Swen Ennullat (Quelle: Screenshot/Facebook/Swen Ennullat)
Audio: Inforadio | 22.04.2021 | Oliver Soos | Bild: Screenshot:Facebook/Swen Ennullat

Königs Wusterhausen - Abgewählter Bürgermeister Ennullat versucht Comeback

Nach massiver Kritik an seiner Amtsführung wurde Swen Ennullat von den Königs Wusterhausenern in einem Bürgerentscheid abgewählt. Nun kandidiert er für die Neuwahl im Juli erneut. Seine Gegner kritisieren das heftig. Von Oliver Soos

Wohl fast jeder Politiker, der mit deutlicher Mehrheit vom Volk abgewählt wurde (in diesem Fall mit 9411 Stimmen und 5416 Gegenstimmen), würde sich erst einmal zurückziehen. Nicht so Swen Ennullat. Er kündigte zwar auf seiner Facebookseite an, dass er die massiven Konflikte, die er u.a. mit den Stadtverordneten hatte, für sich aufarbeiten werde. Doch das ging offenbar recht schnell. Sechs Wochen nach seiner Abwahl kandidiert er nun erneut für den Chefsessel im Rathaus.

Die Entscheidung sei bei einer Mitgliederversammlung seiner FWKW (Freie Unabhängige Wählgemeinschaft Königs Wusterhausen) einstimmig gefallen. "Ennullat steht für Bürgernähe und Fortschritt, er wurde von allen Vorwürfen rehabilitiert. Einer neuen Amtszeit steht nichts mehr im Wege", sagt der FWKW-Fraktionschef im Stadtparlament Thomas Stiller. In einer FWKW-Pressemitteilung ist von einem "Komplott" gegen Ennullat die Rede und von "massiven Verletzungen" gegenüber seiner Person.

Von allen Vorwürfen rehabilitiert?

Das sehen die Angesprochenen, die Stadtverordneten von SPD, CDU, Linken, Grünen und Wir für KW, völlig anders. "Die Wählerinnen und Wähler erinnern sich noch sehr gut an die Gründe, warum sie Ennullat abgewählt haben. Diese Gründe konnten noch in keinster Weise entkräftet werden", sagt SPD-Fraktionschef Ludwig Scheetz und spielt damit vor allem auf den blockierten Haushalt 2020 an und auf die über 30 Parlamentsentscheidungen, deren Umsetzung Ennullat und seine Rathausspitze verweigerten.

"Ennullat kann mit Niederlagen nicht umgehen und will mit aller Gewalt wieder ins Amt", kommentiert die Grünen-Fraktionsvorsitzende Ines Kühnel das Vorhaben des Ex-Bürgermeisters. Das ehemalige FWKW-Mitglied Stefan Lummitzsch, das sich mit Ennullat überwarf und dann fraktionsloser Stadtverordneter wurde, bezeichnet die erneute Kandidatur als "schmerzfreie, empathielose und völlig unreflektierte Aktion". Ennullat zeige damit, dass er das deutliche Votum der Bürger nicht akzeptiere, so Lummitzsch.

Ennullat als rosa Osterhase

Schon drei Wochen nach seiner Abwahl ahnten viele Königs Wusterhausener, dass Ennullat etwas im Schilde führt. Er begann auf seiner Facebookseite einen bunten Strauß an Aktionen zu präsentieren: Ennullat postete Fotos von sich, als neues Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr, als Mülleinsammler in der Nachbarschaft, als Radiomoderator im lokalen Hitradio und in rosa Osterhasenkostüm beim Schokoeierverteilen an Kinder.

Ennullats Anhänger feierten ihn dafür. Sie lobten ihn auf seiner Facebookseite als engagiert und humorvoll. Er lasse sich nicht entmutigen. Bei seinen Gegnern im Stadtparlament sorgten die Aktionen hingegen für Spott und Sarkasmus, denn sie kennen Ennullat auch ganz anders und haben von ihm zum Teil Drohmails und Anzeigen erhalten. Der parteilose Stadtverordnete Dirk Marx sagt, er fand die Osteraktion ziemlich schräg. "Ich habe ihn vor meiner Haustüre im pinken Osterhasenkostüm aus dem Fahrzeug steigen sehen und dachte mir nur: was ist denn mit dem los. Anstatt der Stadt etwas Ruhe und Frieden zu gönnen, hoppelt er wieder los, verteilt Eier, polarisiert und versetzt alle in Aufruhr", sagt Marx.

