Verbot auf Bundesebene - Razzien gegen salafistischen Verein Ansaar in Berlin und Brandenburg

Polizeibeamte stehen vor dem Gebäude der Ansaar International in Düsseldorf. Quelle: dpa/Martin Gerten
Audio: Inforadio | 05.05.2021 | M. Götschenberg | Bild: dpa/Martin Gerten

Vordergründig geht es dem Verein Ansaar um wohltätige Projekte - im Hintergrund laufen den Sicherheitsbehörden zufolge aber salafistische Missionierung und Terror-Unterstützung. Am Mittwoch gingen sie auch in Berlin und Brandenburg gegen den Verein vor.

Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) hat den salafistischen Verein Ansaar International und alle Ableger der islamistischen Vereinigung verboten. Aus seinem Ministerium hieß es, das Verbot sei am frühen Mittwochmorgen mit Durchsuchungen und Beschlagnahmungen in Berlin, Brandenburg, sowie acht weiteren Bundesländern vollstreckt worden. Nach ersten Informationen waren Objekte und Personen auch in Rheinland-Pfalz, Baden-Württemberg, Bayern, Hamburg, Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen, Schleswig-Holstein und Hessen betroffen.

Nach Angaben der Polizei in Berlin wurden sechs Objekte in Charlottenburg, Wedding, Gesundbrunnen und Altglienicke durchsucht. Dazu zählten sowohl Vereinsräume als auch Wohnungen. Es habe keinen Widerstand gegeben, sagte eine Sprecherin der Polizei. An dem Einsatz beteiligt waren der Polizei zufolge rund 180 Einsatzkräfte unter anderem von der Bundespolizei und von der Fachabteilung des Landeskriminalamts, die im Bereich Islamismus tätig sind.

Innensenator Geisel: "Wir dulden nicht, dass Terror exportiert wird"

Der Berliner Innensenator Andreas Geisel (SPD) begrüßte das Verbot am Mittwoch in einer Mitteilung. Das Vereinsgeflecht sei "ein Sammelbecken für Salafisten und Feinde des Staates Israel" gewesen, teilte Geisel mit. "Wir dulden keine terroristischen Bestrebungen im Inland. Wir dulden auch nicht, dass durch Spenden, die hier gesammelt werden, der Terror exportiert und im Ausland unterstützt wird."

Zur Begründung des Verbots hieß es aus dem Bundesinnenministerium, die Spendensammlungen von Ansaar seien in der Absicht erfolgt, diese an terroristische Vereinigungen im Ausland weiterzugeben, insbesondere an die Al-Nusra-Front in Syrien, an die palästinensische Hamas sowie an Al-Shabaab in Somalia.

Die Unterstützung komme diesen Vereinigung teilweise direkt zugute. Teilweise würden Hilfsprojekte unterstützt, "die jedoch unmittelbar zum Wirkungskreis der jeweiligen terroristischen Vereinigung zu zählen sind".

Das Ministerium ist außerdem der Auffassung, dass die Missionierungsaktivitäten der Gruppe gegen die verfassungsmäßige Ordnung verstoßen. Hier würden "fortlaufend Feinde einer Weltordnung geschaffen, welche die Menschenwürde Andersgläubiger schützt". Kinder aus Deutschland würden in die von Ansaar im Ausland aufgebauten Einrichtungen geschickt, "um dort salafistisch-extremistische Inhalte zu verinnerlichen und zurück nach Deutschland zu tragen".

"Änis Ben-Hatira Foundation" ebenfalls verboten

"Wer den Terror bekämpfen will, muss seine Geldquellen austrocknen", sagte Seehofer, wie der Sprecher des Innenministeriums, Steve Alter, im Kurznachrichtendienst Twitter schrieb. Dem Ministerium zufolge wurden bei den Razzien rund 150.000 Euro an Bargeld beschlagnahmt.

Ausgangspunkt für das Verbot war eine Großrazzia bei dem Netzwerk im April 2019, bei der umfangreiches Material beschlagnahmt worden war. Ansaar International hat seinen Hauptsitz in Düsseldorf, die Teilorganisation WWR-Help im nordrhein-westfälischen Neuss. Etwa die Hälfte der 90 Menschen und Objekte, die damals betroffen waren, befanden sich in NRW.

