Protest der LGBTIQ*-Szene - Tausende schließen sich CSD-Sterndemo in Berlin an

Sa 26.06.21 | 18:07 Uhr
  58
Teilnehmer der "CSD Berlin Pride" gehen als Sterndemo durch Berlin in Richtung Alexanderplatz. (Quelle: dpa/Christophe Gateau)
Video: rbb|24 | 26.06.2021 | Material: ARD aktuell | Bild: dpa/Christophe Gateau

Auftakt des Pride-Sommers in Berlin: Bei einer CSD-Sterndemo sind am Samstag Tausende Menschen auf drei Zügen zum Alexanderplatz gezogen. Die Veranstalter wollten bewusst eine Alternative zur großen CSD-Parade Ende Juli bieten.

Anlässlich des Christopher Street Days haben am Samstag in Berlin Tausende Menschen für die Gleichberechtigung von Schwulen, Lesben, Bisexuellen, trans* Personen, inter* Personen und anderen queeren Menschen.

Bei der Sterndemo ging es von drei Startpunkten Richtung Alexanderplatz: vom Oranienplatz in Kreuzberg, vom Hermannplatz in Neukölln und von der Gethsemanekirche in Prenzlauer Berg.

Viele Teilnehmende hatten Regenbogenfahnen dabei, einige waren verkleidet. Die meisten trugen wegen der Corona-Pandemie einen Mund-Nasen-Schutz. Das Motto der Veranstaltungen mit 9.500 angemeldeten Teilnehmenden lautete "CSD Berlin Pride". Die Polizei sprach von einer Teilnehmenden-Zahl im mittleren vierstelligen Bereich.

"In Unterschiedlichkeit gemeinsam zeigen"

Jeder Zug hatte einen eigenen inhaltlichen Schwerpunkt, wie die Veranstalter mitteilten. Es ging um feministische Themen, Rassismus, Trans- und Intersexualität sowie um die Lesben- und Schwulenbewegung in der DDR. "Die Stern-Pride-Demo soll allen die Möglichkeit bieten, sich in ihrer Unterschiedlichkeit gemeinsam zu zeigen." Es sollte auch keine gemeinsame Abschlusskundgebung geben.

Bei dem Demonstrationszug, der am Hermannplatz in Neukölln startete, war laute Musik aus einem Lautsprecherwagen zu hören. Auf Transparenten stand "Queerschutz now" und "Kein Sex mit Nazis". Einige Männer und Frauen liefen in Polizeiuniformen mit, andere hatten bunte Haare oder nackte Oberkörper, tanzten im Sonnenschein und tranken Sekt. Manche kritisierten die Diskriminierung von Homosexuellen in Ungarn oder wandten sich gegen den Kapitalismus. Neben den traditionellen Regenbogenfahnen waren auch rosa Fahnen mit einem weißen Einhorn zu sehen.

Heiligenschein in Regenbogenfarben

Zum Auftakt des "East Pride"-Zuges durch den Nordosten Berlins wurde in der evangelischen
Gethsemanekirche im Stadtteil Prenzlauer Berg ein Gottesdienst gefeiert. Dort hatten in der DDR Teile der Homosexuellen-Szene Raum gefunden. Am Samstag stand dort im Gottesdienst das Bild einer Madonna mit einem Heiligenschein in Regenbogenfarben in der Nähe des Altars, danach wurde sie zum "Pride"-Sternmarsch getragen.

Der Bischof der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz, Christian Stäblein, rief dazu auf, Homosexualität innerhalb und außerhalb der Kirche zu respektieren. Im christlichen Bekenntnis müsse an die Stelle des Satzes "Homosexualität ist Sünde" der Satz "Homophobie ist Sünde" treten, sagte Stäblein in seiner Predigt. Der Bischof rief zugleich dazu auf, diskriminierten "gleichgeschlechtlich und verschieden Liebenden" beizustehen, "ob in Ungarn oder in Russland oder wo auch immer".

Die queere Community demonstriert gegen Homophobie in Berlin. (Quelle: Snapshot Photography/T.Seeliger)

Große CSD-Polit-Demo am 24. Juli

Die Aktion wurde von den Veranstaltern als bewusste Alternative zum klassischen Berliner CSD mit der großen Party-Parade angekündigt. "Wir verabschieden uns vom Gedanken, dass eine Institution das Monopol auf Ausrichtung einer CSD-Pride-Demonstration hat", hieß es.

