43. Christopher Street Day - 65.000 Menschen ziehen durch Europas "Regenbogenhauptstadt" Berlin

Menschen bei der Christopher Street Day Demonstration in Berlin am 24. Juli 2021. (Quelle: imago images/Emmanuele Contini)
Video: rbb|24 | 24.07.2021 | Material: Abendschau & Brandenburg aktuell | Bild: imago images/Emmanuele Contini

In Berlin sind zehntausende Menschen zum Christopher Street Day durch die Stadt gezogen. Der Veranstaltung mit laut Polizei rund 65.000 Teilnehmenden drohte zwischendurch die Auflösung, weil die Maskenpflicht teilweise nicht beachtet wurde.

Zehntausende Menschen haben am Samstag in Berlin ausgelassen und bunt gekleidet am 43. Christopher Street Day teilgenommen. Die Polizei sprach von 65.000 Teilnehmern, die Veranstalter sogar von 80.000. Kurz nach Beginn der Demonstration um 13 Uhr hatten sich bereits rund 35.000 Menschen in Mitte versammelt, wie ein Polizeisprecher rbb|24 sagte. Die Veranstalter hatten im Vorfeld 20.000 Teilnehmer angemeldet.

Sollte die Versammlungsbehörde der Polizei die Zahl der Teilnehmenden am Montag bestätigen, wäre der CSD die größte Demonstration in Berlin seit Beginn der Corona-Pandemie im März 2020. Die zweitgrößte Veranstaltung ist nach jetzigem Stand die Großdemonstration gegen die Corona-Politik im August 2020 mit rund 30.000 Teilnehmern.

Mitorganisator Nasser El-Ahmad zeigte sich nach dem CSD-Umzug sehr zufrieden: "Wir sind uns im Vorstand alle einig. Es war eine erfolgreiche Demonstration nach anderthalb Jahren der Stille", sagte er am Abend dem rbb. Wegen der Corona-Pandemie war im vergangenen Jahr die große CSD-Parade abgesagt worden.

Zug drohte Auflösung

Der Demonstrationszug setzte sich am frühen Samstagnachmittag von der Leipziger Straße zunächst in Richtung Potsdamer Platz in Bewegung. Die Route führt vorbei am Brandenburger Tor in Richtung Siegessäule und bis zur Urania in Berlin-Schöneberg. Gegen 15.15 Uhr kamen die ersten Teilnehmenden am Ziel der Demonstrationsroute an. Nach Angaben eines Polizeisprechers verteilte sich die Menge anschießend in die umliegenden Straßen.

Trotz Alkoholverbots und strenger Sicherheitsauflagen wegen der Corona-Pandemie feierten und tanzten die Menschen zu Techno-Bässen von mehreren Lastwagen und demonstrierten für die Rechte sexueller Minderheiten. Unter den Teilnehmen war auch Kultursenator Klaus Lederer (Linke).

Veranstalter und Polizei appellierten zwischendurch immer wieder an die Teilnehmenden, die Corona-Regeln einzuhalten. rbb-Reporter auf der Veranstaltung berichteten ebenfalls, dass nicht alle Demonstrierenden Masken trugen, auch die Abstandsregeln seien vielfach nicht eingehalten worden. Es gab Durchsagen, wonach die Polizei überlege, den Zug vorzeitig aufzulösen.

Müller: Berlin ist die Regenbogenhauptstadt Europas

"Durch die Pandemie wird die diesjährige Demonstration ihren Fokus auf eine nahezu reine Demo mit Protestzug-Charakter legen", hatten die Veranstalter zuvor angekündigt. Einige Teilnehmer hatten Plakate dabei, auf denen etwa "Free Britney" stand (zu einem Foto von Britney Spears) oder "Allah loves Equality". Das Motto "Save our Community - save our pride" sollte neben der Einforderung von Rechten Homosexueller auch auf die schwierige Situation vieler queerer Einrichtungen aufmerksam machen, die aufgrund der Krise um ihre Existenz bangen.

Entsprechend reduziert war die Zahl der Lautsprecher-Lastwagen. Aus den Boxen drangen nicht nur Musik, sondern häufig auch politische Reden, in denen etwa über die Situation von Homosexuellen im Ausland gesprochen wurde, oder über die Diskriminierung von Menschen mit Behinderung. Größere Zwischenfälle und Verstöße stellte die Polizei aber nicht fest.

Der Regierende Bürgermeister von Berlin, Michael Müller (SPD), hatte bereits am Vormittag zur Solidarität mit verfolgten Schwulen, Lesben und Transgender aufgerufen. Zwar sei das heutige Berlin "weltoffen und liberal", jedoch sei auch in der "Regenbogenhauptstadt Europas" schwulenfeindliches Denken und Handeln ein Problem, erklärte Müller. "Dem müssen wir uns gemeinsam entgegenstellen."

