Mehr Zulassungen in der Hauptstadt - Autodichte in Berlin hat im vergangenen Jahr zugenommen

Autos, LKW und Lieferfahrzeuge fahren auf dem Kaiserdamm in der Hauptstadt stadteinwärts. (Quelle: dpa/Michael Kappeler)
Bild: dpa/Michael Kappeler

Während der Corona-Krise sind auch in Berlin offenbar viele Menschen vom ÖPNV auf das Auto umgestiegen. Das zeigen Zahlen des Kraftfahrt-Bundesamtes. Dabei verfolgt der Senat genau das gegenteilige Ziel.

Der Pkw-Bestand und die Autodichte haben im vergangenen Jahr auch in Berlin weiter zugenommen. Das geht aus Zahlen des Kraftfahrt-Bundesamts und des Statistischen Bundesamts hervor.

Demnach wuchs die Zahl der registrierten Autos bundesweit in 22 von 25 betrachteten großen Kommunen, wie Branchenexperte Ferdinand Dudenhöffer ermittelte. In Berlin lag das Plus bei 1,1 Prozent. Am stärksten war der Zuwachs mit 2,2 Prozent in Bochum.

Dudenhöffer: "Trend Weg vom Auto ist nicht zu erkennen"

Insgesamt erhöhte sich die städtische Autodichte je 1.000 Einwohner im Jahresverlauf 2020 leicht von 450 auf 451. Zwar war erwartet worden, dass während der Corona-Krise viele Menschen wegen der Sorge vor Ansteckungen in Bussen und Bahnen auf das eigene Auto ausweichen. Dem standen allerdings auch Schätzungen gegenüber, wonach die individuelle Mobilität in der Summe deutlich zurückgehen würde.

"Der oft behauptete Trend 'Weg vom Auto' ist nicht zu erkennen", interpretiert Dudenhöffer die Ergebnisse. Pkw-Besitzer schätzten nun umso mehr die Möglichkeit, den eigenen Wagen flexibel nutzen zu können - obwohl sie pro Jahr kürzere Gesamtstrecken fahren.

Autodichte in Städten wächst seit Jahren

2020 gab es indes auch drei Städte, in denen der Pkw-Bestand sank: Wolfsburg (-1,7 Prozent), Ingolstadt (-3,4) und München (-1,1), wo die Zentralen von Volkswagen, Audi und BMW sitzen. Die Vermutung für den hier gegenläufigen Trend: Zahlreiche Dienstwagen wurden kurzfristig aus dem Verkehr gezogen, weil viele leitende Angestellte der Autobauer aus dem Home-Office arbeiteten.

Im bundesweiten Schnitt legte die Autodichte bis zum Jahreswechsel laut Berechnungen von Center Automotive Research (CAR) leicht auf 580 Wagen je 1.000 Einwohner zu, Anfang 2020 hatte der Wert bei 575 gelegen. Auch in den Vorjahren gab es kontinuierliche Steigerungen - bei parallel abnehmender Gesamt-Fahrstrecke pro Autobesitzer. Dudenhöffer leitet daraus ab: "Das eigene Auto vor der Haustür scheint in Großstädten unschlagbar."

Senat will Verbrenner aus der Innenstadt verbannen

Der rot-rot-grüne Berliner Senat hat Anfang Juni einen Maßnahmenplan beschlossen, der auf weniger Autoverkehr in der Stadt abzielt. In weniger als zehn Jahren soll nach dem Willen von Umweltsenatorin Regine Günther (Grüne) die Innenstadt für Benzin- und Dieselfahrzeuge gesperrt werden. "Wir wollen mittelfristig eine Zero-Emission-Zone einrichten", sagte Günther nach der Senatssitzung Anfang des Monats. Vorgesehen ist das zunächst für den Bereich innerhalb des S-Bahnrings der Hauptstadt. Das heißt laut Günther, dass hier nur noch Kraftfahrzeuge elektrisch unterwegs sind oder zumindest mit alternativen Antrieben. Solche mit Benzin- und Dieselmotor sind dann tabu.

Im Februar dieses Jahres hatte zudem die Initiative "Volksentscheid Berlin autofrei" ihren Gesetzentwurf bei der Senatsverwaltung für Inneres eingereicht. Darin ist vorgesehen, dass innerhalb des Berliner S-Bahn-Rings nur noch notwendige Autofahrten gestattet sein sollen. Während die Initiative bei den Berliner Grünen begrüßt wurde, regte sich in der SPD bislang Kritik.

