Symbolbild: Berlin will Luca-App einfuehren, Berlins Gesundheitsämter sollen schon bald die Luca-App zur Kontaktnachverfolgung nutzen. (Quelle: imago images/A. Friedrichs)
Audio: Inforadio | 09.04.2021 | Sebastian Schöbel | Bild: imago images/A. Friedrichs

Papier der Gesundheitsverwaltung - Erst fünf Berliner Bezirke sind bereit für die Luca-App

Bisher sind nur fünf Berliner Bezirke bereit für die Einführung der Luca App. Das geht aus einem internen Schreiben der Gesundheitsverwaltung vor, das dem rbb vorliegt. Demnach haben nur Mitte, Spandau und Reinickendorf die nötigen technischen Vorarbeiten geleistet und der zuständigen Bundesdruckerei die Daten zur Zertifizierung geliefert. Für Charlottenburg-Wilmersdorf und Neukölln wurde zumindest ein Übergangszertifikat eingerichtet, heißt es.

Bei den restlichen sieben Bezirken ist die technische Umsetzung demnach noch nicht abgeschlossen. Die Senatsverwaltung für Gesundheit warnt nun, dass damit die zügige technische Einbindung der Luca-App bei den Gesundheitsämtern "gefährdet" sei. Auf Nachfrage des rbb meldeten allerdings zwei Bezirke zurück, dass sie zumindest die nötigen Zuarbeiten inzwischen erledigt hätten.

Datenschutzbeauftragte relativiert ihre Kritik

Der Hersteller weist unterdessen Vorwürfe von Datenschützern zurück. Weder werde über die Luca-App ein Bewegungsprofil der Nutzer erstellt, noch würden Daten für die Verschlüsselung zentral gespeichert. Zudem gebe es pro Anwender mehrere dezentral generierte kryptografische Schlüssel, um die übermittelten Daten abzusichern. Die App werde außerdem kontinuierlich weiterentwickelt. Man gehe davon aus, so der Hersteller, dass die App in der kommenden Woche bei allen Berliner Gesundheitsämtern integriert ist.

Die Berliner Datenschutzbeauftragte Maja Smoltczyk hatte zuvor "beträchtliche Risiken" bei der App angemahnt. Auf Nachfrage stellte ihre Behörde jedoch klar, dass die Luca-App nicht grundsätzlich abgelehnt werde. Auch die Datenschutzbeauftragten der Bezirke hätten bei der übergeordneten Behörde bisher nicht signalisiert, dass sie von einer Verwendung der App zur Kontaktnachverfolgung abraten. Es ginge lediglich um Verbesserungen, vor allem bei der Absicherung von gespeicherten Daten gegen Hackerangriffe.

In Berlin sind laut Herstellerangaben bereits über 4.000 Gewerbe und Institutionen registriert, die Luca-App sei deutschlandweit mehr als drei Millionen Mal heruntergeladen worden. Die App geht auf eine Initiative der Band Fantastische Vier zurück und soll Gesundheitsämtern bei der Kontaktnachverfolgung unterstützen. Dadurch sollen wiederum Lockerungen der Pandemieauflagen möglich werden. Datenschützer hatten zuletzt jedoch immer wieder Bedenken über die Sicherheit der personenbezogenen Daten geäußert.

Sendung: Inforadio, 09.04.2021, 17.40 Uhr

15 Kommentare

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  1. 15.

    Sicherlich sind (interne) Dokumente aus Behörden eine wichtige Quelle für Berichte bzw. ein Ansatzpunkt für Recherchen... Aber warum geht man nicht den Schritt weiter und schaut mal selber nach dem Stand, am besten auch mit Leuten, die sich damit auskennen?
    Ich kenne mich damit nicht wirklich aus, bekomme nur das folgende vom Luca-Server und das sieht nicht "bereit" aus:

    issuerId "9f...
    name "Gesundheitsamt Berlin-Neukölln"
    publicHDEKP null

    issuerId "9c...
    name "Gesundheitsamt Berlin-Mitte"
    publicHDEKP null

    Das ist alles aus Berlin... und zum Vergleich der nächste Eintrag:

    issuerId "57....
    name "Gesundheitsamt Landkreis Offenbach"
    publicHDEKP "BKmtryI3C1QzDaVQoKNFZxxw.......

  2. 14.

    Entmachtet die Bezirke. Man sieht doch, was bei den MP-Beratungen rauskommt. Warum soll es hier anders sein. Tote können nicht mehr klagen.

  3. 13.

    Ich lebe in einer Wohnanlage mit altersgerechten Wohnungen . Viele Nachbarn sind Ü 80. Ettliche sind vom Internet völlig überfordert. Sie leben wie zu ihrer berufstätigen Zeit. Was danach kam, mussten sie nicht mehr lernen. Also scheuen sie die Mühe bzw sind mit Smartphone total überfordert. Diese Gruppe kann nur mit Telefon oder handschriftlichem Brief kommunizieren. Das kann man beklagen, muss es aber im Umgang mit dieser Bevölkerungsgruppe berücksichtigen.

  4. 12.

    "Weder werde über die Luca-App ein Bewegungsprofil der Nutzer erstellt, noch würden Daten für die Verschlüsselung zentral gespeichert. Zudem gebe es pro Anwender mehrere dezentral generierte kryptografische Schlüssel, um die übermittelten Daten abzusichern."

    Da drängen sich mir 2 Fragen auf:
    1. Wie lange werden die Kontaktdaten gespeichert?
    2. Wurde die 'Luca-App' + Schnittstellen, mittlerweile durch das BSI geprüft und zertifiziert?