Vergangenes Jahr fielen große Paraden wegen der Corona-Pandemie aus. Der CSD hatte in Jahren davor als bunte Parade Hunderttausende auf die Straßen gelockt. In diesem Jahr soll er am 24. Juli als Polit-Demo durchgeführt werden. Unter dem Motto "Save our community - save our pride" ziehen die Teilnehmer voraussichtlich vom Kino International in der Karl-Marx-Allee zum Nollendorfplatz - weitgehend ohne die in früheren Jahren üblichen Parade-Trucks.

Alljährlich finden zahlreiche Veranstaltungen rund um den Christopher Street Day statt, der daran erinnert, wie sich Homo- und Transsexuelle vor mehr als 50 Jahren erstmals gegen Polizeiwillkür wehrten: Ende Juni 1969 stürmten Polizisten in New York die Bar "Stonewall Inn" in der Christopher Street und lösten einen Aufstand aus.

In New York wird traditionell am letzten Samstag im Juni, dem Christopher Street Liberation Day, mit einem Straßenumzug daran erinnert. Daraus ist eine internationale Tradition geworden - einmal pro Sommer wird für LGBTIQ*-Rechte demonstriert.

Sendung: Abendschau, 26.06.2021, 19:30 Uhr

Die Kommentarfunktion wurde am 27.06.2021 um 08:17 Uhr geschlossen

Die Kommentare dienen zum Austausch der Nutzerinnen und Nutzer und der Redaktion über die berichteten Themen. Wir schließen die Kommentarfunktion unter anderem, wenn die Zahl der Kommentare so groß ist, dass sie nicht mehr zeitnah moderiert werden können. Weiter schließen wir die Kommentarfunktion, wenn die Kommentare sich nicht mehr auf das Thema beziehen oder eine Vielzahl der Kommentare die Regeln unserer Kommentarrichtlinien verletzt.

58 Kommentare

Wir schließen die Kommentarfunktion, wenn die Zahl der Kommentare so groß ist, dass sie nicht mehr zeitnah moderiert werden können. Weiter schließen wir die Kommentarfunktion, wenn die Kommentare sich nicht mehr auf das Thema beziehen oder eine Vielzahl der Kommentare die Regeln unserer Kommentarrichtlinien verletzt. Bei älteren Beiträgen wird die Kommentarfunktion automatisch geschlossen.

  1. 57.

    So langsam fehlt mir jegliches Verständnis für Solche Kuscheldemos egal für welches Motto, diesmal also der CSD, davor der Fußball und Dienstag wieder Fußball...wenn am Ende wieder die Kinder sind, die Einbußen haben werden.
    Ständig wird bei niedriger Inzidenz vor Delta gewarnt, immer NOCH sind FFP2 Masken Pflicht, aber so eine Ansammlung wird ständig erlaubt?
    Ich bin sauer für die Kinder die ihre Rechte schon lange verloren haben.

  2. 56.

    Wenn ich eins hier noch anfügen darf. Mein Dank geht an die rbb24 Redaktion für ihre Richtigstellung an Elisabeth. Und ein besonderer Dank geht an @ Motte u. all die Anderen hier, die sich für Gleichheit, Toleranz und Vielfalt einsetzen. Danke.

  3. 55.

    Christina:
    "Antwort auf [Irkelenz] vom 26.06.2021 um 19:15
    Doch, ich empfinde dieses künstliche zur Schau stellen als Ausdruck eines Minderwertigkeitskomplexes."

    Dann haben Sie NICHTS verstanden!

    Christina:
    "Jeder kann doch sein Leben so leben, wie er möchte"

    Das sehen leider nicht alle so!

    Christina:
    "dazu muss ich mich nicht wie ein Clown verkleiden, durch die Straßen ziehen und künstliche Komplexe heraufbeschwören."

    Die Straftaten gegen Homosexuelle sind leider keine "künstlichen Komplexe"!

