Armutsbericht Lichtenberg (Quelle: rbb/Lena Peterssen)
Bild: rbb/Lena Peterssen

Alleinerziehende besonders betroffen - Lichtenberg will stärker gegen Kinderarmut im Bezirk vorgehen

Ein aktueller Bericht des Berliner Bezirks Lichtenberg hält besorgniserregende Zahlen bereit: Fast jedes dritte Kind dort lebt in Armut. Die Dunkelziffer dürfte sogar noch höher liegen. Der Bezirk sucht Wege, um daran etwas zu ändern. Von Lena Petersen

13.444 Kinder in Berlin-Lichtenberg und damit 28 Prozent aller Kinder im Bezirk leben in armen Verhältnissen. Das zeigt der aktuelle Kinderarmutsbericht des Bezirks. Nur in wenigen anderen Bezirken, wie Neukölln oder Mitte, sieht die Situation noch schlechter aus.

Bezirksbürgermeister Michael Grunst (Die Linke) ist sich dessen bewusst. Zugleich betont er: "Wir waren aber überrascht über einzelne Gruppen, die wir identifiziert haben." Besonders betroffen von Armut sind demnach Familien mit einem alleinerziehenden Elternteil. Hier müsse aus Sicht von Grunst jetzt ein Schwerpunkt gesetzt werden, denn in Lichtenberg machen solche Familien mit 34 Prozent einen sehr hohen Anteil aus.

Dieser Risikofaktor für Armut wird sich bald durch die Pandemie noch stärker bemerkbar machen, meint Nicole Trieloff vom Netzwerk für Alleinerziehende in Lichtenberg: "Wir haben Alleinerziehende, die schlicht ihren Job verlieren, wo alles zusammenbricht, was sie sich aufgebaut haben mit viel Mühe."

Schuldenberatung in der Schule

Der Bezirk hat nun eine Präventionsstrategie gegen Kinderarmut vorgelegt und will die Kreisläufe der Armut durchbrechen. Es soll eine kommunale Präventionskette geschaffen werden. Das bedeutet, dass alle Unterstützungsangebote für Kinder, Jugendliche und Familien besser verknüpft werden sollen.

Ein Angebot, das im kommenden Jahr an fünf Schulen starten soll, sind die sogenannten Schulgesundheitsfachkräfte. Sie sollen sich sowohl um gesundheitliche Aufklärung als auch um die Notfallversorgung an den Schulen kümmern.

Eine andere Idee ist es, schon in den Schulen über Schulden aufzuklären, "weil Jugendliche irgendwann ja auch mal ins Leben starten und nicht immer unbedingt alle Muster von den Eltern übernehmen sollen", sagt Sandra Born, zuständig beim Bezirk für die Präventionsstrategie gegen Kinderarmut. Ein weiteres Ziel ist es, den Zugang zum Bildungs- und Teilhabepaket zu erleichtern. Das ist aus Borns Sicht bisher viel zu kompliziert.

#100Stimmen gegen Kinderarmut

Der Armutsbericht und die Vorschläge zur Prävention sollen am 26. Mai auf der Kinderarmutskonferenz in Lichtenberg diskutiert werden. Schon jetzt startet der Bezirk die Kampagne "#100Stimmen gegen Kinderarmut". Dafür kommen 100 Lichtenberger Persönlichkeiten zusammen und machen auf die soziale Schieflage aufmerksam.

Zu den Kampagnenbotschaftern gehört unter anderem die Eishockey-Legende Sven Felski von den Eisbären Berlin: "Ich bin Familienvater und in Alt-Hohenschönhausen groß geworden. Deshalb ist es für mich eine absolute Pflichtveranstaltung mich zu beteiligen." Durch Menschen wie Felski soll für das Problem Kinderarmut ein größeres Bewusstsein geschaffen werden.

Sendung: Inforadio, 25.03.2021, 14:30 Uhr

Beitrag von Lena Petersen

8 Kommentare

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  1. 8.

    Ea gab in den letzten Jahren oft Berichte über arme Kinder und Kinder in armen Familien. Ein häufiger Grund ist, daß nur ein Elternteil für das Kind materiell sorgt. Wo ist der zweite? Ein zweiter häufiger Grund ist Drogensucht. Dem ist nur schwer beizukommen. Wären Wohngemeinschaften eine Lösung zumindet für die Alleinerziehenden, die ihre Kinder erziehen können, aber "nur" unter Geldmangel leiden?

  2. 7.

    Der Sinn von Neubauten ist, dass Leute aus älteren Wohnungen mit niedrigen Mieten in die neuen Wohnungen ziehen. Man kann kein Haus bauen und dann niedrige Mieten verlangen, wie soll das finanziert werden?

  3. 6.

    Also die Leute, die sich für Klimaschutz einsetzen, sollen das auch noch machen, weil sie das sagen? Gehen sie doch selber für Kinderarmut auf die Straße, aber wahrscheinlich sind sie zu bequem.

  4. 5.

    Ein Thema das in meinen Augen völlig hinten runter fällt.
    Stattdessen drängen sich Leute nach vorne, die über die Umbenennung von Strassen und U-Bahnhöfen diskutieren, die meinen, es wäre wichtig, dass nun überall " gegendert " wird, für Klimaschutz und gegen Autoverkehr rennen die Leute auf die Strasse...und was weiß ich alles noch.
    Ich finde das super, die Aktion!!!
    Komme übrigens selbst ursprünglich aus Lichtenberg. Mfg

  5. 4.

    In die zu hohe Miete stecken (auch das Jobcenter übernimmt nicht alles), Stromkosten (werden vom Jobcenter nicht übernommen), Internet (homeschooling), technische Geräte, aber auch Auto. TV. Schulden.. Leider selten Bildung. Dabei ist Bildung der stärkste Faktor um aus der Armut zu kommen.
    Doch das ist scheinbar den Parteien egal. Auf Wissenschaft wird ja sowieso immer weniger gehört. Lieber wird aufs Geld geschaut. Und Bildung kostet.
    Also bitte liebe Menschen. Wenn ihr kein Geld für Bildung habt, dann lasst das mit den Kindern..

  6. 3.

    Was machen die Eltern mit dem Kindergeld ?

  7. 2.

    Ist doch logisch. Seit Jahren ziehen alle möglichen Leute nach Lichtenberg. Die Mieten steigen exorbitant an. Ein Haufen Neubauten entstanden mit hohen Mieten, die man irgendwann nicht mehr zahlen kann. Die HOWOGE ist da Spitzenreiter.
    Dagegen sollte der Bürgermeister was machen. Kann man aber lange drauf warten.

  8. 1.

    Ein Thema,das viel zu kurz kommt,leider auch bei sozialen Parteien.

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