Neuer AfD-Fraktionssprecher Neumann - Pressesprecher ohne Presse

Marvin Neumann (Quelle: imago-images/Peter Hartenfelser)
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Audio: Inforadio | 09.06.2021 | Amelie Ernst | Bild: imago-images/Peter Hartenfelser

Vor sechs Wochen wurde der Brandenburger Marvin Neumann zum Co-Bundesvorsitzenden der AfD-Nachwuchsorganisation Junge Alternative gewählt. Nach Rassismus-Vorwürfen verließ er die AfD - um trotzdem weiter von ihr engagiert zu werden. Von Amelie Ernst

Wenn eine Partei oder eine Fraktion einen neuen Pressesprecher eingestellt hat, dann läuft das normalerweise in etwa so: Kurze E-Mail an die Journalisten, "Guten Tag, ich bin der oder die Neue und bei Anfragen erreichen Sie mich wie folgt…"

Bei der AfD-Fraktion im Brandenburger Landtag läuft es anders: Da gab es weder eine Mail noch sonst eine Information. Dass Marvin Neumann der neue Pressesprecher ist, das erfährt die Presse am Dienstag eher zufällig, auf Nachfrage. Dabei ist Neumann schon seit mehreren Monaten bei der AfD angestellt – in Erscheinung getreten ist er bisher allerdings nicht.

Aufgefallen durch rassistische und homophobe Äußerungen

Wohl nicht ohne Grund, vermutet SPD-Innenpolitikerin Inka Gossmann-Reetz. Neumann sei durch rassistische und homophobe Äußerungen aufgefallen, habe daher die AfD Anfang Mai verlassen müssen. Doch was der AfD im Bund "zu schmutzig" sei, das sei der AfD in Brandenburg gerade Recht, so Gossmann-Reetz.

Auch Linken-Fraktionschef Sebastian Walter bezeichnet die AfD-Fraktion als "rechtes Sammelbecken": Mit der Einstellung von Neumann zeige die Fraktion, wie "tief sie schon im braunen Sumpf" stecke, so Walter. Man beschäftige einen Pressesprecher, der sich klar zur Rassentheorie des Nationalsozialismus bekenne. "Diese Ideen waren längst überwunden – nun werden sie im Landtag durch Steuergelder finanziert."

Rassentheorie kein Grund zur Kündigung?

Offenbar um die Debatte um Neumann und seine - auch in Teilen der AfD umstrittenen - Äußerungen nicht wieder aufflammen zu lassen, beließ es die AfD-Fraktion wochenlang dabei, dass der Pressesprecher nach außen nicht existent ist - obwohl er längst in Diensten der AfD stand. Er selbst und Fraktionschef Hans-Christoph Berndt wollen sich dazu nicht weiter äußern – sie bestätigen nur, dass das Arbeitsverhältnis schon bestand, bevor im April die Tweets auftauchten, die für Unruhe sorgten und die zu Neumanns Austritt aus der AfD führten.

Unter anderem schrieb Neumann damals, dass Schwarzafrikaner und deren Nachkommen keine Deutschen werden könnten. Außerdem gebe es "keine schwarzen Deutschen und Europäer". Aus Sicht der AfD-Fraktion kein Grund, ihm zu kündigen – die Fraktionsspitze verteidigt den 27-Jährigen weiter gegen Kritik.

Brandenburger Junge Alternative längst rechtsextremistischer Verdachtsfall

In der Brandenburger Jungen Alternative (JA), die vom Verfassungsschutz als rechtsextremistischer Verdachtsfall eingestuft und beobachtet wird, ist Marvin Neumann weiter aktiv. Doch es geht nicht nur um Neumann – immer wieder ließen in der Vergangenheit Personalien in der Brandenburger AfD-Fraktion aufhorchen: Unter anderem beschäftigte sie Jean-Pascal Hohm, den ehemaligen Landesvorsitzenden der JA, Unterstützer der "Identitären Bewegung" und Redner bei der fremdenfeindlichen Gruppierung "Zukunft Heimat".

Inzwischen ist Hohm Kreisvorsitzender der AfD Cottbus. Fraktionsmitarbeiter Tim Ballschuh war laut Verfassungsschutz Mitglied in rechtsextremen Burschenschaften und pflegt(e) Kontakte zur NPD. "Rechtsextremisten und Nationalsozialisten müssen sich in diesem Land keine Sorgen mehr machen, dass sie arbeitslos werden. Bei der Brandenburger AfD sind sie herzlich willkommen", so Linken-Politiker Sebastian Walter.

