Protest gegen Ausbau - Klimaaktivisten blockieren Baustelle der A100 in Neukölln

Blockade der Autobahn A100 an der Sonnenallee
Video: rbb|24 | 05.06.2021 | Material: ARD-aktuell | Bild: dpa

Der Ausbau der A100 ist seit Jahren umstritten. Die Verlängerung der Stadtautobahn ist jedoch längst im Bau. Klima- und Umweltschützer besetzten nun eine Baustelle am Berliner Statdtring. Die Polizei griff ein und ging dabei auch gegen Journalisten vor.

Mehrere Hundert Menschen haben laut Polizei und einer Sprecherin der Umweltorganisation Robin Wood gegen den Weiterbau der Autobahn 100 in Berlin-Neukölln und Treptow protestiert. Am Samstagmorgen stürmten zunächst 60 bis 80 Menschen gegen 5:00 Uhr das Baugelände in der Nähe der Grenzallee, wie ein Polizeisprecher mitteilte. "Sie haben versucht, in einen Fahrbahntunnel einzudringen. Das konnte verhindert werden".

Die Berliner Polizei löste die Blockade um 9:00 Uhr auf, wie ein Sprecher rbb|24 sagte. Die Protestler seien vorläufig festgenommen worden. Gegen alle werde nun wegen Hausfriedensbruchs ermittelt.

Weitere Aktion in der Kiefholzstraße

Bei der Protestaktion trugen Demonstrierende weiße Schutzanzüge. Bis zum Mittag versammelten sich weitere rund 200 Menschen am anderen Ende der Baustelle beim Treptower Park an der Kiefholzstraße, so der Sprecher. Sie hätten sich geweigert, das Gelände zu verlassen. "Wir mussten daher unmittelbaren Zwang einsetzen, um die Identitäten festzustellen". Demnach wurden einige Aktivisten von den Beamten weggetragen.

"Unser Fazit: Die Aktion war ein voller Erfolg, trotz der Polizeimaßnahmen", sagte eine Sprecherin der beteiligten Umweltorganisation Robin Wood am Mittag. Ein Kletterteam hatte ein Banner an einer Seitenwand der Autobahn aufgehängt, mit dem Slogan "Wer Straßen sät, wird Verkehr ernten".

DJU wirft Polizei Behinderung von Polizisten vor

Unter den Protestierenden befanden sich der Polizei zufolge auch 13 Personen, die sich als Journalistinnen und Journalisten ausgewiesen haben, aber laut Polizei an der Aktion teilnahmen.

Die Deutsche Journalistinnen- und Journalisten-Union (DJU) warf der Berliner Polizei in einer Pressemitteilung eine "massive" Behinderung von Pressevertretern auf der Baustelle vor. Zwölf Journalisten wurden demnach teilweise eingekesselt, in Gewahrsam genommen und erhielten Anzeigen wegen Hausfriedensbruchs und Platzverweise. Es sei nicht akzeptabel, dass Journalisten, die mit Kameras und Presseausweisen erkennbar gewesen waren, "mit solchen Mitteln an der Ausübung ihres Berufs gehindert wurden", sagte die DJU-Landesvorsitzende Renate Gensch.

Ein Polizeisprecher bestätigte am Nachmittag die Ermittlungen gegen rund ein Dutzend Journalisten. Sie seien Teil der Menschengruppe auf der Baustelle gewesen und hätten für die Berichterstattung nicht abseits gestanden.

Moratorium für Ausbau von Autobahnen gefordert

Auf Twitter kursierten Bilder der Protestaktion, auf denen Demonstrierende in weißen Schutzanzügen und Polizeibeamte zu sehen sind. Die Protestaktion soll Teil eines bundesweiten Aktionswochenendes sein. Unter dem Motto "Mobilitätswende Jetzt" sollen an diesem Wochenende weitere Protestaktionen in ganz Deutschland stattfinden. Die Aktivisten fordern ein bundesweites Moratorium für den Ausbau von Autobahnen und mehr Geld für Bus, Bahn und Fahrradwege.

Die Sitzblockade sei auch gegen die Zerstörung von Wohnraum und Naturflächen zugunsten des Ausbaus der Stadtautobahn gerichtet gewesen, hieß es. Mit der Verlängerung der A100 von Neukölln bis nach Lichtenberg würde eine "Schneise der Verwüstung mitten durch Berlin" geschlagen, kritisierte die Initiative "Sand im Getriebe".

Der 16. Abschnitt der A100 in Berlin sei mit 200.000 Euro Kosten pro Meter Asphalt das teuerste Autobahnprojekt der Bundesrepublik, betonte Robin Wood.

Sendung: Inforadio, 05.06.2021, 09:00 Uhr

89 Kommentare

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  1. 89.

    Endlich mal Nägel mit Köpfen bei der Berliner Polizei. Vielen Dank für den couragierten Einsatz!

  2. 88.

