Zahlen gestiegen - Flüchtlinge in Berlin finden trotz Corona privaten Wohnraum

Wohncontainer für Geflüchtete in Berlin (Quelle: dpa/Maurice Tricatelle)
Bild: dpa/Maurice Tricatelle

Die Wohnungsvermittlung an Flüchtlinge klappt in Berlin trotz zahlreicher Corona-Einschränkungen: 2020 wurden mehr Menschen untergebracht als im Jahr davor. Containerdörfer und Gemeinschaftsunterkünft werden dennoch weiter benötigt.

Trotz zahlreicher Einschränkungen durch die Corona-Pandemie konnten 2020 in Berlin mehr Flüchtlinge in Wohnungen untergebracht werden als im Jahr zuvor. Das teilte das Landesamt für Flüchtlingsangelegenheiten (LAF) auf Nachfrage von rbb|24 mit.

So wurde im vergangenen Jahr für insgesamt 2.097 Geflüchtete privater Wohnraum vermittelt. Im Jahr davor waren es 1.984. In der ersten vier Monaten dieses Jahres waren es bislang 539 Menschen, die vom LAF Wohnraum vermittelt bekommen haben.

20 "MUFs" in Betrieb

Derzeit leben rund 18.000 Menschen in einer der 80 landeseigenen Flüchtlingsunterkünfte. Laut LAF sind rund die Hälfte der Personen als Flüchtlinge anerkannt. Darüber hinaus werden Geflüchtete weiterhin in Gemeinschaftsunterkünften oder Hostels untergebracht.

Aktuell sind laut LAF 20 Modulare Unterkünfte (MUF) für Geflüchtete in Betrieb, "die in der Regel über eine Laufzeit von maximal zehn Jahren ab Inbetriebnahme verfügen", so das LAF. Die Lebensdauer der Bauten wird mit bis zu 80 Jahren angegeben. Insgesamt sollen in Berlin 52 MUFs entstehen, die Kosten belaufen sich auf mindestens 750 Millionen Euro. Gegen den Bau der Gebäude aus Fertigteilen regte sich zuletzt immer wieder Widerstand, Bürgerinitiativen und Bezirkspolitiker kritisierten, dass Baufläche für soziale Infrastruktur wie Schulen verlorengehen würde. Zudem wurde dem Senat vorgeworfen, bei den schnell errichteten Bauten wiederholt gegen Baurecht verstoßen zu haben.

Zahl der Flüchtlinge sinkt

Neben den MUFs werden zudem neun sogenannte Tempohomes genutzt, die Betriebsdauer ist auf drei Jahre angesetzt. Die Container gelten als wenig bequem und nicht sehr energieeffizient, bieten aber im Gegensatz zu Gemeinschaftunterkünften mehr Privatsphäre. Aufgelöste Tempohomes werden eingelagert, mehrere Dutzend Module wurden bereits zur Weiternutzung an die Berliner Feuerwehr und Vereine verteilt. Zudem ist geplant, sie als Erweiterung für Kitas und Schulen einzusetzen.

Die Zahl der Geflüchteten ist zuletzt wieder gestiegen. Zwischen Januar und Mai kamen laut offiziellen Angaben 2.256 Asylsuchende nach Berlin, 24 Prozent mehr als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Die meisten von ihnen kamen aus den Kriegsgebieten in Syrien und Afghanistan. Insgesamt aber sind die Zahlen seit Jahren rückläufig: Kamen 2015 noch rund 55.000 Flüchtlinge nach Berlin, waren es 2020 nur noch knapp 4.600.

Die Kommentarfunktion wurde am 10.06.2021 um 08:10 Uhr geschlossen.

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7 Kommentare

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  1. 7.

    Wenn es doch nur die Neubauten wären, von denen es viel zu wenige gibt. Stattdessen sind ausbeuterische Miet- und Untermietverhältnisse, wie sie der RBB an anderer Stelle beschrieben hat, eher die Regel als die Ausnahme, ganz zu schweigen von der Geldwäsche mit Immobilien, gegen die niemand etwas tun will.

  2. 6.

    Ja, Sie irren sich. Für diese Interpretation muss man schon ganz starke Vorurteile haben. Aber dann biegt man sich jede Formulierung, wie man sie selbst verstehen möchte.
    Ich lese hier einen sachlichen Artikel mit ein paar Fakten.

  3. 5.

    So habe ich den Artikel nicht verstanden. Zu den Sozialfragen der Stadt gehört auch, dass Flüchtlinge nicht vielleicht sogar ganze Generation/en in Slum-Lagern. Und wenn ein Unterton in dem Artikel, dann eher: "Iimmerhin zumindest ein paar mit Wohnraum.". Denn 1A ist es argumentativ nicht was da der Senat trotz Bemühungen geliefert hat. Zum einen wurden nur 30.000 neue landeseigenen Wohnungen für die Legislaturperiode versprochen, und dies wurde nicht aufgestockt als klar war, dass Bedarf wegen Krieg woanders noch höher - und zum anderen wurde aber nicht wenig Geld dafür ausgegeben bestehende Wohnungen zu kaufen, inkl. nun auch angeblich asbest-belasteter Wohnungen von Vonovia, für Preis von welchem viel gebaut werden könnte.

    https://www.rbb24.de/wirtschaft/beitrag/2021/05/wohnungsbau-berlin-brandenburg-statistik.html
    https://www.tagesspiegel.de/berlin/14-2-milliarden-euro-verbindlichkeiten-verschuldung-der-berliner-wohnungsbaugesellschaften-steigt-rasant/27227908.html

  4. 3.

    Nein, diesen vermuteten Subkontext gibt es nicht - es gibt da gar keinen Subkontext. Schon traurig, wenn man bereits in rein statistische Angaben des Land Berlins derartige Tendenzen verspürt.

  5. 2.

    Schöne erstaunlich.
    Warum aber geht dafür bei den Bürgerämtern überhaupt nichts?

  6. 1.

    Irre ich mich, oder ist der Subtext dieses Artikels "die kriegen alles und wir kriegen nichts"? Würd ich traurig finden für unabhängige Medien...

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