Entwurf für neues Schulgesetz - Berliner Senat will Prüfungen für Mittleren Schulabschluss abschaffen

Schüler einer gemischten Klasse der Stufen 4-6 sitzen an der Fritz-Karsen-Schule im Berliner Ortsteil Britz im Klassenzimmer (Bild: dpa/Christoph Soeder)
Bild: dpa/Christoph Soeder

Die umstrittenen schriftlichen Prüfungen für den Mittleren Schulabschluss an Berliner Gymnasien sollen künftig entfallen. In der Vergangenheit hatten Lehrer regelmäßig die Prüfungen als überflüssige Zusatzbelastung kritisiert.

Der Berliner Senat hat am Dienstag einen Gesetzentwurf beschlossen, um das Schulgesetz zu ändern. Unter anderem sollen die Prüfungen für den Mittleren Schulabschluss (MSA) an Gymnasien abgeschafft werden, wie ein Sprecher der Bildungssenatorin erklärte.

Demnach soll ab dem Schuljahr 2022/2023 der MSA und die Berechtigung zum Wechsel in die Oberstufe dort durch die Versetzung in die elfte Klasse erworben werden. Über den Entwurf werde nun das Abgeordnetenhaus entscheiden, hieß es.

Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) begrüßte die geplante Änderung: "Im Sinne einer Qualitätsorientierung halte auch ich es für sinnvoller, wenn die Gymnasiasten sich in der knappen Zeit stärker auf das Abitur vorbereiten als schriftliche Prüfungen zu schreiben, die nahezu jeder Schüler und jede Schülerin am Gymnasium besteht."

Grüne und Linke hatten zunächst Vorbehalte

Im Berliner CDU-Wahlprogramm findet sich eine ähnliche Forderung. Eine Prüfung soll es nicht geben, der MSA könne mit der Versetzung in die Klasse 11 erlangt werden, heißt es dort.

Grüne und Linke, die zusammen mit der SPD in Belin regieren, hatten zunächst Vorbehalte gegen den Vorstoß aus dem Hause Scheeres.

Eine von Scheeres berufene Expertenkommission unter der Leitung des Bildungsforschers Olaf Köller hatte in einem Bericht empfohlen, den Gymnasien die zentralen schriftlichen Prüfungen am Ende der zehnten Klasse zu ersparen, weil sie Stoff abfragen, der dort schon in der neunten Klasse durchgenommen wird.

Schulen müssen künftig Kinderschutzkonzept erstellen

Im Rahmen der Schulgesetzänderung wurde außerdem beschlossen, dass alle Schulen verpflichtet sein sollen, bis Ende des Schuljahres 2022/2023 ein Kinderschutzkonzept zu erstellen. Ziel soll dabei nach Angaben der Bildungsverwaltung sein, Kindeswohlgefährdungen vorzubeugen.

Effektiven Kinderschutz sicherzustellen müsse für alle staatlichen Stellen oberste Priorität haben, erklärte Scheeres. "Jede Schule wird ein eigenes Kinderschutzkonzept erarbeiten. Damit gehen wir auch im bundesweiten Vergleich voran."

Sendung: Fritz, 15.06.2021, 18:00 Uhr

30 Kommentare

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  1. 30.

    Am besten Berlin schenkt allen das Abi und den MSA. Unmöglich. Man muss sich den MSA verdienen und durch Prüfungen nachweisen, dass man was gelernt hat. Daran wird niemand zerbrechen.

  2. 29.

    Das Gleiche, was seit Einführung des §8a SGB VIII in den Einrichtungen der Kinder-und Jugendhilfe üblich ist. Wird Zeit, das auch für die Schulen verpflichtend zu machen.

  3. 28.

    Kann mir jemand sagen, was ein Kinderschutzkonzept einer Schule beinhalten soll? Danke schon mal.

  4. 27.

    2022/2023 ?? Nach 15 Monaten Corona fürchten die meisten jetzigen Neuntklässler die MSA-Prüfungen, weil sie, wie die Mehrzahl der Schüler, nicht einschätzen können, wie gut sie wirklich durch diese Zeit gekommen sind.

  5. 26.

    Ich halte die Abschaffung der Prüfungen auch für keine gute Idee : Die SuS müssen sich doch zumindest probehalber mal dem Stress einer Prüfung aussetzen, denn egal ob Abi oder Berufsausbildung, es müssen doch irgendwann Prüfungen abgelegt werden ( es sei denn, man geht zu den Grünen). Sollen die Berufsschulen jetzt noch Psychologen anstellen, damit die Generation "Helikopter" mit dem Schock einer Prüfung klar kommt ?
    Und schmälert die fehlende Prüfung nicht die Einstellungschancen der Abgänger bei der Ausbildung ggü. Bewerbern anderer Bundesländer mit Prüfung.
    Bei aller Liebe zum Abi : Es sollten beide als gleich wichtig betrachtet werden, denn wenn man das Abi nicht besteht, ist es wichtig, einen guten MSA zu haben. Auch ist die Vergleichbarkeit des Abschlusses innerhalb Berlins nicht gegeben, da die Gymnasiasten den MSA nach Gusto der Fachlehrer machen. Da geht es mitunter auch nach Nase...

