Der Bauplatz für den Bau der Synagoge in der Schloßstraße nahe der Nikolaikirche am Alten Markt in Potsdam am 18.02.2021. (Quelle: dpa/Soeren Stache)
Video: Brandenburg aktuell | 18.02.2021 | Markus Woller | Bild: dpa/Soeren Stache

Nach jahrelangem Streit - Bau der Potsdamer Synagoge soll in diesem Jahr starten

Immer wieder hatte es Verzögerungen gegeben - nun kündigte Brandenburger Kulturministerin Schüle an: Der Bau der neuen Synagoge in Potsdam soll in diesem Jahr starten. Am Donnerstag wurden die neuen Pläne für das Gebetshaus präsentiert.

Nach jahrelangem Hin und Her soll es nun mit dem Bau der neuen Synagoge in Potsdam tatsächlich noch in diesem Jahr losgehen.

Brandenburgs Kulturministerin Manja Schüle (SPD) präsentierte am Donnerstag in der brandenburgischen Landeshauptstadt Pläne für ein Synagogen- und Gemeindezentrum. Es soll in Zusammenarbeit mit der Zentralwohlfahrtsstelle der Juden auf dem Gelände in der Schloßstraße 1 entstehen. Land und Zentralwohlfahrtsstelle wollen dazu in Kürze eine Vereinbarung unterzeichnen.

Den Angaben zufolge finanziert das Land den Bau mit rund 13,7 Millionen Euro. Noch 2021 werde Baubeginn sein, die Eröffnung sei für 2024 geplant, hieß es.

Woidke spricht von "wichtigem Signal"

Der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster, nannte den Synagogenbau einen langgehegten Wunsch der jüdischen Community in Potsdam. "Wir sind der Landesregierung sehr dankbar für ihre Unterstützung, um diesen Wunsch jetzt Wirklichkeit werden zu lassen", fügte er hinzu.

Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) sprach von einem wichtigen Signal, "insbesondere in diesem Jahr, in dem wir 1.700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland feiern". In den vergangenen 30 Jahren sei ein vielfältiges und aktives jüdisches Leben im Land neu entstanden. "Dass sich viele Jüdinnen und Juden ausgerechnet Deutschland und Brandenburg als neue Heimat ausgewählt haben, ist Ausdruck ihres Vertrauens in unser Land", sagte Woidke.

Unterschiedliche Vorstellungen führten zu Verzögerungen

Der Vorsitzende der Union Progressiver Juden in Deutschland, Rabbiner Walter Homolka, begrüßte die neuen Pläne für das Projekt. Mit dem Zentralrat und der Zentralwohlfahrtsstelle hätten der Landesverband und das Land Brandenburg ideale Partner, um das Projekt zügig umzusetzen. Es solle "ein Zentrum im Sinn der Einheitsgemeinde werden, das den Interessen aller Strömungen des Judentums in Potsdam dient".

Der Vorsitzende der Potsdamer Synagogengemeinde, Ud Joffe, sprach dagegen von einem "Skandal" und einer "Fremdbestimmung" durch den Zentralrat.

Vonseiten der jüdischen Gemeinde zu Potsdam e.V. und Adass Israel Potsdam e.V. hieß es hingegen, man sei "erleichtert und froh, dass es dem Land gelungen ist, eine Lösung zu finden, der den Bau der Synagoge in Potsdam nun endlich ermöglicht." Kulturministerin Schüle seien die Vereine "sehr dankbar, dass sie verantwortlich gehandelt und trotz aller Widrigkeiten hartnäckig an dem Vorhaben festgehalten hat." Die Zentralwohlfahrtsstelle sei ein guter Partner, hieß es.

Pläne für den Bau liegen seit Jahren auf Eis, weil verschiedene Potsdamer Gemeinden unterschiedliche Vorstellungen vor allem zur Architektur der Synagoge hatten. Zuletzt hatte es im Juni 2020 positive Signale gegeben, die den Synagogenbau wieder wahrscheinlicher gemacht hatten.

Sendung: Brandenburg aktuell, 18.02.2021, 19:30 Uhr

6 Kommentare

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  1. 6.

    Der Kommentar ist leider völlig am Thema vorbei. Der deutsche Staat hat die Synagogen zerstört und die Menschen ins Gas geschickt. Also ist er nun, da wir dankenswerterweise wieder in einer Demokratie leben, dazu verpflichtet, den Überlebenden Schadenersatz zu leisten und die zerstörten Gotteshäuser wieder (mit) zu errichten. Der Staat wird deswegen ja nicht Miteigentümer an der Synagoge. Er leistet nur Ersatz für das begangene Unrecht. Das ist gut angelegtes Geld.
    Kritikwürdig ist maximal der ewig anhaltende Zwist innerhalb der jüdischen Gemeinde(n) in Potsdam, der den Baustart unnötig lange verzögert und damit die Kosten sinnlos in die Höhe getrieben hat. Hier hätte das Land Brandenburg viel früher eine rote Linie ziehen können und müssen. Es wäre aber sehr schön, wenn die hässliche Baubrache in Potsdams Mitte nun endlich wirklich mit Leben gefüllt wird.

  2. 5.

    @Mirko Dwilling-Haß: Was hat das jetzt mit der Trennung von Staat und Kirche zu tun?

  3. 4.

    Es gibt in unserer Bundesrepublik keine verbriefte Trennung von Staat und Kirche. Das Verhältnis von Kirche zu Staat und umgekehrt regeln die jeweiligen Kirchenstaatsverträge. Und die werden mit den großen gängigen Religionsgemeinschaften immer jeweils einzeln getroffen. Darin wird z.B. auch geregelt, inwieweit eine Religionsgemeinschaft zum Wohlfahrtswesen beiträgt, was dafür auch gezahlt usw.
    Die Förderung zum Bau eines Kirchen- oder Synagogengebäudes unterliegt den selben Förderbedingungen wie Dorfgemeinschaftshäuser. In einer Kirche oder eben in diesem Fall Synagoge wird ja nicht nur gebetet, sondern diese Häuser bieten auch Raum für viel mehr andere Sachen. Im günstigsten Fall halten sich alle Aktionen in solchen Häusern auch an unser Grundgesetz und fördern das Zusammenleben unterschiedlicher Menschen und Religionen.

  4. 3.

    Was hat das damit zu tun. Es findet doch eine Trennung von Religion und Staat in diesem Fall statt oder hängen Davidsterne in Schulen, Behörden oder Gerichtsgebäuden. Das der Staat den Bau unterstützt ist völlig legitim. Immerhin war es eine deutsche Regierung die Hunderte Synagogen zerstören lassen hat. Das Geld ist gut angelegt. Wahrscheinlich zahlen Sie nicht einmal steuern und leben von staatlichen Transferleistungen.



  5. 2.

    Ich habe das Land in diesem jahre-, treffender: jahrzehntelangen Konflikt nie beneidet. Doch jetzt ist es vollbracht. Eine Lösung ist gefunden, auch wenn der innere Streit jüdischer Gruppen weitergeht. Wie es dort weitergeht, das aber hat von außen niemand zu bestimmen.

    Der jetzige deutsche Staat steht als Rechtsnachfolger eines verbrecherischen Vorgängerstaates, der sich zum Ziel gesetzt hatte, die jüdische Kultur in Deutschland zu vernichten, zweifellos in der Verantwortung.

  6. 1.

    Was ein Beispiel für Ressourcen- und Geldverschwendung.
    Und ein schönes Beispiel dafür, das die sogenannte "Trennung von Kirche und Staat" eben nur auf dem Papier besteht.

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