  5. 11.

    Da scheint sich jemand aufzuregen, den es arbeitsmäßig wohl betrifft...Erklären Sie mir bitte, weshalb z.B. Sormas in einem Gesundheitsamt funftioniert und im anderen wieder nicht? Die Arbeitsbedingungen in Berlin sind für alle Bezirksämter/Gesundheitsämter etc. gleich. Erzählen Sie mir nicht, dem wäre nicht so! Ich habe lange genug (zu lange) in einem solchen gearbeitet. Wie flexibel man dort ist, hängt allerdings auch maßgeblich davon ab, wer im Bezirk regiert. Viel hängt auch vom Eigenengagement ab und ob man sich traut, die höheren Ebenen ob der fehlenden Unterstützung zu kritisieren und diese einzufordern. Die Mentalität der Meisten ist jedoch, eher still zu "jammern" und sich zu gedulden. So meine Erfahrung...deshalb war ein Arbeiten dort für mich wie vor 30 Jahren nicht mehr möglich.

  6. 10.

    "Übergangszertifikat " so kann man es nennen wenn die Keys alle Ämter gleich sind, wenn der abhanden kommt... Nun erfolgt Druck von oben um eine Blamage zu verhindern etwas gekauft zu haben was nutzlos ist. Denn ohne in den Code von der App und den Server zu analysieren kann man zum Datenschutz kaum eine Aussage machen. Deswegen wird es ja vermieden, so lange wie es geht den Code zu veröffentlichen. Einen Erfolg hat man ja schon verbucht, 10 Millionen von der Öffentlichen Hand eingesammelt für eine App die niemand braucht. Das ganze hat ein System und der Politik fällt es schwer zu zugeben darauf reingefallen zu sein. Müller hat einen Vertrag unterschieben von Dingen von denen er keine Ahnung hat und er hat auch niemanden in seine Entscheidung mit einbezogen. Der drops ist gelutscht bis sich Rechnungshöfe und Staatsanwaltschaften damit beschäftigen. Es geht um Betrug,Verletzung von Urheberrechten und verstoß gegen Haushalsrecht.

  7. 9.

    Die Verantwortlichen in den Bezirken kriegen es jedenfalls zu oft nicht auf die Reihe, so auch hier. Es werden lieber persönliche oder parteiliche Eitelkeiten gepflegt wie z.B. auch beim Corona-Einsatz der Bundeswehr in Kreuzberg. Deshalb gehen nicht nur die, die die eigentliche Arbeit in den Ämtern machen, auf dem Zahnfleisch.

  8. 8.

    Vielleicht sind es genau die Bezirksämter, die nicht alles mitmachen sondern sich nach dem Sinn von Apps fragen. Viel effektiver wäre, das Geld in Impfstoffe zu stecken und so schnell wie möglich die Hausärzte damit zu beliefern. Vorausschauend natürlich auch noch die Impfstoffproduktion im eigenen Land zu unterstützen weil wir vermutlich - wie bei der Grippeschutzimpfung - regelmäßig nachimpfen müssen.

  9. 7.

    @ dirk: man braucht man kein Smartphone für Luca, es gibt von denen auch einen Schlüsselanhänger, der die relevanten Funktionen ausführt.

  10. 6.

    Was glauben Sie, was die Mitarbeiter beim Gesundheitsamt seit 1 Jahr tun? Die Eier schaukeln?
    Boah, da geht mir die Hutschnur hoch.

  11. 5.

    Über 60 Mio. Menschen in D. nutzen ein Smartphone oder ein iPhone. Da bleiben also nicht mehr viele übrig. Andernort ist Luca dabei auch schon im Einsatz, optional können aber auch weiterhin Daisy und Donald Duck sich auf Papier für die Kontaktverfolging anmelden.

  12. 4.

    Warum ist man nicht verwundert, weil es typisch ist für Berlin. Da hilft nur zur Wahl gehen.

  13. 3.

    Geht damit in die richtige Richtung. Allerdings müssen ALLE Gesundheitsämter mit SORMAS oder Octoware ausgerüstet sein. Ansonsten ist das Ganze wieder nur eine reisserische Meldung. Außerdem verstehe ich die Einwände bezüglich des Datenschutzes nicht. Entweder wir versuchen endlich diese verdammte Pandemie in den Griff zu kriegen, oder diese halbgaren Einschränkungen gehen noch monatelang weiter. Wenn man bedenkt, daß nahezu jeder ein Smartphone benutzt mit unzähligen Zugriffen fast jeder App auf Kontakte, Bewegung, sogar Herzschlag, Fingerabdrücke und Iris-Check, braucht niemand mehr den Begriff Datenschutz bezüglich der Pandemie zu erwähnen. Das kostet Leben, Zeit, Nerven und Energie.

  14. 2.

    Was heißt hier, nur fünf Berliner Bezirke seien bereit für die Luca-App? Also so lahm wie bei allem! Der oberste Dienstherr hat den Vertrag unterschrieben, somit haben sich alle Gesundheitsämter mal etwas mehr ins Zeug zu legen, um die Umsetzung zu gewährleisten. Offensichtlich liegt es bei den meisten einfach am fehlenden Willen und nicht am Können, die entsprechende Zuarbeit zeitnah zu leisten. So schwer kann das doch wohl nicht sein. Unter Termindruck kann in den Gesundheitsämtern wohl nicht gearbeitet werden. Hauptsache, die Angestellten bekommen regelmäßig ihr Gehalt...

  15. 1.

    und was nütz die luca app denn schon nicht jeder hat ein smartfon
    besonders die älternen menschen

    wie sinvoll sowas dann

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