Keine Verbeamtung - Berliner Schulleiter warnen vor massivem Lehrermangel

Schülerinnen und Schüler sitzen in ihrem Klassenraum. (Quelle: dpa/Rolf Vennenbernd)
Audio: radioeins | 14.06.2021 | Kirsten Buchmann | Bild: dpa/Rolf Vennenbernd

Berliner Schulleiterverbände schlagen Alarm: Die Schülerzahlen steigen, zugleich gehen immer mehr Lehrkräfte in Pension. Um einen massiven Lehrermangel zu verhindern, müssten Lehrer in der Hauptstadt wieder verbeamtet werden.

Berliner Schulleiter haben sich sehr besorgt im Hinblick auf das neue Schuljahr geäußert. Während der Corona-Pandemie seien die Probleme an den Schulen noch deutlicher geworden, sagte die Vorsitzende des Interessenverbands Berliner Schulleitungen (IBS), Astrid-Sabine Busse, am Montag bei einer gemeinsamen Pressekonferenz der Schulleiterverbände. "Die wichtigsten Akteure sind und bleiben die Lehrerinnen und Lehrer. Die sind so knapp wie Goldstaub. Und es wird jedes Jahr enger." Aus Sicht der Schulleitungen müsse etwas passieren, damit das Problem nicht aus dem Ruder laufe.

Die Schülerzahlen steigen, gleichzeitig gehen viele Lehrerinnen und Lehrer in den Ruhestand. In Berlin müssen viele Stellen mit Quereinsteigern besetzt werden. Eine zentrale Forderung lautet, Lehrkräfte in Berlin wieder zu verbeamten.

"Das Problem wird immer größer"

Andernfalls sei der wachsende Bedarf angesichts der anstehenden Pensionierungszahlen bei gleichzeitig wachsenden Schülerzahlen nicht zu decken, argumentierte Busse. Sven Zimmerschied von der Vereinigung der Schulleiter von Sekundarschulen (BISSS) sagte, es gebe bereits ein massives Personalproblem. "Es ist dramatisch. Berlin muss endlich wieder verbeamten", sagte er. "Das Problem wird immer größer." Stellen mit klassisch ausgebildeten Lehrkräften zu besetzen, sei schon jetzt oft unrealistisch. Die Gymnasialleiter-Vereinigung beschreibt vor allem einen Bedarf in Mangelfächern - wie etwa Naturwissenschaften, Informatik und Mathematik.

Busse befürchtet gravierende Folgen: "Die Unterrichtsqualität leidet", sagte die Leiterin einer Grundschule in Neukölln. Dabei sei es ohnehin schwierig genug, die Lernrückstände durch die Pandemie aufzuholen.

Berlin ist das einzige Bundesland, in dem Lehrkräfte nicht verbeamtet werden.


Sendung: Radioeins, 14.06.2021, 15:00 Uhr

50 Kommentare

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  1. 50.

    Der Lehrer übt hoheitliche Befugnisse des Staates aus. Er übernimmt zum Beispiel 50% der Erziehung der Kinder unseres Staates und darf manche derer Grundrechte vorübergehend einschränken, indem er beispielsweise Kinder aus guten Gründen nachsitzen lässt. Er steht auch für die Vermittlung der freiheitlich demokratischen Grundordnung gerade. Diesen Job möchten Sie nicht dem Privatsektor überlassen.. .

  2. 49.

    Verbeamtung - nein danke! Ich will den Quatsch bewusst nicht. Denn die eigentliche Forderung dahinter ist doch nur: mehr Geld bei gleichzeitiger höhere Sicherheit. Darüber kann man reden, aber nicht über einen Status aus dem vorletzten Jahrhundert.

  3. 48.

    Lassen Sie sich mal von Giffey oder Buschkowsky aus Brennpunktschulen berichten.

  4. 47.

    Also wir hatten strenge Lehrer.
    Sowohl in der DDR als auch in Westberlin.
    Hat mir nicht geschadet.
    Heute dürfen doch Lehrer nichts mehr.
    Staat + Eltern wollen Lehrern gern erklären, wie sie zu unterrichten haben.
    Man sollte auch mal den Lehrplan entrümpeln und den ganzen Quatsch dort entfernen.

  5. 46.

