AfD-Wahlliste steht fest - Mit holprigem Start in Richtung Bundestag

Beatrix von Storch, stellvertretende Fraktionsvorsitzende der AfD-Bundestagsfraktion, hält bei der Wahlversammlung der AfD Berlin in Berlin-Biesdorf (Marzahn-Hellersdorf) eine Stimmkarte. (Quelle: dpa/Christoph Soeder)
Audio: Inforadio | 12.06.2021 | Sabine Müller | Bild: dpa/Christoph Soeder

Knapper als gedacht wählt die Berliner AfD Beatrix von Storch zur Spitzenkandidatin für die Bundestagswahl. In ihrer Rede macht sie klar, gegen wen ihre Partei in den kommenden Monaten besonders stark ankämpfen wird. Von Sabine Müller

Es ist eine echte Überraschung, das merkt man sofort. Als für Platz eins der Landesliste nicht nur die Bundestags-Fraktionsvize Beatrix von Storch vorgeschlagen wird, hält so mancher Delegierter im Tagungszelt in Berlin-Biesdorf kurz den Atem an. Von Storch bekommt einen Gegenkandidaten, und es ist nicht irgendwer, der sie herausfordert.

Es ist der Reinickendorfer Ordnungsstadtrat Sebastian Maack, der den Ruf hat, der eigentliche starke Mann bei den Hardlinern der Partei zu sein, den Anhängern des offiziell aufgelösten rechtsextremen "Flügels".

Von Storch bekommt eine Stimme mehr als nötig

Zwar betont Sebastian Maack in seiner Bewerbungsrede, wie wichtig Einigkeit in der Partei sei. Aber seine völlig unerwartete Kandidatur sendet genau die gegenteilige Botschaft; sie schickt die beiden Lager einmal mehr in die Konfrontation und bringt kalkulierte Unruhe in die Listenaufstellung.

Allerdings ist die 50-jährige Beatrix von Storch Profi genug, sich davon nicht aus dem Konzept bringen zu lassen. Routiniert zieht sie ihre Rede durch, changiert zwischen beschwörend-ruhig und leidenschaftlich-aufheizend. Sie hat die Grünen als Hauptgegner ausgemacht: "Die Grünen haben Deutschland den Krieg erklärt. Die Grünen hassen Deutschland. Wir lieben Deutschland."

Die AfD, verspricht sie, werde sich von den Angriffen der anderen Parteien und Gruppen wie der Antifa nicht einschüchtern lassen: "Solange wir uns noch auf zwei Beinen halten können, solange wir noch Luft zum Atmen haben, solange unser Herz noch schlägt, kämpfen wir für Deutschland."

Als das Ergebnis der Abstimmung verkündet wird, geht ein Raunen durchs Zelt. Beatrix von Storch hat gewonnen, aber es war knapp. Sie bekommt 110 der 219 abgegebenen Stimmen, das ist nur eine mehr als notwendig.

Dann ist Schluss mit Drama

Der AfD-Innenexperte Gottfried Curio, den seine Parteifreunde als begnadeten Redner loben, wird ganz ohne Gegenkandidaten auf Platz zwei gewählt. Der Bildungsfachmann Götz Frömming setzt sich auf Platz drei leicht durch gegen einen Rivalen, der mehr durch die Gasmaske auffällt, die er zum Schutz vor Corona trägt, als durch einen sinnstiftenden Redebeitrag. Beide, Curio und Frömming, sitzen genau wie Beatrix von Storch bereits im Bundestag.

Bei Platz vier wird es dann nochmal spannend. Der bisherige Berliner Fraktionschef Georg Pazderski tritt an, aber auch Birgit Malsack-Winkemann, die aktuell vierte AfD-Abgeordnete im Bundestag. Dazu noch zwei weitere Bewerber*innen.

Der 69–jährige Pazderski wirbt mit seiner großen Erfahrung: "Wir brauchen Köpfe, die sich bewährt haben." Er zählt auf, in welchen Fernseh-Talkshows er schon gesessen hat, wie er die AfD von "Maybrit Illner" bis "Anne Will" verteidigt habe. Dass das bei den Delegierten gut ankommt, ist fast schon ein bisschen komisch. Schließlich werden die sogenannten "Mainstream-Medien" hier leidenschaftlich verachtet und immer wieder heftig angegriffen.

Pazderski gewinnt das Viererduell gleich im ersten Wahlgang, Platz vier gehört ihm. Das dürfte für den Einzug in den Bundestag reichen, falls die AfD ein ähnliches Ergebnis wie 2107 einfährt. Damals holte sie in Berlin zwölf Prozent.

Von Storch verspricht "Wunder an der Spree"

Mit vielen lauten, leidenschaftlichen Reden pumpt sich die AfD auf dieser Wahlversammlung randvoll mit Adrenalin für den Bundestags-Wahlkampf. Sie feiert sich als einzige Partei, die Deutschlands Probleme klar und deutlich benenne und Lösungen anbiete. Es gehe nicht nur um Wahlkampf, sagt Beatrix von Storch, sondern um einen Kulturkampf.

