Morde an Frauen - Brandenburg drängt auf strafrechtliche Definition von Femiziden

Demo zum Weltfrauentag (Quelle: dpa/Dwi Anoraganingrum)
Bild: dpa/Dwi Anoraganingrum

Fast die Hälfte aller Frauen, die 2019 ermordet wurden, fielen Partnern oder Ex-Partnerm zum Opfer. Die Brandenburger Frauenministerin stößt nun die Debatte an, um sogenannte Femizide strafrechtlich zu definieren.

Auf Antrag des Landes Brandenburg hat die Konferenz der Gleichstellungs- und Frauenministerinnen und -minister der Länder (GFMK) einen Beschluss gefasst, um Femizide - Morde an Frauen - zu definieren, zu analysieren und zu verhindern. "Mit unserem Antrag betreten wir Neuland in Deutschland, denn nach wie vor gibt es keine strafrechtliche Definition für Femizide, die in der öffentlichen Diskussion häufig verharmlosend als Familiendrama, Beziehungstat oder gar Ehrenmord bezeichnet werde", sagte dazu die Brandenburger Frauenministerin Ursula Nonnemacher (Grüne).

Brandenburg stärksten Zuwachs an häuslicher Gewalt

Femizide folgen meistens auf eine längere Eskalation von Gewalt. Wie die ARD-Tagesschau berichtet, steigt die Zahl von Fällen häuslicher Gewalt seit 2015. Laut der Welt am Sonntag sind im vergangenen Jahr 158.477 Opfer von häuslicher Gewalt durch den (Ex)-Partner polizeilich erfasst worden, gut zwei Drittel der Betroffenen sind Frauen. Das entspricht einem Anstieg von 6 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Den stärksten Zuwachs verzeichnet Brandenburg (23,7 Prozent). Doch das Dunkelfeld bei häuslicher und sexualisierter Gewalt ist enorm – die Fälle bleiben höchstwahrscheinlich größtenteils unsichtbar.

Deutschland hat gemeinsam mit 46 anderen Staaten 2011 die Istanbul-Konvention unterzeichnet. Sie sollte besseren Schutz, Prävention, Bekämpfung und Verurteilung von Gewalt gegen Frauen und andere Menschen, die von patriarchaler Gewalt betroffen sind, garantieren. Das zivilgesellschaftliche Bündnis "Istanbul-Konvention", das aus gut 20 Organisationen besteht, entgegnet, dass die bisherigen Schutzvorkehrungen noch lange nicht ausreichen [taz.de].

Von 777 Tötungen an Frauen: 301 von Partner oder Ex-Partnern

Im Jahr 2019 hat das Bundeskriminalamt insgesamt 777 Tötungen von Frauen registriert, davon waren 301 Frauen Opfer in Partnerschaften oder Ex-Partnerschaften. Vielfach werden Tötungen und Tötungsversuche an Frauen wegen eines Machtgefälles in einer bestehenden oder beendeten Partnerschaft begangen. Ihnen voraus gingen anhaltende Bedrohung und Misshandlung. Erstmals sollen nun in Deutschland geschlechtsspezifische Frauenmorde als Tatbestand betrachtet und eine hinreichende Befassung mit Strategien gegen Femizide angeregt werden.

"Ich bin sehr froh, dass wir eine längst überfällige Debatte angestoßen haben", erklärte Nonnemacher. Gesellschaft und Politik müssten anerkennen, dass es sich um ein strukturelles Gewaltphänomen handelt. Mit dem vorliegenden Beschluss wird die GFMK eine Definition für Femizide erarbeiten und diese mit Justizminister- und Innenministerkonferenz abstimmen. Zudem werden die Justiz- und die Innenministerkonferenz gebeten, Maßnahmen aus Ländern wie Frankreich und Spanien zu prüfen, wo durch gezielte polizeiliche und politische Maßnahmen Gewalt an Frauen und Mädchen deutlich verringert werden konnte.

27 Kommentare

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  1. 27.

    Nun haben sie sich mal nicht so. Sind doch 'n Kerl. Da müssen 'se durch. Wenn sie allerdings schon Worte verletzen, fehlt wohl verbale Schlagfertigkeit ;-).

