Kinder- und Familienarmut - Mehr als jedes vierte Berliner Kind lebt von Hartz IV

Symbolbild: Ein billiges, beschädigtes Kinderdreirad, steht verlassen auf einem Sandweg. (Quelle: dpa/Wolfram Steinberg)
Bild: dpa/Wolfram Steinberg

Mehr als 160.000 Minderjährige sind in Berlin von Hartz IV betroffen. Das geht aus einer Antwort des Senats auf eine parlamentarische Anfrage der Linken hervor. Vor allem sind Kinder von Eltern mit ausländischen Wurzeln sowie von Alleinerziehenden betroffen.

Insgesamt 27 Prozent der Kinder und Jugendlichen unter 18 Jahren lebten in Berlin im Dezember 2020 in Haushalten mit Hartz-IV-Bezug. Das geht aus einer am Montag in Berlin veröffentlichen Antwort der Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie auf eine parlamentarische Anfrage der Linkspartei hervor.

Demnach gab es berlinweit 162.412 Minderjährige "in Bedarfsgemeinschaften mit Leistungen nach dem Sozialgesetzbuch (SGB) II". Die Gesamtzahl der Kinder und Jugendlichen unter 18 Jahren betrug zu dem Zeitpunkt in Berlin 607.473.

Betroffen von Hartz IV sind demnach mehrheitlich Kinder von Eltern mit ausländischen Wurzeln sowie von Alleinerziehenden. So lebten 101.154 Berliner Kinder in einer Bedarfsgemeinschaft mit SGB-II-Leistungen mit mindestens einer Person mit ausländischer Staatsangehörigkeit. Die Zahl der betroffenen Kinder von Alleinerziehenden betrug zudem 71.147.

Senat sieht weiterhin Handlungsbedarf

Laut Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie besteht in Berlin "weiterhin Handlungsbedarf" bei der Prävention von Kinder- und Familienarmut. Zwar sei der Anteil der betroffenen Minderjährigen rückläufig. Dies sei jedoch auf den Anstieg der Gesamtkinderzahl zurückzuführen. Die absolute Anzahl der Betroffenen "verharrt auf höherem Niveau", hieß es.

Die aktuelle Datenlage lasse zudem noch keine Rückschlüsse zu Auswirkungen der Corona-Pandemie auf die Kinder- und Familienarmut zu. Erste empirische Analysen gingen davon aus, dass Kinder aus Familien mit geringen Bildungskenntnissen, mit Arbeitslosengeld-II-Bezug, von alleinerziehenden Eltern oder mit Migrationshintergrund stärker betroffen sind.

Sendung: Abendschau, 24.05.2021, 19:30 Uhr

40 Kommentare

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  1. 40.

    Interessant wäre auch mal zu erkunden, ob Menschen, die dauerhaft von Hartz 4 leben, im Schnitt mehr Kinder bekommen als die arbeitende Bevölkerung.

  2. 39.

    Das ist schön das Sie das annehmen. Mir bezahlt kein Staat die Miete oder sonst irgendwas. Damit wir leben können, arbeite ich 60 Stunden die Woche in verschiedenen Jobs. Als Dank darf ich mit meinen Steuern die "Harzer" finanzieren.

  3. 38.

    Das behaupten Sie.
    Aber es ist davon auszugehen, dass Sie mehr Geld zur Verfügung haben, als ein Hartz4 Empfänger.

  4. 37.

    ...als ich Kind war, in den 60igern, wir hatten nicht mal ein Festnetztelefon. Und heute müssen es die besten und neusten Handys sein, um was damit anzustellen? Sich gegenseitig zu moppen oder blöde Bilder auf FB zu senden. Arme Welt!

  5. 36.

    Vollkommen richtig. Viele Familien hatten auch damals sehr wenig Geld, niemand hat aber darüber in den Medien berichtet. Das wird heutzutage alles so übertrieben dargestellt, dabei geht es den Menschen heute im Vergleich zu damals sehr sehr gut. Die Ansprüche sind ganz einfach heute anders. Kinderarmut, was für ein dämliches Wort.

  6. 35.

    Mir wird das Kindergeld in meiner Steuererklärung auch angerechnet. Und ich erhalte nicht kinderhartz4. Aber jetzt bin ich natürlich neidisch oder am besten gleich rechts.

  7. 34.

    Wir brauchen uns weder über Kinderarmut noch Altersarmut wundern,solange die Menschen die arbeiten gehen,nicht wirklich von ihrem Verdienst leben können und sie z.B. deshalb zum Aufstocker werden.
    Um das zu ändern,darf es kein "Geiz ist geil" geben,damit Arbeitnehner besser bezahlt werden,Das gilt nicht nur für den Handel,wo es mehr Vollzeitstellen geben muss. Insofern ist dieses Problem " hausgemacht". Das ist aber kein Argument dafür,nur vom Amt zu leben.

  8. 33.

    Und dann gibt es noch die, die trotz Vollzeitjob Aufstocker sind. Arbeiten und auf Staatshilfe angewiesen zu sein, das ist auch ein Ding der Unmöglichkeit.
    Aber Sie haben Recht. Zum Glück gibt es auch sehr viele Hartz4 Empfänger, die mit ihrer Situation nicht zufrieden sind.

  9. 32.

    Das Kindergeld steht allen Erziehungsberechtigten zu. Auch Hartz4 Empfängern. Es ist eine Schande, dass es als Einkommen angerechnet wird.

