Archivbild: Wegweiser mit der Aufschrift Landesamt fuer Einwanderung. (Quelle: dpa/W. Rothermel)
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Ein Jahr Landesamt für Einwanderung - Geisel: Fast 90 Prozent der Geduldeten in Berlin haben eine Arbeitserlaubnis

In Berlin dürfen fast 90 Prozent der Migranten mit Duldungsstatus arbeiten und ihren Lebensunterhalt damit sichern. Diese Zahl nannte Innensenator Andreas Geisel (SPD) am Freitag. Vor zwei Jahren habe nur etwa die Hälfte der Geduldeten arbeiten dürfen, sagte Geisel weiter. 2016 habe die Zahl noch unter 20 Prozent gelegen.

Geisel wies darauf hin, dass viele Menschen, die über vier Jahre in Berlin geduldet werden, einen gesetzlichen Anspruch zur Ausübung einer Beschäftigung haben. Die Zahl der Geduldeten in einem Beschäftigungsverhältnis, in Ausbildung oder mit Ausbildungsduldung sei dabei trotz der Corona-Krise und deren Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt im letzten Jahr nur moderat zurückgegangen.

Über 41.000 Aufenthaltstitel ausgegeben

Der Innensenator äußerte sich anlässlich des einjährigen Bestehens des Landesamtes für Einwanderung (LEA). Geisel zog eine positive Bilanz: "Mit dem Landesamt für Einwanderung werden wir dem Anspruch Berlins als offener und vielfältiger Einwanderungsstadt gerecht."

Im letzten Quartal 2020 seien über 41.000 Aufenthaltstitel verteilt worden, mehr als im Vergleichszeitraum des Vorjahres. 85.000 Betroffene hätten sich die Fortgeltung ihres Aufenthaltsrechts bescheinigt bekommen. Außerdem hätten sich über 15.000 vom Brexit betroffene Briten die erforderlichen Aufenthaltsanzeigen sichern können.

Korrektur: Im Titel stand zunächst, dass 90 Prozent aller Gedulddeten einen Job hätten. Darüber haben wir keine Auskunft. Wir haben das korrigiert.

8 Kommentare

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  1. 8.

    "Unabhängig davon ist mir Ihre Assoziation "Ausländer = Sozialleistungsbezug" unsympathisch. "

    MIr ebenso. Mir ist es auch ein Rätsel warum solche Beiträge überhaupt freigeschaltet werden.

  2. 7.

    Vielleicht hätten Sie Ihren Denkfehler bemerkt, wenn Sie Ihren Kommentar in einer anderen Reihenfolge formuliert hätten: Sie schreiben am Ende richtigerweise, dass der Anspruch auf Sozialleistungen von der Art des Aufenthaltstitels abhängt. Aber davor schreiben Sie, ein Aufenthaltstitel bedeute pauschal einen "stärker gesicherten Anspruch auf Sozialleistungen".

    Vielleicht können wir uns darauf einigen, dass die im Artikel gegebenen Infos recht oberflächlich und wenig aussagekräftig sind - was wahrscheinlich der PM der Senatsverwaltung geschuldet ist.

    Unabhängig davon ist mir Ihre Assoziation "Ausländer = Sozialleistungsbezug" unsympathisch.

  3. 6.

    Ob ein Arbeitsverbot vorliegt oder nicht, wird in der Duldung vermerkt. Das ist, was man hier meint. Man muss dann trotzdem die Erlaubnis der Ausländerbehörde einholen, um bei XYZ arbeiten zu können. Das ist, was du meinst. Das ist aber nicht die Arbeitserlaubnis.
    90% haben in der Duldung den Verweis, dass Arbeit erlaubt ist mit Zustimmung der Ausländerbehörde. Davon könnten 100% arbeiten oder auch 0%. Genaue Aussagen lassen sich nicht treffen, was ja auch ganz unten steht. Und diese Statistiken hat Berlin nicht, da ich mir die Zustimmung holen kann, für XYZ zu arbeiten, ob ich dann da aber anfange oder immer noch bin, weiß die Ausländerbehörde auch nicht.

  4. 4.

    "Im letzten Quartal 2020 seien über 41.000 Aufenthaltstitel verteilt worden, mehr als im Vergleichszeitraum des Vorjahres. Eine Aussage zu existenzsichernder Erwerbstätigkeit ist damit nicht verbunden. Man kann auch sagen es sind mehr als im Vergleichszeitraum des Vorjahres, nämlich jetzt 41000 Ausländer einen stärker gesicherten Anspruch auf Sozialleistungen haben.
    Die Möglichkeit für Ausländer, Sozialleistungen vom deutschen Staat zu beziehen, hängt insbesondere davon ab, welchen Aufenthaltstitel der Ausländer besitzt.

  5. 3.

    @ Steppenwolf und rbb-Redaktion:
    Meines Wissens ist bei Geduldeten der Besitz einer Arbeitserlaubnis gleichbedeutend mit der tatsächlichen Erwerbstätigkeit, weil die Arbeitserlaubnis immer nur für ganz bestimmte Stellen erteilt wird - nämlich in der Regel für solche, die bei Menschen mit mehr Rechten unbeliebt sind. Daher ist es auch kein Zufall, dass z.B. in Berlin ein sehr großer Teil der Geduldeten im Gastgewerbe und im Reinigungsgewerbe arbeitet und dort die jeweils untersten Positionen besetzt.

    Die Regelung wird so ungefähr unter dem untenstehenden Link beschrieben, aber inwiefern die Gleichung Arbeitserlaubnis = Erwerbstätigkeit auch auf die Berliner Statistik zutrifft, müsste man wohl nochmal bei der Senatsverwaltung erfragen.
    https://www.bpb.de/gesellschaft/migration/kurzdossiers/233846/definition-fuer-duldung-und-verbundene-rechte?p=all

  6. 2.

    Ich bin sehr dafür, dass Geduldete eine Arbeitserlaubnis erhalten, denn nur so kann man sich integrieren.
    Arbeit gehört zum Leben dazu, und jeder hat die Pflicht, auf eigenen Beinen zu stehen - zumindest dies ernsthaft zu versuchen.

  7. 1.

    Wieviel Prozent derjenigen, die eine Arbeitserlaubnis haben und wieviel davon gehen einer sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung nach?

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