  2. 26.

    Ja, solche Ansichten kommen von zu wenig Schlaf und Sauerstoffmangel. Schlage mal vor, heute 'ne Extra-Mütze zu nehmen und morgen einen ausgiebigen Spaziergang zu machen. Das war jetzt das freundlichste, was mir so eingefallen ist.

  3. 25.

    Wie niedlich sind Sie denn? Die Frau gibt Widerworte. Sie haben wohl noch nie erlebt, wie eine Frau den Mann mit Worten verprügelt hat und ihm keine Gelegenheit gegeben hat, zu atmen. Oder die Mütter, die dem Mann der sie verlassen hat seine Kinder vorenthält. Oder auch geschlagen hat. Ca 24% der Opfer von häuslicher Gewalt sind Männer. Aber Frau Tante Bine sind Männer immer Täter und Frauen nur Opfer. Gott erhalte Ihnen Ihren einfaachen Glauben.

  4. 24.

    Ja. Sie haben Recht. Ich hatte Probleme mit meiner Mutter. Und habe hart an mir gearbeitet, um damit fertig zu werden. Und ich lebe allein. Ich würde aber jede Beziehung sofort verlassen, wenn ich von meiner Partnerin/Partner verletzt werde, egal ob durch Worte oder Schläge . Ich lehne Gewalt ab, und wenn ich durch meinen Kommentar den Eindruck erweckt habe ich würde irgenteine Form von Gewalt rechtfertigen, tut es mir leid. Aber ich halte den Versuch von Frau Nonnemacher für untauglich. Was glauben Sie, wenn ein Mann der von seiner Mutter und/oder Partnerin geschlagen wird, und dann aus der Istambul-Konvention von 2011 den Passus liest: " ... von Gewalt gegen Frauen und andere Menschen, die von patriachaler Gewalt betroffen sind..." fühlt. Mit anderen Worten Frauen dürfen Männer schlagen?

  5. 23.

    Mimimi. Was sind Sie denn für ein Mann? Sicherlich verletzen auch Worte. Doch denen kanns sich jeder entziehen. Schläge, Vergewaltigungen, Einsperren und Morden aber damit gleichzusetzen, ist nur wieder typische Opferumkehr. Die Frau gibt Widerworte, Sie ertragen es nicht und hauen zu statt zu reden. Was läuft da schief bei Ihnen?

  6. 22.

    "Männern/Jungs ab dem 10.Lebensjahr Testeron-Hemmer und Triebhemmer verabreichen." Auch ne schöne Idee. Kollektive staatliche Körperverletzung hatten wir in Deutschland zuletzt 1945.

    "Wir Frauen hätten dann endlich ein schönes ruhiges und Vorallem sicheres Leben und ihr würdet euch nicht jedesmal prügeln wenn’s ein Bier zu viel gibt." Tja aber was für Hormone geben wir all den männerfeindlichen Volksverhetzerinnen? Da sind noch ungelöste Probleme :)

  7. 21.

    "dass Täter immer Männer sind" Man tausche in dem Satz "Männer" durch "Ausländer" aus, und man bekommt 1:1 Rassismus.

    "bei den Männern endlich was ändern" Die allermeisten Männer - und die meisten Frauen - tun keiner Fliege was zuleide. Dass der Pronillesatz der Nichtfriedlichen bei den Männern etwas höher liegt, ist keine Rechtfertigung für Sippenhaft. Die friedfertigen Männer können nichts dafür, sie trifft keine Schuld, und sie haben ebensowenig eine Möglichkeit Verbrechen zu verhindern wie x-beliebige Frauen. Die Tatsache dass sie zwischen den Beinen zufällig die gleiche Anatomie haben wie irgendein Täter, verleiht ihnen keine magische Macht über diesen.

    "Oder welche Frau ist Amok gelaufen? Hat einen Pädophilenring aufgebaut? Sperrt Kinder und Frauen jahrelang im Kellerverließe ein? Vergewaltiger? Schickt auf den Strich? Usw. Das waren und sind immer alles Männer."

    Das ist natürlich unwahr, für alles das gibt es auch Beispiele von weiblichen Tätern.