    Mir als hauptsächlich Radfahrenden tun die Lieferfahrer leid. Immer gehetzt und zu einem miesen Stundenlohn. Da muß eine Regelung der Bundesregierung her, zu beidem.

  3. 87.

    Wenn man mit etwas Abstand über das Projekt mal nachdenkt, sieht man, dass alle größeren Millionenstädte solche Ring(auto)bahnen um das Zentrum haben und es damit schaffen sehr viel Durchgangsverkehr darüber zu kanalisieren, der sich wie im A100 Fall sonst über Elsenbrücke, Treptow, Friedrichshain ergießt. Die A100 ist gut für eine effiziente Warenversorgung und eine enorme Erleichterung für allen Lieferverkehr von Ost nach West und umgekehrt.
    Sicherlich ist sie mega-teuer aber für eine grüne Verkehrswende ala e-Mobilität auch unverzichtbar. Schließlich wollen auch alle zusätzlichen e-Autos und in Zukunft e-LKWs diese Routen nehmen und brauchen auch eine bessere Verbindung über die Spree. Es ist und bleibt einfach Realität vieler Menschen, ein Auto oder den KFZ-Verkehr nutzen zu müssen.

    Und eins hab ich mit meinen 30 Jahren in Berlin erlebt, viele der politischen Ideen der Grünen sind sehr wachstums-/entwicklungshemmend gewesen, wie die Anti-Tiergartentunnelpolitik zeigte.

  4. 86.

    Wenn Kuriere in Transportern o.a. Lieferfahrzeugen die Stadt verstopfen und halten, wo es ihnen passt ist es doch nicht die Aufgabe der Bewohner oder Befahrer der Strasse eine Lösung zu finden, die muss sich schon ihr Chef/das unternehmen einfallen lassen. Also, ich brauch nichts von Hellofresh etc,...

  5. 85.

    "2. Zunahme von Lieferverkehr, dessen Fahrer zu faul sind, ordentlich zu parken."
    Da ich in dieser Branche arbeite, gebe ich Ihnen eine Rechenaufgabe. Ein Fahrer hat 8 Stunden Arbeitszeit und 150 Empfänger. Die Fahrzeit zwischen den Kunden, parken, darauf hoffen, den Kunde auch anzutreffen und dann noch Treppen laufen sind in dieser Zeit eingerechnet. Dazu kommt noch die Zeit, die Pakete zu sortieren und ein-/auszuladen - aber keine Pause! (Wer zu "faul" ist zu rechnen: das sind keine 2 Minuten pro Kunde). Hauptsache das Paket von Amazon HelloFresh etc. sind per Express rechtzeitig da.

  6. 84.

    „ Wer andere behindert und ärgert, muß auch so behandelt werden.“
    Seh ich auch so, deshalb gibt es ja solche Blockaden! Und die Kosten für diesen Auto-Spaß sollten auch nur die Autofahrer aufbringen müssen und nicht die Allgemeinheit - da haben sie ganz Recht.

  7. 83.

    1. Unsinnig kurze Ampelphasen, die künstliche Staus erzeugen.
    2. Zunahme von Lieferverkehr, dessen Fahrer zu faul sind, ordentlich zu parken.
    3. Radwege, die sowieso nicht benutzt werden, da für Radfahrer keine Regeln gelten.
    4. Tempo 30 Zonen, die den Verkehrsfluss hindern und zudem, wie auch Punkt 1, dafür sorgen, dass der CO2 Ausstoß über Gebühr zunimmt.

    1. Es sind einfach zuviele KfZ, mit EINER Person im Fahrzeug.
    2. Zunahme von Lieferverkehr, weil große Onlinebestellhäuser irrsinnige Steuervorteile besitzen.
    3. Nicht alle Radwege sind benutzungspflichtig, siehe dazu die Novelle von 1998!
    4. Tempo 30 Zonen begünstigen den Verkehrsfluß, weil starkes Beschleunigen und Bremsen verhindert wird.

  8. 82.

    Na, dann kann die Fahrt ja von nun an ruhig etwas länger dauern wenn sie so ungestört sind

  9. 81.

    Ich habe mir extra ein Auto gekauft, damit ich nicht mehr mit den ÖPNV fahren muss - dreckig, viel zu voll, ständige Belästigung von singenden bettelnden Mitfahrern. Da war ich in meiner Firma nicht die einzige.

  10. 80.

    Zu 5.
    StVO:Alle Verkehrsteilnehmer sind gleichberechtigt. Soviel mal zum Rechststaat.

    Im Übrigen bin ich für eine saftige Maut für alle Auswärtigen. So wie in der Weltstadt London. Dort gehts ja auch.

  11. 79.

