Internationaler Frauentag - SPD und Grüne warnen vor Corona-Folgen für die Gleichstellung

Deno zum Weltfrauentag am 8. März 2020 in Berlin (Bild: imago images/Stefan Boness)
Audio: Radioeins | 08.03.2021 | Statement Franziska Giffey | Bild: imago images/Stefan Boness

Die Corona-Krise hat Frauen besonders hart getroffen - und könnte auch den Kampf um Gleichstellung ausbremsen, mahnen SPD und Grüne in Berlin zum Weltfrauentag. Ein Blick auf Zahlen zeigt: In der Region gibt es deutliche Unterschiede zwischen Mann und Frau.

Anlässlich des Internationalen Frauentags an diesem Montag (8. März) haben Politikerinnen und Politiker in Berlin auf die besondere Belastung von Frauen in der Corona-Krise hingewiesen. "Dass die Pandemie die Rollenverteilung zwischen Mann und Frau nachteilig beeinflusst, ist offensichtlich", sagte Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD). Befürchtungen einer Wiederkehr veralteter Rollenbilder "auf breiter gesellschaftlicher Front" müsse man ernst nehmen.

Gleichstellungssenatorin Dilek Kalayci (SPD) sagte, die vergangenen zwölf Monate in der Corona-Pandemie hätten auch gezeigt: Es drohe immer die Gefahr von Rückschritten, einer "Retraditionalisierung" und einer "Schieflage in Bezug auf die Übernahme von Care-Arbeit". Gerade jetzt müsse man nachhaltige Veränderungen angehen.

Grüne: Home-Schooling & Co. bleiben zu oft an Frauen hängen

Auch die Grünen-Fraktion im Berliner Abgeordnetenhaus wies darauf hin, die Corona-Krise habe in vielen Familien dazu geführt, dass Home-Schooling, Kinderbetreuung und Haushalt häufig an den Frauen hängen blieben. "Noch schlimmer: Häusliche Gewalt, die sich vor allem gegen Frauen und Kinder richtet, hat in der Krise zugenommen", so die Grünen.

Die Pandemie habe Frauen zudem auch deshalb besonders getroffen, weil sie vermehrt in der Pflege oder in pädagogischen Berufen arbeiteten, "wo die ohnehin häufig prekären Arbeitsbedingungen durch das Virus und seine Auswirkungen noch erschwert wurden".

Woidke: Frauen tragen Hauptlast in der Krise

Brandenburgs Frauenministerin Ursula Nonnemacher (Grüne) forderte zum Internationalen Frauentag, im Kampf um die Gleichstellung der Frau in der Gesellschaft nicht nachzulassen. "Ich denke, das ist ein tolles Datum, aber wir wissen: wir müssen mutig und kämpferisch an allen Tagen des Jahres sein", sagte Nonnemacher am Montag in der Sitzung des Landtagsausschusses für Gesundheit.

Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) hatte zuvor Frauen für ihre Leistungen in der Corona-Pandemie gedankt. Sie trügen die Hauptlast in der Krise und hätten in den vergangenen Monaten Großartiges geleistet.

Digitale Sonderführungen im Museum

Berlin begeht den Internationalen Frauentag mit mehreren Veranstaltungen. So diskutiert Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier mit Expertinnen über die Wechselwirkung von Digitalisierung und Gleichstellung.

Das Deutsche Historische Museum bietet anlässlich des 100. Jubiläums des Weltfrauentags digitale Sonderführungen [dhm.de] an und verspricht eine "feministische Perspektive auf die eigene Dauerausstellung."

Berlin ist das einzige Bundesland, in dem der Frauentag ein gesetzlicher Feiertag ist. Schon im Vorfeld wurde der Aktivistin Astrid Landero der mit 5.000 Euro dotierte Berliner Frauenpreis verliehen, wie die Senatsverwaltung für Gesundheit, Pflege und Gleichstellung mitteilte. Landero war demnach bis 2020 Projektleiterin des Frauenzentrums Paula Panke, ist Mitglied im Arbeitskreis Pankower Frauenprojekte, gehört zu den Initiatorinnen des Bündnisses Pankower Frauen gegen Rechts und war Sprecherin des Berliner Frauennetzwerks.

In Brandenburg läuft seit Donnerstag die diesjährige Frauenwoche. Unter dem Motto "Superheldinnen am Limit" soll die besondere Situation von Frauen in der Corona-Krise beleuchtet werden. Während in Berlin alle Geschäfte geschlossen bleiben, ist Brandenburg am Montag jedoch in Werktagmodus. Hier haben am Montag Geschäfte geöffnet.

