Verein Opferperspektive veröffentlicht Zahlen - Verein: Rechtsextreme Gewalt gegen Kinder und Frauen in Brandenburg nimmt zu

Anhänger der rechtsextremen NPD demonstrieren am 01.05.2013 im Berliner Stadtteil Schöneweide. (Quelle: dpa/Florian Schuh)
Bild: dpa/Florian Schuh

Die absolute Zahl rechtsextremer Gewalttaten ist in Brandenburg im Jahr 2020 im Vergleich zum Vorjahr zurückgegangen. Doch steigen offenbar die Angriffe und Attacken auf Frauen, Kinder und Jugendliche - das zumindest registriert der Verein Opferperspektive.

Im vergangenen Jahr sind in Brandenburg erneut Menschen aufgrund ihrer Herkunft, Religion, Hautfarbe oder ihrer politischen Einstellung angegriffen worden. Zwar sind die Zahlen wie schon im Jahr 2019 weiter rückläufig, wie der Verein Opferperspektive aus Potsdam am Donnerstag mitteilte. Er zählte im vergangenen Jahr 130 gemeldete Gewaltdelikte, 2019 noch 142 und 2018 sogar 174. Jedoch zählen laut der Erhebung vermehrt Frauen, Kinder und Jugendliche zu den Opfern rechter, rassistischer und antisemitischer Angriffe.

Höchster Anteil an weiblichen Opfern seit fünf Jahren

Laut der Beratungsstelle waren 26 Prozent der direkt Betroffenen weiblich. Dies war der höchste Anteil der vergangenen fünf Jahre; 2018 waren es demnach 18 Prozent. 49 Frauen und Mädchen seien 2020 durch rechte Täter und Täterinnen unmittelbar angegriffen worden. Häufig geschah dies im direkten Wohnumfeld, wie die Geschäftsführerin Judith Porath berichtete.

Mehr als jede dritte von rechter Gewalt selbst oder als Zeuge betroffene Person (39 Prozent), sei minderjährig gewesen. Mehr als 30 Prozent der direkt Betroffenen waren demnach Kinder und Jugendliche.

Zwei Jahre zuvor hatte der Anteil nach Angaben der Beratungsstelle noch bei 20 Prozent gelegen. Der nach wie vor weit verbreitete Alltagsrassismus gefährde nicht nur die Lebensqualität, sondern auch die Gesundheit vieler Menschen in Brandenburg, sagte Porath. "Insbesondere in den Angriffen auf Kinder und Frauen wird die brutalisierende Wirkung des Rassismus deutlich."

Grüne: Diskriminierung als lebensgefährdene Tat

Brandenburgs Grüne fordern, einen Antidiskriminierungsbeauftragten zur Bekämpfung von Diskriminierung an Schulen einzusetzen. "Diskriminierung und rechtsextreme Gewalt zerstören Leben, besonders dann, wenn sie in diesem Alter erfahren werden", sagte die Landesvorsitzende Julia Schmidt.

Regional zeigen sich bei den registrierten Taten wie auch im Bericht 2019 starke Unterschiede. So sticht vor allem die Uckermark hervor: 2020 registrierte der Verein dort 18 Angriffe und damit mit Abstand die meisten landesweit. Am häufigsten ereigneten sich demnach Fälle in Prenzlau (12; 2019: 7). Darauf folgen die kreisfreien Städte Potsdam (15; 2019: 18) und Cottbus (12; 2019: 14). Starke Rückgänge verzeichneten der Kreis Oberhavel (2020: 7; 2019: 18) und die Stadt Brandenburg/Havel (2020: 3; 2019: 7).

Ermittlungen und Verfahren in mehreren Fällen

Zu den Fällen gehört auch ein rassistischer Übergriff in Werder/Havel (Potsdam-Mittelmark): Zwei Männer bedrohten und beleidigten dort im April 2020 zunächst drei Bewohnerinnen einer Flüchtlingsunterkunft. Als zwei weitere Bewohner der Unterkunft hinzukamen, entwickelte sich ein Streit, bei dem einer der Bewohner mit einem Messer bedroht wurde. Die beiden Männer müssen sich im April wegen gefährlicher Körperverletzung vor dem Amtsgericht Potsdam verantworten.

Zu einem weiteren Fall aus Guben (Spree-Neiße) ermittelt derzeit die Cottbuser Staatsanwaltschaft: Drei Männer aus Somalia, Äthiopien und Eritrea waren im Mai 2020 mit Fahrrädern unterwegs, als ein Auto so dicht an ihnen vorbeifuhr, dass einer von ihnen vom Fahrrad springen musste, wie die Polizeidirektion Süd damals mitteilte. Die Ermittlungen stehen laut der Behörde kurz vor dem Abschluss.

Sendung: Brandenburg Aktuell, 11.03.2021, 19:30 Uhr

12 Kommentare

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  1. 12.

    "Ich habe den Tagesspiegel wörtlich zitiert." Vor allem haben sie wichtige Passagen ausgelassen, was Bürger gemeint hat.

    Und ich wiederhole seine Frage. Was hat das mit dem Thema zu tun?

  2. 11.

