Im vergangenen Jahr - Mehr als 1.000 antisemitische Vorfälle in Berlin registriert

Mo 19.04.21 | 13:59 Uhr
  15
ARCHIV - 09.06.2013, Berlin: Ein Hakenkreuz und ein durchgestrichener Davidstern sind an einer Gedenkstätte zu sehen. (Quelle: dpa/Daniel Reinhardt)
Bild: dpa/Daniel Reinhardt

Die Berliner Recherche- und Informationsstelle Antisemitismus hat im vergangenen Jahr 1.004 Vorfälle festgestellt. Etwa 20 Prozent davon waren antisemitische Ausfälle, die am Rande von Anti-Corona-Protesten registriert wurden.

Die Berliner Recherche- und Informationsstelle Antisemitismus (Rias) hat im vergangenen Jahr 1.004 antisemitische Vorfälle registriert. Davon waren 17 Angriffe, 43 Sachbeschädigungen, 51 Bedrohungen, 770 Fälle verletzenden Verhaltens und 123 antisemitische Massenzuschriften, wie am Montag mitgeteilt wurde. 2019 hatte es insgesamt 881 antisemtische Vorfälle gegeben, im Jahr davor lag die Zahl bei 1.085.

Fast 20 Prozent (186) der registrierten antisemitischen Vorfälle hätten im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie gestanden. Oft sei es auch bei Demonstrationen gegen die Corona-Einschränkungen zu solchen Vorfällen gekommen, etwa durch die Verbreitung von antisemitischen Verschwörungsmythen, Täter-Opfer-Umkehrungen und Holocaust-Verharmlosungen. Die Zahl antisemitischer Gewaltvorfälle sei hingegen im Vergleich zu den Vorjahren zurückgegangen.

Gemeinsame Stellungnahme von fünf Fraktionen

Die Fraktionen von SPD, CDU, Grüne, Linke und FDP im Abgeordnetenhaus wiesen in einer gemeinsamen Presseerklärung darauf hin, dass Antisemitismus für Jüdinnen und Juden in Berlin eine allgegenwärtige Bedrohung bleibe. Durch antisemitische Erzählungen auf verschwörungsideologischen Demonstrationen und im Netz hätten sich die Bedrohungslagen verschärft. Das Gefahrenpotenzial dürfe nicht unterschätzt werden.

Die Abgeordnete Susanne Kitschun von der SPD nannte es "erschreckend, dass antisemitische Vorfälle trotz der pandemiebedingten geringeren Mobilität zugenommen" hätten. "Geradezu alarmierend ist, wie sehr antisemitische Stereotype und Verschwörungsmythen oder auch Schoah-Verharmlosungen im Umfeld von Impfverweigerern und Querdenkern verankert sind", sagte die CDU-Abgeordnete Cornelia Seibeld.

Die Kommentarfunktion wurde am 20.04.2021 um 11:21 Uhr geschlossen

Die Kommentare dienen zum Austausch der Nutzerinnen und Nutzer und der Redaktion über die berichteten Themen. Wir schließen die Kommentarfunktion unter anderem, wenn die Zahl der Kommentare so groß ist, dass sie nicht mehr zeitnah moderiert werden können. Weiter schließen wir die Kommentarfunktion, wenn die Kommentare sich nicht mehr auf das Thema beziehen oder eine Vielzahl der Kommentare die Regeln unserer Kommentarrichtlinien verletzt.

Sendung: Inforadio, 19.04.2021, 11:00 Uhr

15 Kommentare

Wir schließen die Kommentarfunktion, wenn die Zahl der Kommentare so groß ist, dass sie nicht mehr zeitnah moderiert werden können. Weiter schließen wir die Kommentarfunktion, wenn die Kommentare sich nicht mehr auf das Thema beziehen oder eine Vielzahl der Kommentare die Regeln unserer Kommentarrichtlinien verletzt. Bei älteren Beiträgen wird die Kommentarfunktion automatisch geschlossen.

  1. 15.

    @ Marc: Lesen Sie sich doch einfach mal den Bericht der Berliner Recherche- und Informationsstelle Antisemitismus durch, um den es in dem Bericht geht, dort finden Sie die u.a. die Antwort auf Ihre relativierende Frage.
    So viel sei jedoch schon vorab gespoilert: Sie liegen ziemlich falsch mit Ihrer Vermutung/Ihrem Wunschdenken.
    Wenn Sie eine Frau oder Divers wären, könnten Sie ja jetzt als nächstes fragen, von welchem Geschlecht hauptsächlich der Antisemitismus kommt, um nicht aktiv werden zu müssen.

  2. 13.

