Gewalt-Eskalation in Nahost - Palästinensische Gruppen kündigen Proteste in Berlin an

Demonstrierende stehen gegenüber der Bereitschaftspolizei in Neukölln (Quelle: imago-images/Achille Abboud)
Video: Abendschau | 12.05.2021 | F. Reiß/A. Deutschmann | Bild: imago-images/Achille Abboud

Nach der Eskalation der Gewalt im Nahen Osten haben palästinensische Gruppen in Berlin zu Protesten aufgerufen. Bereits am vergangenen Sonntag demonstrierten Palästinenser auf dem Hermannplatz - Randalierer griffen dabei Polizisten an.

Verschiedene Palästinensergruppen haben für Samstag Proteste in Berlin angekündigt. Währrenddessen eskaliert im Nahen Osten die Gewalt: Die radikalislamische Hamas hat nach eigenen Angaben in der Nacht erneut dutzende Raketen in Richtung Israel abgeschossen [tagesschau.de].

Geplant sind drei Demonstrationen in Neukölln und Kreuzberg, für die nach Polizeiangaben jeweils 80 bis 250 Teilnehmer angemeldet wurden.

Demonstrationen in Neukölln und Kreuzberg

Am Samstag soll ein erster palästinensischer Demonstrationszug ab 13:00 Uhr vom Hermannplatz zum Rathaus Neukölln laufen, angemeldet sind 150 Teilnehmer. Um 15:00 Uhr geht es um den "Tag der politischen Gefangenen Palästina", ebenfalls vom Hermannplatz zum Rathaus Neukölln, mit 80 angekündigten Teilnehmern.

Um 16:00 Uhr heißt es "Zum Gedenken der Alnakba, der Palästinensischen Vertreibung", die Demonstration führt mit 250 angemeldeten Teilnehmern vom Oranienplatz zum Hermannplatz. Gefordert wird in einem Aufruf unter anderem der Kampf für "ein freies Palästina, vom Jordan bis zum Mittelmeer", also auf dem heutigen Staatsgebiet Israels.

Demonstrationen jährlich am 15. Mai

Die Veranstalter der Demonstrationen beziehen sich auf den Nakba-Tag (deutsch: Katastrophe), an dem an Flucht und Vertreibung von hunderttausenden Palästinensern aus dem Gebiet des späteren Israels erinnert werden soll.

Für die israelische Bevölkerung ist das Datum hingegen verknüpft mit der eigenen Unabhängigkeit und staatlicher Souveränität. Die Vollversammlung der Vereinten Nationen hatte zwei Jahre nach dem Holocaust zur Teilung des damaligen britischen Mandatsgebiets Palästina in einen jüdischen und einen arabischen Staat aufgerufen. Die israelische Unabhängigkeitserklärung erfolgte am 14. Mai 1948. Die Palästinenser begehen den Nakba-Tag jedes Jahr am 15. Mai, dem Tag, an dem die arabischen Nachbarn Ägypten, Jordanien, Libanon, Irak und Syrien dem neu gegründeten Israel 1948 den Krieg erklärten.

Polizei: Schutz von Einrichtungen soll Geschehen angepasst werden

Wegen des zugespitzten Konflikts zwischen Israelis und Palästinensern dürften derzeit auch Synagogen und andere jüdische oder israelische Einrichtungen und Vereine in Berlin unter zusätzlichem Schutz stehen. Die Polizei gibt nach eigenen Angaben grundsätzlich keine Auskunft über solche Maßnahmen. Eine Sprecherin sagte aber: "Wir werden den Schutz immer dem aktuellen Geschehen anpassen und neu bewerten."

Randale auf dem Hermannplatz

Nach einer Demonstration von rund 900 Palästinensern und Unterstützern am vergangenen Sonntag griffen Randalierer die Polizei an. Aus einer Gruppe von 100 Menschen wurden Flaschen und Steine geworfen. Polizisten räumten Müllcontainer, Holzpaletten und Elektroscooter von der Straße. 16 Polizisten wurden verletzt. Die Polizei hatte die Demonstranten nach dem vorzeitigen Ende der Veranstaltung auf dem Hermannplatz aufgefordert, den Platz zu verlassen.

Seit Beginn des muslimischen Fastenmonats Ramadan Mitte April hatte sich der Konflikt zwischen Israelis und Palästinensern zugespitzt. Inzwischen sind es die heftigsten Auseinandersetzungen seit mehreren Jahren. Der Ramadan endet diese Woche.

Sendung: Inforadio, 12.05.2021, 14 Uhr

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