    Ich habe den Tagesspiegel wörtlich zitiert. Mich stört das Agieren des im RBB Beitrag genannten "Verein Opferperspektive". Den interessiert sozusagen satzungsgemäß nur die rechte Gewalt, die ich doch gar nicht bestreite..Linke Opfer scheint es in den Vorstellungen dieses Vereins nicht zu geben. Jedenfalls tangieren diese Opfer den Verein nicht. So kommt man aber nicht weiter in dem Kampf gegen kriminelle Ränder.

  3. 10.

    "Die politisch motivierten Gewalttaten nehmen zu, eine besorgnis erregende Entwicklung."

    Die politisch motivierten Kommentare inkl. Verdrehungen, Halbwahrheiten und Fake News auch. Sie lassen nämlich wesentliche Informationen absichtlich weg. So z.B. "Polizei registrierte insgesamt 44.034 Straftaten von Rechtsextremisten, Linksextremisten, Reichsbürgern, Islamisten und weiteren Fanatikern. [...] Die Polizei rechnet die meisten politisch motivierten Delikte aus dem vergangenen Jahr dem Spektrum von Neonazis und anderen Rechten zu. Das Ministerium meldet 23.403 Straftaten bei „PMK -rechts“. [...] Militante Rechtsextremisten verübten 1071 Gewaltdelikte. Der Anstieg ist mit 85 Taten vergleichsweise gering, doch die Zahl der Todesopfer rechter Gewalt ist eine der höchsten in der Geschichte der Bundesrepublik."

    Und was das mit dem Thema zu tun hat wird Ihr Geheimnis bleiben. Ich kann es mir aber vorstellen.

  4. 9.

    Berlin wird nicht zur Idylle stilisiert. Hier gibt es auch Gewalttaten, aber man hat wenigstens die Chance, Hilfe zu bekommen. Mein Leben und das meiner Familie ist hier relativ sicher. In Berlin sind wir persönlich noch nie damit konfrontiert worden. In Brandenburg und Sachsen mehrfach - rassistisch, frauenfeindlich, besoffen.

  5. 8.

    Die politisch motivierten Gewalttaten nehmen zu, eine besorgnis erregende Entwicklung.

    Links motivierte Täter begingen 2020 die meisten Gewalttaten. Die Polizei meldete 1570 Körperverletzungen, Brandstiftungen und weitere Delikte. Das bedeutet eine Zunahme um 518 Taten und damit um rund 50 Prozent gegenüber 2019. (Tsp)

  6. 7.

    Ihren Realitätsverlust haben Sie soeben dokumentiert, wo habe ich geschrieben dass "alle Gewaltdelikte von Rechtsextremisten begangen" werden? Ihr reflexhaftes Überreagieren plus Beleidigungen mögen in Ihren Kreisen typisch sein, hier sind sie einfach nur lachhaft.

    Man sollte also nicht von "Orwellschen Gedankenverbrechen" fabulieren, wenn man Vorwürfe erhebt, die sich allesamt aus Ihrer blühenden Fantasie und Ihrer Gesinnung speisen.

  7. 6.

    Echt? In Berlin werden alle Gewaltdelikte von Rechtsextremisten begangen? Ihr Realitätsverlust nimmt immer bedenklichere Formen an... (dass Sie reale Gewalttaten großzügig mit Orwellschen "Gedankenverbrechen" aufstocken, wäre dann noch ein anderes Thema)
    (und das das wieder nicht freigeschaltet wird ein drittes)

  8. 5.

    "Mag sein, dass sie aus anderen Richtungen kommen." Nein, hier sitzen sie sogar in unseren Parlamenten. Rechtsextrem und Gewalt gegen Kinder und Frauen? Sowas tritt hier zur Wahl an. Die Mausrutscherin Storch will doch auf Frauen und Kinder schießen lassen.

    Insofern ist Ihr primitiver Versuch von Ihren Gesinnungsgenossen abzulenken ein... Rohrkrepierer.

  9. 4.

    "Lieber in der lauten Stadt leben und sich unter vielen verschiedenen Menschen sicherer fühlen."

    Bevor hier jetzt die Stadt (Berlin?) zur Idylle stilisiert wird: Da gibt es natürlich auch jede Menge Gewaltdelikte. Mag sein, dass sie aus anderen Richtungen kommen.

  10. 3.

    Das kann ich gut nachvollziehen. Auf dem.Land gibt es keinen Schutz vor Übergriffen. Dort zieht jeder die Gardinen vor und will seine Ruhe . Dass die Täter dumpf, meist betrunken, feige und trotz aller Gefährlichkeit so armselig lächerlich sind, ist furchtbar. Dass es nicht genug Zivilcourage und Unterstürzung für Opfer gibt, ist noch furchtbarer. Lieber in der lauten Stadt leben und sich unter vielen verschiedenen Menschen sicherer fühlen.

  11. 2.

    Wer nicht mal Halt vor Frauen und Kindern macht, ist nur noch Ab Schaum.
    Und ich fühle mich wieder mal bestätigt mit meiner Familie nicht aufs Land zu ziehen. Denn schöne Natur ist nicht alles, die Menschen dort muss man leider auch ertragen können.
    Warum suchen sie sich nicht Gegenspieler auf gleicher Höhe? Warum?

  12. 1.

    Nicht nur rechtsextrem, sondern auch noch extrem feige.

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