Innere Sicherheit - Berlin eröffnet Teile des neuen Anti-Terror-Zentrums

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Video: Abendschau | 19.07.2021 | Tobias Schmutzler | Studiogespräch mit Andreas Geisel | Bild: Jörg Carstensen/dpa

Auch als Konsequenz aus dem Anschlag am Breitscheidplatz hat Berlin nun ein eigenes Anti-Terror-Zentrum. Dort wird der Kampf gegen Terrorismus gebündelt: In dem Gebäudekomplex in Tempelhof sollen am Ende 1.200 Beschäftigte arbeiten.

Der Berliner Innensenator Andreas Geisel (SPD) hat am Montagvormittag die ersten beiden Teile des neuen Anti-Terror-Zentrums an Polizeipräsidentin Barbara Slowik übergeben. Künftig werden in dem Gebäude in Tempelhof die Bereiche Operative Dienste sowie der Polizeiliche Staatsschutz des Landeskriminalamtes an einem Ort zusammenarbeiten.

Im Herbst sollen zunächst rund 200 Dienstkräfte in das neue Anti-Terror-Zentrum umziehen, Platz bietet es für 1.200 Beschäftigte. Endgültig fertig soll das Zentrum im Sommer 2022 sein. In den 400 Räumen können unter anderem auch Vernehmungen stattfinden, außerdem werden Übersetzer hier arbeiten.

Geisel sprach von einem "Meilenstein", indem man eine zentrale Infrastruktur im Kampf gegen Terrorismus und Schwerstkriminalität schaffe. Polizeipräsidentin Slowik betonte die Ausnahmestellung Berlins. "Bundesweit sind wir mit so einer Ausstattung derzeit die einzigen." Zeit spiele bei der Anti-Terror-Gefahrenabwehr und auch im Falle eines Anschlages eine wichtige Rolle.

Geisel erwartet schnelleren Informationsaustausch

"Wir hatten zu wenige Staatsschützer im Ergebnis des Anschlags am Breitscheidplatz", erläuterte Geisel in der rbb-Abendschau. "Dann haben wir die Zahl verdoppelt. Das hat dann nochmal die Raumkapazitäten besonders eng gemacht." Auch die Zusammenarbeit zwischen den Bundesländern habe nicht gut funktioniert. Nun könnten Informationen schneller ausgetauscht werden.

Geisel wies außerdem Bedenken zurück, wonach das Gebäude leicht ausspähbar sei. Es verfüge über fünf Eingänge und auch über eine unterirdische Verbindung zur Garage, so dass ausrückende Beamte nicht identifiziert werden könnten. Die Spezialfahrzeuge würden in einem gesonderten Haus untergebracht, so dass eine Ausspähung nicht möglich sei, so Geisel.

GdP: Platzprobleme des LKA nur zu einem Drittel gelöst

Auch die Gewerkschaft der Polizei begrüßte, dass die Anti-Terror-Einheiten des Landeskriminalamtes (LKA) künftig an einem Ort gebündelt werden. Insbesondere betreffe dies die LKA-Abteilung 8, zuständig für Islamismus und Terrorabwehr, sowie die Abteilung 6, Spezialeinsatzkommandos (SEK) und Observationseinheiten. Die zentrale Lage und die Nähe zur Autobahn seien entscheidend, hieß es.

GdP-Sprecher Benjamin Jendro gab jedoch zu bedenken, dass der Personalbedarf bei der Berliner Polizei stetig wachse. "Wir werden schnell feststellen, dass wir hier an die räumlichen Kapazitäten kommen", beonte er. Das neue Gebäude löse laut LKA derzeit ein Drittel des gesamten Platzproblems.

Reaktion auf Breitscheidplatz-Anschlag

Die neue Einrichtung ist auch eine Reaktion auf den Anschlag am Breitscheidplatz im Dezember 2016, bei dem insgesamt zwölf Menschen getötet wurden. Die Kosten belaufen sich insgesamt auf rund 47 Millionen Euro. Das ehemalige Reichspostzentralamt am Tempelhofer Damm steht unter Denkmalschutz und musste teilweise mit durchschusssicheren Fenstern und einer neuen IT-Technik ausgestattet werden.

Neu gebaut werden soll noch ein Gebäude mit Sporträumen, Hörsaal und Flächen für Spezialfahrzeuge. Über einen unterirdischen Gang sollen die Spezialkräfte geschützt ins Hauptgebäude kommen. Das Areal soll von einem blickdichten Zaun umgeben sein.