Deutschland habe die Wahl zwischen "Klimawahn oder Arbeitsplätzen, Gender-Gaga oder starken Familien, Islamisierung oder deutscher Kultur". Für September verspricht sie ein "Wunder an der Spree", feuert die Delegierten an zu kämpfen: "Es ist jetzt an uns, Geschichte zu schreiben, und diese Geschichte ist nicht grün, sondern blau."

Sendung: Abendschau, 12. Juni 2021, 19:30 Uhr

Beitrag von Sabin Müller

45 Kommentare

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  1. 45.

    prima prima käse aus dänemark: https://www.auswaertiges-amt.de/de/ReiseUndSicherheit/daenemarksicherheit/211724

  2. 44.

    Klar, das kann in alle Richtungen gehen.
    Aber ich glaube Laschet, Baerbock oder Scholz bekommen keinen Haseloff-Effekt.
    Sollte sich Schwarz-Grün anbahnen, rennen doch die CDU-Wähler zur FDP und Grüne-Wähler zur Linkspartei.

  3. 43.

    Wohne Prenzlauer Berg.
    Mich stört die Verwahrlosung in Berlin.
    Jeder feuert seinen Müll vor die Tür.
    Berlin scheint auch für Kriminelle ein Paradies zu sein.

  4. 42.

    Aha, JEDER sieht also, dass "Berlin ist in schlimmen Zustand ist". Worauf genau bezieht sich denn Ihre diffuse Analyse, Prenzlauer? In anderen EU Hautstädten wie bspw. Paris, Rom oder Madrid sind die Einwohner weit weniger zufrieden mit ihren Lebensverhältnissen als es in Berlin der Fall ist. Aber von Prenzlau aus wirkt Berlin wahrscheinlich wie ein absolutes Sündenbabel, ne?

  5. 41.

    Tja, Prenzlauer,
    Umfragen und dann die Wahlergebnisse... Das hat man letzte Woche auch in Sachsen - Anhalt gesehen, die CDU war kräftig über den Prognosen, die afd ist abgeschmiert.
    Also, warten wir das Wahlergebnis ab.
    Ich werde wählen gehen, für mich steht fest, wen ich nicht wähle, das ist nunmal die afd.

  6. 40.

    Umfrage fgw/ZDF vom 23.06.2017 wenige Wochen vor der Wahl:
    CDU/CSU 39%
    SPD 25%
    AfD 7%
    FDP 8%
    Linke 9%
    Grüne 8%
    Ergebnis war dann:
    CDU/CSU 32,9%
    SPD 20,5%
    AfD 12,6%
    FDP 10,7%
    Linke 9,2%
    Grüne 8,9%

  7. 39.

    SPD + PDS hatten in Sachsen-Anhalt mal 55%.
    Heute nur noch 20%.
    Dies sagt doch alles, dass da was schiefläuft.
    Insbesondere großer Teile der Arbeiterschaft sind zur AfD gewandert.
    Das müsste den beiden Parteien doch mal zu denken geben.
    Bei der Bundestagswahl wird es dann den Komplett-Zusammenbruch geben.
    SPD 9%, Linke 5%???

  8. 38.

    Huber,
    worum geht's im Artikel? Richtig, um die Bundestagswahl. Und darauf bezog ich mich.
    Und da hat die SPD nun mal derzeit um die 15 % Umfragewerte. Die afd 10,2%.
    Wenn Sie's lokal wollen, in DE gibt's Bundesländer, mit weitaus mehr Wahlberechtigte, wo es für die afd tatsächlich zur Zeit eng aussieht, Niedersachsen 7%,SH 6%,NRW 7,9%, HB 6,1% usw. Nochmals, da Sie lokal wollen, vom Thema abschweifend, hier geht's um die BT-Wahl.

  9. 37.

    SPD 8,4 Prozent in Sachsen-Anhalt. 8,4 Prozent in einem Bundesland, in dem die Sozialdemokraten zwischen 2002 und 2011 immer mehr als 20 Prozent erreicht hatten. Also über 10 % abgesackt. Von 5 % ist die SPD in SA nicht 10 % sondern 3.4 % entfernt.

  10. 36.

    Die AfD wird nicht diffamiert. Sie stehen schlicht nicht auf dem Boden der freiheitlich-demokratischen Grundordnung.
    Und solange die nicht regieren, werden Sie die Kritik auch ertragen müssen.

  11. 35.

