Rassismus und Homofeindlichkeit - Opferberatungsstelle zählt in Berlin 357 Angriffe und Drohungen

Archivbild: Die Regenbogenflagge der LGBTQ-Bewegung im July 2018 in Berlin (Bild: dpa/Omer Messinger)
Bild: dpa/Omer Messinger

Die Opferberatungsstelle "Reachout Berlin" hat im vergangenen Jahr insgesamt 357 meist rassistische, homosexuellenfeindliche und antisemitische Angriffe und Bedrohungen gezählt. Das waren trotz des Corona-Lockdowns nur etwas weniger als im Vorjahr, wie "Reachout" am Dienstag mitteilte. 2019 wurden demnach in Berlin 390 solcher Angriffe und Bedrohungen registriert.

196 Angriffe und Drohungen rassistisch motiviert

Durch die Taten seien im Jahr 2020 mindestens 493 Menschen verletzt oder massiv bedroht worden, sagte Sabine Seyb von der Beratungsstelle. Darunter seien 37 Kinder und 28 Jugendliche gewesen. 196 Angriffe und Drohungen - und damit mehr als die Hälfte - waren "Reachout" zufolge rassistisch motiviert.

31 Fälle davon richteten sich demnach gegen schwarze Menschen, 20 waren antimuslimisch und fünf galten Sinti und Roma. 93 Taten richteten sich gegen Schwule und Transsexuelle, 2019 wurden 105 solcher Vorfälle registriert.

Die Zahl der antisemitischen Angriffe blieb mit 28 etwa gleich. Außerdem gab es Angriffe auf Obdachlose und politische Gegner. Meistens handelte es sich um Körperverletzungen.

Arbeit von "Reachout" von großer Wichtigkeit

Justizsenator Dirk Behrendt (Grüne) sprach von einem "erschreckenden Befund". "Es lässt mir keine Ruhe, dass auch so viele Kinder betroffen sind und mit diesen schrecklichen Erfahrungen in unserer Stadt aufwachsen müssen", sagte er laut Mitteilung der Justizverwaltung. Die Arbeit von "Reachout" sei von großer Wichtigkeit für Berlin, weil auf diese Weise "Taten beleuchtet werden, die sonst weitestgehend unbeachtet von öffentlicher Wahrnehmung stattfinden", so Behrendt weiter.

"Reachout" sammelt die Daten nach eigenen Angaben anhand von Mitteilungen der Polizei, Medienberichten sowie Meldungen von Zeugen und Betroffenen. Hinzu kommen Angaben anderer Initiativen in den Bezirken. Damit werden auch Ereignisse und Taten erfasst, die nicht bei der Polizei angezeigt wurden. Entscheidend für "Reachout" ist die Wahrnehmung des Opfers und nicht die juristische Einordnung als Gewaltdelikt.

Sendung: Abendschau, 09.03.2021, 19.30 Uhr

2 Kommentare

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  1. 2.

    Die Folgen des Zählens? Die Aufmerksamkeit, die Sichtbarkeit, die Anerkennung, dass es soetwas gibt in diesem Maße. Das ist nicht viel und in diesen Fällen von strafrechtlich relevanten Fällen auch nicht das Gleiche wie eine Verurteilung, dennoch meint es Sichtbarkeit. Dafür ist auch den bezirklich organisierten Registern zu danken. Der Artikel ist im Abschluss etwas undeutlich. Es geht bei den Fällen unstrittig um strafrechtlich Relevantes, jedoch sehen viele Betroffene, oft aus Resignation oder Befürchtung vor noch mehr Gewalt, von Anzeigen ab. Nicht zuletzt werden klare Rechtsbrüche in diesem Land oft nicht angemessen geahndet, selbst wenn Tatbestandsmerkmale unstrittig evident sind.

    Sofern sich Betroffene bei Beratungsstellen melden, können sie auch ein Angebot wahrnehmen, rechtlich sowie psychologisch betreut und beraten zu werden. Es ist also immer mehr als ein reines Solidarisieren und Mutmachen, sondern aktive Selbstermächtigung.

    "Dank" Giffey massiv unterfinanziert.

  2. 1.

    " Opferberatungsstelle zählt in Berlin 357 Angriffe und Drohungen "

    traurig genug , hat die Zählerei auch irgendwelche Folgen ?

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