Nach Hardliner Grenell - Amy Gutmann soll neue US-Botschafterin in Berlin werden

Archivbild: US-Botschaft in Berlin Mitte. (Quelle: dpa/Joko)
Bild: dpa/Joko

Nach dem Abgang des kontroversen US-Botschafters Grenell vor einem Jahr soll den Posten nun erstmals eine Frau übernehmen: die Politikwissenschaftlerin Amy Gutmann.

US-Präsident Joe Biden will erstmals eine Frau als Botschafterin nach Deutschland schicken: die Politikwissenschaftlerin Amy Gutmann. Die 71-Jährige mit deutsch-jüdischen Wurzeln ist derzeit noch Präsidentin der Elite-Universität Pennsylvania.

Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur stellten die USA bereits am 18. Juni ein Ersuchen auf Zustimmung zu der Personalie bei der deutschen Botschaft in Washington. Derzeit wird es noch vom Bundespräsidialamt geprüft. Zuerst hatte der "Spiegel" darüber berichtet. [spiegel.de] Eine offizielle Nominierung Gutmanns durch Präsident Biden steht derzeit noch aus. Anschließend müsste noch der US-Senat zustimmen.

Gutmann würde einen Posten besetzen, der seit mehr als einem Jahr vakant ist. Der von Bidens Vorgänger Donald Trump entsandte Botschafter Richard Grenell war Anfang Juni vergangenen Jahres zurückgetreten. Seitdem wird die Botschaft von der Gesandten Robin Quinville kommissarisch geführt.

Schäden in deutsch-amerikanischen Beziehungen reparieren

Grenell galt als Hardliner, der sich im politischen Berlin mit seiner rabiaten Art kaum Freunde gemacht hatte. Schon kurz nach der Ernennung zum Botschafter im Mai 2018 warnte er deutsche Unternehmen davor, mit dem Iran zusammenzuarbeiten. Aus Verärgerung über aus seiner Sicht unzureichende deutsche Militärausgaben drohte er, US-Truppen aus Deutschland abzuziehen.

Wegen der deutsch-russischen Ostseepipeline Nord Stream 2 brachte er Sanktionen auch gegen deutsche Unternehmen ins Spiel. Aus der Opposition kamen sogar vereinzelt Forderungen, ihn zur "unerwünschten Person" zu erklären und damit quasi auszuweisen.

Sollte Gutmann Botschafterin werden, wäre dies ein weiteres Zeichen für einen Neuanfang in den deutsch-amerikanischen Beziehungen. Ihre vordringliche Aufgabe wäre es, die Schäden aus der Ära Trump zu reparieren.

Gutmanns Familie stammt aus Feuchtwangen

Gutmann ist seit 2004 Präsidentin der Privatuniversität in Philadelphia im Bundesstaat Pennsylvania. Die "UPenn" abgekürzte Hochschule gehört zur sogenannten "Ivy League" von prestigereichen Unis im Nordosten der USA wie Harvard, Princeton und Yale. Gutmann arbeitete zudem unter Ex-Präsident Barack Obama als Kommissionsvorsitzende für das Studium bioethischer Fragen.

Ihr Vater stammt aus dem bayerischen Feuchtwangen und flüchtete nach der Machtübernahme der Nazis in Deutschland 1934 als Student mit seiner Familie zunächst nach Indien. Später zog er nach New York, wo er heiratete. Amy Gutmann wurde 1949 im New Yorker Stadtteil Brooklyn geboren, studierte später Politologie an der Elite-Universität Harvard und lehrte fast drei Jahrzehnte an einer weiteren Elite-Uni, Princeton in New Jersey, bevor sie nach Pennsylvania wechselte.

Das Ersuchen nach Zustimmung zu Gutmann wurde wenige Tage vor dem Besuch von US-Außenminister Antony Blinken in Berlin vergangene Woche eingereicht. Bei der zweitägigen Visite hatte Blinken die Partnerschaft zu Deutschland in den allerhöchsten Tönen gewürdigt: "Die Vereinigten Staaten haben keinen besseren Partner, keinen besseren Freund auf der Welt als Deutschland", sagte er. Früher hätten die USA so etwas eher über Großbritannien gesagt.

Sendung: Inforadio, 16 Uhr

3 Kommentare

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  1. 3.

    Von wichtig hab ich nichts geschrieben. Hätte ja sein können, dass sie eine besonders positive oder negative Vorgeschichte hat oder besonders für den Job prädestiniert ist.

  2. 1.

    Ich kenne die Dame zwar nicht, nach Grenell kann es aber nur besser werden.

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