Ennullat gegen Wiezorek

Ennullat gibt sich betont gelassen. Er zeigte sich am Mittwoch, kurz nach seiner Nominierung als Bürgermeisterkandidat, lächelnd auf seiner Facebookseite. Er schreibt, dass viele mit ihm das Gespräch gesucht und ihn überzeugt hätten zu kandidieren.

Bei der Wahl am 4. Juli dürfte Ennullat, wie zuletzt, von der AfD und von der UBL/UFL-Fraktion unterstützt werden. SPD, CDU, Linke, Grüne, Wir für KW und die fraktionslosen Abgeordneten Lummitzsch und Marx schicken eine gemeinsame Gegenkandidatin ins Rennen, die parteilose Leiterin des Königs Wusterhausener Tiefbau- und Grünflächenamts, Michaela Wiezorek.

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Sendung: Inforadio, 22.04.2021, 06:20 Uhr

24 Kommentare

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  1. 24.

    Sie kennen die Umstände, wie die Abwahl gelaufen ist? Die Wahlbeteiligung war nicht so doll, um von einer überwältigenden Mehrheit
    der Abwähler reden zu können. Ausserdem wurde reichlich Meinungsmanipulation betrieben. Damit konnte man die jugendlichen Neuwähler tüchtig einlullen.
    Ist halt so gelaufen.
    Mal sehen, ob die KWer Bürger sich noch mal täuschen lassen, so oder so!

  2. 23.

    Hier von fehlendem Anstand zu sprechen ist ja wohl mehr als infam. Die Bürgermeistergegner haben nichts Erlaubtes und vor allem Unanständiges ausgelassen , um dem Ansehen des Bürgermeisters vor der Abwahl zu schaden. Das war mehr als unter der Gürtellinie.
    Und Sie sprechen hier von Anstand? Da gibt es eine ganze Reihe von Leuten in der SVV, denen Sie den Anstand absprechen können!
    Sechs, setzen!

  3. 22.

    Hallo Rudi, ja die Kommentarkultur lässt hier sehr zu wünschen übrig. Es sind immer die gleichen Kommentatoren, die andere Menschen sofort in die rechte Ecke stellen. Ich habe heute morgen schon ein Kommentar verfasst, ob der Herr " Elias" Beweise dafür hat Hern Ennullat auf diese Weise zu diffamieren. Aber die Verantwortlichen beim RBB sind wohl auf diesem Auge blind? Und die Durchsetzung der Netiquette besteht wahrscheinlich nur in einer Richtung. So viel zum Thema Neutralität und Überparteilichkeit des ÖRR.

  4. 20.

    Niemand behauptet, dass Ennullat nicht antreten darf. Es wird nur kritisiert, dass er nicht den Anstand besitzt zu erkennen, dass ihn keiner braucht und dass er der Stadt nur schadet.

  5. 19.

    Was für eine Kommentarkultur herrscht den hier?
    Den Kandidaten eine "Ekelprüfung" zu stellen , ihn AfD-Nähe abdichten, ihm zu unterstellen, dass er das Grundgesetz nicht lesen noch verstehen kann.
    Lieber Elias ( oder welchen Nick Sie sonst noch verwenden, um Ihre ehrverletzende Pamphlete zu verbreiten) vielleicht sollten Sie mal das Grundgesetz lesen und hoffendlich den Sinn dahinter verstehen.
    Alleine, mir fehlt der Glaube, denn solche Leute wie Sie einer scheinen, leben in ihrer Blase, aus Dummheit und Arroganz.
    Ich wünsche Herren Ennullat viel Erfolg bei deinem Vorhaben.

  6. 18.

    Ich kann den Ärger um Herrn Ennullat als ehem. KWer nachvollziehen.