    @Moderation: War mein Kommentar trotz Quelle als Wahrheit zu unangenehm? Antisemitismus ist ja immer bei den Anderen, am liebsten beim Rechtsextremismus verortet, nicht wahr? Ja, dort gibt's das Problem auch, aber es ist eben noch viel tiefgreifender und subtiler. Ohne das Anprangern der GESAMTEN Wahrheit wird sich nie etwas ändern. Das ist das Problem.

  3. 12.

    Es gibt viele soziale Gruppen, die Antisemitismus verbreiten, Teile der Migrant*innen oder ihrer Nachfahren sind aber nur eine kleine Gruppe, Antisemitismus auf mehrheitlich "die Anderen" als sich selbst zu schieben, während man sich zu entlasten versucht, ist ignorant und widerspricht den Tatsachen. Antisemitismus kam und wird immer aus einem Großteil der Mehrheitsgesellschaft kommen. Ist doch gerade das Selbstverständnis als "Mehrheitsgesellschaft" Ursprung für Abwertungen und Zuschreibungen, von Rassismus, über Antisemitesmus, Sexismus und Klassismus. Es sind die vermeintlich Bürgerlichen, die Antisemitismus verbreitet haben und verbreiten. Als bürgerlich wollen oft auch Rechtsextreme oder Verschwörungstheoretiker*innen normalisiert und verharmlost werden.

    Und wenn jemand in dem Zshg. rechtsextreme Symbole verwendet, dann werden solche Taten zurecht entsprechend eingestuft. Antisemitismus gibt es aber nicht erst bei Rechtsextremen. Sie verwischen dort Unterschiedliches.

  4. 11.

    Ehrliche Vermutungen sind wohl gestattet. Wer sich ehrlich bemüht, der erfährt, dass es woanders ähnlich ist. Erschreckend.

  5. 10.

    "Oliver", hast gut geschrieben. Meine Anerkennung. Wie beseitigen wir aber dieses Problem, diese Schande für uns heute ?

  6. 9.

    Wo bitte schön , ist geregelt was Antisemitisch ist ?

  7. 8.

    "Das Schlimme ist wenn ein ausländischer Mitbewohner Hakenkreuze in Verbindung mit Davidsterne an die Wand schmiert wird es durch die Ermittlungsbehörden sehr oft als rechtsradikal eingestuft. Das hat die Berliner Polizei letztes Jahr auch zugegeben."

    Märchen aus der rechtsextremen Ecke.

  8. 7.

    Das ist ein ganz schwacher Versuch von Ihnen, den Fokus weg von Antisemit*innen mit deutschem Hintergrund, hin zu Antisemit*innen mit anders als deutschem Hintergrund zu verschieben.

    (Die beiden lächerlichen Bezeichnungen „mit ... Hintergrund sind absichtlich gewählt. Antisemitismus kennt keine künstlich-nationalen Grenzen.)

  9. 6.

    Das sehe ich leider auch so was nicht bedeuten soll das wir auch unter den Deutschstämmigen Bürger einige dieser Unbelehrbaren haben. Ich beschäftige mich seit über 20 Jahren mit dem Judentum und habe in Berlin viele jüdische Freunde. Es ist leider festzustellen das bei vielen Migranten ein Judenhass vorhanden ist der sich schon bei den kindern in den Schulen verbreitet. Ich habe genügend Vorfälle über meinen Bekanntenkreis darüber mitbekommen. Das Schlimme ist wenn ein ausländischer Mitbewohner Hakenkreuze in Verbindung mit Davidsterne an die Wand schmiert wird es durch die Ermittlungsbehörden sehr oft als rechtsradikal eingestuft. Das hat die Berliner Polizei letztes Jahr auch zugegeben.
    Mit ist eigentlich egal von welcher gruppe es kommt. Ich verabscheue jede Art von Antisemitismus. Diese Personen würden in Israel bei so einer Tat ganz kleinlaut werden, wetten !!

  10. 5.

    Sicher, die Wannseekonferenz hat auch nicht die Wurzeln in diesem Land, und am 8. Mai 1945 löste sich der sich der Antisemitismus in diesem Land in Luft auf, gehts noch?

  11. 4.

    Antisemitismus und Rassismus sind wie eineiige Zwillinge und beides ist eine Gefahr für unsere Demokratie. Deshalb gilt es beides entschieden zu bekämpfen, mit allen demokratischen Mitteln.

  12. 2.

    Es wäre hier mal interessant aus welchen Bevölkerungsgruppen hauptsächlich der Antisemitismus kommt. Ich vermute, dass es gerade in Berlin von Personen kommt, die ihre Wurzeln nicht in diesem Land haben.

  13. 1.

    Das die AfD sich der Presseerklärung nicht angeschlossen hat, spricht Bände und sollte auch dem*der Letzten die Augen öffnen. Leider wollen aber häufig genug manche Leute nicht hinsehen.

Nächster Artikel