  6. 25.

    Welcher Gymnasiast merkt denn beim Abprüfen des MSA, also des Stoffe, den der Gymnasiast schon min. ein Jahr hinter sich ließ wegen verkürzter G6 Schulzeit, dass er eine LEHRE machen möchte? BEIM MSA? Sorry, das ist absoluter Blödsinn. Und beworben wird sich mit dem Halbjahreszeugnis - das MSA Zeugnis wird erst erteilt, wenn alle schon die Lehrstelle sicher haben! Also das ist reine Schikane, die Schüler sollen Prüfungen lernen, dabei haben sie heutzutage andauernd irgendwelche Prüfungen, Vorträge, Portfolios, Klausuren. Wenn ich den MSA mit dem Abi vergleiche (zufällig habe ich dieses Jahr die Möglichkeit...), dann ist das Abi fokussierter und dadurch einfacher als das unnötige Sammelsurium des MSA... wonach später kein Hahn mehr kräht! Spätestens ab Beginn der Sommerferien...

  7. 24.

    Verwässern wir die Qualität doch noch weiter und schenken allen den Schulabschluss "mittlere Reife". Dann kann man das Zeugnis für gar nichts mehr als Qualifikation nutzen. Wer kommt denn auf so eine "tolle" Idee?

  8. 23.

    Hoffentlich wird in einem nahen, nächsten Schritt auch das gegliederte Schulsystem in D-Land abgeschafft und ähnlich dem skandinavischen Modell eine Gemeinschaftsschule von Klasse 1 bis 13 mit allen möglichen Schulabschlüssen als Standard eingeführt. Das erspart uns dann endlich die Debatten zu Themen wie gleichen Bildungschancen, Durchlässigkeit, Inklusion, G8, Abschlüssen, etc. und wir gammeln nicht mehr im Mittelmaß internationaler Bildungsrankings herum.

  9. 22.

    Vielleicht sollte man auch das hier erwähnen:

    https://m.tagesspiegel.de/berlin/msa-pruefung-fuer-berliner-gymnasiasten-abgeschafft-nein-doch-nicht/27289742.html?bezuggrd=CHP&utm_source=cp-kurzstrecke

    Mich stört immer wieder, wie Gesetzgebung auch beim rbb dargestellt wird. Nur weil die Exekutive einen Entwurf vorstellt, ist es noch lange kein Gesetz; dafür ist immer noch das Parlament zuständig, auch wenn der Senat sich in den letzten 1.5 Jahren an das Durchregieren per Verordnung gewöhnt haben sollte.

  10. 21.

    Viel wichtiger wäre, wenn der Senat endlich die Luftreiniger für die Klassen anschafft, damit unsere Kinder im Herbst auch zur Schule gehen können und im Winter nicht wieder bei offenen Fenstern lernen müssen!! Denn die Kinder sind zum größten Teil nicht geimpft, Frau Scheeres!!

  11. 20.

    Nur weil das Ziel das Abitur ist, sollte man nicht alle Prüfungen bis dahin abschaffen. Bei einem Studium, bei dem der Masterabschluss das Ziel ist, wird der Bachelorgrad auch nicht ausgelassen. Beim 2. Staatsexamen wird auch nicht das 1. weggelassen, nur weil es die Leute auf dem Weg zum Ziel nervt. Ich finde es wichtig, dass ein Schulabschluss mit Prüfungen abgelegt werden müssen, die alles nochmal abklopfen. Nicht jeder Gymnasiast weiß zu 100% was er will - manche merken nach dem MSA, dass sie vlt. doch schon arbeiten gehen wollen z.B. im Handwerk. Ich find es kritisch, jeden Schüler ins Abitur lotsen zu wollen. Wir haben einen Mangel im handwerklichen Bereich. Das Abitur sollte also im Gegenteil, eher anspruchsvoller werden. Studenten gibt es genügend, mehr unqualifizierte als qualifizierte, so mein Eindruck aus meiner Studienzeit.

  12. 19.

    BBR ist nach meiner Meinung überflüssig. Die meiste Ausbildungsbetrieb nehmen gefüllt
    Zu 90% nur MSA Absolventen.

    MSA abzuschaffen wird Fachkräfte Mängel und die Akademisierung Welle fördern.

    Gymnasium Schüler sollen die Möglichkeit haben den Richtung falls notwendig frühzeitig zu
    Wechseln .anstatt nach einen studienabbruch andere Wegen in Erwägung zu ziehen

  13. 18.

    Nun, es war ja schon Blödsinn, die 11. Klasse am Gymnasium abzuschaffen - das war dort auch die "Wiederholungsklasse". Um neu hinzugekommene "Realschüler" (die meist besser waren) im Niveau anzugleichen. Stoff, der vergessen wurde, zu wiederholen. Der MSA ersetzt das natürlich überhaupt nicht.