    Christina:
    "Übrigens, schon zu DDR-Zeiten habe ich mit einer lesbischen Kollegin zusammen gearbeitet, viele wußten es und es hat sie keiner blöd angemacht."

    Und? Was wollen Sie damit sagen?

  4. 54.

    Elisabeth:
    "ich selber, wohnend in Schöneberg,habe mehr als einmal den Satz gehört“ was habt ihr hetrosexuellen hier eigentlich verloren“. So etwas ist diskriminierend von anderer Seite."

    Tja, so ist das, wenn man Ironie bzw. einen Spaß nicht vertsteht. Wenn Homos so etwas sagen, dann ist es ein Scherz und nicht ernst gemeint, wenn dagegen Heteros so etwas zu Homos sagen, dann ist es in der Regel ernst gemeint und wird es meist gefährlich für die Homos."

    Elisabeth:
    "Und! Ja ich habe schwule Freunde!"

    Ja, deann reden Sie doch endlich mal mit ihnen über deren diskriminierende Erfahrungen statt hier auf völlig naiv zu tun!

  5. 53.

    Sebastian T.:
    "Ich weiß zwar nicht, warum immer alles "sichtbar" sein muss, aber wenn die das brauchen, von mir aus."

    Es muss nicht "immer alles "sichtbar" sein", aber es muss immer alles sichtbar sein dürfen! Wer heterosexuell ist, muss immer seine Heterosexualität zeigen dürfen, und wer homosexuell ist, muss immer seine Homosexualität zeigen dürfen. Ersteres klappt schon ganz gut, zweiteres leider noch nicht immer, sollte es aber auch.

    Sebastian T.:
    "Allerdings frage ich mich, was männliche Langzeitsingles machen können, die sich für Frauen interessieren, aber nach Jahren und Jahrzehnten der Suche feststellen müssen, dass die Frauen sich nicht für sie interessieren."

    ... an ihrem Charme, an ihren Erwartungen, an ihren Kennenlernstrategien arbeiten.
    Übrigens, das Problem haben nicht nur Heteros.
    Das Ganze hat aber nicht mit dem Thema hier zu tun!

  6. 52.

    Elisabeth:
    "Antwort auf [Lothar/Charlottenburg ] vom 26.06.2021 um 19:17
    Sorry, gleiches Recht für a...auch hetero Menschen werden überfallen und ausgeraubt."

    ... aber NICHT wegen ihrer sexuellen OrientierunG! Sie haben das Problem ÜBERHAUPT NICHT verstanden!

    Elisabeth:
    "Hier in Deutschland leben die Homosexuellen so frei wie in keinem anderen Land."

    Ach, und deswegen sind die immernoch bestehenden Vorbehalte gegen Homosexuelle völlig o.k. und nicht kritikwürdig? Und deshalb soll sich nichts verbessern?

  7. 51.

    Kevin:
    "Also ich als Hetero (mit Frau und Kind), habe mich noch nie in die Öffentlichkeit gestell und rausposaunt: Ich bin Hetero, und das ist auch gut so!"

    Tja, Sie wurden ja wohl auch noch nie abfällig bezüglich Ihrer sexuellen Orientierung angesprochen oder angefeindet, geschweige denn diskriminiert! Sie haben das gesellschaftliche Problem überhaupt nicht verstanden!

  8. 50.

    Da stimme ich Ihnen voll und ganz zu.
    Auch ich habe Schwule und Lesben in meinem Freundeskreis, die dieses ganze Theater mit dem Umzug oder Demo völlig Quatsch finden.
    Das ist eine zur Schaustellung ohne Inhalt und Botschaft.

  9. 49.
    Antwort auf [Bert Brech] vom 26.06.2021 um 22:09

    Widerstand, gegen wen?

  10. 48.