Sendung: Fritz, 20.06.2021, 8 Uhr

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102 Kommentare

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  1. 102.

    Die Alternative zu Verdichtung sind ausufernde Vorstädte und der totale Verkehrsinfarkt. Siehe beliebige Großstädte in den USA. L.A. zum Beispiel gilt als das Vorbild für die "Autogerechte Stadt". Da herrscht aber leider auch Dauerstau. Autos skalieren einfach nicht auf Großstadtniveau. Verdichtung und ein funktionierender Umweltverbund sind das einzige was der Stadtmobilität gerecht werden kann.

  2. 101.

    ich habe ein führerschein aber nutze meist die öffis leider muss ich sagen, denn nicht erst seit corona ist die s bahn und die BVG unfähig einen geregelten und punklichen betrib bereit zu stellen nur im preise erhöhen sind sie spitze.
    tja und dan kommt noch zu den preisen hinzu kommen die wegen verspätung und ausfall überfüllten fahrzeuge und die ständigen reparaturen die nur fasade sind so z.b die jählichen schienen rausreis aktionen auf der tram linien 50 und m13 .
    ich habe mich entschiden ein auto anzuschaffen auf nimmer wiedersehn öffis!

  3. 100.

    Auch eine "Wahlberlinerin" die ihren Ego hier auf Kosten Anderer auslebt, ohne alle im Fokus zu haben und ohne Willen zu Konsens. Hauptsache sie.

  4. 99.

    Da wäre ich mir nicht so sicher, wenn ich mir die Leute hier so betrachte.

  5. 98.

    Radfahren ist für mich vor allem stressig, weil Autofahrer oft nicht den Mindestabstand einhalten und weil ich zur "Hassfigur" werde, wenn ich gegenüber parkenden Autos (aus Selbstschutz) eben diesen Mindestabstand einhalte.

  6. 97.

    Ich fahre nur Auto, da ich keine Lust habe mich mit unangenehmen Menschen auf engem Raum zu drängeln. Ich meide jede Art der Massenveranstaltung, außer Theater, da dort keine Biertrinkenden Proleten unterwegs sind. Ich würde das Trinken von Alkohol in der Öffentlichkeit generell verbieten.

  7. 96.

    Ätsch ... doch.
    Wenn alles Autohasser wegziehen, müsste nicht verdichtet werden und es wäre mehr Platz.
    So - nu' du ;-)

  8. 95.

    solange in Berlin Busse immer noch im 20-min-Takt fahre, um an die U-Bahn zu gelangen und die Kriminalität in den Öffis so hoch ist, ist das für mich keine Option.
    Es gibt auch noch andere Menschen, die aus den verschiedenen gesundheitlichen Gründen nicht Fahrrad fahren können, die sind also völlig außen vor?
    Es ist doch jetzt nur purer Aktionismus, da die Ziele des Klimaabkommens nicht berücksichtigt wurden in den letzten Jahren und nun empfindliche Strafen drohen, soll der Bürger wieder mal dafür bluten.
    Ich hätte ohne Auto gar kein soziales Leben, Einkäufe schleppen geht auch nicht - ach ja, dann nimmt man halt den Lieferdienst; was für Milchmädchenrechnungen….

  9. 93.

    Hmmm wenn es denn dann wenigstens mit den Öffentlichen klappen würde. Arbeitsweg mit dem Auto = 25 Min. Arbeitsweg mit den öffentlichen Dank ständiger Weichenstörung oder Ausfällen = 90 Minuten + nicht mal Klimaanlage in Berlin. Nein Danke!

  10. 92.