    Und dann als STRAFE für die Gesamtschüler/Gemeinschaftsschüler, die die 11. Klasse ja noch haben, bleibt der MSA dort bestehen!

    Jahrhundertelang konnte man die Schule nach der 10. Klasse ohne Prüfung verlassen und hatte automatisch den Realschulabschluss, wenn man nicht sitzenblieb. Blieb man hängen, musste man es ein zweites Mal versuchen, sonst hatte man nur Hauptschulabschluss (9. Klasse...). Gleichzeitig berechtigte das Nichtsitzenbleiben zum Besuch der Oberstufe.

    Weg mit dem MSA für SuS, die die Schule weiter besuchen werden, an Gymnasien und Gesamtschulen. FREIWILLIG können ja die SuS eine Prüfung machen, um bessere Lehrstellen zu bekommen, wenn sie nach der 10. gehen wollen.

  14. 17.

    Upsi, wohl lange nicht mehr den MSA gemacht, oder? Bitte mal die Prüfungen wirklich anschauen.

  15. 16.

    Wieviel Einfluss hat eigentlich die Schule (Lehrkräfte), zur Berechtigung (?) beim Schüler*In dem gewollten Bildungsweg zuzustimmen ?
    Ich habe Netiquette durchgelesen , keine Beleidigung , Kein Porno, stimme ich mit der geforderten politisch korrekten Haltung nicht überein ? Screenshot
    Warum keine Veröffentlichung ?

  16. 15.

    Welchen Abschluss hat eine Gymnasiastin (Vorgriff auf die ? angestrebtes ? generisches Femininum - Diskussion) bei Nichtbestehen des Abiturs ? Berlin hat ja schon den von nicht allen anerkannten Abschluss der Fachhochschulreife. Wir können noch offener werden, wichtig ist nur, dass unser Stadtstaat in der Pisastudie erfolgreich um den letzten Platz kämpft. Ich glaube, der Senat hat Schulen nur nach dem "Honnecker-Prinzip" besucht.

  17. 14.

    Ja, gibt es. Die haben dann aber entweder in der 9. schon wiederholt oder eben die 10. zum 2. Mal nicht bestanden - sonst müssen sie ja nicht ohne Abschluss abgehen. Vielleicht ist ohne MSA-Prüfungen am Gymnasium die Motivation ja etwas höher, gegebenfalls doch beizeiten auf eine ISS zu wechseln - das Gymnasium hat nun einmal nur das Abitur als Ziel, auf integrierten Sekundarschulen stehen ihnen dagegen alle Schulabschlussmöglichkeiten offen ...
    Was die MSA-Prüfungen an Gymnasien leisten, ist folgendes: Sie motivieren Schüler:innen mit großen Lücken im Schulstoff der Hauptfächer dazu, im Schnelldurchgang viel Aufzuholen (da kein Ausgleich durch Nebenfächer möglich ist) - ohne den MSA können sie ja nicht in die gymnasiale Oberstufe aufrücken. Und das ist keine schlechte Sache, kommen die dann doch wenigstens etwas besser mit. Übungszeit ist knapp bemessen am Gymnasium - einige könnten da mehr Unterstützung brauchen. Da sollte man ansetzen, von Anfang an. Aber wie, ohne mehr Personal?

  18. 13.

    Finde ich total sinnvoll. Wie viel Zeit und Aufwand für Kinder, die sowieso das Abitur machen.
    Der Lehrplan könnte bestimmt auch entrümpelt werden. Und die Schulbücher mal fehlerfrei gedruckt werden. Es gibt viel zu tun...

  19. 12.

    Irgendwo muss das Mehrpersonal für das ährlich -neue-Kinderschutzkonzept ja herkommen. Warum dass die hunderte Svhulen machen und nicht die 13 Schulämter ist schon ist noch erklärenzwert. - Und dann wären noch die Prüfungen zur Berufsbildungsreife und MSA in den Anderen Schulformen, sowie regionale, nationale und internationale Vergleichstests. - Alle Schüler haben das Selbe Recht auf Bildung. -Oder ist Das wieder ne Extrawurst für Besserverdienende Helikoptereltern und Hochwissenschaft-möchte-gern-Gymnasialpädagogen ?

  20. 11.

    Mitte der 80 er Jahre gab es diese Prüfungen am Gymnasium auch nicht. Da zählte die Versetzung in die Oberstufe als gleichwertig mit dem 10. Klasse Abschluss. In den Sekundarschulen mit Oberstufe bleiben die Prüfungen? Na ja, vllt entspannt das die Anmeldesituaton an den Sekundarschulen damit dort wieder Platz ist für SekundarschülerInnen. Und die Gymnasium empfohlenen gehen auf s Gymnasium um sich die Prüfung zum MSA zu sparen.

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