Fertigstellung verzögert sich - Ausbau der A100 wird nochmals deutlich teurer

Archivbild: Die Baustelle der Berliner Stadtautobahn A100 im Bereich Neukölln, Treptow, Friedrichshain und Lichtenberg am 16.05.2018 (Bild: dpa/Robert Schlesinger)
Audio: radioBerlin 88,8 | 16.03.2021 | Juliane Kowollik | Bild: Archiv-dpa(2018)/Robert Schlesinger

Das Verkehrsprojekt ist seit Jahren umstritten: Die A100 soll in Richtung Friedrichshain ausgebaut werden, um den Berliner Osten besser an die Stadtautobahn anzubinden. Inzwischen ist klar: Der Weiterbau wird deutlich teurer - und er verzögert sich.

Die Kosten des geplanten Teilstücks der Autobahn 100 zwischen dem Dreieck Neukölln und der Anschlussstelle in Treptow sind noch einmal gestiegen. "Nach Kenntnisstand werden sich die Kosten für die Baumaßnahme zwischen 650 bis 700 Millionen Euro bewegen", teilte die zuständige Autobahngesellschaft des Bundes der Deutschen Presse-Agentur auf Anfrage mit. Zuvor hatte darüber die "Berliner Morgenpost" [Bezahlinhalt] berichtet.

Als Gründe für die erneute Verteuerung führt die Gesellschaft die Vielzahl "anspruchsvoller Ingenieurbauwerke" an sowie begrenzte Platzverhältnisse, "die das Bauen in einer Metropole wie Berlin mit sich bringt". Hinzu kämen die deutlich gestiegenen Baupreise. "Der derzeitige Bauablauf sieht eine Verkehrsfreigabe Ende 2024 vor", teilte die Autobahngesellschaft außerdem mit. Ursprünglich galt als Zielmarke das Jahr 2022.

Altlasten im Untergrund verteuern den Ausbau

Bereits vor einer Woche hatte die "Berliner Zeitung" von Baukosten in Höhe von 650 Millionen Euro berichtet. Als Grund nannte die Autobahn GmbH Altlasten im Untergrund der neuen Trasse, die über die Strecke von 3,2 Kilometern teils in einem Tunnel, teils in einem Trog verläuft. Im Juni 2020 hatte der "Tagesspiegel" die Summe 613 Millionen Euro genannt, um die der Ausbau der A100 kosten werde.

Der Bau dieses 16. Abschnitts der Stadtautobahn wurde 2011 vom damaligen schwarz-roten Senat entschieden. Die Fortsetzung des Stadtrings soll die Erreichbarkeit des Berliner Ostens verbessern und andere Straßen entlasten. 2013 erfolgte der erste Spatenstich.

Die rot-rot-grüne Koalition lehnte in ihrem Koalitionsvertrag im Jahr 2016 die Autobahn-Verlängerung über den Treptower Park hinaus ab und hat deshalb alle Planungen für den 17. Bauabschnitt auf Eis gelegt. Doch seit Anfang des Jahres übernimmt der Bund nicht nur die Baukosten, sondern auch die Planung für neue Autobahnen.

Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) will in jedem Fall auch den 17. Abschnitt ausführen lassen. Dieser würde vom Treptower Park bis zur Storkower Straße führen. Auf der Strecke ist unter anderem geplant, eine zweispurige Straße mit Wohnhäusern an beiden Seiten zu untertunneln und dort die Autobahnspuren übereinanderzulegen.

Sendung: Abendschau, 16.03.2021, 19:30 Uhr

59 Kommentare

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  1. 59.

    "Einführung einer "Verkehrsraumnutzungsgebühr" (boah ... wat fürn Wortmonster) für alle nicht motorisierten Fahrzeuge und E-Bikes u.ä. (geringer als Mautgebühren).
    Ausnahmen für gewerblichen Lieferverkehr, Rettungsdienste etc.
    Voraussetzung: Kennzeichen für alle (außer Fußgänger). "

    Was für ein Quatsch von Bürokratiemonster wollen sie denn damit einführen? Wie unsere Bürokratie alles lähmt kann man gerade wieder miterleben.

  2. 58.

