Justiz bestätigt Verratsverdacht - Staatsanwaltschaft ermittelt, wie Hildmann Infos über Haftbefehl erhielt

Ehemaliger Vegan-Koch Attila Hildman (Quelle: dpa/Fabian Sommer)
Bild: dpa/Fabian Sommer

Wurde Attila Hildmann von Justizmitarbeitern vor einem Haftbefehl gewarnt? Offenbar wusste der Verschwörungsideologe von dem Gesuch, heißt es in Recherchen von WDR und "SZ". Die Staatsanwaltschaft bestätigte am Dienstag die Ermittlungen.

Die Berliner Staatsanwaltschaft hat ein Ermittlungsverfahren eingeleitet, um zu klären, ob der als veganer Kochbuchautor bekannt gewordene und extremistische Verschwörungsideologe Attila Hildmann frühzeitig über einen Haftbefehl gegen ihn informiert worden war. Das teilte die Behörde am Dienstagmorgen mit

Zuvor hatten am Montag der WDR und die "Süddeutscher Zeitung" darüber berichtet. Demnach besteht der Verdacht, dass Hildmann aus Reihen der Justiz einen Hinweis erhalten habe.

Es werde "gegen Unbekannt wegen Verletzung von Dienstgeheimnissen ermittelt", heißt es in der Mitteilung der Staatsanwaltschaft vom Dienstagmorgen.

Im Februar hatte der heute 40-Jährige Hildmann in seinem Telegram-Kanal ein Bild von sich gepostet und dazu mitgeteilt, dass er sich im Ausland befinde und gegen ihn ein Haftbefehl wegen Fluchtgefahr vorliege. Zum Zeitpunkt dieses Postings habe aber noch nicht einmal die Berliner Staatsanwaltschaft gewusst, dass gegen Hildmann von der Justiz ein Haftbefehl ausgestellt worden war, hieß es in dem Bericht von WDR und "SZ".

Die Berliner Staatsanwaltschaft allerdings betonte in ihrer Stellungnahme am Dienstag, dass es keinen Zusammenhang zwischen der Weitergabe von Informationen und der Flucht Hildmanns ins Ausland gebe. Hildmann habe sich bereits "geraume Zeit" vor Erlass des Haftbefehls ins Ausland abgesetzt.

Haftbefehl kurz vor Feierabend ausgestellt

Der Vorwurf der Staatsanwaltschaft für die Ermittlungen laute auf "Verrat von Dienstgeheimnissen", hieß es. Die Behörde habe die Vorgänge und den zeitlichen Ablauf inzwischen rekonstruiert.

Demnach sei Anfang des Jahres beim Amtsgericht Berlin-Tiergarten ein Haftbefehl gegen Hildmann beantragt worden. Am 19. Februar, einem Freitag, habe die zuständige Haftrichterin eine Entscheidung getroffen - kurz vor Feierabend. Erst am darauf folgenden Montag sei die Staatsanwaltschaft aber darüber informiert worden. Hildmann aber soll bereits in der Zwischenzeit informiert worden sein.

Offenbar in die Türkei geflüchtet

Gegen Hildmann wird wegen des Verdachts auf Volksverhetzung, der öffentlichen Aufforderung zu Straftaten und des Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte ermittelt. Ende März teilte die Berliner Staatsanwaltschaft mit, sie gehe davon aus, dass sich Hildmann in der Türkei befinde. Neben der deutschen Staatsbürgerschaft habe er auch die türkische. Deswegen könne nicht zeitnah damit gerechnet werden, dass der Haftbefehl vollstreckt werden könne, hieß es damals.

Hildmann, der früher als veganer Kochbuchautor bekannt war, nennt sich selbst "ultrarechts" und einen Verschwörungsprediger.

Mehrfach bei Protesten gegen Corona-Maßnahmen

Die brandenburgische Polizei hatte bei einer Durchsuchung der Wohnung Hildmanns Beweismittel zunächst präventiv sichergestellt. Im Dezember war dann per richterlichem Beschluss in Berlin erwirkt worden, dass die Staatsanwaltschaft mehrere Laptops, Handys, Speicherkarten und USB-Sticks auswerten kann.

Die Ermittlungen wurden in Berlin gebündelt. Justizsenator Dirk Behrendt (Grüne) hatte dies mit einer effektiven Strafverfolgung begründet. Mehrere Ermittlungsverfahren aus Brandenburg waren demnach an die Behörde in der Hauptstadt übergeben worden.

Hildmann war wiederholt bei Protesten gegen die Corona-Schutzmaßnahmen aufgetreten. Nach früheren Angaben der Staatsanwaltschaft soll aufgeklärt werden, ob und in welchem Umfang er durch seine Äußerungen die Grenzen der Meinungsfreiheit überschritten und sich strafbar gemacht haben könnte.

Sendung: Inforadio, 18.05.2021, 11.20 Uhr

22 Kommentare

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  1. 22.

    Mal ganz nüchtern betrachtet: Die Rigaer definieren selbstherrlich, wer ein Gentrifizierer ist und leiten daraus ab, dass Beschädigungen ok sind. Sie verändern ein Haus baulich, um sich zu „zu schützen“. Ein Kleinstaat im Staat? Manchmal kommen mir die Rigaer wie Kinder vor, die nicht erwachsen werden und ihre Sandburg verteidigen wollen. Auch wenn sie die Hygieneregeln einhalten, kann von besser keine Rede sein. Genauso undemokratisch, halt bloß links, während Attila rechts verblendet ist.

