Gedenken in Berlin-Plötzensee - Müller würdigt Attentat auf Hitler vom 20. Juli 1944

Kränze liegen an der Gedenkstätte Plötzensee (Quelle: dpa/Jörg Carstensen)
dpa/Jörg Carstensen
Audio: Inforadio | 20.07.2021 | L. Petersen | Bild: dpa/Jörg Carstensen

Der Berliner Regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD) hat am Dienstag die Widerstandsbewegung des 20. Juli 1944 gegen das NS-Regime gewürdigt. Am 77. Jahrestag des gescheiterten Attentats auf Adolf Hitler verwies er darauf, dass der Aufstand von Wehrmachtsoffizieren zwar seinerzeit gescheitert sei. Dennoch seien das versuchte Attentat und der Aufstand ein Vorgang von allergrößtem moralischen Gewicht - und ein wichtiger Schritt auf dem Weg zurück zu Freiheit und Selbstachtung gewesen.

Müller mahnte auch heute zu Wachsamkeit und Wehrhaftigkeit, "um unser aller Freiheit und die Demokratie zu sichern". Autoritäre, freiheitsfeindliche Tendenzen, Rassismus und Antisemitismus seien "eine existenzielle Gefahr für unser Gemeinwesen", so Müller.

Gelöbnis im Bendlerblock

In Erinnerung an das Attentat wurden an der Gedenkstätte Berlin-Plötzensee am Mittag Kränze niedergelegt. In Plötzensee unterhielten die Nationalsozialisten ein Strafgefängnis, in dem zahlreiche Beteiligte am Attentat des 20. Juli inhaftiert und hingerichtet wurden.

Am Nachmittag legten Bundeswehr-Rekrutinnen und -Rekruten auf dem Paradeplatz am Bendlerblock, dem Berliner Dienstsitz des Verteidigungsministeriums, ihr feierliches Gelöbnis ab.

Gedenken an Widerstandskämpfer vom 20. Juli in Neuhardenberg
Bild: rbb / Karolina Szulejewska

Gedenken auch in Neuhardenberg

Auch in Neuhardenberg wurde des Widerstands gegen Hitler gedacht. Rund 30 Politiker, Anwohner und Nachkommen erinnerten an die NS-Widerstandskämpfer, die auf Schloss Neuhardenberg das Attentat auf Adolf Hitler vorbereitet hatten. Unter den Offizieren, die 1944 gegen Hitler konspirierten, war neben Claus Graf Schenk von Stauffenberg auch Carl-Hans Graf von Hardenberg, dem das Schloss damals gehörte.

Sein Großneffe Henrich war einer der Besucher des Gedenkgottesdienstes in der Kirche am Schloss. Die Erinnerung an die Widerstandskämpfer sei "wahnsinnig wichtig", sagte von Hardenberg dem rbb. "Wir können auf den Spuren meiner Vorfahren in Freiheit und in einem Rechtsstaat leben." Militärpfarrer Otto Adomat leitete die Zeremonie. "Diese Männer, die sich als Soldaten nicht in ihrem Gewissen haben verbiegen lassen, sind eine großartige Grundlage in den Traditionsbeständen der Bundeswehr", sagte er dem rbb.

Verschwörer im Bendlerblock erschossen

Am 20. Juli 1944 hatten Wehrmachtsoffiziere um Claus Schenk Graf von Stauffenberg vergeblich versucht, Hitler mit einer Bombe zu töten und den Krieg zu beenden. Stauffenberg und drei Mitverschwörer wurden noch am Abend des Attentats im Innenhof des Bendlerblocks erschossen. In den folgenden Wochen und Monaten richteten die Nazis rund 90 weitere Beteiligte und Unterstützer hin.

Sendung: Abendschau, 20.07.2021, 19:30 Uhr

21 Kommentare

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  1. 21.