    Vorschlag zur Güte:
    Streckenabhängig mautpflichtige auf Autobahnen gekoppelt mit einer Citymaut ab Stadtgrenze bzw. bei Verlassen der Autobahnen innerhalb der Stadt.
    Leistungsfähiger Ausbau des ÖPNV bis zu P+R Stellen vor oder an der Stadtgrenze.
    Einführung einer "Verkehrsraumnutzungsgebühr" (boah ... wat fürn Wortmonster) für alle nicht motorisierten Fahrzeuge und E-Bikes u.ä. (geringer als Mautgebühren).
    Ausnahmen für gewerblichen Lieferverkehr, Rettungsdienste etc.
    Voraussetzung: Kennzeichen für alle (außer Fußgänger).
    Steuerlicher Ausgleich: nicht vorgesehen
    Technische Durchführung via SectionControl und Übernahme des Ticketsystems von Anrainerstaaten.
    Probleme:
    Fahren ist nur was für "Reiche". Datenschutz bei SectionControl. Radfahrer werden auch beteiligt.
    ... und jeder hat was zu motzen ;-).

  3. 57.

    Daumen hoch für Ihre beiden Kommentare vom 17.03.2021 um 16.02 Uhr und 16.17 Uhr !!

    Man kann sich über einige immer wiederkehrende Parolen der Autolobby nur wundern .

  4. 56.

    "U- und Straßenbahnen sollten ihre Verkehrswege und Fahrzeuge erst mal selber finanzieren statt alles auf Kosten anderer mit- und abzunutzen (und dann trotzdem noch horrend teuer zu sein)."

    Achja, das beliebte Märchen von der Melkkuh. Stimmt nur nicht. https://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/wirtschaftspolitik/studie-autofahrer-verursachen-hoehere-kosten-als-sie-abgaben-zahlen-12085783.html

  5. 55.

    Weitere Milliarden für eine ohnehin schon vom Steuerzahler überreich gesponsorte Minderheit der KfZ Halter?

    "Die Verkehrsinfrastruktur unserer Stadt muss auf Jahrzehnte voraus gedacht, geplant und gemacht sein." Richtig und das wollen sie mit einer Verkehrspolitik der 1950er Jahre erreichen? Wohl kaum.

    "Jeder Fußgänger, Radfahrer und ÖPNV-Nutzer (zu denen ich auch gehöre) sollte alle Stadtautobahnabschnitte und -projekte begrüßen und befeuern. " Ha, ha, ha... was für ein plumper Versuch.

    "Denn die KFZ, die die Stadtautobahn für die Überwindung längerer Strecken nutzen, finden sich dafür dann nicht im dichteren Stadtverkehr, also nicht zusammen mit den anderen o.g. Verkehrsteilnehmern wieder." Das genaue Gegenteil ist der Fall.

    "Das ist heute schon so und das ist top." E-ben. Alles nur nicht top. Eine menschenverachtende Umweltsauerei ersten Grades.

  6. 53.

    Erst mal sollten sie zur Kenntnis nehmen, alle Autobahnprojekte in Berlin nicht allein vom Bund finannziert werden, sondern das Berlin einen Teil kofinanziert. Beispielsweise für Planungs-Verwaltungskosten oder Grundststückserwerb. (für die Mieter_innen in der Beermanstraße die der A100 weichen mussten hatte man allerdings keinen Cent Entschädigung übrig, obwohl dies vom Senat so zugesichert wurde)

    Die Mittel fehlen dann natürlich für den Ausbau zum Beispiel des ÖPNV oder des Radverkehrs.
    Um es mal drastisch zu formulieren: Wer glaubt das Autobahnbau Verkehrsprobleme löst und Arbeitsplätze schafft, der glaubt wohl auch, dass die Erde eine Scheibe ist.

  7. 52.

    Die Begründung "Altlasten" für die Verteuerung der A100 ist interessant, hatte doch der Vorhabenträger für den Bau der A100 2009 noch im Anhörungsverfahren behauptet das Problem "Altlasten" würde umfassend berücksichtigt.
    Wie aber der 17.Abschnitt der A100 realisiert werden soll ist noch fraglich, allein schon wegen der Kosten von voraussichtlich 1 Milliarde €. Ob der Weiterbau der A100 baulich überhaupt umsetzbar ist wage ich zu bezweifeln. Wir reden hier unter anderen von einem Doppelstöckigen Autotunnel in der Gürtelstraße, der fast so breit ist wie die gesamte Straße. Defakto müsste für den Bau des Tunnels die gesamte Technische Infrastruktur der Straße ausgebaut werden, und die Anwohner_innen für mehrere Jahre "umgesiedelt" werden. Dass ist ein vollkommen aberwitzige Vorstellung.

