Debatte über Höhe des Hines-Turms - Am Alex droht ein neuer Hochhausstreit

Panorama des Alexanderplatzes mit illustrierten Gebäuden im Vordergrund.(Quelle: dpa/ Annette Riedl, Grafik: rbb|24)
Video: Abendschau | 13.07.2021 | Bild: dpa/ Annette Riedl, Grafik: rbb|24

Mit dem Hines-Hochhaus soll eigentlich bald das vierte neue Hochhaus am Alexanderplatz gebaut werden. Doch nun soll Hines statt 150 nur noch 130 Meter hoch bauen - und Rot-Rot-Grün hat ein Streitthema. Von Sebastian Schöbel und Dorit Knieling

Beim geplanten Hochhaus des Investors Hines am Alexanderplatz bahnt sich ein Streit um die Höhe an. Im rbb forderte Senatsbaudirektorin Regula Lüscher nun, dass das Gebäude nur noch 130 statt 150 Meter hoch wird - was der Investor aber ablehnt.

Das Hochhaus soll an der östlichen Spitze des Alexanderplatzes hinter dem Elektronikmarkt Saturn entstehen. Senatsbaudirektorin Lüscher erklärte nun, die geplanten 150 Meter Höhe passten nicht mehr ins Bild: Die beiden anderen am Alex geplanten Hochhäuser der Investoren Signa und Covivio werden nach einigen Verhandlungen auch nur noch 130 Meter hoch. "Wir haben uns das im Baukollegium genau angeguckt und sind zu der Überzeugung gekommen, dass die 130 Meter für alle Gebäude deutlich besser wären, weil dadurch der Fernsehturm als Krone besser sichtbar ist", so Lüscher.

Bauwerke am Alex im Höhenvergleich (Grafik: Sophia Bernert/rbb|24)
| Bild: rbb|24/Sophia Bernert

Linke und Grüne ebenfalls für 130 Meter

Regressansprüche könne Hines nicht geltend machen, so Lüscher: Der Investor hatte das ursprünglich für den Bau eingeplante Grundstück verkauft, dort steht nun ein Elektronikmarkt. Für das Baufeld direkt dahinter, wo Hines nun den Turm errichten will, gibt es bisher keinen Bebauungsplan, sagte Lüscher. Deswegen sei auch eine nachträgliche Änderung der Höhe zulässig.

Wirtschaftliche Argumente sollten bei der geringeren Höhe für Hines keine Rolle spielen, so Lüscher. Die Bauherren der anderen 130-Meter-Türme, Covivio und Signa, müssten auch nicht auf Bruttogeschossfläche verzichten, in deren Bebauungsplänen sei "genug Luft", um die benötigte Fläche für die Vermarktung zu erreichen.

Allerdings hatten die beiden Unternehmen von Anfang an mit 130 Metern geplant, während Hines seine Entwürfe auf 150 Meter angelegt hatte. Nun laufen nach rbb-Informationen Gespräche mit den Architekten, inwiefern die Entwürfe noch anpassbar sind, um auch bei geringerer Höhe die gleiche Menge verwertbare Fläche zu haben.

Unterstützung bekommt Lüscher von Linken und Grünen. Der ursprüngliche Masterplan für den Alexanderplatz mit mehreren 150-Meter-Hochhäusern sei nicht mehr zeitgemäß, sagte die stadtentwicklungspolitische Sprecherin der Grünen, Daniela Billig, dem rbb. Der Bebauungsplan muss noch vom Abgeordnetenhaus beschlossen werden. Katalin Gennburg, Stadtentwicklungsexpertin der Linken, verwies zudem auf die U-Bahntunnel unter dem Baufeld: Es sei fraglich, ob der "Bau von Luxuswohnungen" eine Gefährdung der Bahnanlagen rechtfertige. "Wir als Linke sind nicht dafür, dieses Risiko einzugehen."

SPD lehnt Vorstoß ab

Koalitionsintern birgt das Thema allerdings Streitpotential: Die SPD erklärte auf rbb-Nachfrage, sie halte weiterhin an den 150 Metern Bauhöhe für den Hines-Turm fest. Die Planungen sollten nach jahrelangen Diskussionen nicht nachträglich geändert werden, sagte SPD-Stadtentwicklungspolitiker Daniel Buchholz. "Die SPD hat auch die Obergrenze von 130 Metern für Hochhäuser stets abgelehnt."