Gehaltsunterschiede in Berlin höher als in Brandenburg

In der Hauptstadtregion gibt es weiter deutliche Unterschiede: So ist rund jede dritte Führungskraft in Berlin und Brandenburg eine Frau, wie aus Zahlen der Bundesagentur für Arbeit hervorgeht. Mit einer Quote von 34,6 Prozent in Berlin und 36,5 Prozent übertrifft die Region zwar deutlich den Bundesdurchschnitt von 27,3 Prozent. Allerdings sind die Werte im vergangenen Jahr nicht gestiegen, in Brandenburg sank die Quote sogar leicht.

Mehrheitlich weibliche Vorgesetzte gibt es in Erziehung und Unterricht sowie im Gesundheits- und Sozialwesen, in Brandenburg außerdem in der öffentlichen Verwaltung. Auf dem Bau ist dagegen nur rund jede zehnte Leitungsfunktion mit einer Frau besetzt.

Auch die Gehälter unterscheiden sich: Berliner Frauen in Führungspositionen verdienen monatlich im Mittel 4.630 Euro brutto, die männlichen Kollegen 5.512 Euro. In Brandenburg ist der Unterschied geringer: Weibliche Führungskräfte kommen auf 4.262 Euro, männliche auf 4.861 Euro.

Sendung: Inforadio, 08.03.2021, 10:20 Uhr

21 Kommentare

Wir schließen die Kommentarfunktion, wenn die Zahl der Kommentare so groß ist, dass sie nicht mehr zeitnah moderiert werden können. Weiter schließen wir die Kommentarfunktion, wenn die Kommentare sich nicht mehr auf das Thema beziehen oder eine Vielzahl der Kommentare die Regeln unserer Kommentarrichtlinien verletzt. Bei älteren Beiträgen wird die Kommentarfunktion automatisch geschlossen.

  1. 21.

    Herr Müller, Sie haben Recht. Wenn das Vergaberecht dahingehend geändert wird, dass grundsätzlich das billigste und das teuerste Angebot gestrichen werden (wie das in Bayern der Fall ist), kommen seriöse Angebote zustande, wo am Ende sogar Geld gespart wird, weil weniger Mängel auftreten...

  2. 20.

    Hätte es so nicht gegeben wenn die Schulen und Tagespflegeeinrichtungen offen geblieben wären. - Wer verbietet dem 'Abgeordnetenhaus von Berlin' Steuern zu erheben und weibliches Personal genauso zu bezahlen wie männliche/ diverse Kollegen ? Wer beschäftigt denn die billigsten Reinigungsfachfirmen in der Stadt ? Warum können die so billig sein, dass es sich lohnt Alle 12 Monate neue, billigere Verträge abzuschließen ? - Sind doch nur Putzfrauen. Rente ? Hätten Die mal richtig gearbeitet. - Hygiene ? Wichtig ? Nicht in Berlin in Deutschland.

  3. 19.

    „ Grüne: Home-Schooling & Co. bleiben zu oft an Frauen hängen“

    Und was will die Politik dagegen machen? Paare zwangscheiden? In Ehen eingreifen? Den Frauen sagen, dass sie ihren Männern mal in der A... treten sollen? Wenn die Familie das nicht selbst hinbekommt, dann kann der Staat da außer Hilfen anbieten auch nichts machen. Ganz ehrlich, die klassischen Rollen wählt jede(r) freiwillig.

  4. 18.

    Was meinen die Grünen damit, dass Home-Schooling bei den Frauen HÄNGEN bleibt ?! ... Ist das (derzeit leider notwendige)Beschulen seiner eigenen Kinder jetzt eine völlig unzumutbare Aufgabe geworden ?! ... Helfen Väter nicht bei Mathe und Physik ? ... Sind Kinder per se jetzt eine Last für deren Eltern, oder was ?! ... Sollen die nach der Geburt in Heime und erst mit 21, fertig ausgebildet und mit Führerschein dürfen sie dann zu Weihnachten mal zu Besuch kommen ?! ... Surreales Familienbild, schrecklich. Orwell’sch !

  5. 17.

    Watt ?! … Wo hat denn Corona eine Rollenverteilung NACHTEILIG beeinflusst ?! … Und seit wann bestimmt denn die Politik (wieder), was hier nach- oder vorteilig sein soll ?! … Das sind ja geradezu ideologische bis dogmatische Sichtweisen vergangener totalitärer Regime, die ihren Bürgern vorschreiben wollten, wer welche Aufgaben in einer Familie übernehmen muss.
    ...
    Bin ich hier jetzt in China oder in einer Vorstufe eines Matriarchats (was genauso schlimm ist wie ein Patriarchat) gelandet, oder was ?! ... Alles viel zu laut. Alles viel zu sehr dramatisiert. Alles viel zu sehr in die Privatsphäre eingeredet. Peinlich bis erschreckend.

  6. 15.

