Symbolbild: Hanf (Quelle: dpa-Zentralbild/Patrick Pleul)
Video: Brandenburg Aktuell | 28.04.2021 | Mark Albrecht | Bild: dpa-Zentralbild/Patrick Pleul

Pflanze im Trend - Brandenburger Regierung will Nutzhanf voranbringen

Vielseitig verwendbar, ökologisch, zäh auch im Klimawandel: Hanf hat nach Ansicht der Brandenburger Regierungsfraktionen viele Vorteile. Wäre da nicht das psychoaktive THC. Im Landtag wurde am Mittwoch erörtert, wie der Anbau trotzdem gepusht werden könnte.

Die Brandenburger Regierung nimmt Hanf als Nutzpflanze in den Blick. Auf Antrag der Regierungsfraktionen von SPD, CDU und Bündnis 90/Die Grünen sprach der Landtag am Mittwoch über die wirtschaftlichen und ökologischen Möglichkeiten von mehr Hanf-Anbau in Brandenburg [parlamentationsdokumentation.brandenburg.de].

Die Fraktionen fordern in ihrem Antrag den Landtag auf, über Absatzmärkte zu sprechen, mögliche Probleme herauszufinden, THC-Grenzwerte neu zu überprüfen und Förderprogramme zu ermitteln. Auch fordern die Parteien, dass diese Erkenntnisse aus Brandenburg in die bundesweite Diskussion zum Hanf-Anbau einfließen.

Vogel: "Es geht nicht darum, Hanf als Rauschmittel zuzulassen"

Der Brandenburger Landwirtschaftsminister Axel Vogel (Grüne) stellte am Mittwoch im rbb klar, es gehe nicht darum, Hanf als Rauschmittel zuzulassen. Für den Anbau von Nutzhanf würden deshalb strenge Regeln gelten: Es gebe Vorschriften für die Saatgutzulassung, für den Saatgutverkehr, für die Anbauanzeige, für die Meldepflicht der Blüte und auch das Betäubungsmittelgesetz sei zu beachten.

"Wenn Hanf den falschen THC Gehalt hat, dann kommen möglicherweise auch Kollegen vorbei und dann hat derjenige auch schnell mal ein Gerichtsverfahren am Hals." Mit Blick auf die anstehende Bundestagswahl im September sagte Vogel, er erwarte, dass das Thema Nutzhanf auch Gegenstand der nächsten Koalitionsverhandlungen werden könne.

"Vielseitig einsetzbar"

In dem Antrag der Koalition wird Hanf als eine "vielseitig einsetzbare Nutzpflanze" bezeichnet. Von Faserverbundwerkstoffe für den Fahrzeugbau über Verpackungs- bis hin zu Baumaterialien – das Interesse an Hanf als Rohstoff aus natürlichen Fasern steige.

Auch aus landwirtschaftlicher Sicht gebe es Argumente für einen verstärkten Hanf-Anbau: "Erfahrungen in der Praxis haben gezeigt, dass sich die Pflanze sehr gut in die klimatischen und bodenspezifischen Gegebenheiten einfügt", heißt es in dem Antrag. Für verstärkten Hanf-Anbau sprächen das bereits vorhandene Know-how in der Landwirtschaft und die vorhandenen Forschungskapazitäten.

Auflagen wegen THC könnten Hanf-Anbau im Keim ersticken

Auf der anderen Seite sehen die Fraktionen auch Probleme: So fehlten bisher ausgereifte Ernte- und Verarbeitungstechnologien in Brandenburg sowie in ganz Deutschland. Und da wäre noch das psychoaktive Tetrahydrocannabinol (THC), das in der Hanfpflanze vorkommt. "Nach aktueller Rechtslage leiten sich daraus eine Vielzahl von Erschwernissen in der Erzeugungs-, Verarbeitungs- und Handelskette ab, die in der Gesamtheit eine stark hemmende Wirkung für den Anbau von Nutzhanf haben", schreiben SDP, CDU und Grüne. Anbauanzeigepflicht, Vorschriften für die Saatgutzulassung und den Saatgutverkehr, THC-Grenzwerte im Saat- und Erntegut, die Meldepflicht der Blüte, das Betäubungsmittelgesetz und Vorschriften zum Warenverkehr verarbeiteter Produkte werden genannt.

Sendung: Brandenburg aktuell, 28.04.2021, 19:30 Uhr

17 Kommentare

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  1. 17.

    Wurden früher aus der Hanffaser nicht auch Stoffe für Kleidung und Wäsche hergestellt, wurde aber meines Wissens verdrängt durch die Baumwolle.

  2. 16.

    Und so müssen wir alte Nutzpflanzen wieder neu entdecken... Das gab es alles schon mal. Die ehemalige Bastfaser Fehrbellin war bis in die 1940er Jahre größte Verwerter und Produzent von Produkten aus Hanffaser. Auch deshalb, weil ringsum im Rhinland die größten Anbauflächen für Nutzhanf waren. Die Fasern aus Nutzhanf sind sehr witterungsbeständig und wurden seinerzeit für Planen als Textil verarbeitet, als Isolationsmaterial, als schwer brennbarer Füllstoff und einiges mehr. Was derzeit mit viel Fördergeld als Öko-Alternative gefördert wird samt Entwicklung von Endprodukten gab es alles schon mal.

  3. 15.

    Was man aus Nutzhanf alles machen könnte, das Leben wäre so viel unkomplizierter und in vielerlei Hinsicht umweltfreundlicher. Aber bei unseren Politikern, die von Lobbyisten umgarnt werden, die sorgen schon dafür, dass Hanf weiterhin in der Versenkung verschwunden bleibt (kopfschüttel)

  4. 14.

