"Saubere-Küchen-Gesetz" beschlossen - Hygiene-Barometer soll Sauberkeit von Gastronomie anzeigen

Anrichten einer Speise auf dem Teller in einer Restaurantküche (Quelle: dpa/Jochen Tack)
Audio: Inforadio | 08.06.2021 | Sabine Müller | Bild: dpa/Jochen Tack

Der Berliner Senat hat das sogenannte "Saubere-Küchen-Gesetz" beschlossen, das für mehr Transparenz im Lebensmittelbereich sorgen soll. Konkret sollen Verbraucher schnell erkennen können, wie reinlich in Restaurants, Imbissen, Kantinen, Kneipen oder Bäckereien gearbeitet wird.

"Bei den Überprüfungen wird immer wieder festgestellt, dass leider zu viele es nicht allzu genau nehmen mit den Hygienevorschriften", sagte Verbraucherschutzsenator Dirk Behrendt (Grüne) in der rbb-Abendschau. "Durch die Veröffentlichung wollen wir ihnen einen kleinen Schubs geben, dass sie sich vielleicht doch ein bisschen mehr Mühe geben, denn es geht ja um unser aller Gesundheit."

Ein "Transparenzbarometer" in den Farben von Grün über Gelb bis Rot wird anzeigen, wie die Hygiene-Kontrolle des Gesundheitsamtes in einem Betrieb ausgegangen ist. Die Betreiber müssen dieses Ergebnis in Zukunft gut sichtbar für die Kunden aushängen, es wird auch im Internet veröffentlicht. Allerdings erst ab Januar 2023 – wegen der Corona-Pandemie wurde der Start verschoben.

Dehoga: "Wir fühlen uns regelrecht veräppelt"

Vom Berliner Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) kommt scharfe Kritik. Nicht wegen des Gesetzes an sich, sagt Hauptgeschäftsführer Thomas Lengfelder, das unterstütze sein Verband ausdrücklich. Er wirft aber Senator Behrendt und seinen Mitarbeitern "unmögliches" Verhalten vor.

Denn der Dehoga sei ursprünglich zugesichert worden, dass Betreiber ein Recht auf Nachkontrolle haben, bevor ein negatives Hygiene-Ergebnis öffentlich gemacht wird. Dieser Passus finde sich jetzt aber nicht mehr im Gesetzentwurf. Er sei aber notwendig, so Lengfelder, damit Betreiber wegen kleiner Fehler nicht sofort an den Pranger gestellt würden. "Wir fühlen uns regelrecht veräppelt", betonte der Dehoga-Geschäftsführer.

Senat reagiert gelassen

Aus der Senatsverwaltung heißt es dazu, der Betreiber könne auf eigene Kosten eine unangekündigte Nachkontrolle beantragen, müsse aber in der Zwischenzeit das Ergebnis der ersten Kontrolle aushängen. Nach dem heutigen Senatsbeschluss geht der Gesetzentwurf jetzt weiter ins Abgeordnetenhaus.

Sendung: Inforadio, 08.06.2021, 13:20 Uhr

6 Kommentare

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  1. 6.

    Accccccch, es gibt doch immer und überall Korruption.... Auch bei unangekündigten Kontrollen mit anschließendem"Gütesiegel" sickern schon seit mindestens 20 Jahren die Termine für die"Vorbereitung" durch, z.B. im Pflegebereich. Und in der Gastro? Guckt mal zu mit einem Blick zur Seite, wie z.B. die Gläser gespült werden.... Da hab ich dann auch keinen Hunger mehr!

  2. 5.

    Das ist alles eine Frage der Organisation und des Ausmaßes an Verfehlungen. Es ist wirklich zutreffend, dass niemand und wirklich niemand allesamt alles einhalten kann und doch kann eine systematische Verkettung von Verfehlungen erkennbar gemacht werden. Es scheint wieder einmal eine typisch deutsche Eigenschaft zu sein, die "1" als ideal anzusetzen und schon die "2" als zu korrigierende Katastrophe anzusetzen.

    Im Zeitalter der Digitalisierung scheint nur zwischen positiv und negativ unterschieden zu werden. In meinen Augen ist das ein zu reduziertes Abbild der Wirklichkeit.

  3. 4.

    Halten Sie sich denn bewusst oder unbewusst STETS an alles? Ich glaube kaum. Der Staat lebt zum großen Teil von den Einnahmen von Bürgern, die mal etwas übersehen haben oder an etwas gerade nicht gedacht. Das kann jedem mal passieren. Bei so einer Bewertung, deren Deutung auf ein Minimum reduziert ist, kann eine Kleinigkeit leicht zur Pleite und Jobverlusten führen. Da sollte man, wenn es nicht gravierende, grobe Mängel oder sich wiederholende betrifft diese nach der Nachkontrolle auf sich beruhen lassen. Denn das Nertz vergisst ja auch nie.
    Nein ich arbeite nicht in der Gastro und ich hänge auch nicht laufend in Restaurants oder Dönerias etc. Ich finde nur Fair sollte auch fair bleiben.
    Aber naja... wieder eine Gesellschaftsgruppe, die nicht grün wählt. Läuft!

  4. 3.

    Das könnte den Gastronomen so passen. Wer stets eine saubere Küche hat, der hat auch nichts zu befürchten! Ich interessiere mich sehr wohl für das Ergebnis der letzten unerwarteten Kontrolle. Es muss sofort veröffentlicht werden, sonst würde sich gar nichts ändern.

  5. 2.

    So abwegig finde ich die Idee nicht, und wirklich neu ist sie auch nicht. In New York müssen Gastronomen auch das Ergebnis ihrer letzten Hygienekontrolle (dort mit Buchstaben benotet) aushängen, das ist gerade bei den vielen Hotdogständen u. ä. dort sehr hilfreich. Und für so manchen Dönerladen ist das auch dringend nötig

  6. 1.

    Das ist doch nur zum Brüllen, der Senat hat wieder mal eine Idee. Die Idee ist vorab schon tot. Hat man in den letzten Jahren in Berlin schon mal was vernünftiges auf die Reihe gebracht???

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