AfD-Fraktion hält an Sprecher fest

Auch für CDU-Fraktionschef Jan Redmann ist die Personalie Neumann nur eine von vielen, die belegen, auf welchem Kurs sich die AfD speziell in den ostdeutschen Bundesländern befindet. Es gebe inzwischen zwei AfDs in Deutschland, so Redmann. "Es gibt die Meuthen-AfD, die sich erfolglos um eine gewisse Abgrenzung zu Rassisten und Rechtsextremen bemüht und Leute wie Neumann rausdrängt. Und es gibt die ostdeutschen AfD-Landesverbände, die dann solche Leute wieder in zentrale Positionen bringen – wie hier als Sprecher der Landtagsfraktion."

Daran, dass die AfD-Fraktion an ihrem neuen Sprecher festhalten wird, bestehen derzeit keine Zweifel. Wohl aber daran, dass dieser auch als solcher in Erscheinung treten wird.

Die Kommentarfunktion wurde am 10.06.2021 um 17:09 Uhr geschlossen

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Beitrag von Amelie Ernst

10 Kommentare

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  1. 10.

    Dann hat die AFD einen Dilettanten eingestellt, der von parlamentarischen Arbeit eines Pressesprechers keine Ahnung hat. Zumindest erfüllt sein äußerses den Anforderungen dieser Partei.

  2. 9.

    Ach " Sascha " Sie haben es anscheinend immer noch nicht verstanden. Ist ist keine " Lapalie " (wird übrigens mit zwei " p " geschrieben. Genau so wie der " Vogelschiss " von Herrn Gauland. Jeder Satz scheint zu klein zu sein für eine Empörung. Die Vielzahl der Äußerungen der AfD, muss jeden Demokrat und Freiheitsliebenden Menschen aufhorchen lassen.
    Eine Vereinigung, wie es die AfD ist, die in großen Teilen mit dem Vokabular der NSDAP auf Stimmenfang ist, macht es mit Absicht. Wer die Verbrechen an der Menschheit, in den Jahren 1933-1945 verharmlost bzw. leugnet, ist versucht diese ungeheuerlichen Verbrechen zu wiederholen. Leider sind viele Menschen, Geschichtsvergesslich und wollen keine Lehren daraus ziehen. Wehret den Anfängen !

  3. 8.

    Leider haben Sie den Artikel im Sinn nicht erfasst: es geht um die Weiterbeschäftigung von Anhängern der NS-Rassetheorie. Wer das eine Lappalie nennt, ist entweder selber dieser Meinung oder kann eben nicht Sinn erfassend lesen (Deutsch- und Geschichtsunterricht geschwänzt?).

  4. 7.

    Nix verstanden, oder? E-Mail ja oder nein ist Nebensache. Die Bedeutung liegt auf getätigten Äußerungen des Pressesprechers und in dem Gesamtverhalten der AFD. Aber vielleicht lernen Sie ja erst noch... Hoffentlich ist es dann nicht zu spät!

  5. 6.

    Wie kann man wegen so einer Lapalie so einen Aufriss machen. Ob da nun eine eMail kommt oder nicht. Davon geht doch die Welt nicht unter. Die Presse weiß doch sonst immer alles besser und über Interna so gut bescheid.

  6. 5.

    Wie wird denn ein Pressesprecher entlohnt?

  7. 4.

    Und ich dachte immer bei den Neofaschisten kann mich nichts mehr überraschen, nachdem die einen Rechtsextremisten zum Vorsitzenden gemacht haben...

  8. 3.

    Und wieder eine AfD-Personalie, die weit entfernt vom Boden unseres demokratischen Verständnisses unterwegs ist.
    Wie lange wollen wir diesen rückwärtsgewandten Stil tolerieren? Habt ihr nichts aus der Geschichte gelernt?

  9. 2.

    Der "Marvin", ja?
    Einfach zum piepen..

  10. 1.

    So etwas bezeichnet man als Versorgungsposten und wird von der sog. Alternative für Deutschland bei den von ihr so bezeichneten "Altparteien" angeprangert. Aber wenn sie es selbst tut, herrscht Schweigen.

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