Sendung: Inforadio, 19.06.2021, 12:40 Uhr

11 Kommentare

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  1. 11.

    Wobei der Rechtsextremismus mit Abstand der gefährlichste ist. Rechtsextremisten sitzen bereits in unseren Parlamenten!

  2. 10.

    In der Tat ist das auch eine Frage des Menschenbildes, ob es nun eine klar definierte Gruppe von Terroristen gibt und demgegenüber eine klar definierte Gruppe wohlanständiger Bürger. Auch Angehörige des Remmo-Clans, wenn jetzt von Clan-Kriminialität die Rede ist, sind im Laufe der Zeit dazu geworden, aber keineswegs als solche geboren. Irgendwann ist der Kipp-Punkt erreicht.

    Damit soll nichts bagatellisiert werden, wobei ja immer gleich dieser Vorwurf im Raum steht, vielmehr kann Aufschluss gewonnen werden, wo aus Frustration heraus Gewalt entsteht und durch ein einschlägiges Umfeld begünstigt wird. Bleiben solche Gedankengänge außen vor, gerät die Angelegenheit zu einer rein technischen Angelegenheit. Entweder ist Terror da oder aber, er ist nicht da.

    Da sollte schon das Beispiel Bin Laden dagegen stehen - als hochgeachteter Geschäftsmann zu Zeiten der sowjetruss. Okkupation in Afghanistan, von den USA seinerzeit quasi zum Freiheitskämpfer stilisiert.

  3. 9.

    Sind die in die Rigaer gezogen? (LOL)

  4. 8.

    Sie haben etwas vergessen:

    -Wirtschaftskriminalität
    -organisierte Kriminalität allgemein
    -Korruption und Amtsmissbrauch allgemein

    Die Schäden dürften sich im Billionenbereich bewegen. Da kommt ein Al Quaida Terrorist oder ein An Nusra a.k.a. IS Kämpfer nicht mit.

    Und ein Pro-Tip am Rande:
    Wenn das Terrorzentrum dann ordentlich arbeitet, werden Querverbindungen zwischen allen Bereichen sichtbar.

    Also ran an die Buletten!

  5. 7.

    Auf welche Quellen bezieht sich Ihre Aussage?
    Die Anzahl der Opfer von terroristisch motivieren Straftaten liegt bei über 1300. Ab welcher Opferzahl scheint Ihnen ein Einschreten lohnenswert?

  6. 6.

    Ein guter Plan. Momentan sind drei große Quellen von gewaltbereitem Extremismus in Deutschland auszumachen:
    1. Rechtsextremismus
    2. Linksextremismus
    3. Islamistischer Extremismus

    Fallweise wird man je nach Lage seine Aktivitäten auf einen Schwerpunkt bündeln müssen.

  7. 5.

    " Im Moment scheint der Rechte Terror eine recht große Gefahr darzustellen. "
    https://www.berlin.de/polizei/verschiedenes/polizeiliche-kriminalstatistik/
    PDF bei "Politisch motivierte Kriminalität in Berlin 2020 – Kurzüberblick" verfügbar

  8. 4.

    Um bei ihrem Stil zu bleiben: Ich kann mir nicht vorstellen, das sie es lustig finden, wenn neben ihnen jemand die Reißleine zieht und kein Fallschirm im Rucksack ist.

  9. 3.

    Der Sinn Ihres Kommentares verhöhnt die Opfer, bitte geben Sie Ihren Kommentaren einen humanistischen Inhalt, im Moment empfinde ich hier nur die Verharmlosung von Terror. Terror kann man übrigens verhindern und jede schnelle und länderübergreifende Maßnahme schützt. Im Moment scheint der Rechte Terror eine recht große Gefahr darzustellen.

  10. 2.

    Ja danke endlich, Terrorismus ist ja tatsächlich unser größtes Problem zur Zeit, glaube mehr als 30 Tote innerhalb von 50 Jahren Terror, das muss aufhören.

  11. 1.

    Leider müssen auch die Ursachen bekämpft werden.
    Solange sich Kriminelle in Deutschland und Berlin pudelwohl fühlen und volle Rückendeckung durch Grundrechte bis ins Detail genießen, wird sich die Lage nicht bessern.

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