CSD nach einem Jahr Pause wieder auf Berlins Straßen

In vielen anderen Ländern weltweit sei die Situation für die LGBT-Community deutlich schwieriger als hierzulande, selbst in Europa, fuhr Müller fort. Daher müsse auch an diejenigen Menschen gedacht werden, die bei ihrem Engagement für Gleichstellung und Respekt "in Kauf nehmen müssen, ausgegrenzt, verfolgt oder inhaftiert zu werden".

In Berlin findet am Samstag zum 43. Mal der Christopher Street Day statt - nach der Verlagerung ins Internet im vergangenen Jahr wegen der Pandemie nun wieder auf den Straßen der Hauptstadt.

Die CSD-Parade geht auf die Ereignisse Ende Juni 1969 in New York zurück: Polizisten stürmten damals in Manhattan die Homosexuellen-Bar "Stonewall Inn" in der Christopher Street und lösten einen Aufstand von Schwulen, Lesben und Transsexuellen gegen willkürliche Kontrollen und Schikanen aus.

Zehntausende feiern und demonstrieren bei CSD in Berlin

Sendung: Abendschau, 24.07.2021, 19.30 Uhr

Die Kommentarfunktion wurde am 24.07.2021 um 19:42 Uhr geschlossen

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62 Kommentare

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  1. 62.

    65.000 Menschen, die sich ausgelassen feiernd in einem engen Demonstrationszug fortbewegen - wie der Artikel durchaus reflektiert, nicht immer mit Maske und schon gar nicht mit dem nötigen Abstand. Aus meiner Sicht ein zweifelhaftes Signal in Zeiten von Delta und gleichzeitig ein Dilemma. Das Anliegen der Gleichberechtigung teile ich, die Empörung über verschiedene diskriminierenden Zustände in Europa ebenso, genauso wie die Wahrnehmung, dass Rassismus und Menschenverachtung jeglicher Couleur zu bekämpfen sind. Trotzdem erscheint es mir wenig verantwortungsvoll aktuell eine solche Großveranstaltung anzumelden bzw. zu besuchen. Wir wissen, dass Delta deutlich ansteckender ist, Impfdurchbrüche möglich sind und wir wissen auch, dass uns die Impfquote in Berlin/Deutschland keinesfalls vor einer 4. Welle schützen wird. Gleichzeitig ist die Reisemobilität der internationalen Teilnehmer*innen problematisch, das konnten wir in den vergangenen 1,5 Jahren lernen. Philosophisch ist nun zu hinterfragen, ob das Symbol dieser Demonstration wichtiger ist, als der weitere Infektionsschutz? Gesellschaftlich können wir nur durch gemeinsame Vorsicht, Rücksichtnahme und Verantwortungsbewusstsein dafür sorgen, dass uns die Coronasituation nicht wieder über den Kopf wächst - mit den bekannten Einschränkungen für alle. Vor dem Hintergrund sehe ich jegliche Großveranstaltungen aktuell sehr kritisch.

  2. 61.

    Ich war dabei, und die Menschen waren seehr diszipliniert, was das Maske tragen anging. Aber der Heimweg gestaltete sich doch etwas schwierig, da die BVG es nicht für nötig befunden hat, auf der Strecke Nollendorfplatz-Warschauer Straße (U1/U3) für genügend Wagen zu sorgen. So stand ich dann , nachdem ich 3 völlig überfülltee U-Bahnen mit 6Wagen fahren lassen mußte, stand ich dann in einem völlig überfüllten Kurzzug mit Menschen, die die U-Bahn mit Ihrem Club verwechselt haben. Sie hatten laute Musik an, tanzten und sangen dazu natürlich ohne Maske. Es ist schon scheiße, wenn ich von anderen Respekt und Akzeptanz fordere, und nicht bereit bin, anderen Menschen den Respekt, den sie verdient haben endgegenzubringen

  3. 60.

    Was soll denn dieser ständige Unsinn mit den Masken im Freien? Man müsste praktisch schon miteinander knutschen, um sich im Freien infizieren zu können und genau das kann und darf ohnehin niemand verhindern. Die derzeitigen Inzidenz lässt normalerweise überhaupt keine Maßnahmen mehr zu. Aber die Politik hat wohl Spaß daran gefunden, die Grundrechte massiv einzuschränken.

  4. 59.

    In einer Woche spätestens werden wir sehen was uns das gebracht hat. In der so etwas zu erlauben. Aber sich über Urlauber die zurückkommen aufregen und ihnen die Schuld zuweisen. Ich werde trotz hoher Coronazahlen am Urlaubsort trotzdem fliegen und meine Enkel besuchen und zwar ohne schlechtes Gewissen. Und nein, nicht die Urlauber bringen es mit, sondern hier im Land wird es durch diese Feiern und durch den Sport verbreitet. Außerdem kann ja jeder Engländer einreisen und Quarantäne wird ja sehr sehr selten überwacht.

  5. 58.