Zu dem Geflecht von Vereinigungen, die nun verboten wurden, gehört den Angaben zufolge auch die nach dem deutsch-tunesischen Fußballspieler benannte Änis-Ben-Hatira Foundation, zudem das Somalische Komitee Information und Beratung in Darmstadt und Umgebung e.V., der Verein Frauenrechte ANS.Justice, "Ummashop" und Helpstore Secondhand UG sowie Better World Appeal. Durch die unwahre Angabe, die Gelder würden ausschließlich humanitären Zwecken zugute kommen, seien Spender betrogen worden, stellte das Innenministerium fest.

Sendung: Inforadio, 05.05.2021, 7 Uhr

Die Kommentarfunktion wurde am 05.05.2021 um 22:43 Uhr geschlossen

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12 Kommentare

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  1. 12.

    Ich finde es skandalös, daß in Berlin islamisten von al-Quds,bei der neuerdings auch Rechtsradikale mitmischen, sich regelmäßig hier zusammen rotten können. Denn die sind Brüder im Geiste.

  2. 11.

    Na ja, Martin Brack hält z. B. die Filmbranche in Berlin und Brandenburg für: "ABM für drittklassige Darsteller auf Kosten der Gebührenzahler bei niedrigem Qualitätsanspruch, hoher Diversität und Weltfremdheit."

    https://www.rbb24.de/kultur/thema/corona/beitraege/2021/05/film-berlin-brandenburg-foerderung-kultur-lockdown-corona.html

    Aber solange die Welt in Friesack noch in Ordnungs ist, gehts ja noch. ;-)

  3. 10.

    Deutschland erwache! hatten wir schon mal. Das wollen wir nicht noch mal. Demokratie, also eine offene Gesellschaft muß immer wachsam sein, gegenüber ALLEN Feinden der Demokratie, also auch solchen die altbekannte Parolen blöken, wenn auch in ein leicht veränderten Tonart, der Inhalt ist derselbe.

  4. 9.

    Sie übertreiben maßlos. Sie verwechseln ihre Echokammer mit der Realität. Das kommt davon wenn man in Friesack mit 2524 Einwohnern nicht über seinen Tellerrand blicken kann oder will.

    Wieviele von den 2524 Einwohnern Friesacks sind denn gewaltbereite Islamisten? Oder liegt es eher an Ihrer Sicht und Sie lehnen nicht nur das "liberale und kunterbunte deutsche System" ab, sondern auch unsere Verfassung, die eben genau das schützt. Eine liberale, weltoffene Gesellschaft.

  5. 8.

    Wurde auch höchste Zeit zum Aufwachen!

  6. 7.

    Die Spitze eines riesigen Eisbergs. Das liberale und kunterbunte deutsche System lässt sich gerne und oft an der Nase herumführen.

  7. 6.

    @Kurt Wilhelm zumindest in der Türkei und einigen anderen Islamischen Ländern sind die Goethe Institute mehrfach gefilzt worden

  8. 5.

    Merkwürdiger Text vom Herrn fred dazu.

    Leider schreibt der RBB nichts über den Kopf des salafistischen Vereins, Joel Nicholas Kayser hat ein bewegtes Leben hinter sich. Gangsta-Rapper, Kleinkrimineller und saß deswegen im Gefängnis. Unterstützung bekam der Verein u.a. auch von Änis Ben-Hatira und Farid Bang.

    Okay, Fußballer und Rapper, besonders sogenannte Gangsta-Rapper sind nicht gerade bekannt dafür sehr intelligent zu sein aber was läuft da unter unser aller Augen schief?

    Damit meine ich nicht nur dass sich Konvertiten derart radikalisieren können, sondern wir sollten auch unsere Unterstützung für die Kriegstreiber in den betroffenen Ländern überdenken. Syrien, Somalia, Palästina und Afghanistan. In Afghanistan haben wir direkt mitgezündelt und hinterlassen einen Scherbenhaufen.

  9. 4.

    @Kurt Wilhelm, was wollen Sie uns mit Ihrem Kommentar mitteilen??

  10. 3.

    Das liegt vielleicht daran, dass in europäischen Vereinen in von Ihnen aufgezählten Ländern keine Terror-Aktivitäten gefördert werden.
    Einfach nur den dort Einheimischen europäische Kultur und ggf. christliche Religion nachzubringen ohne massiv zu missionieren, reicht GsD nicht aus, um als terrorförderne Einrichtungen zu gelten.

  11. 2.

    Viel Text vom Herrn Geisel dazu. Vielleicht schafft er es dann doch, in Berlin den alljährlichen Auftrieb für al-Quds dauerhaft zu unterbinden.

  12. 1.

    Habe noch nie gehört und gesehen, dass es in Ländern wie Dubai, die arabischen Emirate, Türkei usw. europäische Vereine durchsucht wurden.

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