    @Jörg BB: das Problem ist, er hat(spät) erkannt, das der Krieg sinnlos ist und wollte ihn verkürzen und somit Menschenleben retten (sohingegen eine Tat, die Respekt verdient). Eine Beseitigung des Systems war, so sehe ich das, nicht geplant.

  2. 20.

    Was ist daran schlimm, dass jemand aufwacht und seine Einstellung ändert (das machen wir alle irgendwann). Was zählt, ist, dass er den Mut hatte, den Hauptverbrecher auszuschalten.

  3. 19.

    Ich sehe es ähnlich wie Dagmar uns Alice: Man sollte die Tat nicht kleinreden aber sie kam sehr spät. Und geplant war sicher nicht die Beseitigung des Systems. Die Aktionen von Georg Elser, der weißen Rose oder auch der Roten Kapelle (übrigens kein kommunistischer Zusammenschluss sondern von den Nazis so genannt) hätten eine solche Ehrung eher verdient.

  4. 18.

    Ich frage mich, warum hier soviel polemisiert wird. Sonst haut doch immer jemand einen Wiki-Link raus. Zu unbequem?
    Einfach mal lesen. https://de.wikipedia.org/wiki/Claus_Schenk_Graf_von_Stauffenberg

    z.B.
    "In einem Feldpost-Brief vom 19. Mai 1940 zeigte sich Stauffenberg von dem sich abzeichnenden militärischen Sieg über Frankreich tief beeindruckt:

    „Seither erleben wir in erschütternder Form den Anfang des Zusammenbruchs einer großen Nation, nicht nur militärisch, sondern auch psychisch (...) Uns geht es köstlich. Wie sollte es auch anders sein bei solchen Erfolgen.“

    – Claus Schenk Graf von Stauffenberg[53]"

    Helden sehen für mich anderes aus. Dieser wurde wohl eher aus seiner Not geboren - zweifelhaft. Aber er hat es versucht. Besser spät als nie. Dafür zolle ich ihm ein wenig Respekt.

  5. 16.

    Ja, auch andere waren vor Hitler Berufssoldaten, einige haben dann vom Hitler Abstand genommen, es stand auch den Oberst Stauffenberg frei dies zu tun.

    Meine Großeltern waren garantiert nicht dabei, als in von Nazis besetzten Land lebend, und von diesen verfolgt und letztlich mein Großvater in KZ ermordert, dürfte wohl als Beweis gelten.

  6. 15.

    Womit ich noch ein Problem habe ist der Begriff Hitlerdiktatur, besser wäre Faschismus!

  7. 14.

    Meine rechte Ecke?
    Ohne Oberst Stauffenberg und Co. hätten die Nazis in so vielen Ländern ihren Vernichtungswahn gar nicht nachegehen können, und nun wird in Deutschland eine Relativierung dieser Wegbereiter betrieben. Für mich ist das schwer zu ertragen.

  8. 13.

    Nach dem Krieg waren alle maximal Mitläufer oder insgeheim Gegner nur zwei oder drei Personen hatten das System unterstützt und die Gegner saßen im KZ.
    So einfach kann man sich die Geschichte auch machen.
    Die Verschwörer vom 20. Juli haben durchgehend den Staat unterstützt und erst als das Ende erkennbar wurde haben diese versucht ihre Haut zu retten.

  9. 12.

    Eine absolut vernünftige Frage! Die einzige Änderung, die dieses Attentat im Falle einer geglückten Aktion nach sich gezogen hätte, wäre die Beendigung des Zweiten Weltkrieges gewesen. Alles andere, angefangen bei den Blockwarten bis hin zum Holocaust, wäre weitergegangen.
    Die Bekenntnisse der Politiker, bei denen man eigentlich von einer grundständigen Allgemeinbildung ausgehen sollte, zu den Attentätern des 20. Juli 1944, ekeln mich regelrecht an. Wahre Widerstandskämpfer waren die "Weiße Rose" und vor allem Georg Elser und nicht irgendwelche systemanhängigen Militärstrategen.

  10. 11.