Hochhäuser von Signa und Covivio (r.)Links der Entwurf für den Signa-Turm, rechts der für das Covivio-Hochhaus neben dem Park Inn Hotel

Hines hält an 150 Metern fest

Hines lehnt eine Reduzierung der Höhe ab. "Wir planen den Bau eines 150 Meter hohen Gebäudes", sagte Christoph Reschke, Geschäftsführer Hines Deutschland, dem rbb. "Das entspricht dem Ergebnis des internationalen Architektenwettbewerbs von 2014, an dem Verwaltung und Politik maßgeblich beteiligt waren." Zudem habe man habe sich gerade erst mit der BVG über den Schutz des darunterliegenden Tunnels der U5 geeinigt - eine Voraussetzung für die Fertigstellung des Bebauungsplans. Der Tunnel werde laut Hines mit einem aufwändigen Verfahren für bis zu 30 Millionen Euro saniert und abgesichert. "Nun wollen wir unser Projekt so realisieren, wie wir es miteinander abgestimmt und geplant haben", so Reschke.

Allerdings laufen im Hintergrund nach rbb-Informationen bereits Gespräche mit den drei Architekturbüros, deren Entwürfe beim Wettbewerb ausgezeichnet wurden: Neben Frank Gehry gehören dazu auch die bekannten Architekten von Kleihues + Kleihues und Barkow Leibinger. Eine endgültige Festlegung, welcher Entwurf umgesetz wird, gibt es bislang nicht.

Tunnelsanierung für 30 Millionen Euro

Details über die Vereinbarung zur Tunnelsanierung, die nun auch im Grundbucheintrag für das Grundstück festgehalten werden, wollten jedoch weder BVG noch Hines nennen. Darüber sei Stillschweigen vereinbart worden, hieß es. Nach rbb-Informationen müssen insgesamt drei Röhren abgesichert werden: zwei werden von der U5 genutzt, die dritte Röhre ist leer und soll für mögliche künftige U-Bahn-Ausbauten erhalten bleiben. Wie der rbb aus informierten Kreisen erfuhr, soll für die Sanierung und Absicherung das sogenannte "Inliner-Verfahren" genutzt werden: Dabei wird der Tunnel bei laufendem Bahnbetrieb erweitert und mit einer neuen Betondecke verschalt. Das Verfahren wurde von der Deutschen Bahn bereits mehrfach angewandt.

Geplantes Hochhaus Capital Tower am Alexanderplatz (Simulation: Monarch Gruppe, basierend auf einem Entwurf von Ortner & Ortner Baukunst)Entwurf für den Monarch-Turm "Alexander" neben dem Alexa-Kaufhaus

Zwei Hochhäuser bereits im Bau

Das Hines-Hochhaus ist eines von vier geplanten Hochhäusern am Alexanderplatz. Zwei sind bereits im Bau, am Einkaufszentrum Alexa durch den Investor Monarch, und neben dem Park Inn Hotel durch den Investor Covivio. Dieser Turm entsteht in unmittelbarer Nähe des Hines-Hochhauses, und soll 2025 fertig sein, wie ein Unternehemssprecher dem rbb mitteilte. "Wir haben mit unserem Bauvorhaben keine direkten Auswirkungen auf das Tunnelsystem, da wir uns nur in einem kleinem Teilstück im Sicherheitsbereich der BVG bewegen."

Das dritte Hochhaus wird von Karstadt-Eigner Signa auf dem Galeria-Gebäude geplant. Ein Bauvorbescheid liegt bereits vor, der Umbau des Bestandsbaus sei ebenfalls genehmigt, teilte ein Signa-Sprecher auf rbb-Nachfrage mit. "Die Bauarbeiten im Haus sind im Juni gestartet und werden im laufenden Betrieb durchgeführt."

Lediglich der Monarch-Turm soll nun 150 Meter hoch werden. Der Investor hatte bereits einen gültigen Bauvorbescheid und eine Reduzierung der Höhe abgelehnt. Signa und Covivio hatten dagegen ihre Pläne auf Drängen des Senats geändert.