    Sie wissen schon, dass Styropor-dämmungen und auch Mineralwolle zu massiven Umweltproblemen führen werden. Sie sind nicht abbaubar und müssen beim Abbau, Umbau usw. Jahrzehnte auf der Halde gelagert werden. Styropor ist darüber hinaus ein gefährlicher Brandbeschleuniger und Vergifter s. Hochhaus in England.
    Hanf können sie sogar selbst kompostieren. Wahrscheinlich ist auch die CO2 Bilanz bei der Produktion geringer. Aber warum besser, wenn es auch schlechter geht?

  5. 13.

    Hihihi, der Herr Krüger hat es nicht geschnallt. Ich habe übrigens mal ein Blatt von einem Haselnussbaum gegessen. Es schmeckte...grün! ;))

  6. 12.

    Was da wieder für ein Aufriss gemacht wird, nur weil die Pflanze Hanf heißt, obwohl die hier angebauten ja eindeutig nicht zur berauschenden Art zählen. Bis in die 1920er Jahre wurde Nutzhanf massig in Deutschland angebaut und industriell verwertet, z.B. im Rhinland bei Berlin. Und heute gibts auch noch ein paar Felder im Norden Brandenburgs kurz vor Mc Pom. Sieht schon putzig aus, wenn man an so nem Feld mal vorbeifährt...

  7. 11.

    Ich sprach beim Nussbaum vom umfangreichen Nutzen, nicht vom Kauen der Blätter. Insofern ist diese 1 : 1 - Analogie zum Hanf völlig unangebracht. Meine Analogie bezog sich (lediglich) darauf, sich nicht nur auf einen Aspekt bei etwas zu beschränken, wofür dann eben der bereits vor Jh. systematisch angepflanzte Nussbaum steht.

    Dass heute zum Verkauf stehendes Rauschgift - nicht nur bei Hanf, sondern v. a. Chrystal Meth - mit dem vglw. "harmlosen" Kraut vor 50 oder 60 Jahren in keinster Weise zu vergleichen ist, steht auf einem völlig anderen Blatt und hat mit der besagten anderweitigen Nutzung nichts zu tun.

  8. 10.

    Nutzhanf ist wirtschaftlich und umwelttechnisch interessant. Was den berauschenden Hanf angeht, so wird er in Deutschland vor allem durch vietnamesische Sklavenarbeiter angebaut. Die Illegalität der Pflanze bringt nur der organisierten Kriminalität etwas.

  9. 9.

    Also ich weiss nicht wie Nussbaumblätter schmecken, aber mit dem Hanf ist das schon so eine Sache. Durch Züchtungen / Kreuzungen ist der THC-Gehalt heutzutage enorm angestiegen. Er ist etwa fünfmal höher als in der 80ern, gemessen an 2006 liegt nahezu ein Verdopplung des Gehaltes vor. Das ist eine Hausnummer, die mit der damaligen "Studententüte" nichts mehr gemein hat. Finger weg wäre mein Tipp.
    Aber fast wie immer - die "Weiber" machen den Stress und die "Kerle" habens nicht drauf ;-) - bezogen auf die Hanfpflanze.

  10. 8.

    Der Umgang mit Hanf war die längste Zeit von Irrationalitäten geprägt. Da, wo Rauschgiftsüchtige herumlaufen, müsse dem gesamten Mittel der Garaus gemacht werden und Jede/r, wer anderer Auffassung war, wurde als Sympathisant der Szene schräg angeschaut.

    Hanf ist ähnlich vielseitig nutzbringend wie zu Zeiten frühpreußischer Herrschaft hierzulande der Nussbaum angesehen wurde. Für jeden Zweck was dabei.

  11. 7.

    Das kommt vom vielen Hanf Konsum?!

  12. 6.

    "Tüte 30 cm Durchmesser und 2 Meter lang"
    Verdammt, warum habe ich jetzt Cheech and Chong im Kopf.

  13. 5.

    Hallo Lothar, war auch sofort mein erster Gedanke! Hab mir vor Jahren übrigens mal bei Hornbach Bambus gekauft. Nach ein paar Wochen wunderte ich mich, was da für eine Pflanze aus dem Ballen des Bambus wuchs: Es war Hanf! Der hat sich jährlich immer wieder ausgesäht und neue Pflanzen gebracht. Probiert hab ich nie... :)

  14. 4.

    Schön, dass sich die Landesregierung in Zeiten von maroder Infrastruktur, kaputtem Bildungssystem, steigenden Kriminalitätsraten bei Gewalttaten und explodierenden Verbraucherpreisen um die wirklich wichtigen Dinge kümmert.

    *Ironie off*

  15. 3.

    Nutzhanf war über Jahrhunderte in Verwendung bis die Industrialisierung für die Papier Produktion es durch Kampagnen verteufelt hat. Zudem wollte Bayer auch mehr Aspirin loswerden, denn die weiblichen Blüten wurden erfolgreich gegen Kopfschmerzen in Apotheken verkauft. Also nur illegal für die Gewinne von Konzernen. Hoffentlich kommt endlich die Wende mit der nächsten Bundestagswahl.

  16. 2.

    ??? Sind Politiker so dumm oder tun sie so dumm? Seit Jahrzehnten gibt es Nutzhanf, der so wenig THC hat, daß die Tüte 30 cm Durchmesser und 2 Meter lang sein müsste, wenn man es rauchen wollte. Mein Schwager (Landwirt) hatte es angebaut im Land Brandenburg und hatte nur Stress mit der Polizei. Obwohl es vor 20 Jahren legal war und von der EU gefördert wurde.

  17. 1.

    Zum kaputtlachen das ganze. Einfach die männlichen Samen verwenden und schon hat man den Hanf wie er auch in früheren Zeiten genutzt worden ist.

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