    Sie "als Hetero (mit Frau und Kind)" entsprechen ja auch der Mehrheit und dem, was in dieser Gesellschaft noch immer als "Norm" angesehen wird - und Abweichungen von der Mehrheitsgesellschaft und dieser "Norm" werden auch heute noch in vielen Fällen mit dem Leben bezahlt, selbst hierzulande. Niemand sucht es sich aus, daß er schwul oder sie lesbisch oder trans ist, man ist es von Geburt. Das auch in der Öffentlichkeit sein zu dürfen ist nicht Alltag. Händchenhaltende Männer ernten auch heute noch schiefe Blicke, blöde Sprüche und werden nicht selten angegriffen. Sie hingegen zeigen jeden Tag mit Ihrer Frau öffentlich: Hey, ich bin hetero, und das ist auch gut so! Sie halten Händchen, küssen sich öffentlich, liegen zusammen am Strand oder im Park, albern herum ... Sie lassen jeden Tag alle Welt daran teilhaben, daß Sie hetero sind. Für Sie ist jeder Tag. Denken Sie mal drüber nach!

  11. 47.

    "... als hätte sich jemand in der DDR geoutet, ohne denunziert worden zu sein. Selten so einen Unfug gelesen, damit beleidigst du alle in der DDR verfolgten Liebenden, die in ihrem Leben derart eingeschränkt und verfolgt und geächtet wurden." - Die DDR hatte eine fortschrittlichere Gesetzgebung als die Alt-BRD, das kriegt man übrigens schon mit einem kleinen Blick in eine bekannte Online-Enzyklopädie heraus. In der BRD wurde man bis 1994 (!) noch nach § 175 verurteilt, erst dann wurde dieser unsägliche, menschenverachtende Paragraph komplett gestrichen. Die DDR gab es da bereits seit vier Jahren nicht mehr, und dort wurde der entsprechende Paragraph bereits 1987 komplett gestrichen. Homosexuelle Handlungen zwischen Erwachsenen waren seit Ende der 1950er in der DDR Straffrei. In der BRD dauerte das bis 1973. Wie der tatsächliche Umgang mit Schwulen und Lesben im Alltag war (und heute noch ist), steht auf einem anderen Blatt, aber da nehmen sich Ost und West sicherlich nichts.

  12. 46.

    "500.000 Menschen" in Berlin? Man rechnet so mit 3 % Quote..Und diese Quote wird sich aus entwicklungsbiologischen Gründen auch nicht sonderlich ändern. Das Erscheinungsbild in Westberlin ist etwas künstlich.
    Viele Menschen außerhalb dieses Biotops haben sich noch die natürliche Sichtweise bewahrt.

  13. 45.

    Glaub ich dir nicht, guck dir einfach den Film „Uferfrauen“ an, ein Film über die tatsächliche Situation der Lesben in der DDR. Echte Geschichten von tatsächlich Betroffenen. Alles andere ist latente Homophobie und Relativierung. Die Staatsführung hat Betroffene psychisch zermürbt und wer das verharmlost, der war auch damals homophob.

  14. 44.

    Nein, ich komme nicht aus Russland. Und ich finde, au h meine homosexuellem Freunde, dass man keine Massenveranstaltungen in dieser Zeit so unbekümmert ausübt. Werdensollte. Im übrigen „ sie kommen wohl aus Russland“ damit stellen Sie alle russischen Menschen unglimpflich dar.

  15. 43.

    Du verträgst die Wahrheit nicht und beleidigst auch noch andere, das sind genau die Art Menschen, die die Rechte anderer mit Füßen treten.
    Zu DDR-Zeiten hat meine Kollegin niemals von Anfeindungen oder Angriffen geredet. Wir haben beide in einer Geschäftsleitung gearbeitet, also sie hatte es schon damals weit gebracht, ohne auf der Straße vorher zu „demonstrieren“.

  16. 42.

    Und wer solche Kommentare schreibt, dem fehlt es wahrlich nicht nur an Akzeptanz. Ihre Meinung ist für niemanden wichtig, denn genau Sie sind geprägt von Intoleranz und Fremdenhass.....ganz, ganz ärmlich.

  17. 41.

    Ich habe die selben Erfahrungen wie Christina in der DDR gemacht. Am Arbeitsplatz, in der WG und in der Lehre, lesbische Frauen. Das war bekannt, aber hat niemanden weiter interessiert. Hab nie Anfeindungen erlebt.

  18. 39.

    " Die Gewalt gegen Schwule, Lesben und Transgender hat zugenommen. "

    das ist sicher zutreffend , aber inwiefern geben die zu zu erkennen ? die Frage mag naiv klingen, trotzdem bin ich auf die Antwort gespannt

Nächster Artikel