Sendung: Inforadio, 12.07.2021, 06:00 Uhr

65 Kommentare

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  1. 65.

    Wo ein Investor auftaucht entstehen erst mal oft genug Schulden. Kein Investor investiert wenn er danach nicht noch reicher wird oder noch mehr Macht besitzt. Mitunter haben die einen langen Atem. UBA z. B. fährt die Kunden biliger zum Ziel. Die UBA-Fahrer verdienen aber wenig Geld um die Aktionäre bei Laune zu halten. Nach Durstjahren sind die TAXI-Unternehmer verdrängt und dann ist UBER Monopolist und diktiert die Preise. Wer noch an freier Marktwirtschaft glaubt ist nicht auf der Höhe: Raubtierkapitalismus ist angesagt. Auch bei TESLA. Wartet nur ab.

  2. 64.

    Eine Stadt, die immer größer wird wird auch immer teurer. Immer mehr U-und S-Bahnen; möglichst noch beide übereinander . Noch mehr Regierungsgebäude und Bezirksrathäuser. Noch mehr Politiker, die den Bürgern alles vorschreiben. Noch mehr Land mit Beton latt machen. Noch mehr Lebensmitteltransporte und Massengüter in die Stadt schaffen. Warum erkennt man nicht, dass das alles Unsinn ist und bestimmt nicht ökologisch. Eine zu große Stadt ist eine zu große Belastung für Mensch und Natur. Es lebe die gesunde Kleinstadt, die stets Tuchfühlung mit dem Land hat. Aber-Schluss mit Massenschweinezucht für China. Es stinkt im Lande.

  3. 63.

    Die sagte sich: Ja rasch Regierende Bürgermeisterin werden ehe die Berliner zur Besinnung kommen und erkennen was die Grünen in Wirklichkeit sind. Deshalb heißt die wohl auch so. Ihr Mann dicke da beim rbb passt doch gut. Medien sind schließlich auch eine Macht. Für den, der alles glaubt was die verbreiten.

  4. 62.

    Hochhäuser, je höher destso teurer für Mensch und Umwelt - kein Haus höher als das Rote Rathaus(27/74m) oder die 22 Meter Berliner Traufhöhe nach dem Hobrecht-Plan waren und sind eine vernünftige Norm sowie Wahrzeichen des Berliner Milljöh.

  5. 61.

    @Stefan, was wollen Sie aussagen?
    Egal welche Regierung, eine Stadt ist kein Selbstzweck und auch keine Anhäufung von Gebäuden.
    Eine Stadt lebt durch seine Bewohner. Was Sie scheinbar sich vorstellen, gibt es schon in München oder Köln. Die arbeitende Mittelschicht kann sich dort Wohnraum in der Innenstadt nicht leisten und nimmt lange Fahrten ins Umland in Kauf.

  6. 60.

    Die Linken und Grünen sollen endlich verschwinden. Die blockieren und behindern doch alles nur. Wer immer mehr Menschen in die Stadt lockt, der muss auch für Wohnungen und Gewerbefläche sorgen. Berlin kann dabei nicht eine Stadt der Geringverdiener werden, denn das kann sie die Stadt nicht leisten und es geht finanziell nicht auf. Da Berlin seine Grenzen hat, geht es dann eben nur in die Höhe oder jede Grünfläche wird zubetoniert. Aber dagegen gehen ja die Anwohner auf die Barrikaden.
    Einige sagen immer, dass jene, die die Stadt am Leben halten auch in der Stadt wohnen sollen. Ja ok, aber sollen die sich da selbst verwalten? Die Krankenschwester heilt den Imbißbetreiber, dessen Frau die Kinder der Krankenschwester betreut, deren Mann das Auto des Imbißbetreibers mit Knöllchen zutackert? Das ist doch Humbug. Ein Perpetuum Mobile. Ob es einem passt oder nicht, irgendwer muss den Laden auch finanzieren und zusammenhalten. Der Länderfinanzausgleich alleine schafft das nicht.

  7. 59.