  2. 21.

    Jede Wette, das sich der in Deutschland per Haftbefehl gesuchte in der Türkei tunlichst ruhig verhält. Denn dort wird mit ganz anderen Bandagen gekämpft, als bei uns. Zudem weiß zumindest fast jeder Türke, was ihm dort in Gefängnissen alles droht.

  3. 20.
    Antwort auf [klumbum] vom 17.05.2021 um 20:54

    "Das der Sympathiesanten bei der StA und Polizei hat, war mir klar! Heutzutage sitzen die wahren Demokratiefeinde nicht in der Rigaer, das scheinen manche immer noch nicht verstanden zu haben."

    Da sind die Einen nicht besser als der Andere:
    https://www.rbb-online.de/doku/kontraste-die-reporter/wir-sind-die-macht-.html

  4. 19.

    Tja, wie man sieht, sagt ein Bild/Foto manchmal mehr als tausend Worte ...

  5. 18.

    " die Anarchos aus der Rigaer Str. stehen auf dem Boden der Demokratie."

    Nein das tun sie nicht, aber verglichen mit der rechtsextremen Bagage sind sie relativ harmlos.

  6. 17.

    Da würden ja zwei Welten aufeinanderprallen: der Berliner Senat und die moderne Technik.
    Naja, eins hat Herr Hitlermann ja geschafft: vom gefeierten Vegankoch zum Staatsfeind. Alle Achtung für so viel Blödheit. Und ich dachte schon, der hätte was im und nicht am Kopf.
    Ich wünsche erfolgreiche Suche nach dem Informanten oder der Informantin. Könnte ja sein, dass Prince Veggie eine Prinzessin hatte?

  7. 16.

    Keine Überraschung, Jahrzehnte lange wurden rechtsradikale Netzwerke in Berliner Sicherheitsbehörden und Justiz von der CDU gehegt und von der SPD zumindest toleriert. Entnazifizierung ist hier dringend notwendig.

  8. 15.

    Nun kann er in Istanbul die selber Show abziehen, schauen wir mal wie lange Erdogan da zuschaut....

  9. 14.

    "Meiner Meinung nach wird zu schnell eingebürgert und mit der Staatsbürgerschaft dieses Landes zu großzügig und inflationär umgegangen."

    Kennen Sie die Regeln für Einbürgerung? DIe jährlichen Zahlen der Einbürgerungen?

    Und Hildmann ist in Deutschland geborgen; aufgewachsen in einer deutschen Pflegefamilie.

  10. 12.
    Antwort auf [klumbum] vom 17.05.2021 um 20:54

    "Heutzutage sitzen die wahren Demokratiefeinde nicht in der Rigaer, das scheinen manche immer noch nicht verstanden zu haben."
    "Manche" ist gut, so gut wie keiner rafft das: siehe Kommentare.
    Hier regt sich ja sogar schon jemand auf, wenn man nichts gegen "die" hat und vergisst vor lauter Aufregung, dass der Verbrecher mit grosser Unterstützung in der Türkei gelandet ist - nicht in der Rigaer!

  11. 11.

    Wie witzig. Hoch die Hände, Wochenende! So wichtige Dinge können da ruhig mal hintenanstehen! Und unter uns Verschwörungstheoretikern - da kann man sich schon mal verquatschen. Auch in der Justiz finden wir alle Schichten unserer Gesellschaft.

  12. 10.

    Wie witzig. Hoch die Hände, Wochenende! So wichtige Dinge können da ruhig mal hintenanstehen! Und unter uns Verschwörungstheoretikern - da kann man sich schon mal verquatschen. Auch in der Justiz finden wir alle Schichten unserer Gesellschaft.

  13. 9.

    Wenn der Vogel dort für immer bleibt, ist doch allen geholfen!

  14. 8.

    Lieber selbstverwaltete, legalisierte Rigaer als Reichsbürger und Rechtsterroristen.

  15. 7.
    Antwort auf [klumbum] vom 17.05.2021 um 20:54

    Er hätte sie nicht nutzen können, wenn mit dem Verleih der deutschen Staatsbürgerschaft die Forderung verbunden wäre, alle anderen Staatsbürgerschaften abzulegen. Meiner Meinung nach wird zu schnell eingebürgert und mit der Staatsbürgerschaft dieses Landes zu großzügig und inflationär umgegangen.

  16. 6.

    Extremistischer Verschwörungsidiologe....ist das sein Beruf? Klingt ja voll schräg.

  17. 5.
    Antwort auf [klumbum] vom 17.05.2021 um 20:54

    Noch ist nichts bewiesen, aber klar, die Anarchos aus der Rigaer Str. stehen auf dem Boden der Demokratie. Allerdings nur um darauf rumzutrampeln! Es ist schon erstaunlich, wie frei man mit solchen Leuten sympathisieren darf.

  18. 4.

    Ich bin der Meinung auf TikTok konnte man das 3 Tage vorher lesen, bevor der feine Herr in der Türkei abgetaucht ist..

  19. 3.

    Diese Leute wittern hinter allem die große Verschwörung und verhalten sich dann selbst kein bisschen besser.

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