    Man sollte sich damit abfinden dass es keinen keinen Ringschluss der A100 geben wird, allein schon wegen der Kosten. Ein Ringschluss ist allein schon wegen der Stadtstruktur nicht umsetzbar.

  8. 51.

    Die ultimative Antwort auf die Transportprobleme sind die Lastenfahrräder;-)

  9. 50.

    Wohnen Sie in der Nähe der geplanten Trassenführung des BA 17?

    Ich tippe drauf: nein.

  10. 49.

    Jeder Fußgänger, Radfahrer und ÖPNV-Nutzer (zu denen ich auch gehöre) sollte alle Stadtautobahnabschnitte und -projekte begrüßen und befeuern. Denn die KFZ, die die Stadtautobahn für die Überwindung längerer Strecken nutzen, finden sich dafür dann nicht im dichteren Stadtverkehr, also nicht zusammen mit den anderen o.g. Verkehrsteilnehmern wieder. Das ist heute schon so und das ist top. Für Alle!

  11. 48.

    Zwischen Wohnstrassen und einer Autobahn durch die Stadt gibt es ja auch noch Strassenklassen - das reicht für die von Ihnen genannten Zwecke.

    Ob man die Handlungsweise des Bundes Pragmatismus nennt oder Ingnoranz gegenüber lokalen Entwicklungen sei mal dahingestellt.

  12. 47.

    Der 17. Abschnitt und gleichzeitig der ganze (damals geplante) Innenstadtring sollten bitte sofort (wieder) in Angriff genommen werden. Von mir aus auch im Tunnel oder auf Stelzen, falls da was im Weg steht. Und das tut es bestimmt. Die Konjunktur braucht Impulse. Die Verkehrsinfrastruktur unserer Stadt muss auf Jahrzehnte voraus gedacht, geplant und gemacht sein. Und, sie muss diversifiziert sein !

  13. 46.

    Dieser Autobahnbau in der heutigen Zeit mit dem Wissen um den Stand unseres Klima ist etwas, was bei Außenstehenden wohl eher Kopfschütteln auslösen dürfte.

    Lärm, induzierter Verkehr und nicht zu vergessen die jahrelangen Einschränkungen während der Bauphase (auch im Verkehr der Ringbahn !) stört ... aber ja gottseidank nur die betroffenen Bürger.

  14. 45.

    Schon mal geschaut wie die Autobahn in Treptow trassiert ist und im BA 17 verlaufen soll ?

  15. 44.

    Und die Lastwagen, Schwertransporte, Bundeswehr Feuerwehr Kleinlaster die sollen weiter so durch Wohnstraßen rollen oder auch mit der U-Bahn fahren. Es gibt nicht nur Papis und Mamis die ihre Kinder zur Kita bringen. Die Wirtschaft braucht solche Wege wie ein differenzierter Organismus durch Schlagadern vor dem Infarkt geschützt wird. Möge der Bund pragmatisch weiter planen . Aus eigener Kraft ist in Berlin schon lange Hopfen und Malz verloren.

  16. 43.

    Da müssen wohl alle Steuerzahler wieder zu zahlen, anstatt die Nutznießer (Autofahrer). An das von einem sich selbst bezeichnenden "Fahrradminister ".

  17. 42.

    Und den Vorteil eine schattenspendenden Trasse nicht vergessen ;-) Na ja, die wenigen "Autohasser" sollen ja auch unter uns leben können. Die hält man schon noch aus oder geht dem (leicht) aus dem Weg.

  18. 41.

    Ganz schön von oben herab, ihr Kommentar. Gut , wenn sie auf nichts mehr angewiesen sind, als auf ihre Füße.
    Viele Jobs im Niedriglohnsektor sind am Stadtrand (z.B. Logistik) angesiedelt, oder haben unmögliche Arbeitszeiten. Beides ist nur mit Auto möglich.
    Und nein, die Autobahn nach Treptow braucht keiner ind wird auch keinen Nutzen haben, weil Ende in Treptow/Spree dann nur noch Chaos sein wird.

  19. 40.

    Ingo, Straßen finanzieren sich auch nicht selbst. Die subventionieren wir alle mit, ob wir jetzt Auto fahren oder nicht. Das ist auch gut so, Straßen sind wichtig für die Volkswirtschaft und alle profitieren davon. Genau das selbe stimmt aber auch für den ÖPNV. Von dem profitieren wir genauso auch wenn wir ihn nicht nutzen.

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