    @Steffen, so schnell vergrault man die "Investoren" nicht. Die Preise auf dem Berliner Immobilienmarkt steigen immer noch.
    Die Frage ist doch, ob der Turm auch für Berlin und die Berliner ein Gewinn ist, oder ob nur einer Gewinne erzielt. Das ist dann auch der schmale Grad zwischen Investor und Spekulant.
    Nichts gegen Investoren und Eigentum im Allgemeinen, aber Berlin braucht zur Zeit anderes als Prestigebauten.

  8. 58.

    Also Berlin kann alles - auch schlimmer. Baerbock kandidiert für den Bund. Auf den Namen der Berliner Spitzenkandiatin komme ich gerade nicht. Können sie mir, ja rasch, auf die Sprünge helfen? ;-)

  9. 56.

    Genauso, @Tram 88 !

  10. 55.

    Wir werden von Wessis regiert, die sind unsere saubere Stadt Berlin-Alex war unser Zentrum-nicht gewohnt. Die mögen dicke Zettelkleberei an jeden Mast und kein Bauwerk ohne Vollblödgraffitischmiererei. Die haben den Mist wohl auch auf den Brillen ? Die Grüne, die RBM werden will wäre eine Katastrophe. "Sie tanzte nur einen Sommer"- die Baerbock-toller Beitrag vom ehem. Cicerochef.

  11. 54.

    "Der Investor hatte bereits einen gültigen Bauvorbescheid und eine Reduzierung der Höhe abgelehnt." In einem Vorbescheid kann alles mögliche oder nichts drin stehen. Der Satz ist dann doch etwas dünn recherchiert, gerade weil die Höhe hier das Thema ist. Das übliche Geplapper von Politikern kann dann ggf. auch nur zweitrangig sein.

  12. 53.

    So viele Linden hat man einfach vernichtet. Es war so angenehm dort zu verweilen. Ich meine die Zwischen Rathaus und Gastmahl des Meeres. Nordsee ist dagegen ein Stinkefischschuppen. Finger weg vom Alex. Der ist geklautes Volkseigentum. Ja, ich kann auch so. Ihr raubt uns ja alles.

  13. 52.

    Wenn da vor allem Luxuswohnungen in den Spargeltürmen entstehen sollen sind das doch oft nur Zweitwohnungen von den ZUVIELGELDHABERN. Ökologisch eine Sauerei ! Viel Stahl und viel Beton heißt viel CO2 bei der Materialproduktion. Der Kalksteintagebau ist hier schon so riesig gewachsen. So viel für Autobahn-und Brückenbau. Stets entsteht viel CO2. Uns Bürger plündert man bald mit der CO2-Steuer aus. Wer regiert eigentlich unser Land ? Die Regierung und die Parlamentarier bestimmt nicht. Eur CO2-Lügen kotzen mich an. Es sind Lügen, ihr würdet sonst anders bauen.

  14. 51.

    Man kann nur hoffen und der Senat stürzt bei den Wahlen richtig ab.
    Wie 1990.
    Bin mal gespannt auf die nächste rbb-Umfrage.
    Zumindestens müssen Linke + Grüne aus der Regierung raus.

  15. 50.

    Das Fatale ist ja nicht die Diskussion über 130,150 oder sonst wie viele Meter Höhe. Das Fatale und Investoren vergraulende ist die Unberechenbarkeit und Willkürlichkeit dieses Senats und auch der einzelnen Bezirksregierungen. Wenn schon Investoren für hochwertige Investments, mit entsprechenden Renditen damit vertrieben und drangsaliert werden, so tun sich Investoren mit kleineren Renditen dies gar nicht mehr an. Da wundert es dann nicht wirklich, dass kaum noch jemand in dieser Stadt investiert.

  16. 48.

    Sehr geehrter Prenzlauer,
    vor allem konnte man gefahrlos in dem Tunnellabyrinth die vielbefahrenen Straßen unterqueren was heute unmöglich wäre.
    Mit freundl. Grüßen

  17. 47.

    Fr. Lüscher verläßt doch Berlin demnächst. Viel großes hat sie hier nicht zustande gebracht. Nun will sie noch schnell ein Ausrufezeichen setzen. Außerdem war alles geklärt. Besser ist es, der nächste Senat kümmert sich um diese Baustelle.

  18. 46.

    Sehr geehrter IckeDette,
    was dem "Raumschiff" ICC betrifft, da stimme ich ihnen zu.
    Mit freundl. Grüßen

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