    Zu 1.
    Stimmt, die Ampelphasen für Fußgänger, vor allem über vierspurige Straßen sind viel zu kurz. Nicht nur für ältere Menschen.
    Zu 2.
    Wenn die Lieferfahrer StVO-gemäß parken würden, könnten sie pro Tag ca. 6 Pakete ausliefern. Für Amazon in Berlin wäre das wohl schon das Todeurteil. Es dürfte auch Ihnen aufgefallen sein, dass es (fast) keinen Platz mehr gibt.
    Zu3.
    Stimmt auch. Die Berliner Radwege sind fast alle lt. StVO nicht benutzungspflichtig. U.a. weil (damals unter falschen Voraussetzungen) falsch gebaut, in lausigem Zustand oder gern auch zugeparkt. Von wem wohl?
    Zu 4.
    Und Tempo 50 behindert den Verkehr nicht?

    Aber es gibt auch in Berlin, das, was man die Realität nennt. Und wir werden sie gemeinsam erleiden. Sie im klimatisierten Stau. Ich zu 90% auf dem Fahrrad und schon heute oft schneller auf den Nebenstraßen.

  12. 78.

    Da hab' ich doch tatsächlich noch einen Punkt vergessen!
    5. Künstliche Verknappung von Parkraum, z.B durch unsinnige und verkehrspolitisch nach hinten gehende Maßnahmen wie Umwidmung zu Radwegen und ähnlichem Schwachsinn.

  13. 77.

    "Diese Bürger haben auch eine Lobby." Haben sie. Im Bundestag mit einer gut geölten Lobbyistenmaschinerie.

    "wer gut schmiert, der gut fährt".

  14. 76.

    Der Ausbau der Autobahn wird auch damit begründet, dass der zusammen mit begleitenden Maßnahmen die innerstädtischen Strassen vom Durchgangsverkehr entlasten soll. Dummerweise ist zwar der Bund für die Autobahn zuständig, die begleitenden Maßnahmen liegen aber im Verantwortungsbereich des Landes und der Bezirke. Die hätten z.B. Kapazotätseinschränkungen bei den innerstädtischen Durchfahrtsstrassen planen sollen, verplempern aber Kapazitäten mit kleinen Nebenstraßen, weil da ein scheinbarer Erfolg schneller sichtbar ist.

  15. 75.

    Wer heute mit dem Auto in Berlin unterwegs ist und den Straßenverkehr mit dem vor 30 Jahren vergleicht, wird feststellen, dass der angebliche Verkehrskollaps hausgemacht ist.
    Das, was den vermeintlichen Kollaps ausmacht, sind folgende vier Dinge:
    1. Unsinnig kurze Ampelphasen, die künstliche Staus erzeugen.
    2. Zunahme von Lieferverkehr, dessen Fahrer zu faul sind, ordentlich zu parken.
    3. Radwege, die sowieso nicht benutzt werden, da für Radfahrer keine Regeln gelten.
    4. Tempo 30 Zonen, die den Verkehrsfluss hindern und zudem, wie auch Punkt 1, dafür sorgen, dass der CO2 Ausstoß über Gebühr zunimmt.

  16. 73.

    Nimmt man objektiv die Fakten und die jahrzehntelange Erfahrung mit solchen Autoprojekten, dann muss die A1oo sogar zurückgebaut oder irgendwie für den ÖPNV bzw. als Radweg umgebaut werden.

    Freie Fahrt für freie Bürger ist ein für allemal vorbei. Gabs eigentlich sowieso nur bis in die frühen 50er.

  17. 72.

    Autsch, Vergleiche sind nicht so Ihre Sache, was?
    Sie können ja gern gegen den Bau neuer Autobahnen sein, kein Problem. Aber eine schlimmere Zerstörung als durch die Bomben im 2. WK?

    Dass Berlin keine schöne Stadt ist, ist ja auch nicht neu. War sie aber auch noch nie.

  18. 71.

    Ihre Antwort ist doch wohl extrem daneben! Wenn Sie etwas gegen Autos haben ist das eine, aber die Verkehrspolitik mit der Bombardierung des zweiten Weltkrieges zu vergleichen voll daneben. Sie sollten sich schämen!

  19. 70.

    Zitat: "Jeder soll doch das Verkehrsmittel nutzen, was ihm gefällt". Tja, mit dem Bau der A100 hat man beispielsweise die Verlängerung der U4 am Innsbrucker Platz unmöglich gemacht. Der Autobahn-Trog ist damals genau in der Tiefe der U-Bahn gebaut worden. Eine angedachte Verlängerung der U-Bahn nach Süden ist somit wegen der Autobahn nicht mehr möglich. Da müsste die ganze U-Bahn-Strecke abgerissen und erheblich tiefergelegt werden - obwohl diese zuerst da war. Somit hat die Autobahn dort die Entwicklung des ÖPNV dauerhaft geschädigt. "Man kann doch nicht immer anderen seine Lebensweise aufzwingen.", sagen Sie selber.

    Südlich der Autobahn gab es sogar mal einen Betriebshof der U-Bahn, an der Otzenstraße. Dieser musste wegen des Autobahnbaus geschlossen und abgeklemmt werden. Die A100 zerschnitt die Gleise.

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