    65.000 statt 20.0üü Teilnehmer, ein massiver Menschenblock während der Pandemie. SIeht man die Bilder könnte man meinen,es passiert im 2019.
    Sichtbar sind sie, wie gewünscht,ob die pandemisch folgenlos bleiben,wird sich zeigen. Geimpft und maskentragend,wie sie alle sind.
    Am Ende kommen die heißen Feger in Orange ,wie der Tagesspuegel sue nennt und machen wieder klar Schiff.
    Die sind aber nur für den Müll auf der Strecke zuständig.
    Ne Test- und Impfstraße am Start, das wär doch mal ne Coronamaßnahme gewesen.
    IRONIE OFF.

  6. 57.

    Ich glaube auch nicht daran dass alle geimpft sind, genesen sind oder getestet wurden.
    Kein Abstand wurde gehalten was auf den Bildern gut zusehen ist.
    Bald wird sich dieses (egoistische)Verhalten in neuen Beschränkungen bemerkbar machen. Wie in England ist die Zahl der Ansteckungen dann wieder gestiegen.
    Schönen Dank auch.

  7. 56.

    Abstand halten bei solchen Ereignissen ist natürlich unmöglich, nicht durchsetzbar und überhaupt nicht realistisch. Dass sowas noch erwähnt wird...

  8. 55.

    ich jedenfalls, schleppe mir bis zum herbst ein paar hundert liter mineralwasseer und dosenfutter in die bude....
    das wird/kann alles nicht gutgehen.

    gruß

  9. 54.

    Sie schreiben:
    "Menschliche Anständigkeit.
    Respekt vor einander.
    Toleranz gegenüber anderen.
    Was man für sich selbst einfordert, sollte man anderen ebenso zugestehen. "

    Das ist richtig, aber genau dieses Verhalten lässt ein Großteil der Teilnehmer vermissen. Daher die Kritik.

  10. 53.

    Corona auch nicht! Ach, übrigens bin ich keine orthodoxe Russin :) lg

  11. 52.

    So etwas in der Art habe ich auch gerade gedacht. Ob wohl alle, die sich hier über den CSD aufregen, sich auch über die Demos der Querdenker aufgeregt haben.

  12. 51.

    Masken sehe ich viele. Abstand weniger. Macht mir auch Sorgen.
    Aber ich begrüße all jene hier im Forum über Nichteinhaltung der Regeln beschweren und aber bei den Querdenker-Demos, als die Coronazahlen noch ungleich höher waren, Meinungsfreiheit und Abschaffung der Maßnahmen gefordert hatten.

  13. 50.

    Tja da brauchts keinen Abstand.

  14. 49.

    Die Pandemie sollte nicht alles aushebeln können und es ist gut seine Meinung öffentlich sagen zu können. Und wenn es jetzt eben der csd ist. Aber wer von den Verantwortlichen und Veranstaltern gedacht hat das angemeldete 20.000 Die coronaregeln einhalten, hat sich von Anfang an selbst belogen. Man weiss doch das diese Veranstaltung ohnehin auch für viele Teilnehmer der Ersatz für die Loveparade ist. Also entweder nicht genehmigen oder mit den Konsequenzen leben. Und ohnehin bleibt eine solche Veranstaltung niemals bei den angemeldeten zahlen. P.s. Ich wünsche mir die Loveparade wieder her. Soll ein jeder 1euro spenden, wäre zumindest das müllproblem bezahlt. Wir hatten doch zu Spitzenzeiten eine knappe Million Besucher weltweit hier. Jeder hat davon profitiert. Oder nicht?

  15. 48.

    Ihr Kommentar ist ein Witz oder? Können Sie mir bitte erklären, inwiefern Weiße und Heterosexuelle in Deutschland aufgrund ihrer Hautfarbe oder ihrer sexuellen Orientierung diskriminiert werden?

  16. 47.

    Menschlich anständig wäre es nicht so ausufern zu lassen! Aus Rücksicht zu den Kindern und deren Bildung selbst mal zurückzustecken!

    Ich habe nix gegen den CSD oder Menschen, die sich für Ihre Rechte einsetzen. Aber: NICHT AUF KOSTEN ANDERER! Es ist mir zu kurzsichtig.

  17. 46.

    antwort auf Motte. Nein ich bin nicht Russin. Um ihre Unterstellung zu entkräften. Ich bin einfach anderer Meinung! Das ist doch zu tolerieren oder?

  18. 45.

    Hatte man nicht erst die UEFA wegen der vollen Stadien bei der EM heftig kritisiert. Warum wird immer mit zweierlei Maß gerichtet? Wer soll denn da noch etwas glauben?

  19. 44.

    Glückwunsch! Der vermutlich absurdeste und geschmackloseste Kommentar bisher...

  20. 43.

    Muß das alles sein? Warum wird das überhaupt erlaubt. Und anschließend steigen die Corona-Zahlen in Berlin und alles wird wieder abgeriegelt. Ich werde auf kleines ruhiges Dorf ziehen, dann können sich die Verrückten hier weiter austoben

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