    1 Millionen billig Jobs sind durch die Pandemie
    rationalisiert worden. Die versprochenen
    150, Euro für alleinerziehende Frauen sind nie
    angekommen. Es gibt viele dieser Beispiele die
    aufgezählt werden können. Die rot - schwarze Regierung
    sollte doch rosa farbende Masken bestellen, wie viele Alltagshelferinnen noch ehrenamtlich arbeiten. Rosa und nicht das ist unglaublich korrupte Blabla.

  7. 14.

    Politikerbashing ist aber viel einfacher, dann muß man eben nicht vor der eigenen Haustür kehren. Zumal das in bestimmten Kreisen z.Zt. sehr angesagt ist.

  8. 13.

    "die Unterdrückung durch die Verschleierung eben von diesen Parteien gefördert!"

    Mit dieser Art von wegschauender Toleranz steht Deutschland in Europa zunehmend allein, nachdem auch die Schweizerinnen und Schweizer den Frauentag gestern schon vorab gewürdigt haben.

  9. 12.

    Wie lange hat die SPD in Berlin das sagen? Und die warnen vor etwas was sie selbst zu verantworten haben. Das finde ich schon frech.

  10. 11.

    SPD und Grüne warnen! Vor was? So lange Frauen auf der Welt als Ware betrachten werden und das sind nun einmal die bevölkerungsreichsten Gegenden, wird es sich mit der Gleichstellung der Frau nicht viel ändern. Selbst hier in Deutschland wird die Bigamie langsam hoffähig und die Unterdrückung durch die Verschleierung eben von diesen Parteien gefördert!

  11. 10.

    Sind diese Parteien nicht an der Regierung im Bund bzw. in den Länder beteiligt?

  12. 9.

    Wenn das Problem im Privaten liegt, was soll da bitte der Staat regeln? Wenn eine Familie noch im klassischen Rollenleben verhaftet ist, dann liegt das an den jeweiligen Partnern.

  13. 8.

    Stimmt. Alles was nicht klappt und zu lange dauert schiebt man auf Corona. Unsere hochbezahlten Politiker tragen doch die Verantwortung für dieses Land und da reichen eben abwarten und leere Versprechen nicht aus. Da heißt es Ärmel hoch und handeln.

  14. 7.

    Das sehe ich auch so. Allerdings sollte es keine Frauenquote geben, das ist nicht wirklich gesund. Die Löhne und Gehälter für Frauen erhöhen sich übrigens auch nicht von selbst.

  15. 6.

    Ja, ja, ja und geändert wird eh nichts. Man braucht ja nur mal in die gängige Gesellschaft zu schauen. Von der Politik ganz zu schweigen. Da sind einige einfach in dem Ein-Ernährer-Familienmodell der 50‘er/60‘er Jahre stehen geblieben. Allein hier schon manche Kommentare zu Artikeln/Berichten wenn es um Kinder oder Familien geht, zeigen deutlich warum es auch für Erwachsene Schuhe mit Klettverschluss gibt!

  16. 5.

    "Auf dem Bau ist dagegen nur rund jede zehnte Leitungsfunktion mit einer Frau besetzt." Und wie groß ist der Anteil an Frauen insgesamt auf dem Bau und in den einschlägigen Studiengängen?

  17. 4.

    "hart getroffen"; "könnte"; "häufig ... "; "hat ... zugenommen" usw. wirken wie populistische Feststellungen ohne Taten/Handlungen. Und 30 Jahre Linksregierung bedeutet "Niedriglohnland" auch bei den eigenen Angestellten/Beamten, wie die wiederholten erfolgreichen Klagen von Pflegerinnen, Feuerwehrfrauen, Lehrerinnen/Erzieherinnen gezeigt haben. Wenn linksgrüne Ideologen selber zum Arbeitgeber werden zeigt sich...Und wie werden in der Pandemie die Erzieherinnen und Lehrerinnen geschützt? Gar nicht: erst öffnen, dann Voraussetzungen dafür schaffen? Hat nun schon 1 Jahr nicht geklappt. Was für eine "unterirdische" Leistung.

  18. 3.

    Heute habe ich also frei. Endlich mal Bettwäsche wechseln, putzen, reparieren, wenn das Kind in der Schule ist! Supi. Ich arbeite nämlich in Berlin, da ist zu. In Brandenburg nicht. Wer hat DIESEN Feiertag erschaffen? Der nur dazu dient, das zu erledigen, was wegen des Jobs liegen bleibt?

    Anschlussfrage: Warum KÖNNEN Männer kein Homeschooling? Ist das wie beim Putzen - ich machs einfach so schlecht, bis die Frau sagt "komm, ich machs selber"??

    Frauen müssen JEDEN Tag im Jahr gleichgestellt und respektiert werden! Zum Danke sagen braucht man übrigens keinen besonderen Tag...

  19. 2.

    Wer hat den Hartz und deren Folgen für langjährigeArbeitnehmer erst erschaffen, seidem waehle ich diese sogenannte soziale Partei nicht mehr.

Nächster Artikel