  8. 20.

    Falsch, Worte können so stark verletzen dass man tatsächlich nicht mehr wirklich lebensfähig ist und große Traumas davonträgt.
    Und dass solche Kommentare wie die von Brigitte nicht gesperrt oder zumindest gelöscht werden verwundert schon, wenn man überlegt was für eigene Beiträge mit weitaus harmloseren Worten schon hier zensiert wurden.

  9. 19.

    Herbert, nur weil sie ein Problem mit Frauen (und wahrscheinlich ihrer eigenen Mutter) haben, müssen andere das nicht auch. Wenn ihnen eine Frau übern Mund fährt, tut das ihrem Ego weh. Es tötet sie aber nicht. Es bricht auch kein Arm dabei. Oder verletzt ein ungeborenes Kind wie durch einen Fußtritt in den Bauch.
    Worte können seelisch Schmerzen bereiten..heißt aber noch lange nicht, dass es ausübende Gewalt rechtfertigt.
    Vielleicht versuchen sie das nächste Mal einfach zuzuhören und mit ihrer Frau/Mutter zu reden.
    Und wenn’s zu viel wird, einfach ne Runde spazieren gehen.

  10. 18.

    Ich muss bei gar nichts dabei gewesen zu sein, um zu körperlichen Übergriffen eine klare Meinung zu haben. Und in diesem Beitrag geht es um Gewalt gegen Frauen, die in einem Tötungsdelikt enden. Wenn sie meinen, verbale Attacken rechtfertigen einen körperlichen Angriff, so sehe ich das anders. Als gewöhnlich körperlich überleger Teil, der Eskalation muß ich in der Lage sein, mich im Griff zu haben. Und auf die angegriffenen Männer kann ich nur aus meiner Sicht sagen, daß die Abwehr legitim aber verhältnismäßig sein muß. Falls sie also erwarten, dass eine in Wut gegebe Ohrfeige mit einer zusammengeschlagenen Frau zu beantworten ist, und dies legitim wäre, nicht nach meinem Verständnis. Männer können sich jederzeit der Situation entziehen, Frauen oft nicht.

  11. 17.

    Bitte in diesem Zusammenhang auch endlich Abteile im öffentlichen Nahverkehr nur für Frauen! Schwimmbäder nur für Frauen! Wenigstens zu bestimmten Zeiten!
    Meine Freundinnen und ich können solche Orte nicht mehr nutzen auf Grund ständiger Übergriffe, Bedränungen, catcalling... Und von der Polizei gibts nur Verwarnungen. Nichts passiert mit solchen Typen. Am nächsten Tag sind die wieder da und machen weiter.

  12. 16.

    Ich verstehe Brigitte sehr gut. Würzburg war auch wieder ein Mann. Wir sind so daran gewöhnt, dass Täter immer Männer sind und es täglich passiert, dass wir die Opfer völlig vergessen. Es muss sich bei den Männern endlich was ändern. Oder welche Frau ist Amok gelaufen? Hat einen Pädophilenring aufgebaut? Sperrt Kinder und Frauen jahrelang im Kellerverließe ein? Vergewaltiger? Schickt auf den Strich? Usw. Das waren und sind immer alles Männer. Doch hier lese ich dann (von Männern) die Frauen sind selbst schuld, wenn sie sich in solche Partnerschaften begeben. Klar, die Frau läuft immer freiwillig mit dem Gesicht in die Faust. Oder trug halt einen Minirock.
    Bei Männern fehlt dahin gehend einfach die Solidarität zu uns Frauen. Es ist normal in Männer-Cliquen abschätzig über Frauen zu reden. Bei Gewalt nicht einzuschreiten.
    Es sind eure Kumpels, eure Brüder, eure Väter und Söhne. Und ihr guckt weg.

  13. 15.