    Bin kein CDU-Fan, aber unter Diepgen/Landowsky haben die Berliner noch gut gelebt.
    Insbesondere für die Lehrer war der Beruf deutlich angenehmer.
    Damals wurden sie noch Ernst genommen.
    Dazu günstige Mieten, Ausbau der S-Bahn, Löhne von denen man leben konnte, Sicherheit, wenig Parallelgesellschaften.
    Dazu war Berlin zwar an vielen Stellen unfertig, aber dafür saubere Straßen. Die Vermüllung ist neu.
    Ebenso war die Kultur- und Medienszene viel liberaler.

  6. 45.

    Da ist aber jemand gefrustet. Die Lehrkräfte wollten die Impfung, damit wieder regulärer Unterricht stattfinden kann. Außerdem müssten Sie mir bitte mal die Verkäuferin zeigen, die 90 Minuten lang mit den gleichen 32 Personen in einem schlecht belüfteten Raum spricht...

  7. 44.

    Damit der Staat seine Vorstellung von Bildung verwirklichen kann, braucht er Bedienstete, die seinen Vorgaben Folge leisten und das erreicht er mit Beamten. Beamtenpflichten kann man nachlesen, die werde ich hier aus Platzgründen nicht aufzählen.
    Beamtenpflichten können einen einschränken, z. B. wird ein Beamter dort beschäftigt, wo er gebraucht wird und nicht unbedingt dort, wo er arbeiten möchte, z. B. aus familären Gründen.
    Weil ein Beamter auch mit Versetzungen rechnen muss, ist der Traum von Wohneigentum oft schnell ausgeträumt oder auch ein mehrfacher Schulwechsel kann für seine Kinder unangenehm sein.
    Wegen dieser und anderen Einschränkungen durch die Pflichten gewährt der Staat seinen Beamten einen Ausgleich über die Beamtenrechte (ebenfalls nachzulesen).
    Eltern können schon deshalb froh sein am Beamtenstatus von Lehrern, weil es dann keinen Unterrichtsausfall wegen Streiks gibt. Dass es Eltern in Schwierigkeiten bringen kann, wenn sie ihre Kinder nicht in die Schule schicken können, hat man während der Coronakrise ja gemerkt.

  8. 43.

    Lehrer zu verbeamten ist generell längst überflüssig. Ich kenne auch Lehrer in der Verwandtschaft und habe das gejammere satt.
    Unsere Schüler werden immer schlechter. Jetzt noch Lehrer als Quereinsteiger die noch nicht mal Deutsch beherrschen.
    Habe 6 Enkel und weiß worüber ich rede.
    Lehrer waren auch jetzt die ersten die nach Impfung schrien obwohl keine oder sehr selten Schule statt fand. Sie haben eine Lobby. Die Verkäuferin die ständig mit Leuten zusammen kam waren die letzten.
    Deutschland verteilt Geld überall hin nur hier wird es immer schlimmer!

  9. 42.

    Es wird Zeit die aus Kostengründen abgeschaffte Verbeamtung wieder einzuführen. Am Ende schadet Berlin sich selbst damit, als einziges Bundesland nicht zu verbeamten und damit wertvolle Köpfe an andere Bundesländer zu verlieren.

  10. 41.

    Schon vor 20 Jahren waren es auf Gymnasien 36 Schüler pro Klasse. Ist nun wirklich nichts Neues…

  11. 40.

    Sehr schade, wenn Kinder, die schon den ganzen Vormittag im Klassenraum saßen, das dann auch noch nachmittags tun sollen. Kinder sind keine Maschinen! Lasst sie sich frei entfalten! Auch Schulkinder müssen spielen! Besonders nach 6 Stunden Frontalunterricht. Alles Quatsch diese Ganztagesbeschulung!

  12. 39.

    Man kann zur Verbeamtung von Lehrern stehen, wie man will. Aber so lang Berlin das einzige von 16 Bundesländern ist, das nicht verbeamtet, wird es nun mal nichts mit vielen neuen Lehrern hier und somit auch nichts damit, wenigstens den Status quo des ohnehin katastrophalen Berliner Bildungssystems zu halten.

  13. 38.

