Berliner Justizsenator begrüßt Entscheidung - Bundesrat lehnt Verbot von Wildtieren im Zirkus ab

Symbolbild: Kinder verschiedener Schulklassen und Kindergärten sehen sich am 26.10.2017 bei der Veranstaltung «Meat and Greet» ein Nashorn des Zirkus Krone auf dem Cannstatter Wasen in Stuttgart (Baden-Württemberg) an. (Quelle: dpa/Christoph Schmidt)
Bild: dpa/Christoph Schmidt

Ein seit langem diskutiertes Verbot von Elefanten, Nashörnern und anderen Wildtieren in reisenden Zirkussen ist vorerst gescheitert. Eine Verordnung von Bundesagrarministerin Julia Klöckner (CDU) bekam am Freitag im Bundesrat nicht die nötige Mehrheit. Der Berliner Justizsenator Dirk Behrendt (Grüne) begrüßte die Entscheidung des Bundesrats und bezeichnete den vorgelegten Entwurf als "unambitioniert".

Bei Wildtieren, die bereits in Zirkussen gehalten werden, "sollte das Verbot nicht greifen. Zudem sollte das Verbot nicht für Großkatzen, Robben oder Reptilien gelten", teilte der Senator am Freitag rbb|24 schriftlich mit. Es müsste klar sein, dass Löwen im Zirkus nicht artgerecht gehalten werden könnten. "Verstöße gegen die Verordnung wären außerdem folgenlos geblieben. Diese Verordnung wäre kein wirksames Mittel gewesen, um die Leiden von Wildtieren in Zirkussen zu verhindern."

Versorgung und Unterbringung sollten festgelegt werden

Die Pläne von Ministerin Klöckner sahen vor, dass daneben auch Giraffen, Flusspferde, Primaten und Großbären nicht mehr neu angeschafft werden dürfen. Festgelegt werden sollten außerdem erstmals Anforderungen an die Haltung aller Zirkustiere, etwa zur fachkundigen Versorgung und Unterbringung. Klöckner kritisierte, der Bundesrat habe eine große Chance vertan.

Bundesregierung verweist auf unzureichende Rechtssicherheit

Vorstöße aus Ausschüssen der Länderkammer, auch das Zurschaustellen von Großkatzen wie Löwen und Tigern sowie von Robben und Reptilien in das Verbot einzubeziehen, fanden ebenfalls keine Mehrheit in der Länderkammer. Für Senator Behrendt sei auch nicht nachvollziehbar, "dass nur das Zurschaustellen der Tiere verboten sein sollte, nicht aber deren Haltung." Hierfür hatten sich neben Behrendt weitere Länderminister der Grünen bereits in dieser Woche stark gemacht. Die Bundesregierung verwies auf unzureichende Rechtssicherheit dafür.

"Wildtiere haben nichts in der Manege verloren."

Die Ministerin betonte: "Wildtiere haben nichts in der Manege verloren." Die Blockade des Bundesrats sei deshalb "ein Vergehen am Tierschutz". Die Verordnung wäre ein Meilenstein dafür gewesen. "Gefordert wurde dieser Schritt über Jahre, auch vom Bundesrat – nun hat er es aus purer Parteipolitik platzen lassen." Mehr Tierschutz erreiche man nicht, wenn man ihn in Anträge oder Reden schreibe, sondern wenn man handele und zustimme.

Tierschützer: Klöckners Pläne sind ein "zahnloser Tiger"

Der Deutsche Tierschutzbund erklärte, die Absage der Länder an den "völlig vermurksten Verordnungsentwurf" sei richtig gewesen. Auch Tiger und Löwen litten unter den ständigen Transportbedingungen, unzureichenden Gehegen und der Dressur im Zirkus. Nötig sei daher ein Verbot für alle Wildtierarten - etwa auch von Zebras, Kängurus oder Straußen. Zudem hätten aktuell in den Zirkussen lebende Tiere nun dort bleiben und auch zukünftig zur Schau gestellt werden dürfen.

Die Organisation Vier Pfoten erklärte, auch wenn es jetzt noch länger dauern werde, sei die Ablehnung aus Tierschutzsicht völlig richtig. Klöckners Pläne seien "ein zahnloser Tiger" gewesen, es sei gut, dass die Haltung von Wildtieren in Zirkussen dadurch nicht legitimiert worden sei. Auf die Verbotsliste gehörten etwa auch Delfine, Greifvögel, Flamingos, Pinguine und viele weitere Arten.

Sendung: Fritz, 25.06.2021, 16:00 Uhr

5 Kommentare

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  1. 5.

    Typischer Klöckner Vorschlag. Fehlen nur noch die Worte "freiwillige Selbstverpflichtung" und eine Übergangsfrist bist 2035.

  2. 4.

    Frau Klöckners/CDU(!) politische Entscheidungen haben bisher Unternehmen, und Unternehmern und ihren Lobbyisten stets möglichst wenig weh getan !
    So den landwirtschaftlichen Großbetrieben, der industriellen Landwirtschaft und ihren Wirtschaftslobbyisten; -
    und sicher darf sie auch den Zirkusunternehmen nicht weh tun. -
    Versteckt werden muß das hinter einer Blendfassade von Maßnahmen, die keine sind ! -
    Von landwirtschaftlicher Kompetenz, sowie von wahrer Emphatie und Einsicht in Tierleid und Tierschutz zeugt das nicht ! -
    Dieses Amt sollte künftig besser jemand wahrnehmen, der/m es wahrhaftig ernst ist mit Umwelt-, Klima-, und Natur-(Landschaft-, Pflanzen-, Tier-)schutz; - Schutz unser aller Lebensbedingungen ! -

  3. 3.

    Ich würde mir wünschen, dass die verschiedenen Tierschutz-Parteien, welche regelmäßig zu den Wahlen antreten, sich zusammenrauften und als eine gemeinsame Liste anträten. Zusammen hätten sie eine stärkere Stimme für die Tiere.

  4. 2.

    Ich frage mich oft, wie Frau Baerbock soweit kommen konnte. Wenn sie jetzt noch als angehende Bundeskanzlerin gehandelt wird, werde ich wohl aus dem ganzen Murks nicht mehr schlau, egal wie sehr man sich bemüht.

  5. 1.

    Ich frage mich oft, wie Frau Klöckner soweit kommen konnte. Wenn sie jetzt noch als angehende Bundespräsidentin gehandelt wird, werde ich wohl aus dem ganzen Murks nicht mehr schlau, egal wie sehr man sich bemüht.

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