    Was ich nicht verstehen kann ist der Ärger über seinen Neuantritt.
    Wenn Scheitern bei einer Wahl immer bedeutet, dass man beim nächsten Mal nicht mehr antritt, dann werden uns in Zukunft auf jeden Fall die Kandidaten ausgehen.
    Eine Wahl wird es eben erst, wenn mehrere Kandidaten antreten.

    Der Vorteil einer Wahl: Man kann wählen, was man will.
    Der Nachteil: Die Diktatur der Mehrheit. (Und das gälte ganz besonders, bei der Wiederwahl von Herrn Ennullat.)
    Ich denke, eine Demokratie sollte sich selbst aushalten. ;-)

  7. 17.

    Dschungelcamp? Ich wüßte sogar eine "Ekelprüfung" für Ennullat. 10 Minuten GG lesen, das schafft der NIE! :-D

  8. 16.

    Ein sehr treffend verfasster Artikel bzw. Radiobeitrag, der neben dem Faktengehalt berechtigterweise auch einen humoristischen Einschlag hat. Wahlkampf als rosa Hoppelhase, in einer Radiosendung eines ihm unterstützenden Radiosenders dann zu verstehen geben, dass die anderen Kandidaten von ihm sowieso nicht ernstgenommen werden...u. dann gestern auch noch sein FB-Post, dass erst durch seine gestern bekannt gegebene Entscheidung zur Wahl anzutreten, "nun am 04.07.2021 eine richtige Wahl" ansteht... Denn merke: Die anderen Kandidaten zählen nicht bzw. wenn bei einer Wahl in KW nicht "Ennullat" auf dem Wahlzettel steht, ist es eben seiner Ansicht nach keine "richtige Wahl". Wie heißt es bei einem anderen ARD-Sender immer so passend: Witzig, witzig, heute haben wir gelacht…

  9. 15.

    Hmm, doch. Er könnte nach dem Dschungelcamp noch in die AfD eintreten...

  10. 14.

    Haben die wirklich solche Angst das er noch mal gewählt wird. Wollten die Absäger nicht bis dahin ein gemeinsamen Kandidat stellen.

  11. 13.

    "Einfach mal Leute in irgendeine Ecke drücken." Das muß man bei ihnen nicht tun, sie stellen sich mit ihren Aussagen von ganz alleine in die braune Schmuddelecke, zusammen mit den Neofaschisten der AfD, die diesen sauberen "Herrn" unterstützen.

  12. 12.

    Das wäre ein geeigneter Dschungelcamp Kandidat. Ob bekannt oder weniger bekannt. Tiefer kann man eh nicht sinken.

  13. 11.

    Als ehemaliger KWer kann ich nur mit dem Kopf schütteln. Der Herr Ex-Bürgermeister merkt wirklich nichts mehr.

  14. 10.

    Ich bin einfach nur sprachlos bei soviel Dreistigkeit!! Was hat der Mann für eine Selbstwahrnehmung. Die anstehende Wahl wird hoffentlich ein zweites Mal für Klarheit sorgen.

  15. 9.

    Ich finde Herr Ennullat hat eine zweite Chance verdient.

  16. 8.

    Das macht man neuerdings gern in Deutschland, Farben verteilen. Ist quasi zum Hobby vieler anscheinend mit Vorurteilen behafteter Bürger geworden. Einfach mal Leute in irgendeine Ecke drücken.

  17. 7.

    Wo ist das Problem? Wenn die Bürger ihn so furchtbar finden wie viele behautpten, wird er nicht gewählt. Oder sucht man schon sicherheitshalber nach Ausreden, sollte die Gegenkandidatin scheitern?

  18. 6.

    Dies zeigt, dass Herr Ennulat nichts begriffen hat und nachwievor in seiner eigenen Welt, OHNE Wahrnehmung der Realität und Akzeptanz von Mehrheiten, lebt. Offensichtlich auch seine Mitstreiter der freien Wähler, sonst hätten sie ihn nicht aufgestellt!

  19. 5.

    ...der Bürger, die ihn gerade ziemlich deutlich abgewählt haben. Die erneute Kandidatur kann man auch als deutliche Missachtung des Bürgerwillens interpretieren. Daher die Kritik...

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