    Das ist gängige Politik aller Altparteien. Wer kritische Einwände gegen Merkels Flüchtlingspolitik vorbringt wird fertig gemacht. Die AfD ist dagegen noch etwas immuner, weil die von der AfD noch nicht in dem Maße an den Merkel Töpfen sitzen.
    „Da muss man natürlich darüber sprechen, dass es den Missbrauch des Asylrechts gibt. Da muss man natürlich sagen, die Folge kann nur sein, Steuerung und Begrenzung von Zuwanderung. Alles andere wird keine Akzeptanz in der Bevölkerung finden.“
    So redete Merkel im Dezember 2003 und fuhr fort: „Das, liebe Freunde, ist der Gipfel der Verlogenheit, und eine solche Scheinheiligkeit wird vor den Menschen wie ein Kartenhaus in sich zusammenbrechen.“

    https://www.cicero.de/innenpolitik/cduparteitag-hetzerin-merkel

    Merkels Alleingang in der Migrationspolitik hat das politische Klima in Deutschland vergiftet. Und das hängt auch Laschet an, ohne die vielen Laschets hätte Merkel nicht derartig tätig werden können.

  12. 34.

    Vor allem finde ich verlogen, dass heute SPD + Grüne von den Ergebnissen ihrer Regierungszeit 1998-2005 heute nichts mehr wissen wollen.
    Senkung Spitzensteuersatz
    Militär-Einsätze
    5 Mio. Arbeitslose
    Leiharbeit
    Niedriglohnsektor
    Rentenpolitik
    Die SPD täte übrigens gut daran, den Dänischen Kurs einzuschlagen. Dann wäre die AfD ganz schnell verschwunden.

  13. 33.

    Vor allem habe ich die Hoffnung, dass (wenn schon Rot-Rot-Grün wieder gewinnen sollte), Giffey die schlimmsten Linksgrünen Vorhaben verhindert.
    Jeder sieht ja, dass Berlin in schlimmen Zustand ist.

  14. 32.

    Der Mietendeckel hat ja nun nachweislich kein Problem und auch nicht die Ursachen gelöst.
    Dies haben CDU, FDP + AfD erkannt.
    Es wurden stattdessen Jahre verplempert - anstatt den Mietern zu helfen.
    Ein höheres Berlin-Wohngeld für Kleinverdiener hätte hier erst mal Druck rausgenommen. Aber diese Lösung wurde ja als Vermieter-Subvention ideologisch verunglimpft.

  15. 31.

    Offenbar spricht die AfD viele Themen der Bürger an.
    Muss ja nicht jeder der Merkel-CDU oder Rot-Rot-Grün hinterherlaufen.
    Bei den Themen Asyl, EU, Euro, Kriminalität, GEZ, Gender + Klima kann ja wohl mal eine andere Meinung nicht schaden.

  16. 30.

    Otto Krause,
    "Interessant wird es, wenn man mal das Wahlprogramm der CDU von 1998 und das der " Nazis " von heute vergleicht !"

    Am Programm der afd gibt's als Meinung vo der Demokratie ja nichts zu sagen, gerade bei der afd ist Papier sehr geduldig. Eine Partei lebt von den Menschen, nicht von dem Papier, worauf was geschrieben ist. An ihre Unvereinarkeitsliste hält sich die afd vorstellt also die Menschen, ja auch nicht.
    Aber gut, dass sie in Ihrem Kommentar anbringen, dass die afd, pro Forma, aus anderen Programmen nur abgeschrieben hat, damit sie was vorlegen konnten. Und dann noch von CDU, über deren wenig soziale Politik sich ja gerade im Osten so viele afd-Wahler beschweren.

  17. 29.

    Anton,
    Ihr Zitat
    ".. Oder hören Sie sich mal Merkels Reden auf CDU Parteitagen an, mit denen sie sich an die Macht brachte. Heute wäre das alles Nazi.."

    Haben Sie da aus Merkels Reden auch Beispiele parat, die heute mit "Nazi" betitelt werden würden? Nein, nicht? Alternative Behauptungen, also doch bloß wieder heiße Luft?

  18. 28.

    Huber,
    mahl ehrlich, schon niedlich, wie Sie mit falschen Zahlen Antiwerbung für bestimmte Parteien versuchen. Sie schreiben dass die SPD gen 5% absegelt, lt. Dawum - Umfrage vom 12.06. Liegt sie bei 15% im Bundestrend, sicher, für ne Volkspartei nicht dolle. Die afd liegt da bei 10,2%, für eine selbsternannte Volkspartei noch weniger dolle.
    Scholz hat Rückhalt in seiner Partei, sogar bei Umfragen liegt er alles Person alles andere als schlecht.

    Die afd hat hier sicher demokratisch gewählt, aber die knappen Ergebnisse zeigen auf, dass die Partei in sich mehr gespalten ist, als sie es in der Bevölkerung will.

  19. 27.

    Ich setze ihren tollen Beitrag fort: Unglaublich, dass Bürger, welche nicht Alt-Parteien wählen, überhaupt an der Bundestagswahl teilnehmen dürfen. Denken Sie mal drüber nach!

  20. 26.

    Ist es nicht ein Armutszeugnis, wenn altbekannte Probleme, die schon andere Parteien, und das wenigstens mit Losungskonzepten, zwar ansprachen, aber nicht gelöst haben, sodass diese heute wieder auf der Agenda sind, allerdings nicht von den gelobten Protagonisten ? Stattdessen Häme und Spott !!

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