    Was sagt uns das? Das weitere Verdichtung und die daraus resultierende fortschreitende Versiegelung von Flächen nicht machbar sind.
    Will keine Rechtfertigung für soviel KfZ-Verkehr bedeuten sondern vielmehr, dass das gerne propagierte "immer weiter so" in Sachen Wachstum nicht möglich ist, weil Platz endlich ist. Und vernünftige Verkehrskonzepte, die alle einbeziehen, die vermisse ich. Vernünftig bedeutet für mich: ja, weniger KfZ in Ballungsräumen bei einem Ausbau von einer funktionierenden Radwegeinfrastruktur und einem besser werdenden ÖPNV-Angebot.
    Dazu gehört aber auch, dass die Autofahrerbasher anfangen, ihre eigene Bequemlichkeit in Sachen Lieferdienste und "mir liefert Amazon etc, der Ökohof meinen Krempel mit einem klimatisierten Dieselaggregat, dass während der Zustellung läuft und stinkt, damit ich nicht mehr raus muss und mehr Zeit für mich habe" zu überdenken. In unserer Nachbarschaft gibts genug von denen, die so widersprüchlich handeln.

  11. 91.

    Äh, doch! Frau Jarasch unterstützt die Initiative aus dem letzten Absatz und will den MIV weitgehend verbieten.

  12. 90.

    Überfüllte ÖPNV sind ja die eine Sache. Die andere ist, der ÖPNV müsste erstmal reibungslos funktionieren. Schienenbrüche oder Stellwerksausfälle bei der S-Bahn, ständige Ausfälle bei den Bussen die andere. Oder noch schlimmer, wenn andauernd gestreikt wird, und jedesmal die ganze Stadt in Geiselhaft genommen wird. Setzt bei der BVG mehr Busse und bei der S-Bahn wieder Streckenläufer ein.

  13. 89.

    Eins sollte man nicht außer acht lassen: überfülle Busse und Bahnen, die Maskenpflicht, lassen Menschen dazu neigen, sich im eigenen Raum davon zu bewegen.
    Es gibt sie aber auch dort, die Alleinfahrenden mit Maske.
    Soweit ist der Irrsinn schon gediehen.
    Ob es zu einem Fahrverbot in der Stadt kommt, haben die Wähler in der Hand.

  14. 88.

    Ist das so schwer zu verstehen? Wer will denn in den Öffentlichen mitten in einer Pandemie fahren? Ich nicht. Und auf dem Rad ist es auch stressig, weil andere Radfahrer ungefähr 50cm an einem vorbeifahren... Und zwar ohne Maske. Insofern bleibt nur das Auto.

  15. 87.

    Ich dachte, alle fahren mit dem Fahrrad, wegen der viel neuen Fahrradwege... Ist irgendwie schief!

  16. 86.

    Stau ist aber nicht sinn der sache, auch nicht Tempo 30. Ein Katalysator im Auto arbeitet erst richtig ab 50 km, davor erreicht er keine Betriebstemperatur und die Selbstreinigung entfällt, der Kat setztesich zu. Grüne Welle zu fördern waere also foerderlich für die Umwelt
    nicht nur für Automobile sonern auch für Lkws und Busse. So wie das in der letzten Zeit gehandhabt wird ist es zwar schön für den Fahrradfahrenden und sein Ego
    aber für die Umwelt fraglich.

  17. 85.

    Kann sie völlig verstehen. Es ist ja nicht so, dass alle Busse der BVG den Busbahnhof in Erkner o.ä. anfahren. Diese Gegend um Schöneiche ist eher Sonderversorgung. Man könnte aber kleinere Busse verwenden. So richtig voll ? Kann ich mich nicht erinnern. Was sagt der Betreiber ?

  18. 84.

    So teure Autos brauchts nicht. Mein Kfz ist alt, hat seine Ökobilanz längst erfüllt, alle 2 Jahre makellosen TÜV mit dem Maß an invest zum erhalt, der nichtmal ansatzweise die angenommene 30t erreicht und dazu bei 6ltr verbraucht - innerstädtisch; außerhalb noch weniger. Da kommen die neuen, mit Elektronik vollgestopften Kisten nicht hin und diese Plug-In Hybride sind die Lüge schlechthin. Die ganzen neuen und adipösen Familienkutschen sollten steuerlich mind. 5t pro Jahr und in großen und Städten kosten. Außerdem halte ich es damit: viel zu viel Auto für viel zu wenig Mensch. Aber davon abgesehen fahre ich in derr Stadt Fahrrad oder Motorrad. Spart Zeit und Geld, alles seht in einer Garage, klaut den frustrierten Autohasser*innen nicht mal urbanen Platz :-)

  19. 83.

    Sie bekommen ja kein Fahrverbot, der Platz der Verkehrsflächen wird nur fairer verteilt. Sie stehen dann halt mehr im Stau.

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