  10. 31.

    Böse Zungen behaupten gar, dass Migranten im Bezug schon jetzt kein Interesse haben Erntehelfer zu werden. Da schon jetzt die Diskrepanz zw. Leistungsbezug und Erzielbaren Einnahmen zu Augenfällig ist. Diese Feststellung wird einerLandes-Ministerin in den Mund gelegt.

  11. 30.

    Das weiß man doch schon seit Jahren. Dann sollte wir jetzt endlich statt mehr Geld den Kindern Fürsorge anbieten. Wie sollen die Kinder denn aus der Armut kommen, wenn Eltern keine Perspektive haben und somit auch keine Vorbilder sein können/wollen? Wenn überforderte Eltern sich nicht kümmern können/wollen? Kinder müssen frühen Zugang zu Bildung haben und mit Sozialarbeiter*innen arbeiten, die eben dann diese Rolle übernehmen. Aber wenn man beim Jugendamt anruft, geht NIEMAND ans Telefon oder antwortet per Mail. Insofern wundert mich das nicht. Es macht mich nur traurig. Wenn ich erschöpfte Frauen mit vielen Kindern an der Hand und schon wieder schwanger sehe.

  12. 29.

    Was würde man zu jemandem sagen der keine Miete, Krankenversicherung, Zahnersatz, Heizung, Rechtsanwalt, Klassenfahrten, Ipad, Nachhilfe zahlen muss. Der Zugang zu extrem günstigen Nahrungsmitteln und öffentlichen Verkehrsmitteln bzw. Museen etc. hat?

    Dem würde man doch eher neidvoll gratulieren, wenn man alles selber zahlen muss.

  13. 28.

    Ich nehme an , daß dies mit das Hauptproblem ist, wenn Euro 2000 monatlicher Verdienst genauso viel bringen bei einer vierköpfigen Familie wie Hartz IV, besonders auch in solchen Gegenden wie in Neukölln. Da wird sich der eine oder andere sagen, warum soll ich mir die Hände schmutzig machen und jeden Tag pünktlich zur Arbeit gehen, wenn ich dasselbe Geld fürs Nichtstun auch erhalte. Und bei der späteren Rentenzahlung bringen Euro 2.000 monatliches Einkommen auch nicht viel.

  14. 27.

    Ich kann Ihnen nur zustimmen. Handwerksbetriebe, Landwirtschaft (um nur einige zu nennen) , überall werden Arbeitsplätze angeboten. Wenn man aber schon von Schülern hört, ick werd "Harzer", hat man keine Fragen mehr. Null Bock auf früh aufstehen und arbeiten, sicher nicht alle, aber viel zu viele.

  15. 26.

    @Mel: Ich verstehe das so, dass einige Kinder sowohl in einer Bedarfsgemeinschaft mit mindestens (in diesem Fall genau) einer Person mit ausländischer Staatsbürgerschaft als auch Kind eines alleinerziehenden Elternteils sind.
    Als Beispiel taucht das Kind einer ausländischen Mama, welche das Kind allein erzieht, in beiden Statistiken auf.

  16. 25.

    Wie der CDU Politiker Merz ausführte, sind alleine durch Zuwanderung seit 2015 ca. eine Million neue Leistungsbezieher in der öffentlichen Sozialfürsorge entstanden. Dies macht sich in der Hartz 4 Statistik auch bei den Kindern bemerkbar.
    Zusätzlich leben mehr als 564.000 Rentner im vergangenen Jahr von der Grundsicherung. Seit ihrer Einführung ist das ein neuer Höchststand.

  17. 24.

    Da liegt kein Hase im Pfeffer. Würde bei einer Hartz4 Bedarfsgemeinschaft für die Kinder neben dem Hartz4 Regelsatz für Kinder noch die Steuervergünstigung namens Kindergeld ausgezahlt, obwohl die Eltern keine Einkommenssteuer zahlen, ergäbe sich ein unversteuerter Nettozufluss, wo sich dann selbst bei mittleren Einkommen Erwerbstätigkeit für die Eltern nicht mehr lohnen würde, und sie sich finanzielle besser stünden, wenn sie nicht arbeiten gingen.

  18. 23.

    Ihre Überlegungen sind gefährlich für dieses System, da sie bei genauerer Betrachtung unser System in Frage stellen. Damit sie ihre Überlegungen nicht weiter verfolgen hat man ihnen hier eine Möglichkeit eingeräumt zu wettern und zu schimpfen, finanziert von unseren Rundfunkgebühren.
    Sie schreiben sich hier Ihren Frust von der Seele, gehen mit dem Gefühl etwas Gutes getan zu haben abends ins Bett, aber niemanden interessiert es. Was sie beanstanden verpufft wirkungslos, ohne Einfluss auf die Gesellschaft.

  19. 22.

    Kindergeld ist eine steuerliche Vergünstigung nach dem Einkommensteuergesetz. Wer kein zu versteuerndes Einkommen hat, kann auch keine steuerlichen Vergünstigungen in Anspruch nehmen. Deswegen bekommen Hartz 4 Bezieher kein Kindergeld für ihre Kinder. Für sie gibt es den altermäßig gestuften Kinder-Regelsatz innerhalb der Hartz4-Bedarfsgemeinscchaft. Der ist weit höher als das Kindergeld.

  20. 21.

    Interessant ist, dass Kommentierende davon ausgehen, Hartz IV-Empfängern ginge es automatisch schlecht.

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