Neue Gutachten sollen Spuren klären - Bundestags-Untersuchungsausschuss zum Breitscheidplatz plant Sondersitzung

Mi 10.03.21 | 21:42 Uhr
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Archivbild: Untersuchungsausschuss zum Anschlag am Breitscheidplatz. Am 17.12.2020 wurde unter anderem Berlins Innensenator Geisel befragt. (Quelle: dpa/Fabian Sommer)
Bild: dpa/Fabian Sommer

Der Bundestagsuntersuchungsausschuss zum Attentat auf dem Berliner Breitscheidplatz 2016 wird nach Informationen von rbb24 Recherche am 25. März zu einer Sondersitzung zusammenkommen. Anlass sind zwei Gutachten zum Thema "Spurenlage Breitscheid Platz Attentat", die vom Ausschuss im September 2020 in Auftrag gegeben wurden. Die Sachverständigen sollten die Auswertung der durch die Sicherheitsbehörden unter anderem am Tatort und im LKW gesicherten Spuren überprüfen.

Dazu gehörten auch Spuren am Leichnam des Attentäters Anis Amri sowie an dem bei seinem Tod in Italien sichergestellten Gegenständen, zu denen auch eine Waffe gehörte. Die Gutachten wurden von Sachverständigen des Instituts für Rechtsmedizin des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein in Kiel sowie von einem Kriminologen der Hochschule für Wirtschaft und Recht in Berlin erstellt. Beide liegen dem rbb vor.

Projektilteile laut Gutachten nicht eindeutig Amris Waffe zuzuordnen

Die Experten sollten bewerten, ob die DNA-Spuren und Fingerabdrücke mit dem von den Ermittlern rekonstruierten Tatablauf zusammenpassen. Außerdem wollte der Ausschuss wissen, ob die Ermittlungsbehörden alle möglichen Spuren erfasst haben. Die Sachverständigen sollten in ihrem Gutachten auch die Frage beantworten, ob die bei Amri sichergestellte Waffe identisch ist mit der Tatwaffe, mit der der polnische LKW-Fahrer erschossen wurde. Die Gutachter konnten dies nicht zweifelsfrei bestätigen, da die Projektilteile unter anderem "zu deformiert waren". Eine eindeutige ballistische Zuordnung zu der bei Amris Leiche in Italien gefundenen Waffe sei deshalb nicht möglich.

Die in der Fahrerkabine gesicherten DNA-Spuren ließen nicht eindeutig den Schluss zu, "daß eine bestimmte Person (z.B. Amri)...den LKW gefahren hat“, heißt es im Gutachten. Im Fahrerhaus habe es jedoch weitere Spuren einer bis heute nicht identifizierten männlichen Person gegeben, von der mehr Spuren gefunden wurden als von Anis Amri. Da diese Aussagen Fragen zum Tatablauf aufwerfen, will der Ausschuss die drei Gutachter als Zeugen befragen.

Sendung: Inforadio, 10.03.2021, 21:30 Uhr

1 Kommentar

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  1. 1.

    Selbst der Untersuchungsausschuss des Deutschen Bundetages zum Anschlag auf den Berliner Weihnachtsmarkt zweifelt an der offiziellen Version der Bundesregierung zum schwerwiegendsten islamistischen Terroranschlag in Deutschland.
    Während Merkel der Bevölkerung im ÖR-TV eine schonungslose Aufklärung der Hintergründe des Terroranschlages versprach, setzten die Bundesregierung und deren Sicherheitsbehörden im Verborgenen jedoch alle Hebel in Bewegung, um nahezu jegliche Aufklärungsarbeit zu sabotieren. Vorgeladene Zeugen, die keine Aussageerlaubnis erhielten, geschwärzte Aktenordner und die Verheimlichung von wichtigen Fakten. Unter anderem wegen diesem Verhalten wurde trotz einer Mehrheit der Regierungsparteien im Ausschuss ein neues, unabhängiges Gutachten zur Spurenlage im Lkw-Fahrerhaus in Auftrag gegeben.
    Allerdings habe ich keine große Hoffnung, gespeist durch Erkenntnisse anderer Untersuhungausschüsse, dass dieser Untersuchungsausschuss nun wirklich fündig wird

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