    Genau das ist das engstirnige Denken was ich anprangere. Was es nach ihrer Aussage geht gab es ca. 60 Millionen Nazis. Ich gehe mal davon aus das ihre Großeltern auch Nazis waren. Ich spitze die Sache nur zu weil sie jeden unterstellen das er Nazi war . übrigens Staufenberg ist schon vor Hitlers machtergreifung Berufssoldat gewesen.

  11. 10.

    Ihre Relativierungsversuche aus der rechten Ecke sind durchschaubar.
    Letztendlich hat er verstanden das der größte Verbrecher aller Zeiten getötet werden muss und hat mit vielen anderen sein Leben dafür gegeben.

  12. 9.

    Eine ganze Reihe hochdotierter Militärs, die in der Lage waren halb Europa zu erobern und zu versklaven, waren nicht in der Lage Hitler zu beseitigen. Dabei war die Motivation für diesen Anschlag sicherlich nicht die Errichtung einer parlamentarischen Demokratie sondern der Erhalt der jetzt gefährdeten Privilegien. Eine Leistung wie die Männer des 20. Juli hatte auch Georg Elser im Alleingang vollbracht. Er hatte schon frühzeitig erkannt, welchen Weg das deutsche Reich gehen würde, falls die Nazis die Macht behalten sollten. Im ging es alleine um Deutschland. Latifundien und Privillegien hatte er nicht besessen und deshalb auch nicht zu verteidigen. Deshalb wäre der 08.11. (Elser Attentat 08.11.39)als Gedenktag wesentlich besser geeignet.

  13. 8.

    Nicht zu vergessen, dass der Oberst Stauffenberg zu dieser Clique selbst gehörte, bis 20. juli 1944..

  14. 7.

    Der Oberst Stauffenberg, der war kein rekrutierter Soldat, sondern ein Oberst der in der ersten Reihe die Tschechoslowakei zerschlagen hat, ebenso in Polen und Frankreich einmarschiert ist, um den Nazi - Schergen den eroberten Raum für ihre Rassen -Vernichtungs - Politik zu übergeben.
    Fazit, von Anfang an bis Juli 1944 hat dieser Herr diese Vernichtungsmaschinerie mitgetragen, erst dann, als er für Deutschland die " Fälle davon schwimmen sah " hatte er VERGEBENS versucht den Hitler zu beseitigen.




  15. 6.

    Die Geschichte und der aktuell herrschende Zeitgeist definieren Helden bzw Heldentaten.

  16. 5.

    Nazis wie Hitler und seine Clique zu töten ist immer eine Heldentat!

  17. 4.

    Mit der Heldenvokabel bin ich grundsätzlich vorsichtig, gleich auch wäre es faktisch ein Segen für dieses Land gewesen, wenn der auf Hitler zugeschnittene Machtapparat ins Wanken gekommen wäre und mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit zum Einsturz.

    Wenn die Verhältnisse durchweg menschenverachtend geworden sind, dann ist auch ein Tyrannenmord gerechtfertigt, gleich erstmal, wer ihn aus welchen Motiven heraus verübt. Zahllose Versuche hat es dazu gegeben, leider nicht von Erfolg gekrönt, sodass weitere Millionen Menschen ihr Leben ließen, ein verheerender Kulturverlust eintrat: des jüdischen Teils der Bevölkerung wie auch baukultur-historisch vor allem in den großen Städten.

  18. 3.

    Welche Heldentaten haben Sie den in Ihren Leben schon vollbracht? Für mich ist jeder der den versuch unternommen hat Hitler zu töten ein Held. Egal ob er Soldat, Bankangestellter oder sonst was war. Nicht jeder Soldat der Wehrmacht war oder ist ein Faschist gewesen. Genau diese Differenzierung erwarte ich von gebildeten Bürgern dieses Landes

  19. 2.

    es ist zu vermuten, dass Sie nicht in dem verrückten "staat" von 33-45 leben mussten. Als Außenstehender lassen sich leicht coole Sprüche formulieren.

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