    "Panikmache"? Lehrer sind also in der Schule völlig sicher: vor körperlicher Unversehrtheit? (eine Freundin von mir, die als Lehrerin an einer Grundschule arbeitet, zeigte mir einmal unter Tränen ihre blauen Flecken, die ihr von zwei Schülern zugefügt wurde);
    vor psychischer Unversehrtheit? Ich will hier nicht wiederholen, mit welchen Schimpfwörtern Lehrer von Schülern und Eltern tituliert werden (Warum liegen Lehrer bei der Burnoutrate mit an der Spitze, warum schaffen es viele nicht bis zum Pensionsalter?).
    Dass Sie das alles als "AfD-Panikmache" abtun, reiht Sie nahtlos die inzwischen große Gruppe realitätsfremder "Wünsch-dir-was-Wahrnehmer" ein - wahrscheinlich darf nicht sein, was trotzdem ist! Gleichzeitig ist ihre Negierung der Problematik eine Ohrfeige für Hunderttausende Lehrer!
    Ja, die AfD greift das in ihrem ureigensten rechtspropagandistischen Sinne auf (einseitig nur gegen Menschen mit Migrationshintergrund gerichtet!), wie auch andere gesellschaftliche Missstände, die nicht angesprochen werden (dürfen), ohne gleich (auch von Ihnen) in die rechtsextreme Ecke gestellt zu werden. Ist es dann eine Lösung, vor diesen Problemen die Augen zu verschließen??

  14. 37.

    Dann mal los! Die Vorteile liegen auf der Hand! Stimmt alles, bis auf die vergessenen Nachteile und Probleme. Ich bin Lehrer. Zwei Unterrichtsstunden empfinde ich so anstrengend, wie 10 km Dauerlauf. Und beim Vorbereiten beachten Sie bitte die hohen individuellen Ansprüche der ca. 70 bis 100 Schülerinnen, die Sie pro Tag bei Laune halten müssen. Alleine und unkontrolliert.

  15. 36.

    Feste Arbeitszeiten ??? Auf welchem Stern leben SIE denn ? Wenn ich solche Beiträge lese, weiß ich immer nicht, ob ich laut lachen oder bitterlich weinen soll. SOLCHE Beiträge, an denen deutlich wird, dass der/die Verfasser/in KEINERLEI Ahnung von diesem Beruf hat ...
    Wann haben Sie denn das letzte Mal als Lehrer gearbeitet ? Lassen Sie mich doch freundlicherweise wissen, wie Sie ihre FESTEN Arbeitszeiten takten. Bitte denken Sie auch an Elterngespräche, Klassenkonferenzen, Korrekturen, Teamsitzungen etc.

  16. 34.

    keine Leistungskontrolle, deutlich mehr Feiertage, deutlich mehr Freizeit, selbstständiges Arbeiten, feste Arbeitszeiten, hohe Rente fallen mir da spontan als Pluspunkt für den Beruf ein.

  17. 33.

    also das müssen Sie mir bitte erklären wie ein Angestellter Lehrer, der weniger Gehalt bezieht, eine deutlich niedrigere Rente erhält, keine Beihilfe zur PKV erhält, weniger Kosten verursachen soll?!
    Gerne lasse ich mich von Ihnen sachlich belehren.

    Meiner Meinung nach ist die Verbeamtung schon lange überflüssig. Dadurch werden lediglich mehr Krankheitstage und ein früherer Ausstieg aufgrund von " Burnout" etc. gefördert. Das Schulsystem gehört schon lange reformiert. Alle Bundesländer sollten nachziehen und nicht mehr verbeamten, dann hätten wir auch nicht das aufgeführte Problem, dass nur die "2te Wahl Lehrer" in Berlin unterrichten.

  18. 32.

    Lehrer*innen sollten einfach grundsätzlich Arbeitnehmer*innen sein und keine Beamte. Verstehe ich einfach überhaupt nicht, warum dieser Status notwendig ist. Endlich ist mal Berlin Vorreiter - schade, dass die anderen Bundesländer nicht mitmachen. Eigentlich sollte nur noch Gerichte/Polizei verbeamtet werden. Alle anderen gerne ab auf den Bewerbermarkt; wobei bleibt ja dann immer noch öffentlicher Dienst.

  19. 31.

    Wie gehen Sie mit den Lehrern um? Ich als Selbständiger wurde von dieser Berufsgruppe nie geschont. Weiß aber, was für einen Job sie machen. Die meisten von Ihnen haben einen Job mit Tarifbindung, schön für sie. Lehrer waren komplett abgekoppelt. Ja, ich bin für Verbeamtung, das sichert Bildung und Ausbildung ohne Ausfall wegen Streiks.

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