    Und, ändert sich das, wenn wir spezifische und auch noch teils unzutreffende Begriffe dafür einführen, statt über Schutz und Hilfsmöglichkeiten zu diskutieren? Viel häufiger werden übrigens noch Männer Opfer von männlicher Gewalt. Es ist leider schon immer so, dass besonders Männer zu physischer Gewalt neigen, während Frauen eher psychische Gewalt anwenden. Die Männer begehen die Morde im übrigen nicht, um Frauen auszulöschen, wie Femizid unterstellt, sondern weil sie aus Stolz, falsch verstandener Ehre und aus Gekränktheit Rache üben wollen und ihr vermeintliches "Eigentum" keinem anderen zugestehen wollen. Dieses völlig kranke Bild von Partnerschaft ist aber längst nicht mehr in unserer Kultur akzeptiert, genauso wie Gewalt gegen Frauen allgemein. Wir sollten unsere Energie daher auf den Schutz von Menschen vor Gewalttätern legen, statt auf abgrenzende Begrifflichkeiten.

  14. 14.

    @Brigitte
    Ihnen ist aber schon klar, dass niemand wegen seines Geschlechtes diskriminiert werden darf? - Das schließt übrigens männliche Lebewesen vorbehaltslos ein, falls Sie es noch nicht gewusst haben sollten.

  15. 13.

    Ich wußte garnicht, daß Sie dabei waren. Oder woher wissen Sie, was vorher passiert ist? Ich war schon bei Paaren zu Hause, wo die Frau den Männer mit Worten verletzt hat, daß ich froh war nicht in seiner Haut zu stecken. Außerdem haben Sie übersehen, daß zwar 2/3 der Opfer Frauen sind, das heißt aber auch 1/3 der Opfer sind Männer. Warum wird das immer unter den Tisch gekehrt.

  16. 12.

    Als Teilaspekt ja, aber zu oberflächlich. Der Passus "Sie ist ja selbst schuld, wenn sie sich immer wieder solche Kerle aussucht" macht das Opfer zum Täter. Und Täter ist klar der übergriffige Mann. Kein Beziehungsproblem rechtfertigt eine Gewalttat. Das Grundproblem liegt in der Sozialisierung. Beziehungsprobleme, Trennung oder Scheidung sind keine Rechtfertigung körperlicher Gewalt.

  17. 11.

    Der Gesetzgeber hat sehr bewußt bei der Ehe das Schuldprinzip durch das Zerrüttungsprinzip ersetzt. Bei vielen Frauen und leider auch einigen Männern habe ich das Gefühl das das Schuldprinzip generell auf alle Männer eingeführt wird. Bei der ganzen Diskussion wird leider die Frage übersehen, warum sich manche Frauen immerwieder Schläger als Partner aussuchen. Vielleicht sollten wir unser Augenmerk weg von den toxischen Männern, hin zu den toxischen Beziehungen lenken.

  18. 10.

    Wer 10-jährigen Kindern triebhemmende Medikamente zwangsweise verabreichen möchte, gehört in eine geschlossene Anstalt.
    Übrigens ist Mord und Totschlag immer verboten, egal ob das Opfer weiblich oder männlich ist. Da ist ein eigenes Gesetz zu Abstrafung von Frauenmördern sinnfrei

  19. 9.

    So wie es bei einigen Männern ein gestörtes Frauenbild gibt, scheinen sie, durch welchen Anlass auch immer, ein gestörtes Männerbild zu haben. Ihre Lösungsvorschläge legen dies nahe.

  20. 8.

    Ich bin ja recht oft ihrer Meinung. Aber hier, seh ich das anders. Was nützen Frauenhäuser und Co? Doch erst, wenn’s schon zu spät ist. Das Problem „Mann“ wird nicht angegriffen. Immer nur wird hinterher verarztet.
    Männer sind ja nicht nur in dieser Statistic Spritzenreiter, auch bei allgemeinem Mord, Totschlag, Erpressung und anderen Gewalttaten sind Männer fast ausschließlich Täter.
    Warum gibts wohl deutlich mehr Männergefängnisse als Frauenknäste?
    Daher endlich Männern/Jungs ab dem 10.Lebensjahr Testeron-Hemmer und Triebhemmer verabreichen.
    Wir Frauen hätten dann endlich ein schönes ruhiges und Vorallem sicheres Leben und ihr würdet euch nicht jedesmal prügeln wenn’s ein Bier zu viel gibt.

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