfAZ/N/Neuartiges_Coronavirus/Virusvariante.html;jsessionid=A440C06E94FD888D24858B5D4F71F860.internet061?nn=2444038

  8. 30.

    Kleiner Hinweis an den RBB24. Es ist nicht mehr political correct von einer Britischen Variante zu sprechen. Da dies als rassistisch definiert wird. Siehe Markus Lanz der das in dieser Richtung verstanden wissen möchte.

  9. 29.

    Nachdem mit dem "normalen" Covid Virus das beibehalten des Lockdown nicht mehr zu begründen ist, weil die Zahlen immer weiter sinken, soll jetzt die angeblich viel gefährlichere Mutation, die angeblich auf dem Vormarsch ist als Begründung für Weiterführung der Freiheits- und Grundrechtseinschränkungen herhalten. Das ist so durchschaubar das es peinlich ist.

  10. 28.

    Einfach mal bei der Senatorin anfragen. Sie hilft bestimmt gern...

  11. 27.

    Ich darf nichts anbieten, genauso wie der Rest der Bevölkerung. Unsere Meinung zählt nicht und dem deutschen Volk wird die Zunge raus gerissen.

  12. 25.

    Zu den 409 Fälle von Infektionen mit Virus-Varianten wäre auch interessant, wieviele bislang genesen sind.
    Wir wollen doch nicht alle ständig addieren - oder doch?

  13. 21.

    Haben alle etwas Vergessen, es ist Wahlkampf......

  14. 19.

    Nein, seit einigen Tagen geht es darum, dass die Mutation die Wahrscheinlichkeit der Sterblichkeit um 60% Erhöht. Wäre zB die Wahrscheinlichkeit gerade 1% wären es dann 1,6 % etc. Es hat wohl mit der sehr hohen Viruslast zu tun, die mit einer Infektion mit dieser Mutation einhergeht. In GB waren auch weit mehr jüngere Leute (auch Kinder und Jugendliche) wegen einer Infektion im Krankenhaus als bei dem Wildtyp.

  15. 18.

    Es ging neulich erst durch die Presse dass dem so ist. Relativ neue Erkenntnisse. Bei der Suchmaschine ihrer Wahl werden Sie sicher schnell fündig.

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